Kein Vertrauen mehr in die Psychotherapie
Nachfolgend erhalten Sie einen Bericht über meine Erfahrungen, Psychotherapie
betreffend. Einer Veröffentlichung stimme ich ausdrücklich zu. Nach Genehmigung der Therapiestunden
(tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie) durch die Krankenkasse wurde ich vom Psychotherapeuten aufs
ausführlichste mehrmals darauf hingewiesen, er würde für die Stunden von der Krankenkasse zu wenig
Honorar erhalten, ich solle mich doch mit meiner Krankenkasse in Verbindung setzen und darauf hinweisen.
Selbst als ich ihm gegenüber meine Verärgerung zum Ausdruck brachte (warum werden dann von ihm
Kassenpatienten überhaupt angenommen?) wich er von seinen Vorstellungen keineswegs ab. Aktuelle Probleme
konnte ich mit ihm überhaupt nicht besprechen. Kommentare wie, so wörtlich: "Erwarten Sie jetzt mein
Mitleid, oder was?" hielten mich bald davon ab, solche Dinge überhaupt anzusprechen.
Bereits seit mehreren Jahren nehme ich das Medikament C*, seither geht es mir um einiges besser (wurde
bei einem stationären Aufenthalt verordnet). Ich war sehr froh, endlich ein Medikament gefunden zu
haben, das mir hilft. Da es nun nicht erfreulich ist, dauerhaft ein Medikament einzunehmen, wollte ich
das mit dem Arzt und Psychotherapeuten besprechen. Sein einziger Kommentar war: "Wenn Sie meinen, dass
Sie's brauchen, dann können Sie es ja nehmen." Leider zog bereits eine Reduktion der Dosis schleichend
eine ziemliche Verschlechterung nach sich (wurde von mir zunächst gar nicht in diesem Zusammenhang
gesehen), ein Mitarbeiter des sozialpsychiatrischen Dienstes, den ich in meiner Notlage aufsuchte,
bezeichnete das Verhalten des Therapeuten als verantwortungslos.
Nach zehn stationären Aufenthalten, zum größten Teil zumindest mit verursacht durch einen
Vollzeitarbeitsplatz, dessen Arbeitsbelastung ich nicht gewachsen war, reduzierte ich meine Arbeitszeit
vor zwei Jahren auf 30 Stunden. Seither war kein Klinikaufenthalt mehr notwendig und es geht mir besser.
Er verurteilte das mit: "Sie machen sich's aber bequem, sie ziehen sich da raus." Meinem letzten übrig
gebliebenem Vertrauen gab das den Rest.
Die Termingestaltung erwies sich als äußerst unregelmäßig, was ich für eine erfolgreiche Therapie als
sehr hinderlich empfand. Abgesehen von ausführlichen Urlaubszeiten wechselten die Termine zwischen
wöchentlich, zwei- oder dreiwöchigem Abstand. Das Ende: Die Therapiestunden dauerten statt 50 Minuten
immer nur 40 Minuten, zuletzt gleich noch weniger. Mehrmals bat ich Ihn, die von der Kasse bezahlten
Zeiten doch einzuhalten, was nur kurzfristigen Erfolg brachte. Wörtlich: "Ein Therapeut muss eben auch
sehen, wie er sich organisiert". Als er gleich 20 Minuten zu spät erschien (das Ende war immer sehr
pünktlich) wies ich ihn sehr verärgert darauf hin. Daraufhin bekam ich zur Antwort, er wisse ja sowieso
nicht, was er mit mir die Stunde lang anfangen solle! Überhaupt müsse man ja schauen, was das mit meiner
Kindheit zu tun habe, dass ich mich darüber aufrege (sein Standardsatz bei Kritik von meiner Seite).
Daraufhin fasste ich den Entschluss, die Therapie abzubrechen. Die Tatsache, dass dieser Psychotherapeut
und Facharzt in Qualitätszirkeln Mitglied ist sowie Vorträge hält, schlägt meines Erachtens dem Fass den
Boden aus. Mein Vertrauen in die Psychotherapie hat jedenfalls ihr Ende gefunden. An meiner
Lebensgestaltung war seiner Meinung nach immer alles verkehrt. Als ich ihn um bessere Lösungen bat,
bekam ich zur Antwort: "Das müssen Sie schon selbst wissen". Es ärgert mich die Tatsache, als Patient
keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme auf die Tätigkeit derartiger Psychotherapeuten zu haben. Es gibt
keine Berufsgruppe, die größere Freiheiten hat als Therapeuten. Qualitätskontrollen gibt es nicht. Der
Patient ist immer im Unrecht.
