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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Ärztinnen stellen fest: Männer-Medizin ist für Frauen nicht immer heilsam

Frankfurt/Main/München (14.08.2000) - Frauen sind anders: Sie schneiden in Prüfungen bei gleicher Intelligenz schlechter ab, weil sie weniger Selbstbewusstsein als Männer gelernt haben. Aus demselben Grund lassen sie sich - ebenso von Ärzten und Psychotherapeuten - öfter sexuell missbrauchen. Und auch medizinisch werden sie nach Ansicht des Deutschen Ärztinnenbundes schlechter versorgt als Männer.

Ein neues Medikament werde meist nur an männlichen Testpersonen erprobt, die Dosierung sei daher nicht auf den weiblichen Körper mit dem unterschiedlichen Hormonstatus abgestimmt. Auch dass Frauen bei den gleichen Krankheiten andere Symptome aufwiesen als Männer, finde wenig Beachtung, sagte die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Astrid Bühren, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Ein Herzinfarkt äußere sich bei Männern beispielsweise vor allem durch starke Schmerzen im Brustkorbbereich. Frauen verspürten hingegen oft Schmerzen im Hals, im Oberbauch und im Rücken. "Weil das viele Ärzte nicht wissen, erkennen sie bei Frauen einen Herzinfarkt zum Teil später oder gar nicht."

Nach Ansicht Bührens ist das besonders fatal, weil die Frauen selbst die Symptome nicht kennen und sich erst viel später in Behandlung begäben. "Frauen sterben daher weitaus öfter an Herzinfarkt als Männer", behauptet Bühren. Der Ärztinnenbund fordert ein Umdenken in der Forschung und in der Ausbildung von Ärzten. Zudem müsse auch die Bevölkerung besser aufgeklärt werden.

Ein weiteres Problem sieht der Bund bei der Erprobung neuer Medikamente. "Die Testpersonen für neue Wirkstoffe sind meist Männer", sagte Bühren. Der Grund seien häufig rechtliche Fragen. So müsse zum Beispiel eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Auch die Tatsache, dass durch hormonelle Schwankungen Medikamente zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich wirken, mache Frauen als Testerinnen für viele Firmen und Ärzte unbeliebt.

"Die Dosierung der Medikamente ist daher meist für Männer berechnet", sagte Bühren. "Aber die Anweisung 'zwei Pillen täglich' bedeutet bei einer 50-Kilo-Frau etwas anderes als bei einem 90-Kilo-Mann."

Selbst eine medizinische Dienstleistung fürs "typisch Weibliche" ist, von Männern ausgeführt, nicht immer bekömmlich. Am 30.06.2000 hatte das Münchner Oberlandesgericht (OLG) einer 31-jährigen Patientin ein Schmerzensgeld von 20.000 Mark zugesprochen, nachdem ihr Schönheitschirurg sie sexuell missbraucht hatte (Az: 21 U 2383/97). Der 62-jährige Mediziner war 1995 nach einem Indizienprozess wegen sexuellen Missbrauchs von fünf betäubten Patientinnen rechtskräftig zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Eine der Frauen verklagte ihn danach auf Schmerzensgeld. Die OLG-Richter waren überzeugt, dass die damals jung verheiratete Frau 1993 bei der Entfernung einer Warze unter Vollnarkose von dem Prominenten-Arzt missbraucht wurde. Dagegen spreche nicht, dass sie sich eine Woche nach dem Eingriff von dem Chirurgen die Fäden ziehen ließ und ihm bei späteren gesellschaftlichen Anlässen "mit allgemeiner Höflichkeit" begegnete.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 14. August 2000]

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