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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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"Ein bisschen unorganisiert" und "meistens ziemlich stur" - Psychologisches Profil eines guten amerikanischen Präsidenten

Washington (11.08.2000) - Muss ein amerikanischer Präsident ein umgänglicher und offener Mensch sein, um als Präsident Erfolg zu haben? Oder sind es eher die unzugänglichen Männer, die in die Annalen der Geschichte eingehen? Psychologen mehrerer amerikanischer Universitäten haben sich daran gemacht, das Profil des "guten Präsidenten" zu entwickeln und kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Gute Präsidenten sind oft eher unangenehme Zeitgenossen und auch meistens ziemlich stur. Auf der 108. Annual Convention der American Psychological Association, die jetzt in Washington stattfand, trugen Steven Rubenzer (Houston), Thomas Faschingbauer (Richmond) und Deniz S. Ones (Minnesota) ihre Ergebnisse vor.

"Präsidenten, die erfolgreich sind, setzen sich selbst ehrgeizige Ziele und bringen Himmel und Hölle in Bewegung, um diese Ziele zu erreichen", sagen die Forscher. Theodore Roosevelt sei so jemand gewesen, Grant und Harding nicht, meinen die Psychologen. "Es scheint aber auch, dass es ein Zeichen für die Anwartschaft auf historische Größe ist, wenn ein Präsident ein bisschen unorganisiert ist, wie etwa Lincoln." Ein penibel aufgeräumter Schreibtisch ist daher nur bedingt das Zeichen des erfolgreichen Präsidenten.

Den Präsidenten Lincoln und Washington widmeten die Psychologen besondere Aufmerksamkeit, da sie wohl unbestritten zu den wichtigsten Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte zählen. Doch außer ihrer körperlich imposanten Erscheinungen hatten sie wenig gemeinsam. Washington kann als der große Pflichtbewusste gelten, würde aber wenig Punkte in den Bereichen Offenheit und Umgänglichkeit erzielen. Dafür war er aber auch nicht besonders verwundbar, was ihm half, Stress und Anfeindung auszuhalten.

Lincoln dagegen war ausgesprochen offen, aber sein anderer vorherrschender Zug war sein depressives Wesen. Auch fehlte ihm eine gewisse Geradlinigkeit. "Er war auch bereit, die Wahrheit zu verbiegen", sagen die Autoren der Studie, "obwohl man gerade von ihm immer gern annimmt, dass er ehrbar gewesen sei und die besten Absichten gehabt habe."

Um die Präsidenten klassifizieren zu können, haben die Psychologen acht Profile entwickelt. Jeder Präsident könne mindestens einem dieser Typen zugeordnet werden. Da gibt es die Dominierenden (z.B. Nixon oder Th. Roosevelt), die Introvertierten (John Adams oder Herbert C. Hoover), die "feinen Kerle" (good guys) wie Eisenhower oder Ford, die Unschuldigen (Harding, Grant), die Schauspieler (Reagan, Clinton), die Erhalter (Bush, Ford, Truman), die Philosophen (Lincoln, Jefferson, Carter) und die Extrovertierten (F.D. Roosevelt, Kennedy, Clinton, Th. Roosevelt, Reagan, Jackson, Johnson).

Die meisten amerikanischen Präsidenten der Gegenwart können wohl dem Typus der Extrovertierten zugeordnet werden. Sind die Präsidenten extrovertierter geworden, oder ist es die ganze Gesellschaft, die sich dahingehend verändert hat? Die Psychologen wollen sich in dieser Frage nicht eindeutig festlegen, aber "wenn man die wachsende Bedeutung der Medien bei den Präsidentschaftswahlen in Rechnung stellt, ist der Wandel wohl auf die Präsidenten beschränkt und bezieht sich nicht auf die Bevölkerung", sagen die Autoren. (bdw)

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 11. August 2000]

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