Am meisten ärgert mich meine Dummheit, so etwas über zwei Jahre mitgemacht zu haben. Gibt es
Möglichkeiten, gegen so etwas anzugehen?
Brigitte Freyberg*, Wolfratshausen
01.01.2002
Antwort des Herausgebers:
Geben Sie die Hoffnung nicht auf: es gibt auch Psychotherapeuten, die Ihr Vertrauen verdienen.
Folgen Sie dem Rat, den Carmen Heerdegen im vorstehenden Sprechstunden-Beitrag zur
Psychotherapeutensuche gibt. Natürlich können
Sie auch Ihrer Krankenkasse und der Kassenärztlichen Vereinigung eine Beschwerde schreiben. Beide
Institutionen sind jedoch an dem dramatischen Missstand in der psychotherapeutischen Versorgung wesentlich beteiligt,
so dass Sie hier leider wenig werden verändern können. Nur viele detaillierte und authentische Berichte und Briefe wie
der Ihre hier in unserer Zeitschrift können bei Politik und Öffentlichkeit das Bewusstsein
für den dringenden Veränderungsbedarf im Bereich der vertragsärztlichen Psychotherapie wecken.
Psychotherapie-Fachärzte sind oft unqualifiziert
Ich bin Kassenpatientin (TKK). Ich bin 52 Jahre alt, voll berufstätig und habe drei
Kinder, die ich weitgehend allein ins Leben begleitet habe. Ich habe seit ca. 16 Jahren an meinem
derzeitigen Wohnort eine Hausärztin, die ich allerdings eher selten aufsuche. Ich leide, wenn ich mich
krank fühle, in der Regel an "psychosomatischen Beschwerden". Überweisungen jeweils zu Fachärzten wegen
Magen- oder Herzbeschwerden ergaben, dass ich organisch völlig gesund bin.
Meine gelegentlichen Fragen an die Hausärztin nach einer Überweisung zum Psychotherapeuten werden
achselzuckend beantwortet, sie kenne keinen. Überhaupt scheint sich die derzeitige Honorarzahlung der
Kassen an die Ärzte in einer kurzen, desinteressierten Behandlung niederzuschlagen, davon abgesehen,
dass man beim Facharztbesuch oft als erstes einen Zettel bekommt, welche Leistungen privat zu bezahlen
sind oder ein Aushang auf die niedrigen Honorare und die damit zu begleichenden hohen Kosten des Arztes
aufmerksam macht, so dass ich mich nur noch mit schlechtem Gewissen traue, überhaupt einen Arzt
aufzusuchen.
Vor ca. acht Jahren - in einer äußerst belastenden Lebenssituation - nahm ich über mehrere Wochen an
einer Gruppentherapie in einer Tagesklinik eines christlichen Krankenhauses in Berlin teil. Über die
begleitende Ärztin kann ich nur Gutes sagen, allerdings brachte mir die Gruppentherapie (ohne
Einzelgespräche) für mein Problem wenig. Ich war mehr für die anderen da. Danach war ich auf der Suche
nach einer Einzeltherapie - wie aber findet man einen guten Psychotherapeuten?
Ich landete schließlich bei einen Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, einem stillen, in sich
gekehrten Menschen, jünger als ich, der mir freundlich und gutwillig zuhörte - und von der ersten Stunde
an nur aufschrieb und mich kaum ansah. Wenn ich mal lugte, was er denn so eifrig schrieb, merkte ich,
dass es gar nicht das war, was ich sagte bzw. ausdrücken wollte, sondern dass er sich selbst etwas
zusammen reimte. Ich traute mich aber nicht, ihn darauf anzusprechen. Später wünschte ich mir direkt von
ihm mehr Gespräch, mehr Feedback, worauf er mich nur verständnislos (und hilflos) ansah. Wenn er, von
mir nachhaltig aufgefordert, etwas sagte, bestärkte oder widerspiegelte, wie er meinte, waren es eher
hilflose Floskeln, falsche Bilder, so dass ich merkte, er hatte nicht richtig verstanden.
