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Nach
dem Pass 51, biologisch 42 - "Age-Scan" offenbart wahres
Alter
Fürth
(19.07.2000) - Nach dem Pass 51 Jahre, biologisch aber gerade erst
42: Mit täglichem Sport, Entspannungsübungen und
Vitamincocktails nach eigener Rezeptur hat ein Apotheker
erfolgreich sein biologisches Alter um fast ein Jahrzehnt gedrückt.
Die "Bio-Uhr" eines 65-jährigen Rauchers zeigt dagegen
bereits 71 Jahre. Das ergaben erste "Age-Scans" an der
EuromedClinik Fürth. Seit Anfang Juni bietet dort ein Institut
namens "Prevent.Age" Altersanalysen und Maßnahmen gegen
das Altern an. Die Patienten sollen damit lernen, ihre biologische
Uhr langsamer ticken zu lassen - und "erfolgreich" zu
altern.
"Zu uns kommen Gesunde, weil sie noch fitter leben
wollen", berichtet der Gynäkologe Bernd Kleine-Gunk, der
zusammen mit den Urologen Prof. Thomas Ebert und Prof. Bernd
Schmitz-Dräger das neue Institut leitet. Getestet werden zwölf
so genannte Biomarker, darunter Reaktionsfähigkeit, Hörfrequenzen,
Sehvermögen, Tastsinn, Lungenkapazität und Merkfähigkeit. Die
Computeranalyse wurde in den USA an mehr als 2.800 Menschen
"geeicht". Zudem messen die Ärzte Knochendichte,
Hormonspiegel und die Körperzusammensetzung in Fett, Muskelmasse
und Wasser.
Bis zu etwa zehn Jahre, meinen die Mediziner, lässt sich die
biologische Uhr mit entsprechenden Maßnahmen zurückdrehen.
Frischzellenkuren aus den Zellen von Tierföten und Faltencremes
haben allerdings ausgedient: Im Kampf gegen Falten, Haarausfall,
Vergesslichkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit setzten die
Mediziner neben gesundem Lebenswandel und verändertem Denken auch
auf Hormone.
Die Gabe von Sexualhormonen wirkten nicht nur den Wechseljahren
bei Männern und Frauen entgegen, erläutert Kleine-Gunk. Sie
wirkten auch Jugend erhaltend. Aber auch andere Hormone spielten
eine wichtige Rolle. Wachstumshormone etwa werden im Alter von 25
bis 30 Jahren massiv ausgeschüttet; danach geht die Menge stark
zurück. "Die Frage ist, ob das Hormon abfällt, weil man
altert, oder ob man altert weil das Hormon abfällt", resümiert
Kleine-Gunk.
Ein wesentlicher Faktor für den Alterungsprozess ist nach
Auffassung der Fürther Ärzte die Schädigung der Zellen durch so
genannte freie Radikale. Diese aggressiven Moleküle entstehen
unter anderem als Abbauprodukt des Körpers und können zum
Beispiel durch obst- und gemüsereiche Ernährung gebunden werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine positive Lebenseinstellung
und ein gesundes Denken. Ärger und Wut, Hass und Unzufriedenheit
- diese schlechten Gefühle sind die "freien Radikale der
Seele, die die Lebensenergie verpulvern", sagt der
Stuttgarter Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann.
Die meisten Interessenten des neuen "Anti-Aging"-Instituts
kommen aus den gehobenen Schichten. Manager und "Leute die ständig
mehr als 100 Prozent geben müssen" seien die Hauptklientel,
sagt Kleine-Gunk. Schon jetzt zeigen Untersuchungen, dass diese
Menschen eine höhere Lebenserwartung haben - obwohl sie beruflich
einem höheren Stress ausgesetzt ist. "Leute aus den
Oberschichten leben zumeist gesundheitsbewusster", resümiert
der Mediziner. "Rauchen und Übergewicht etwa seien zunehmend
ein Merkmale der Unterschicht."
Die Lebensspanne als maximale Anzahl von Jahren, die ein Mensch
leben kann, ist nach Meinung vieler Mediziner jedoch nicht verlängerbar:
Sie betrage rund 125 Jahre. Auch die Gentechnik könne die
Alterung nicht stoppen. Denn die Teilungskapazität der Zellen ist
begrenzt - der Verschleiß ist nicht zu verhindern. Der
medizinische Fortschritt macht das Altern allerdings angenehmer.
Der Mediziner Kleine-Gunk fasst das Ziel so zusammen: "Anti-Aging
soll nicht nur dem Leben mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben
geben."
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