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 Psychotherapie News  Mai 2000   Psychotherapie
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Fachärzte fordern: Patienten vor Verbraucherverbänden schützen

Berlin/Kiel (03.05.2000) - Die Fachärzte wehren sich vehement dagegen, die Beratung von Patienten auch Verbraucherverbänden zu übertragen. Diese verfügten nicht über ärztlichen Sachverstand und könnten keine qualifizierte Beratung bieten, sagte der Präsident der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB), Jörg-Andreas Rüggeberg, am Mittwoch in Berlin. Den unter Geldkürzungen leidenden Verbraucherverbänden gehe es vor allem darum, sich einen neuen lukrativen Markt zu erschließen.

Die zum Jahresanfang in Kraft getretene Gesundheitsreform sieht vor, Patientenschutz und Patientenrechte zu stärken. Die Krankenkassen sollen jährlich zehn Millionen Mark in Modellvorhaben stecken. Umstritten ist nun, wer diese Aufgabe übernehmen soll. Rüggeberg begrüßte die Absicht, die Patientenberatung zu fördern. Daran müsse aber zwingend die Ärzteschaft beteiligt werden. "Die Patientenberatung ist eine eindeutig ärztliche Aufgabe", sagte der GFB-Präsident und ignorierte in traditioneller ärztlicher Hybris die psychologischen Psychotherapeuten, die ihre Patienten ebenso beraten und behandeln.

Der GFB-Präsident warnte davor, diese Aufgabe "kommerziellen Einrichtungen oder kommerziell auftretenden" Verbraucherverbänden zu übertragen. Neben Verbraucherverbänden würden auch Tochterunternehmen von Privatversicherern in diesen Markt drängen. "Ratsuchende Patienten sind keine Goldesel, sondern haben ein Recht auf kompetente Beratung ohne kommerzielle Hintergedanken."

Rüggeberg plädierte für einen bundesweiten Aufbau von Anlaufstellen nach dem Vorbild der "Unabhängigen Patientenberatung" in Bremen. Das Bremer Muster-Modell werde gemeinsam von Ärztekammer, Krankenkassen und Krankenhausgesellschaft getragen und biete damit die notwendige Neutralität. Die Erfahrungen mit der Bremer Patientenberatung seien "ausgezeichnet", sagte Rüggeberg.

Den jüngsten Vorstoß der Ersatzkassen, Ärzte stärker nach Leistung zu vergüten, bewertete Rüggeberg als zwar nicht neu, aber "sinnvoll". Entsprechende, von den Ärzten entwickelte Honorarmodelle seien aber 1998 am Widerstand der Kassen und des Vorstandsvorsitzenden des Ersatzkassenverbandes, Herbert Rebscher, gescheitert.

Rüggeberg rief die Kassen auf, statt schlagzeilenträchtiger Vorstöße ernsthaft über die künftige Versorgung der Patienten nachzudenken. Bereits heute reiche das begrenzte Geld nicht mehr aus, um eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Die GFB ist der Dachverband von 27 fachärztlichen Berufsverbänden und vertritt über 100.000 Fachärzte in Praxis und Krankenhaus.

Patient im Mittelpunkt: Gütesiegel für Krankenhäuser auf dem Weg

Ein neues bundeseinheitliches Gütesiegel für Krankenhäuser soll den Patienten in den Mittelpunkt stellen. In einer Pilotphase werden sich in Deutschland 25 Krankenhäuser an dem Beurteilungsverfahren beteiligen. Anschließend solle es bundesweit eingeführt werden, sagte Hanns Dierk Scheinert, Projektleiter der Ersatzkassenverbände für Kooperation, Transparenz und Qualität im Krankenhaus, am Mittwoch in Kiel. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Durch dieses Gütesiegel könne sich der Patient mit seinen Leiden und seiner Krankheit "in Zukunft über die Qualität der Krankenhäuser orientieren", sagte Scheinert. Denn jedes Krankenhaus, das ein Zertifikat erhalten hat, müsse anschließend einen Bericht über Leistung und Qualität "nach außen sichtbar machen". Scheinert könne sich deshalb auch vorstellen, dass in einigen Jahren ein Handbuch über die Qualitätsmerkmale der Krankenhäuser veröffentlicht wird. In Deutschland gebe es zwar schon einen "ein bunten Strauß von Zertifizierungen", räumte Krämer ein. Jetzt sei es aber Ziel, dass es nur ein Siegel gebe, auf das sich alle Beteiligten verlassen könnten.


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