Dieser Facharzt für Psychotherapeutische Medizin verstand seine Psychotherapie als tiefenpsychologisch
und an die Psychoanalyse angelehnt. Schließlich geriet er bei einem Gespräch in Wut, er schrie so
hilflos und laut und kam mir vor wie "Rumpelstilzchen". Ich ertrug das gelassen, ich konnte ihn jedoch
nicht mehr ernst nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon über drei Jahre bei ihm in Behandlung. Da ich
mich einmal geöffnet hatte, was mir sehr schwer gefallen war, konnte ich die Therapie, deren Wirksamkeit
ich schon länger anzweifelte, nicht verlassen, um mir einen neuen Psychotherapeuten zu suchen, der ja
ebenfalls fragwürdig sein konnte.
Nach seinem Wutausbruch hatte ich festgestellt, dass ich ihn weder als Mensch souverän noch als
Psychotherapeuten professionell empfand. Ich kam noch zwei oder dreimal, um über seine Reaktion zu reden
und was das für mich als Patient bedeutete. Ich hatte das Gefühl, das Verhältnis Therapeut - Patient
hatte sich umgekehrt. Dann sagte ich ihm, dass ich nicht mehr kommen möchte und die letzten wenigen
Stunden nicht nehme (ich hatte da schon weit über 100 Stunden Psychotherapie). Jedenfalls stellte ich
fest, dass ich Wut hatte, die mich eine ganze Weile trug, aber mein Problem war nicht ansatzweise gelöst
worden.
In Ihre Seiten habe ich mich eingeloggt, weil ich wieder einmal einen Psychotherapeuten suche,
allerdings nur für eine kurze "Verhaltenstherapie". Seit zwei Jahren nehme ich Hormone, die viele sehr
unangenehme Nebenwirkungen hatten, gegen die ich noch mehr Medikamente bekam, bis ich schließlich aufgab
und ohne Hormone leben wollte. Leider ging das nur ein halbes Jahr gut, danach fühlte ich mich gar nicht
mehr leistungsfähig und ließ mir erneut Hormone verschreiben. Meine Gynäkologin griff wieder auf die
zurück, die ich nicht vertrug, so dass ich den Arzt wechselte. Gleichzeitig begann eine Schwerhörigkeit
auf dem linken Ohr. Nachdem ich von zwei HNO-Ärzten Hörsturztherapien verordnet bekam, die nichts
bewirkten, stellte der dritte Arzt eine beginnende Otosklerose fest. Auslöser war wohl die
Hormonsubstitution.
Meine neue Gynäkologin hatte damit glücklicherweise Erfahrung und verordnete mir das am niedrigsten
dosierte Medikament, denn ganz ohne - wie es bei der Diagnose sein sollte - geht es unter meinen
Lebensumständen nicht. Allerdings geht es mir psychisch damit lange nicht so gut wie mit den höher
dosierten Medikamenten, außerdem bin ich nicht in der Lage, gewisse Defizite in meinem Leben
auszugleichen (mein altes Problem).
Davon abgesehen, dass ich durch Ihren Artikel erfahren habe, wie unbeliebt ich derzeit als Kassenpatient
beim Psychotherapeuten bin, suche ich doch einen guten Psychotherapeuten. Ich lebe in Berlin. Können Sie
mir einen Rat geben?
Maria Rosenfels*, Berlin
09.11.2001
Antwort des Herausgebers:
Ihre Erfahrungen mit der Hausärztin und dem "Facharzt für Psychotherapeutische Medizin" sind leider als
typisch für das derzeitige Gesundheitssystem in Deutschland anzusehen. Sie decken sich mit vielen
Beobachtungen und Leserbriefen. Hausärzte empfinden gute Psychotherapeuten, die die psychisch
verursachten somatischen Beschwerden ihrer Patienten dauerhaft beheben, als bedrohliche Umsatzkiller, zu
denen sie deshalb selbstredend nicht überweisen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass
mindestens die Hälfte aller Patienten sich beim Hausarzt mit psychosomatischen Erkrankungen vorstellt.
Durch jahrelange Verschleppung werden hieraus regelmäßig chronische Behandlungsfälle. Psychosomatische
Erkrankungen stellen mithin eine wichtige Umsatzsäule der Hausärzte dar. Und welcher Bauer wäre so dumm,
seine besten Milchkühe abzugeben?
