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 Psychotherapie News  Juli 2000   Psychotherapie
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Carl Gustav Jung - Der Schweizer Psychoanalytiker wurde vor 125 Jahren geboren

Genf (26.07.2000) - Mit seiner Sommerakademie hat das C.G.Jung-Institut in Küsnacht gerade wieder ein hochkarätiges Programm absolviert. Die von Carl Gustav Jung 1948 gegründete Stiftung, die Psychoanalytiker ausbildet, bot eine Reihe von Vorträgen über Depression und Traumdeutung im Jungschen Sinne. In diesem Jahr konnten die Studenten ein besonderes Fest feiern: Carl Gustav Jung, einer der bedeutendsten Seelen- und Mythenforscher des 20. Jahrhunderts, wurde am 26. Juli vor 125 Jahren in Kesswil in der Schweiz geboren.

C.G. Jung schloss sein Studium der Medizin in Basel 1900 mit der Dissertation "Zur Psychologie und Pathologie sogenannter okkulter Phänomene" ab, für die seine medial begabte Cousine Helene Preiswerk ihm als Studienobjekt gedient hatte. Jung war mit Sigmund Freud und Alfred Adler einer der Begründer der Tiefenpsychologie. Zunächst Freuds Lieblingsschüler und von ihm als "Kronprinz" tituliert, setzte sich der Schweizer aber schon früh von seinem Mentor ab. 1912 schrieb Jung an Freud: "Sie weisen rund um sich herum allen Symptomhandlungen nach, damit setzen Sie die ganze Umgebung auf das Niveau des Sohnes und der Tochter herunter ... Unterdessen bleiben Sie immer schön oben als Vater." Jung lehnte die zumeist auf das Sexuelle bezogenen Erklärungen psychischer Vorgänge bei Freud ab. 1912 kam es durch Jungs Buch "Wandlungen und Symbole der Libido" zum Bruch.

Er begründete seine eigene Richtung der Tiefenpsychologie, in der er neben dem persönlichen Unbewussten auch ein kollektives Unbewusstes anerkannte. Während das erste durch Verdrängung erworben sei, werde das zweite durch die Gehirnstruktur vererbt, schrieb Jung. Diese Anschauung belegte er durch die Erforschung von Mythen, Fabeln, Sagen und Märchen.

Als praktizierender Psychiater wollte Jung einerseits effektive therapeutische Methoden entwickeln, um psychisch Kranken in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu helfen. Sein zweites Anliegen war, empirisch nachprüfbare Methoden zu entwickeln, um die menschliche Psyche zu ergründen. Obwohl er Freuds Ansichten über die Dominanz von Macht- und Sexualtrieb nicht teilte, beging er an seiner Analysantin Sabina Spielrein den ersten dokumentierten Fall von sexueller Ausbeutung in der Therapie. Überdies hielt er sich mit seiner Assistentin Toni Wolff jahrzehntelang eine halboffizielle Zweitfrau.

An Jungs empirischen Daten nahm in den 90er Jahren ein junger amerikanischer Psychologe Anstoß. Richard Noll bezeichnete Jung in seinem Werk "The Jung Cult" als "einen der einflussreichsten Lügner des Jahrhunderts". Im schriftlichen Nachlass von Jung fänden sich zahlreiche Hinweise, dass dieser seine analytische Psychologie auf bewusst gefälschte Daten und Erkenntnisse begründet habe. Die Familie von Jung war empört. Jungs Sohn Franz Jung verlangte, dem unliebsamen Autor jeglichen Zugang zu den Papieren, die in Kopie in der US-Staatsbibliothek in Washington vorliegen, zu verwehren. Der Hinweis auf die Gedankenfreiheit im akademischen Geistesaustausch vermochte die Familie nicht zu beschwichtigen.

C.G. Jung wurde 1875 in Kesswil im Schweizer Kanton Thurgau geboren. Seine Familie stammte aus der Pfalz, sein Vater war Pfarrer. Jung lehrte nach Studien in Basel, Zürich, Paris und London ab 1933 an der angesehenen Eidgenössischen Hochschule in Zürich, ab 1944 als Ordinarius für medizinische Psychologie in Basel. Jung erhielt zahlreiche internationale Ehrungen, darunter mehrere Ehrendoktorwürden und den Goethepreis der Stadt Frankfurt. Er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens zurückgezogen in Küsnacht, wo er am 6. Juni 1961 im Alter von 85 Jahren starb.


Buchtipp - und hier können Sie bestellen...
Jung, Carl Gustav: Gesammelte Werke, Bd. 1-20 (Taschenbuch). Düsseldorf: Walter-Verlag.

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