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Teure
Arroganz: Vorurteile gegen psychisch Kranke erschweren oft deren
Behandlung
Leipzig/Trier
(28.04.2000) - Die Diskriminierung psychisch Kranker behindert
nach Ansicht von Experten der Weltpsychiatrischen Vereinigung
häufig deren Behandlung. Vorurteile müssten deshalb abgebaut
werden, hieß es am Freitag zur Eröffnung der 4. Internationalen
ENMESH-Konferenz in Leipzig. Das Thema "Psychiatrie und
Öffentlichkeit" behandeln die Experten in einem Symposium
während der dreitägigen Konferenz. ENMESH ist ein europäisches
Netzwerk von Wissenschaftlern, die sich mit der psychiatrischen
Versorgung befassen.
"Vorurteile belasten Kranke und deren Angehörigen
sehr", sagte der frühere Präsident der Weltpsychiatrischen
Vereinigung (WPA), Professor Norman Sartorius, in einem
dpa-Gespräch in Leipzig. "Viele haben Angst vor psychisch
Kranken und denken, diese seien gefährlich oder faul", sagte
der Initiator eines weltweiten Programms zum Abbau von Stigma und
Diskriminierung.
An Schizophrenie beispielsweise leidet Sartorius zufolge rund ein
Prozent der Weltbevölkerung, allein in Deutschland entwickelten
rund 800.000 Menschen im Laufe ihres Lebens eine schizophrene
Störung, deren Behandlung durch Vorurteile erschwert würde.
"Für psychisch Kranke ist auch die Arbeitssuche oder das
Heiraten schwierig", sagte Sartorius. "Medikamente sind
zwar wichtig, aber nicht alles. Sie sind wie Nahrung - und Essen
allein reicht nicht." Es gelte, "die Einstellung der
Bevölkerung zu ändern, neben Wissen ist auch Toleranz
nötig", forderte Sartorius.
"Viele weigern sich nicht zuletzt wegen der Vorurteile, ihre
Krankheit anzuerkennen", sagte Professor Richard Warner aus
Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Der Vorsitzende des
WPA-Stigma-Komitees zitierte eine neue US-Studie, nach der in zehn
Prozent der amerikanischen TV-Programme die Figur eines psychisch
Kranken vorkommt. "Von diesen zehn Prozent erscheinen rund 70
Prozent als gewalttätig und 20 Prozent als Mörder." Das
hinterlasse Spuren in den Köpfen der Zuschauer.
Noch vor der Sommerpause sollen nach Auskunft des Leipziger
Professors Matthias Angermeyer nun auch in Deutschland die
Anti-Stigma-Kampagne der World Psychiatric Association
(Weltpsychiatrische Vereinigung, WPA) offiziell gestartet werden.
Die 1996 initiierte weltweite Kampagne zum Abbau der öffentlichen
Diskriminierung von schizophrenen Patienten sei bislang in Kanada,
Spanien und Österreich erfolgreich, sagte der Initiator des
Programms und Ex-WPA-Präsident Norman Sartorius. Weltweit litten
ein Prozent der Bevölkerung an Schizophrenie.
"Das Programm baut auf den Erfahrungen von Betroffenen
auf", betonte Sartorius. Kranke und deren Familien sollten
dabei mit den Gesundheitsdiensten sowie Vertretern der Regierung
und der Industrie an einem Tisch sitzen. In Deutschland seien
neben Leipzig noch Köln, München und Hamburg als Zentren der
Kampagne ausgewählt worden.
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