Die so genannten "Fachärzte für Psychotherapeutische Medizin" sind wiederum häufig nicht nur Täter,
indem sie ihre Patienten über hunderte Stunden durch pseudowissenschaftlich getarntes und raffiniert
bemänteltes Nichtstun aussaugen und ohne medizinisches Erfordernis oft von Psychopharmaka abhängig
machen. Sie sind auch Opfer einer weitgehend untauglichen ärztlichen Psychotherapie-Ausbildung, die
ihren morbiden Inhalt aus den realitätsfernen Irrlehren vorvorgestriger Psychoanalyse saugt. Hätten Sie
sich nicht eine Katze oder einen Hund zulegen und denen von Ihren Problemen erzählen können - mit weit
besserem Ergebnis?
Da nicht nur Psychiater, sondern auch Psychotherapeuten überdurchschnittlich häufig das Psycho-Fach aus
dem Interesse heraus gewählt haben, eigene Probleme zu bewältigen, ist es nicht ungewöhnlich, dass viele
Psychotherapeuten selbst therapeutische Problemfälle sind. Ihre Schilderung der Hilflosigkeit und des
Wutanfalles Ihres "Psychotherapeuten" entspricht genau dieser Wirklichkeit.
Leider haben Sie offenbar zu Beginn dessen, was Ihnen als kassenfinanzierte "Psychotherapie" angetan
worden ist, nicht jene Fragen gestellt, die die Psychotherapeutin Carmen Heerdegen in ihrem obigen
Sprechstunden-Beitrag empfiehlt. Wenn Sie allerdings berücksichtigen, dass Ellis Huber, der bis 1999
zwölf Jahre als Präsident der Berliner Ärztekammer vorstand, im Interview mit PSYCHOTHERAPIE am
21.08.2001 feststellte, dass allenfalls ein Drittel der Ärzte sich überhaupt (noch) für die Bedürfnisse
Ihrer Patienten interessiert und die Ärzte in ihrer Mehrheit nur dem nackten Egoismus und der puren
Eigenliebe frönen, so werden Sie nicht (mehr) ernstlich erwarten, auf Anhieb wirksame Hilfe zu finden.
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Doktor Med: Patient: NEBENSACHE. Aus dem Tagebuch
eines Kassenarztes. Berlin: Ullstein, 1999.
Hier schreibt ein Insider Klartext, der in einer ganz normalen Stadt
eine ganz normale Kassenpraxis führt: "Die Hälfte meiner Gedanken
verschwende ich auf Abrechnungsfragen." Er erlebt die Krise des
Gesundheitssystems tagtäglich und schlägt Alarm: Wenn Politiker und
Funktionäre sich nicht bald auf radikale Reformen einigen, wird die
Gesundheit Schaden nehmen.
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Unsere Empfehlung wird deshalb
möglicherweise so unbefriedigend bleiben wie es das kranke Gesundheitssystem ist: Suchen Sie weiter nach
einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin, der oder die nicht selbst ein seelischer Krüppel
ist oder Sie nur als willkommenes Opfer zur bequemen Ausbeutung betrachtet. Qualifizierte
Psychotherapeuten werden Sie in der Regel unter den verhaltenstherapeutisch arbeitenden Psychologischen
Psychotherapeuten finden (Diplom-Psychologen, die kognitive Verhaltenstherapie bieten). Überdies
empfehle ich Ihnen zur Lektüre das Buch mit dem Titel "Patient: NEBENSACHE. Aus dem Tagebuch eines
Kassenarztes". Dieses Dokument eines pervertierten Gesundheitssystems wird Ihren Blick für die brutale
Wirklichkeit schärfen, dessen Opfer Sie geworden sind.
Die Suche nach einem brauchbaren Psychotherapeuten mag nicht bequem sein. Da immer mehr wirklich gute
Psychotherapeuten der Kassenversorgung den Rücken kehren, werden Sie den für Sie besten
Psychotherapeuten möglicherweise privat zu bezahlen haben. Lassen Sie sich auf einen weiteren Termin nur
ein, wenn Konzept und Therapieplan Sie in der ersten Begegnung überzeugen und der avisierte Zeitbedarf
bis zum Erreichen Ihrer Therapieziele nach dem Stand der Wissenschaft im Normalfall nicht mehr als 15
bis 25 Stunden umfasst. Aber hiernach zu fragen und auf einer klaren Auskunft zu bestehen, das liegt
allein in Ihrer eigenen Verantwortung - bei der ersten Begegnung, nicht erst in der hundertsten Stunde.
Viel Erfolg hierbei.
