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Per
Mausklick durch das Gehirn: Operationen werden besser geplant
Tübingen
(17.03.2000) - Die Computeranimation zeigt unzählige Höhlen,
Erhebungen, Torbögen, Berge und Täler: Per Mausklick lässt sich
das virtuelle Endoskop wie eine imaginäre Kamera durch das Gehirn
des Patienten führen. Auf dem Bildschirm sehen die Flüssigkeitsräume
aus, als könnte ein Mensch hineintauchen, aber die Hirnkammern
sind nur wenige Finger breit. Das Verfahren des Tübinger
Informatikers Dirk Bartz dient dazu, etliche heikle Operationen
besser vorzubereiten und zu kontrollieren.
Das Projekt Vivendi (Virtual Ventricular Endoscopy) hat der
Computerexperte vom Wilhelm-Schickard-Institut in Zusammenarbeit
mit den Tübinger Universitätskliniken für Radiologie und
Chirurgie entwickelt. Mit der virtuellen Endoskopie gelangt kein
Instrument in den Körper. Bilder und Filme aus Körperhöhlen wie
Gehirn, Blutgefäßen und Dickdarm existieren nur mit
Computerhilfe auf dem Bildschirm. Hergestellt werden sie aus
schichtweise und massenhaft gewonnenen Aufnahmen eines
Kernspintomographen oder auf der Basis von dreidimensionalen Röntgenverfahren.
So entsteht ein Riesenstapel von Einzelbildern, die kombiniert und
gleichsam wieder lebendig werden.
Ein vorrangiger Anwendungsbereich von Vivendi ist der Wasserkopf,
der sich bei Neugeborenen, nach Kopfverletzungen und bei Tumoren
bilden kann. Weil die angesammelte Flüssigkeit umliegendes Gewebe
verdrängt und das Gehirn dauerhaft schädigt, müssen betroffene
Patienten umgehend operiert werden. Bei der bisherigen Methode führen
Chirurgen Instrumente durch kleine Öffnungen ein, aber das ist
ein kniffliger Eingriff. Verletzungen sind möglich, und Blutungen
können den glatten Weg zur kranken Stelle blockieren. Doch Bartz
weiß Rat: "Mit der virtuellen Endoskopie kann sich der
Chirurg schon vor der Operation ein sehr genaues Bild von den
Besonderheiten der Gewebestruktur des Gehirns jedes Patienten
machen."
Verwirrend sind die Richtungswechsel, mit denen das virtuelle
Endoskop auf dem Schirm dem Zusammenstoß mit dem Gewebe
vermeidet. Grundlage dieser beeindruckenden Schau ist für die
Computerexperten das programmierte
"Kollisionsvermeidungssystem". Für die Chirurgen ist
die futuristische anmutende Landschaft aus dem Körperinneren
aufschlussreich. Sie können die Einzelheiten des Patientengehirns
genau studieren und die entscheidenden Bilderfolgen mehrmals
ablaufen lassen. Eine Achsenzeichnung auf dem Schirm, die die
Position des Endoskops im Körper anzeigt, soll bei der
Orientierung helfen.
Ein virtuelles Verfahren kann zum Beispiel auch die Blutgefäße
von Patienten darstellen: Im Rechner lassen sich verschiedene
Blutströme durch die Gefäße simulieren, mit denen die
Auswirkungen einer Operation vorausberechnet werden können. Die Möglichkeiten
seiner Endoskopie hat Bartz auch schon bei der Untersuchung des
Dickdarms erforscht: "Das Verfahren ist billiger als eine
direkte Untersuchung", meint der Informatiker. "Auch für
Patienten, die häufig Angst vor dieser Untersuchung haben, ist es
weniger belastend." Mediziner müssten aber bei dem Einsatz
der virtuellen Methode bedenken, dass die vorausgehende
Computertomographie eine gewisse Röntgenbelastung mit sich
bringe.
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