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Kopfschmerz und Hyperaktivität bei Kindern: Verhaltensmedizinische Ambulanz vereint Ärzte, Psychotherapeuten und PädagogenKiel (23.09.2000) - Kindern mit Dauerkopfschmerz, Hyperaktivität, Asthma, Neurodermitis oder Epilepsie kann in Schleswig-Holstein möglicherweise bald besser geholfen werden. "Dazu müssen Eltern und Lehrer stärker mit einbezogen werden", sagte der Direktor des Instituts für medizinische Psychologie der Universität Kiel, Prof. Wolf-Dieter Gerber, am Sonnabend in Kiel am Rande eines wissenschaftlichen Kongresses in einem Gespräch.Gerber ist Mitinitiator des in Deutschland einmaligen Modellprojekts "Kieler Verhaltensmedizinische Ambulanz für chronisch kranke Kinder und Jugendliche" (KIVA). Dort sollen Krankheiten, die sich über Monate oder Jahre oft wiederholen und für die neben organischen Ursachen auch psychische festzumachen sind, erstmals von Ärzten, Psychotherapeuten und Pädagogen gemeinsam behandelt werden. "Etwa ein Drittel aller Kinder zwischen sechs und 16 Jahren leidet unter einer chronischen Krankheit", sagte Gerber. So gebe es in Schleswig-Holstein jeweils 50.000 Kinder mit Kopfschmerzen und Hyperaktivität sowie 25.000 mit Asthma. "Viele der betroffenen Kinder gehen gar nicht zum Arzt, weil die Eltern ihnen in Eigenregie Medikamente verabreichen", sagte Gerber. "Eine andere Statistik belegt, dass 10 Prozent aller Dialyse-Patienten (Menschen mit Nierenversagen) Kopfschmerzpatienten sind, die zu viele Schmerzmittel eingenommen haben." Um diesen Fehler zu vermeiden, soll der richtige Umgang mit der Krankheit in einem frühen Stadium in der Therapie gelernt werden, bevor sich über Jahre falsche Methoden einschleifen. Ursache mancher chronischen Krankheiten sei vermutlich eine genetische Veranlagung, sagte Gerber. "Bei Migränepatienten ist es zum Beispiel so, dass der Energiespeicher in den Zellen des Gehirns von Geburt an vermindert ist." Das Kind versuche dann unbewusst, den Speicher zum Beispiel durch Süßigkeiten und Bewegung aufzutanken. Auch fielen die betroffenen Kinder häufig durch eine Überempfindlichkeit gegen Reize wie Gerüche und Lautstärke auf. Deshalb habe die KIVA die Schildkröte für das Logo ausgewählt: "Migränepatienten sind wie Schildkröten ohne Panzer: gegen Reize von außen ungeschützt." Eine Reizüberflutung durch Handys, Computer oder Walkman könne dann zu Migräne führen, sagte Gerber. Ein neuer Therapieansatz sei ein Reizverarbeitungstraining, das den Kindern helfen soll, mit ihrer Krankheit umzugehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Behandlung von Hyperaktivität. "Eltern versuchen oft, ihre kranken Kinder besonders zu behüten. Aber gerade das ist ungünstig für die Kinder, weil es ihre Selbstständigkeit hemmt", sagte Gerber. Auch Lehrer helfen den Kindern nicht, wenn sie sie für Unkonzentriertheit und "Zappeligkeit" mit schlechten Noten bestrafen. "Hyperaktivität ist eine Krankheit, kein bösartiges Verhalten", sagte Gerber. "Wenn das Kind zu stark gebremst wird, wird es aggressiv. Sport kann helfen, die Energie herauszulassen." Eine neue Behandlungsmethode sei das "Neuro-Feedback": Damit könnten Patienten durch Rückmeldung über einen Computer ihre überhöhte Hirnaktivität senken. Nicht jedes Kind, das durch Hyperaktivität und "Zappeligkeit" auffällt, ist tatsächlich ein krankes Kind. Auch hochbegabte Kinder können so reagieren, wenn sie in der Schule massiv unterfordert und gelangweilt sind. Wird die Hochbegabung (bei etwa zwei von 100 Kindern) nicht rechtzeitig erkannt und angemessen gefördert, können diese Kinder krank werden. Etwa fünfzig Prozent aller Hochbegabten scheitern deshalb vorzugsweise wegen psychischer Probleme. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 23. September 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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