Psychoanalyse als Desaster
Vieles, was ich gelesen habe, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich habe
selber reichlich Sitzungen bei einem Vertreter der Psychozunft hinter mir, was mir letzten Endes jedoch
nicht mehr als eine Scheu vor Psychotherapeuten eingejagt und 1 1/2 Jahre Lebenszeit gekostet hat. Ich
hatte immer den Eindruck, dass mich mein Therapeut als Gegner angesehen hat. Ich wurde wie ein Kind
gemaßregelt und mein Weltbild wie meine Urteilskraft wurden angezweifelt, meine Probleme, Ängste und
Sorgen schlicht ignoriert. Das gipfelte letzten Endes darin, dass mein Psychotherapeut nach sage und
schreibe mehr als 50 Stunden noch immer nicht wusste, warum ich überhaupt zu ihm gekommen war. Auf
konkrete Fragen, wie ich mit meinen Problemen umgehen sollte, kamen nur Sprüche wie "das müssen sie
selbst herausfinden, ich kann sie auf diesem Weg nur begleiten". Auch meinte er beständig, er bräuchte
einen konkreten Auftrag von mir - den er jedes Mal bekam und dennoch beharrlich ignorierte. Nach langen,
quälenden Monaten und einer inzwischen erfolgten Abhängigkeit meinte der Mann, er käme so nicht weiter,
jetzt müsse er erst einmal eine Standard-Psychoanalyse durchführen. Da war für mich der Punkt gekommen,
den ganzen Unsinn abzubrechen. Ich habe in diesen Monaten nichts als gähnendes Unverständnis,
Unterstellungen und Anfeindungen kennen gelernt. Ich habe auf konkrete Fragen keine Antworten bekommen
und in allerhöchster Not wurde ich allein gelassen. Es geht mir heute teilweise schlechter als je zuvor
und zu einer weiteren "Behandlung" habe ich nicht die Spur einer Lust, da ich jetzt leben will und nicht
in 5 Jahren.
Marianne Brandel*, Witten
15.10.2001
"Ökonomisch gesprochen - eine sehr gute Arbeit gemacht"
Liebe Frau Heerdegen,
ich war bei Ihnen von [...] bis [...] in Behandlung. Vielleicht können Sie sich noch an mich erinnern.
Ich möchte Ihnen sagen, dass es mir sehr gut geht und Sie daran maßgeblichen Anteil haben. Mittlerweile
wohne ich im schönen [...] und arbeite bei der [...] im [...]. Ich muss noch oft an Ratschläge von Ihnen
zurück denken, die mir wirklich eine große Hilfe waren und immer noch sind.
Mittlerweile muss ich über vieles im Nachhinein schmunzeln, was mir damals so schwer gefallen war. Um so
erstaunlicher und bemerkenswerter fand ich die Art und Weise, wie Sie mit mir umgegangen sind. Es war
genau richtig; Sie haben Ihren Humor nie verloren und gaben mir dadurch das Gefühl, dass meine Sorgen
nicht so groß waren, wie ich sie empfand. Es hat mir jedenfalls nicht nur in meiner damaligen Situation
viel geholfen, sondern, was ich fast bedeutender einschätze, Sie haben viel Wahres und Brauchbares über
das Leben gesagt. Deshalb denke ich öfters noch an Sie. Wenn ich Ihnen die Frage beantworten müsste, was
mir als Wichtigstes in Erinnerung geblieben ist, so kann ich das nur von der jeweiligen Situation
abhängig machen. Eines aber beschäftigt mich immer wieder. Ich sage zu guten Freunden von mir: "Eine
tolle, bemerkenswerte Frau sagte einmal zu mir: 'Wenn Du anders bist als andere, hast Du die Wahl, Dich
an die anderen und deren Normen anzupassen und an Dir vorbei zu leben oder Dich hin zu stellen und zu
Dir zu stehen und dadurch andere, gleich denkende anzuziehen'.“ Da ging mir damals ein richtiges Licht
auf und ich kann das immer mehr erfahren. Das bereichert mein Leben ungemein.
Ich wollte Ihnen das unbedingt sagen, dass Sie – ökonomisch gesprochen – eine sehr gute Arbeit gemacht
haben. Aber – und das jetzt nicht ökonomisch gesprochen – viel mehr bewirkt haben. Dafür möchte ich
Ihnen von ganzem Herzen danken. Ich hoffe, Sie sind ebenfalls glücklich mit Ihrer Familie. Ich wünsche
Ihnen allen alles Liebe und Gute und viel Spaß "im 80 Jahre lang dauernden Zirkus dieser Welt." Alles
Liebe aus [...]
Marc Burger*
01.07.2001
*Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
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