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Psychotherapie
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42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Jena - Neuer Vorsitzender will Psychologen auch bei GenomforschungJena/Göttingen/London (27.09.2000) - Zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms sind nach Ansicht des Jenaer Entwicklungspsychologen Rainer K. Silbereisen auch die Psychologen gefragt. Mit ihrer Hilfe könne geklärt werden, welcher genetische Code für welches Verhalten steht, sagte der Professor am Mittwoch vor Journalisten in Jena. Das sei ein Beispiel für die gewaltigen Veränderungen in der Forschung. Deshalb müssten die Psychologen neue Koalitionen mit anderen Disziplinen schmieden, von der Sozialwissenschaft bis zur Biologie.Der 56-jährige war am Vorabend auf dem 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Jena mit großer Mehrheit als Nachfolger von Rainer H. Kluwe zum neuen Präsidenten der Gesellschaft gewählt worden. Silbereisen verwies auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Untersuchungen zum riskanten Verhalten von Jugendlichen, das teils mit einer Variante eines Gencodes zusammenhänge, der das Erregungssystem des Menschen beeinflusse. Auch das Gehirn verändere seine Struktur und bleibe ein Leben lang plastisch, erläuterte Silbereisen. "Heute weiß man, dass sich im Jugendalter genau jene Areale im Gehirn ändern, die damit assoziiert sind, ob wir wilde Sachen toll finden." Das bedeute, dass der Wandel in den emotionalen Bewertungen wie Riskantes, Lautes oder Wildes sein Pendant in der stärkeren Ausschüttung von Hormonsubstanzen in solchen Hirngebieten finden, die für das Gefühl verantwortlich sind. Bei aller Euphorie der Entwicklungspsychologie sind der Verknüpfung von Genetik und Verhalten enge Grenzen gesetzt: Die Funktion der Gene und ihr komplexes Zusammenspiel wird die Wissenschaftler noch Jahrzehnte beschäftigen. Zwar ist schon jetzt eine Reihe von Krankheiten vorhersagbar, die nur auf einem Gen beruhen. Kaum ein Forscher glaubt jedoch, dass der Mensch einmal komplett durchleuchtet und frei manipulierbar sein wird. "Alle höheren komplexen Funktionen lassen sich nicht einfach im Erbgut entdecken", sagt der Biochemiker Friedrich Cramer, Autor und emeritierter Professor vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen. "Allein die Schönheit einer Frau hängt von so vielen Faktoren ab. Wichtig ist auch das Individuelle. Denken Sie an Barbra Streisand." Auch die Intelligenz lasse sich kaum durch Gentechnik beeinflussen. "Die Intelligenz ist als solche nicht vererbbar, sondern nur das Gehirn", sagt Cramer. Was mit den jeweils gegebenen Denkstrukturen gemacht werde, hänge vor allem von der Förderung in der Kindheit ab. Die beste Motivation sei spielerisches Lernen mit Spaß dabei. "Das gilt bis ins höchste Alter." Robert Plomin vom Institute of Psychiatry (London) und John deFries von der University of Colorado (Boulder) gehen von mindestens 20 Genorten aus, die mit dem Intelligenzquotienten zusammenhängen. Zudem seien 100 einzelne Gen-Mutationen bekannt, die jede für sich die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen, schreiben sie im Magazin "Spektrum der Wissenschaft" (12/1999, S.28). Die Gehirnfunktion resultiere "so gut wie sicher aus dem subtilen Zusammenspiel zahlreicher Erbfaktoren." So sei sie nicht sicher vorauszusagen, sondern liege in einem Wahrscheinlichkeitsbereich. Nach einem Kongress-Beitrag des Münchner Professors Dieter Frey gehören zur Zivilcourage das Wissen um alternative Handlungsmöglichkeiten und soziale Kompetenz. Bei einer Studie mit Mitarbeitern der Münchener Polizei absolvierten die Beamten einen Abendkurs über Verhalten in speziellen Situationen, die schnelles Handeln und Zivilcourage erforderten. "Appelle zur Zivilcourage allein helfen nichts", benannte Frey das Fazit. Die Spielregeln dafür müssten in Kindergärten, Schulen, Betrieben und Einrichtungen vereinbart und in den Massenmedien verbreitet werden. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 27. September 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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