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 Psychotherapie News  April 2000   Psychotherapie
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Die Wirkung der Psyche auf den Körper: Positives Denken kann Krebskranken helfen

Stuttgart/London (16.04.2000) - Die Zahl der Krebspatienten wird nach Expertenmeinung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. "Tumorerkrankungen sind eine Erkrankung des Alters - im Jahr 2030 wird es doppelt so viele Tumorpatienten wie jetzt geben", sagte Prof. Michael Bamberg, Vorsitzender des Krebsverbandes Baden-Württemberg, beim 4. Patiententags für Krebskranke am Universitätsklinikum Tübingen am Samstag, den 08.04.2000. Durch die Verschiebung der Altersstruktur in der Bevölkerung werden laut Bamberg im Jahr 2010 Tumorerkrankungen als häufigste Todesursache weltweit gelten. Bamberg ist Leiter der Tübinger Strahlentherapie.

Beim Tübinger Patiententag standen als Schwerpunktthema neben den klinischen Studien alternative Heilverfahren auf dem Programm. Bisher sei nirgendwo bewiesen worden, dass sie das Tumorwachstum unter Kontrolle bringen könnten, sagte Bamberg. Allerdings müsse ein Weg gefunden werden, um sowohl die klassisch-medizinische als auch die komplementäre Therapie zu vereinen. Diese umfasst unter anderem die Ernährung, sportliche Betätigung und Stressabbau.

Krebskranke können ihre Abwehrkräfte durch positives Denken nachweislich verstärken. Das berichtete Leslie Walker von der schottischen Universität Aberdeen am Samstag bei der Jahrestagung der Britischen Psychologischen Gesellschaft in Winchester. Patienten, die sich vorstellen, wie ihr Körper die Krankheit bekämpft, stärken demnach ihr Immunsystem. Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass dies auch die Überlebenschancen erhöht.

Für die Studie wurden 80 Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, in zwei Gruppen eingeteilt. Beide erhielten die normale ärztliche Behandlung einschließlich Chemotherapie und Bestrahlung. Die Hälfte der Frauen nahm außerdem an Entspannungsübungen teil. Dabei wurden sie auch aufgefordert, sich vorzustellen, wie weiße Blutkörperchen Tumorzellen zerstören. Um ihre Fantasie anzuregen, sahen sie sich Bilder an, auf denen die weißen Blutkörperchen unter anderem als Soldaten dargestellt wurden, die mit einem Bajonett auf die Krebszellen einstachen.

Über einen Zeitraum von 37 Wochen wurden den Frauen Blutproben entnommen, um die mögliche Auswirkung auf das Immunsystem zu analysieren. Dabei stellten die Wissenschaftler nach eigenen Angaben "deutliche Veränderungen" bei verschiedenen Typen von weißen Blutkörperchen fest, die bei der Krebsbekämpfung eine wichtige Rolle spielen. "Ich halte das für eine faszinierende Entdeckung, denn es zeigt, dass ein relativ einfacher psychologischer Eingriff eine nachweisbare biologische Wirkung haben kann", sagte Walker.

Gordon McVie, Direktor der britischen Kampagne für Krebsforschung, bezeichnete die Studie als "interessant", da sie "wahrscheinlich zum ersten Mal" eine so direkte Wirkung nachgewiesen habe. Allerdings gebe es bisher keinen Beweis dafür, dass dadurch die Überlebenschancen erhöht würden. "Deshalb sollte die Studie keine falschen Hoffnungen wecken."

Die Stuttgarter Neurologin und Psychotherapeutin Carmen Heerdegen erklärte, bei anderen Studien sei es auch mittels Hypnose gelungen, die Zahl der weißen Blutkörperchen und die Aktivität der Killerzellen um rund 20 Prozent zu steigern. Selbst bei unheilbaren neurologischen Erkrankungen wie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zeige sich, dass Patienten mit gutem psychischem Befinden eine um ein Mehrfaches höhere Überlebenszeit aufweisen als solche mit psychischem Stress. Allerdings erfordere ein positives Denken, das dem Krebskranken helfe, so die Fachärztin, mehr als nur ein Buch darüber zu lesen: "Eine positive Lebenseinstellung, die tragfähig und dauerhaft ist, erwirbt man durch tiefgehende und grundlegende Erkenntnis seines Selbst - dann ruht man in sich".


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