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Jeder
siebte Mensch hat starke Schlafstörungen: Immense Kosten für die
Gesellschaft
Marburg/Hamburg
(16.02.2000) - Jeder siebte Mensch in Deutschland hat nach Ansicht
des Psychologen Jürgen Zulley behandlungsbedürftige Schlafstörungen.
"Damit haben sich Schlafstörungen zu einer Volkskrankheit
entwickelt, die Kosten in Milliardenhöhe verursacht", sagte
der Forscher von der Universität Regensburg beim Marburger
"Schlaf-Symposium 2000" am Mittwoch. Stress bezeichnete
Zulley als Hauptursache für Schlafstörungen.
Nach Darstellung von Zulley sind Schlafstörungen die Ursache für
rund die Hälfte aller Verkehr- und Arbeitsunfälle in
Deutschland. "20 Milliarden Mark an Schäden und Folgekosten
pro Jahr sind auf Übermüdung zurückzuführen." Als
besonders bedrohlich bezeichnete der Schlafforscher die Zahl von
Beinahe-Unfällen im Luftverkehr. Eine US-amerikanische Studie
belege, dass 77 Prozent aller Unfälle in der Luft menschliches
Versagen zu Grunde liege. Von dieser Unfallmenge seien 40 Prozent
auf Übermüdung zurückzuführen.
Nach Erkenntnis des Regensburger Schlafforschers gehen zwei
Drittel der Menschen mit Schlafstörungen nicht zum Arzt.
"Die Folge ist, dass oftmals zu spät behandelt wird und
Magen-Darm- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen
und Angstzustände auftreten." Nicht rechtzeitig behandelte
chronische Schlafstörungen verursachten jährlich rund 2,5
Milliarden Mark Kosten für Behandlungen oder Frührente.
Defizite machte Zulley beim Umgang mit schlafgestörten Patienten
aus. "Viele niedergelassene Ärzte verschreiben Beruhigungs-
oder Schlafmittel." Zulley hält es jedoch für sinnvoller,
"Patienten zuerst über Schlafhygiene - das richtige Schlafen
- zu informieren". Viele Schlafstörungen sind nach Ansicht
Zulleys gelernt. Wer wegen einer bevorstehenden Prüfung eine
Woche nicht gut einschliefe habe dieses Problem teilweise auch
noch anschließend.
Schlafforscher empfehlen Siesta für jeden: Weniger Fehler und
Unfälle
Ein Mittagsschläfchen erhöht nach einem Bericht des Magazins
"GEO" die Leistungskraft. Studien an der amerikanischen
Cornell University belegten, dass Menschen nach einer 20-minütigen
Schlafpause motiviert und energiegeladen an den Arbeitsplatz zurückkehren,
berichtet "GEO" in seiner Märzausgabe. Das kurze
Nickerchen, ein bei vielen Völkern unumstößlicher Brauch, lässt
Fehler und Unfälle deutlich zurückgehen, erhöht Leistung und
Aufmerksamkeit. Die US-Forscher raten daher, eine Siesta am Mittag
zur ständigen Einrichtung zu machen.
Als Teil eines von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK)
organisierten Fitness-Programms hatte vor einigen Wochen niedersächsische
Stadt Vechta ihren Beamten einen kurzen Büroschlaf in der
Mittagspause erlaubt und Ruhe-Matten zur Verfügung gestellt. Der
Sächsische Beamtenbund hatte die Entscheidung des Stadtdirektors
jedoch im Januar als "politische Instinktlosigkeit"
kritisiert. Beamte könnten sich ein Mittagsschläfchen, vor allem
im Osten, nicht leisten, wie es hieß.
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