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Jeder
zweite schläft schlecht und spricht nicht darüber:
Unausgeschlafene Deutsche kosten Wirtschaft jährlich viele
Milliarden
Bonn
(20.06.2000) - Übermüdete Mitarbeiter oder Kraftfahrer kosten
die deutsche Wirtschaft jährlich viel Geld. Schlafforscher schätzen
die Kosten und Folgekosten übermüdungsbedingter Unfälle in
Deutschland auf 20 Milliarden Mark im Jahr. Allein vier Milliarden
Mark davon entstünden durch Verkehrsunfälle auf Straßen und
Autobahnen, sagt Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen
Zentrums der Psychiatrischen Klinik der Universität Regensburg.
"Einschlafen am Steuer ist ein wesentlich gravierenderer
Faktor für schwere Unfälle als Alkoholkonsum." Jeder zweite
Verkehrsunfall passiere, weil der Kraftfahrer nicht ausgeschlafen
sei.
Analysieren Schlafforscher schwere Unfälle und Umweltkatastrophen
nach ihren Ursachen, steht für die Wissenschaftler fest: Immer
waren auch Müdigkeit und Übermüdung mit im Spiel. Beispiele wie
die Atomkatastrophe von Tschernobyl, das Tankerunglück der Exxon
Valdez oder der misslungene Start der Columbia-Raumfähre machten
deutlich, dass in der Regel menschliches Versagen und Fehleinschätzungen
auf Grund von Müdigkeit mit für die Ereignisse verantwortlich
waren, bringt es Zulley auf den Punkt. Weil die Wachmannschaft am
Schlafen war, musste 1979 das amerikanische Kernkraftwerk Three
Mile Island stillgelegt werden. "Das kostete
Milliarden."
"Geht es um Schlafstörungen, muss zu allererst nach der
Tagesmüdigkeit der Patienten gefragt werden", betont der
Mediziner. Erst an zweiter Stelle sollten sich Ärzte nach dem
gestörten Nachtschlaf erkundigen. Die häufigsten Formen der
Schlafstörungen seien Durchschlafstörungen oder Atemaussetzer in
der Nacht. Die Reizüberflutung durch die moderne
Leistungsgesellschaft oder der zeitliche Druck, könnten Auslöser
dafür sein, sagt Zulley. "Aber um Leistungen zu erbringen,
muss der Mensch ausgeschlafen sein."
Studien belegen, jeder zweite Deutsche schläft schlecht und
spricht nicht darüber. "Zwei Drittel der Betroffenen gehen
nicht zum Arzt, sagen es ihm nicht oder werden von ihm nicht
danach befragt", erklärt Zulley. Dadurch blieben Schlafstörungen
oft unerkannt und unbehandelt. Für den Mediziner steht fest: Die
Problematik muss in die Öffentlichkeit. An diesem Mittwoch findet
bundesweit erstmals ein "Tag des Schlafes" statt. Zum
Thema "Gestörter Schlaf - Konsequenzen für die moderne
Leistungsgesellschaft" sollen Ärzte für die Problematik
sensibilisiert werden. Schlaflabore laden bundesweit zum Tag der
offenen Tür ein. Das Datum wurde bewusst gewählt: Der 21. Juni
ist die kürzeste Nacht des Jahres.
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