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Bikinifigur
in letzter Minute: Crash-Diäten sind nicht intelligent - und
mindern das Denkvermögen
Frankfurt/Main
(01.06.2000) - Der Flug ist gebucht, der Koffer gepackt und ein
Reiseführer schon erstanden. Die Vorfreude auf den Urlaub könnte
eigentlich ungetrübt sein - wäre da nicht bei der Bikini- oder
Badehosen-Anprobe der Blick in den Spiegel: Während des Winters
haben sich - versteckt unter langen Hosen und Pullovern - Fettpölsterchen
angesammelt. Um in letzter Minute diesen Winterspeck loszuwerden
und die Bikinifigur für den Strand zu erlangen oder den Waschbär-
gegen einen Waschbrettbauch einzutauschen, versuchen viele
Menschen ihr Glück mit Schnell-Diäten oder Fitnessprogrammen.
"Wundermittel" für einfaches Abnehmen gibt es viele -
Experten raten aber zu Vorsicht.
Der Mensch glaubt gern, was er sich wünscht. So locken Pillen und
Pulver, aber auch spezielle Einlagen, Folien oder Elektropads mit
Verheißungen wie "Sie brauchen nichts zu tun, das Fett
verschwindet von selbst" oder "Garantiert zwei Kilo
weniger in zwei Wochen". "Solche Produkte halten aber
meist nicht, was sie versprechen, und eine Garantie kann sowieso
niemand geben", warnt Annette Braun von der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Frankfurt: "Also Finger
weg!" Falls eine Pille tatsächlich den Stoffwechsel anrege,
müsse auf jeden Fall mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden,
so die Ernährungsexpertin.
Bei schnellen Diäten, wie sie im Frühjahr in vielen
Zeitschriften angepriesen werden, wird oft behauptet, dass in nur
wenigen Tagen die Pfunde messbar purzeln. In der Tat verliert man
bei diesen Programmen Gewicht - doch leider oft an der falschen
Stelle. "Bei diesen Blitz- und Crashdiäten, beispielsweise
Quark-, Kartoffel- oder Ananasdiäten, nimmt man zwar ab, aber in
der Regel nur durch den Verlust von Flüssigkeit", sagt
Annette Braun. Erste Erfolge auf der Waage werden innerhalb kürzester
Zeit wieder zunichte gemacht, da sich der Körper die fehlende Flüssigkeit
aus Essen und Getränken wieder zurückholt.
Überdies können Crash-Diäten nach Angaben von britischen
Forschern zu einer vorübergehenden Verminderung der Denkfähigkeit
führen. Eine wissenschaftliche Studie am Londoner King's College
belegt: Crash-Diäten senken das Denkvermögen. Dabei wurden 164
Teenager zwischen zwölf und 14 Jahren untersucht, die mit einer
Diät abnehmen wollten. Sank mit der einseitigen Ernährung auch
der Eisenwert im Körper, fiel der Intelligenzwert um bis zu elf
Prozent unter dem Durchschnittswert. Eisen ist im Körper ein
wichtiger Sauerstofftransporteur. Es ist bekannt, dass ein Mangel
Müdigkeit und Erschöpfung auslöse. Dieser Sauerstoffmangel schränkt
auch die geistige Leistungsfähigkeit ein. Mit der Einnahme von
Eisen ist die Denkfähigkeit wieder gestiegen.
Zu den Crash-Diäten zählten unter anderem Eier- und Brotdiäten
sowie Fastenkuren, bei denen man bis zu drei Kilogramm pro Woche
abnehme. "Fett wird man mit diesen Diäten nicht los",
so die Ernährungsspezialistin Braun. Über einen etwas längeren
Zeitraum hinweg ist es dagegen möglich, zwei bis drei Kilogramm
abzunehmen. Wer ganz extrem Kalorien einspart, insbesondere Fette,
kann vor dem Strandurlaub dabei durchaus ein paar Pfund verlieren.
Doch auch hier hält die Freude meist nicht lange an. "Diäten
sind immer nur reine Kosmetik, keine echte
Gewichtsreduktion", sagt der Ernährungspsychologe Professor
Volker Pudel aus Göttingen. Häufig komme es zum so genannten
Jojo-Effekt.
Bei einer Diät wird Fett- und Muskelmasse abgebaut. Der Körper
stellt sich um und kommt mit weniger Kalorien aus. Wird nach einer
Diät wieder so viel gegessen wie vorher, ist das alte Gewicht
schnell wieder da. Das Fatale daran: Prozentual wird mehr Fett als
Muskelmasse aufgebaut - und nur die Muskelmasse verbraucht
Energie.
Eine Alternative zum radikalen Kalorieneinsparen ist ein
kombiniertes Fitnessprogramm. Gezieltes Ausdauertraining mit
unterstützendem Krafttraining - allerdings kein Bodybuilding -
und eine dem Sport angepasste Ernährung empfiehlt Rolf Krempel
vom Deutschen Fitness- und Aerobik-Verband in Bonn. "In vier
bis sechs Wochen kann man damit einige Pfunde verlieren",
sagt der Ausbildungsleiter. "Auch nach zwei bis drei Wochen
sind schon Erfolge vorhanden." Das Ausdauertraining, etwa
Radfahren, Joggen oder Inline-Skaten, greift einerseits die
Fettreserven an, andererseits wird Muskelmasse gebildet, die
wiederum mehr Energie verbraucht.
Unsinnig sei es allerdings, nach dem Erreichen des
"Minimalziels" mit dem Training und der bewussten Ernährung
wieder aufzuhören und die folgenden elf Monate erneut so zu leben
wie vor der sportiven Urlaubsvorbereitung. "Ideal ist es,
regelmäßig zwei bis drei Mal pro Woche 30 Minuten aktiv zu
trainieren, also zirka eine Stunde für die Fitness zu
investieren", sagt Krempel.
Professor Pudel hält Sport zwar für wichtig - allerdings nicht
um das Gewicht zu reduzieren. "Wichtig ist eine
Essensumstellung", so der Ernährungspsychologe, der
"viele Kohlenhydrate und wenig Fett" empfiehlt. Wer sich
kalorienbewusst ernähre und Fett einspare, habe die besten
Chancen, langfristig sein Gewicht zu reduzieren, so Pudel.
Das bedeutet für den Verbraucher, beispielsweise Streich-, Back-
und Kochfette einzusparen. Aber nicht nur dieses leicht erkennbare
Fett, sondern auch versteckte Fette in Wurst, Käse und Snacks
sollten reduziert werden. Die etwa in Bananen enthaltenen
Kohlenhydrate haben gegenüber dem zum Beispiel in
Schokoladenpralinen versteckten Fett außerdem den Vorteil, dass
man für die gleiche Kalorienzahl vergleichsweise viel essen kann
- und trotzdem sein Gewicht reduziert. "Wer Diäten macht,
hungert. Und wer hungert, macht etwas falsch", so Pudel. Auch
für die Bikinifigur gilt das ohne Abstriche.
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