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 Psychotherapie News  Juni 2000   Psychotherapie
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Eifersucht löste zwei Familiendramen mit sechs Toten aus: Rollenverständnis fördert Kurzschluss-Tat bei Männern

Wietmarschen/Heiligenhaus/Münster/München/Palma di Montechiaro (26.06.2000) - Eine Familientragödie hat am Sonntagabend in Heiligenhaus bei Düsseldorf drei Menschenleben gefordert: Mit einem Messer tötete ein 47-jähriger Medizinprofessor seine vierjährige Tochter und seine Frau; schließlich tötete er sich selbst durch Messerstiche in den Oberkörper. Vor dem Selbstmord rief der Chefarzt des örtlichen Krankenhauses noch seine Schwiegereltern an und erklärte ihnen, er habe soeben Frau und Tochter umgebracht. Die Schwiegereltern alarmierten sofort die Polizei. Die Beamten drangen wenig später in das zweigeschossige Reihenhaus der Arztfamilie ein, konnten aber nicht mehr helfen. Seine 17 Jahre jüngere Ehefrau hatte den Chefarzt zuvor mit Trennungsabsichten konfrontiert, wie Staatsanwalt Ralf Meyer am Montag berichtete.

Ursache dieser sowie einer weiteren Familientragödie waren nach Polizeierkenntnissen Ehestreitigkeiten aus Eifersucht gewesen. Im niedersächsischen Wietmarschen-Lohne bei Nordhorn war am Sonntag ein 35-jähriger Familienvater nach einem Streit mit seiner Ehefrau und deren 45 Jahre altem Liebhaber bei einem Schützenfest nach Hause gefahren. Dort tötete er seinen fünfjährigen Sohn und seine zwölfjährige Tochter durch Kopfschüsse; sein vierjähriger Sohn wurde schwer verletzt. Anschließend richtete der Mann sich selbst.

Tödliche Kurzschlussreaktionen gegen die eigene Familie entspringen nach Ansicht von Experten oft dem traditionellen männlichen Rollenverständnis. "Es gibt eine Häufung solcher Fälle in ländlichen Regionen, wo noch verstärkt konservative Geschlechterrollen vorherrschen", erklärte der Familienpsychologe Hartmut Kasten am Montag. Gerade in engen dörflichen Lebensgemeinschaften empfänden Männer den Ehebruch ihrer Frau als öffentliche Schande, für die sie sich rächen wollen.

"Wenn die Frau ein Verhältnis hat, ist die Identität des Mannes in Frage gestellt, er verliert nach eigener Einschätzung das Gesicht", sagte der Münchener Hochschullehrer. Da in ländlichen Regionen oft ein Waffenschrank in der Nähe sei - bedingt durch Mitgliedschaften in Jäger- oder Schützenbruderschaften - ende die Kurzschlusshandlung oft verheerend mit dem Tod einiger Familienmitglieder.

Das aggressive Durchsetzen ihrer Ziele hätten Männer in der Erziehung traditionell erlernt und immer gedurft. "Sie hören schon als Kinder, dass sie sich wehren müssen, während Mädchen eher zum Nachgeben erzogen werden", begründet Kasten die unterschiedlichen Reaktionen der Geschlechter. "Frauen wählen in solchen Fällen eher die Intrige, schmieden im Verborgenen Rachepläne oder richten ihre Frustration und Aggression gegen sich selbst", sagte der Psychologe.

Ungewöhnlich an dem Fall in Niedersachsen sei, dass die Ehefrau unversehrt blieb. Meistens sei die vermeintlich Schuldige das erste Opfer einer direkten Rache und die Kinder würden "quasi im Blutrausch" ebenfalls getötet. "Doch dies ist fast noch grausamere Rache", betonte Kasten: "Die Kinder mit ins Grab zu nehmen und der überlebenden Frau so zeigen zu wollen, was sie mit ihrem Verhalten ausgelöst hat."

Eine weitere Familientragödie mit fünf Toten auf Sizilien entsprang ebenfalls einem sehr archaischen Rollenverständnis: Ein 51-jähriger Sizilianer hat vier Familienmitglieder erschossen und sich dann selbst getötet. Wie das italienische Fernsehen am 22.06.2000 berichtete, ereignete sich das blutige Drama am Vortag im Ort Palma di Montechiaro nahe der Stadt Agrigent an der Südküste Siziliens. Der Landarbeiter Vincenzo Sambito habe seine 80-jährige Mutter, seine 46 Jahre alte Ehefrau und zwei Töchter im Alter von 22 und 25 Jahren erschossen. Danach habe er die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Sein 47 Jahre alter behinderter Bruder habe verletzt überlebt.

Die Tat wurde im italienischen Fernsehen als ein "Akt des Wahnsinns" bezeichnet. Hintergrund könne eine Krebs-Erkrankung des Täters sein. Ihm sei vor wenigen Monaten ein Tumor entfernt worden. Psychologen sprachen von einem "Blutbad aus Liebe". Der Mann habe sich für den Mittelpunkt der Familie gehalten, deren Zukunft er durch seine Krebs-Erkrankung bedroht gesehen habe.


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