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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Hypnose kann Farbwahrnehmung im Gehirn verändern - Wirksamkeit von Hypnose dennoch sehr eingeschränkt

Cambridge, Mass. (12.09.2000) - Wirkt Hypnose oder wirkt sie nicht? Mit dem aufwendigen Verfahren der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), das den Stoffwechsel der Nervenzellen bei der Informationsverarbeitung sichtbar macht, konnten Wissenschaftler der Harvard Universität nachweisen, dass sich die Wahrnehmung von Farben unter Hypnose verändert.

Der Psychologe Stephen M. Kosslyn und sein Kollege William Thompson von der Harvard Universität hypnotisierten acht Testpersonen und zeigten ihnen verschiedene Bilder mit grauen oder farbigen Formen. Beim Betrachten der Farbbilder wurden die Probanden aufgefordert, sich die Farben wegzudenken. Bei den grauen Bildern sollten sie versuchen, die Farben zu sehen. Während die Testpersonen die Aufgaben durchführten, wurden ihre Hirnaktivitäten mit Hilfe der PET gemessen.

Die Ergebnisse bestätigten die Annahme der Forscher: Unter Hypnose konnte in beiden Gehirnhälften eine neuronale Aktivität nachgewiesen werden. Bei nicht hypnotisierten Personen sprach dagegen nur die rechte Gehirnhälfte an. Das bedeutet, dass die Testpersonen Farben sahen, wo eigentlich nur Grau zu sehen war, und Grau, wo tatsächlich Farben waren. “Was wir jetzt erstmals nachweisen konnten, ist, dass Hypnose die Bewusstseinserfahrung in einer Weise verändert, die unter normalen Umständen nicht möglich wäre", erklärt Kosslyn.

Die unterschiedlichen Ergebnisse führt Kosslyn darauf zurück, dass die rechte Gehirnhälfte wesentlich empfänglicher für Ziele und Erwartungen ist. Diesem Bereich des Gehirns könne man wesentlich leichter etwas vormachen - nämlich Farben zu sehen, wo keine sind - meint der Psychologe. Die linke Gehirnhälfte sei für das logische Denken zuständig und benötige daher einen “Extra-Kick" durch die Hypnose, um sich etwas vorgaukeln zu lassen, was nicht existiere.

Eine derartige Sinnesspaltung dürfte auch für den Erfolg von Hypnosetherapien in der Medizin, etwa bei chronischen Schmerzen, Angstzuständen, oder Schlaflosigkeit verantwortlich sein. Die Forscher geben aber zu bedenken, dass die Hypnosebehandlung nur bei leicht hypnotisierbaren Menschen funktioniere, zu denen lediglich acht Prozent der Bevölkerung zählten. Bei schwer hypnotisierbaren Menschen hatten sich in der Harvard-Studie keine Ergebnisse eingestellt, die linke Gehirnhälfte blieb inaktiv.

Die Akzeptanz dieser Ergebnisse war in Wissenschaftskreisen lange Zeit gering. Drei Jahre lang konnten Kosslyn und seine Kollegen ihre Erfolge nicht veröffentlichen. Nun widmete die Zeitschrift des Amerikanischen Psychiatrieverbandes, das "American Journal of Psychiatry" (Band 157, Seiten 1279-1284), dem Thema eine Titelgeschichte in der August-Ausgabe.

Trotz der zunehmenden Beliebtheit von Hypnose unter Patienten und Behandlern dürfte in Anbetracht dieser Ergebnisse von einer therapeutisch sinnvollen Hypnose-Anwendung nur bei einem sehr kleinen Teil der Menschen auszugehen sein. Die im PET physiologisch nachweisbaren Veränderungen beschränkten sich laut Kosslyn auf
"highly hypnotizable subjects" - also auf nur etwa jeden zwölften Menschen. Tatsächlich wird in der klinischen Praxis häufig als Hypnose verkauft, was allenfalls als Entspannungsübung gelten kann. (bdw)

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 12. September 2000]

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