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 Psychotherapie News  Januar 2000   Psychotherapie
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Bluthochdruck ist ernst zu nehmen: Vier von zehn Schlaganfällen können verhindert werden

München/Gütersloh (20.01.2000) - Mit einer konsequenten Blutdrucksenkung ließe sich fast jeder zweite Schlaganfall in Deutschland verhindern. Dies ist das Ergebnis verschiedener Studien, deren Ergebnisse in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Fortschritte der Medizin" veröffentlicht wurden (Nr. 1-2, S.22-25). Jährlich erkranken diesen Angaben zufolge rund 350.000 Menschen an einem Schlaganfall, 70.000 von ihnen sterben daran. Der Schlaganfall sei in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Viele Schlaganfallbetroffene tragen dauerhafte Behinderungen davon.

Hauptrisikofaktoren sind hoher Blutdruck, hoher Cholesterinwert sowie Diabetes und Herz-Vorhofflimmern. Rauchen, hoher Alkoholkonsum und Übergewicht erhöhten die Gefahr eines Schlaganfalls deutlich. Zur Vermeidung eines Schlaganfalls sollte der Blutdruck möglichst unter 140 zu 90 (mmHg) liegen, bei Diabetikern unter 135 zu 80 mmHg, schreibt Joachim Schrader, Chefarzt der Medizinischen Klinik am St. Josefs-Hospital Cloppenburg, in dem Magazin. Er stützt sich vor allem auf die so genannte Systeur-Studie.

Die jetzt vorliegenden Therapiestudien nach dem Zufallsverfahren hätten zweifelsfrei ergeben, dass durch die Senkung des Blutdrucks die Häufigkeit tödlicher und nicht tödlicher Schlaganfälle um 38 Prozent gesenkt werden konnte. Tödliche Fälle reduzierten sich um 40 Prozent, nicht tödliche um 37 Prozent. Ausgeprägte Vorteile seien bei Patienten über 60 Jahren und bei Erkrankten mit sehr hohem Blutdruck erzielt worden. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von vier bis fünf Jahren sei der Nutzen einer Bluthochdruckbehandlung "eindeutig erwiesen", schreibt Schrader.

Der in den vergangenen Jahren festgestellte Rückgang bei Schlaganfällen habe sich wieder umgekehrt. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Auftreten der Fälle durch Aufklärung und Beratung nur verzögert wurde und jetzt von der Altersentwicklung der Bevölkerung eingeholt werde. Gerade deshalb müsse der Bluthochdruck bei Senioren ernster genommen werden, heißt es in der Zeitschrift. Eine konsequente Blutdrucksenkung helfe nicht nur Schlaganfälle zu vermeiden, sondern trage auch zu einer deutlichen Senkung der Altersverwirrtheit (Demenz) bei.

Mit einer bundesweiten Kampagne will die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (Gütersloh) auf die Risiken einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn aufmerksam machen. Dazu sollen im Frühjahr Millionen von Fragebögen an die Bürger verteilt werden, mit denen ein "individuelles Risikoprofil" des Schlaganfalls erstellt werden kann. Das teilte ein Stiftungs-Sprecher am Montag in Gütersloh mit.

"Entscheidend für die Überlebens- und Heilungsaussichten sind die ersten vier bis sechs Stunden nach dem Ereignis", sagte der Sprecher. Die 1993 von Liz Mohn, der Gattin des Bertelsmann-Unternehmers Reinhard Mohn, gegründete Stiftung, hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 25 Millionen Mark für den Kampf gegen den Schlaganfall ausgegeben.


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