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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Jeder Mensch ist musikalisch - Doch laute Musik mindert statt Ärger nur das Gehör

München/Freiburg/Berlin (04.08.2000) - Jeder Mensch ist musikalisch. Das haben Hirnforscher am Leipziger Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung herausgefunden. Auch vermeintlich unmusikalische Menschen seien demnach musikalisch höchst sensibel, teilte die Max-Planck-Gesellschaft am Freitag in München mit.

Nach Erkenntnissen der Forscher besitzt offenbar jeder Mensch ein musikalisches Grundverständnis im Gehirn und verarbeitet Musik und Sprache in ähnlicher Weise. Das Gehirn wende sein musikalisches Wissen automatisch an, fand der Leipziger Wissenschaftler Stefan Kölsch heraus.

Bei allen Beteiligten - auch den vermeintlich unmusikalischen - war anhand von Nervenreaktionen nachweisbar, dass falsche Akkorde unbewusst eindeutig erkannt wurden. Die Musik sei ursprünglich ein Kommunikationsmittel gewesen und sei es auch geblieben, erklärte Kölsch. "Wir sprechen mit Rhythmen, mit Melodie, mit einem bestimmten Timbre. Das sind alles musikalische Begriffe."

In weiteren Untersuchungen stellte der Forscher fest, dass das Sprachnetzwerk im Gehirn auch durch Musik angeregt werden kann. Bisher vermuteten die meisten Experten, das nur Wörter das Sprachzentrum im Gehirn aktivieren.

Die Ergebnisse der Studien werden sich den Angaben zufolge auch medizinisch nutzen lassen, etwa durch Musiktherapie bei Sprachstörungen von Kindern. Ebenso können man mit entsprechenden Untersuchungen an Koma-Patienten feststellen, welche Gehirnfunktionen noch aktiv seien.

Selbst Krebszellen reagieren auf eine Art Klangtherapie. Mit Hilfe von Beschallung sei es Forschern der Freiburger Universitätsklinik für Tumorbiologie gelungen, das Wachstum von Krebszellkulturen zu verlangsamen. Wie die "Ärzte-Zeitung" am 08.02.2000 berichtete, erzielten die Wissenschaftler bei dem Pilotversuch, an dem auch das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg beteiligt war, eine Wachstumshemmung von mehr als 20 Prozent.

Die Forscher beschallten in Laborgefäßen die Krebszellkulturen eines Lungenkarzinoms mit Tönen aus einem Mini-Lautsprecher. In der Kontrollgruppe von Kulturen, die ebenfalls dem magnetischen Feld der Lautsprecher, nicht aber den Tönen ausgesetzt wurden, habe sich das Wachstum der Zellen nicht verlangsamt, zitierte die Zeitung den Leiter des Heidelberger Zentrums, Prof. Volker Bolay.

Als probates Mittel gegen schlechte Gefühle taugt Musik dagegen nicht uneingeschränkt. Wenn Jugendliche den Lautstärkeregler ihrer Musikanlage richtig aufdrehen, weil sie Ärger und Enttäuschung abreagieren wollen, lassen sie eher die Sinneszellen ihres Gehörs absterben als dass sie die Ursache ihres Unbehagens beseitigen. Nach Angaben von Prof. Hartmut Ising vom Bundesumweltamt sind allein durch lautes Musik hören zum Beispiel über Kopfhörer bei jedem zehnten Jugendlichen irreparable Hörverluste zu erwarten. Nicht selbstschädigend ist hingegen das Erlernen zwischenmenschlicher Problemlösestrategien. Es lässt die Musik ihre schönste Seite entfalten: einen das Gehirn harmonisierenden Klanggenuss.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 04. August 2000]

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