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© PSYCHOTHERAPIE 01.09.2000
Sprechstunde mit Doktor Abaris®
Psychotherapeuten-Suche und Psychotherapeutenverzeichnisse (Teil 1)
Profi oder Scharlatan?
Wie man die besten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten findet
Frage: "Ich habe den Eindruck, dass ich mir oft selbst
im Weg stehe. Das könne man mit einer guten Psychotherapie ändern, lese ich.
Gleichzeitig lese ich aber auch von soviel inkompetenten Psychotherapeuten,
die ihren Patienten über viele hundert Stunden nur das Geld aus der Tasche
ziehen. Ich möchte mir das Glücksspiel mit einem
Psychotherapeutenverzeichnis ersparen. Wie kann ich auf Anhieb herausfinden,
welcher Psychotherapeut mir tatsächlich zu helfen vermag? Gerd."
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| Wichtige rechtliche
Hinweise |
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Antwort von
Carmen Heerdegen
Fachärztin für Neurologie
Psychotherapie
Naturheilverfahren, Stuttgart:
Lieber Gerd, informieren Sie sich umfassend und vertrauen Sie durchaus Ihrem
Verstand und Urteilsvermögen. Lassen Sie sich nicht blenden durch
akademische oder Facharzttitel. Wir erleben oft, dass Patientinnen und
Patienten zu uns kommen, die 50, 100 oder mehr Stunden in einer
Psychotherapie oder Psychoanalyse zugebracht haben, ohne dass sie einen
spürbaren Erfolg feststellen konnten. Gehen Sie davon aus, dass Sie
spätestens nach zehn Sitzungen erste Erfolge erreichen und sehr gut
beurteilen können, ob Ihnen die Behandlung hilft oder nicht. Wenn Sie nach
zehn Sitzungen keine Verbesserung wahrnehmen, werden Sie sehr
wahrscheinlich auch in weiteren Sitzungen keinen Erfolg erwarten können.
Bei vielen Erkrankungen wie Angst- und Panikstörungen, Phobien und
Depressionen führen gute Psychotherapeuten ihre Klienten heute innerhalb von
12 bis 15 Therapiestunden zum Therapieerfolg. Im psychotherapeutischen
Erstgespräch sollte Ihnen von dem Psychotherapeuten (bzw. der
Psychotherapeutin) bereits Konzept, Ablauf und Zeitdauer der Behandlung
unter Bezugnahme auf Ihr konkretes Problem skizziert werden. Diese Darlegung
sollte für Sie konkret, plausibel, logisch und nachvollziehbar sein. Lassen
Sie sich nicht mit unverbindlichen Allgemeinplätzen abspeisen, dass Ihr
Problem an Ihrer Kindheit läge und man deshalb viele Stunden in Ihrer
Vergangenheit nach der Ursache suchen müsse o. ä. Die Vergangenheit können
Sie nicht mehr ändern; Ihre einzig sinnvolle Zielsetzung kann deshalb nur
sein zu fragen, was Sie heute und in Zukunft (anders) tun können, um
gesünder und glücklicher zu sein. Wenn Sie auf diese Frage keine
befriedigende Antwort erhalten, suchen Sie weiter nach einem
geeigneten Therapeuten.
Es ist sehr wichtig, zwischen den menschlichen und den fachlichen
Befähigungen einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten zu
unterscheiden. Die menschliche werden Sie sehr schätzen, wenn Sie sich
angenommen und verstanden fühlen. Wenn Sie Ihr Problem, weswegen Sie eine
Psychotherapie suchen, jedoch beheben wollen, so dürfen Sie sich nicht
allein hierauf beschränken. Patientinnen und Patienten, die viele Stunden in
der Hoffnung auf eine irgendwann kommende Veränderung bei einer
Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten "ausgeharrt" haben, berichten
teilweise, dass Sie sich wohl gefühlt haben und Zuspruch bekamen. Nicht
selten versuchen Psychotherapeuten zielgerichtet, ihre Patientinnen und
Patienten abhängig zu machen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich, dass
Patienten mit der Erklärung eingeschüchtert werden, sie seien "ein schwerer
Fall" und müssten Geduld haben.
Für eine wirkliche Veränderung Ihrer Situation und Lösung Ihrer Probleme
brauchen Sie jedoch nicht nur Zuspruch und Trost. Eine gute
Psychotherapeutin und ein guter Psychotherapeut werden Sie nicht nur
aufrichten und ermutigen, sondern Sie auch fordern und Ihnen alles Wissen
und das Handwerkzeug in die Hand geben, das Sie benötigen, um Ihre
Situation aktiv zu verändern und Ihre Probleme lösen zu können. Von
qualifizierten Therapeuten werden Sie deshalb auf Ihre Frage, was Sie tun
können, um sich aus Ihren Problemen zu befreien, nicht die Antwort erhalten,
dass Sie das allein herausfinden müssen. Psychotherapie ist eine zeitgemäße
Dienstleistung wie andere auch - und in der Autowerkstatt würden Sie sich
schließlich mit einer derartigen Antwort ebenfalls nicht zufrieden geben.
Viele Jahrzehnte konnte sich die praktische Psychotherapie den Fragen der
Qualitätssicherung und Wirkungskontrolle entziehen. Scheuen Sie sich bei
Ihrer Suche nach einem geeigneten Psychotherapeuten (oder einer
Psychotherapeutin) heute nicht, nach "harten" Fakten wie Therapiedauer und
Erfolgsquoten zu fragen. Es gibt extreme Unterschiede zwischen den
verschiedenen Psychotherapieschulen und Psychotherapeuten. Es gibt jedoch
keine Psychotherapieform, die so überlegene und dauerhafte Erfolge
nachweisen kann wie die kognitive Psychotherapie bzw. Verhaltenstherapie.
Gute Psychotherapeuten werden ihre Arbeit stets einer Wirkungskontrolle
unterziehen und ihr theoretisches Konzept und ihre Arbeitsweise offen legen.
Eine Klientin mit Agoraphobie und Panikstörung schrieb nach erfolgreicher
Beendigung ihrer Psychotherapie (nach 8 Sitzungen) bei meinem Kollegen
Dietmar G. Luchmann, "Es macht sehr viel aus, mit wem man
die Therapie durchführt. Sie waren die ideale 'Besetzung' für mich. Ich
danke Ihnen!" Diese sehr erfreuliche Feststellung am Ende einer
erfolgreichen Psychotherapie macht auch deutlich, wie wichtig es für eine
effizienten Behandlung ist, dass Psychotherapeut(in) und Klient(in) sehr
rasch zu einer tragfähigen Arbeitsbeziehung gelangen können.
Leider geben die gängigen Psychotherapeutenverzeichnisse von Verbänden, der
"Gelben Liste" und anderen Anbietern über die wesentlichen Fakten keine
Auskunft. Auch bei der Psychotherapeutensuche in den Listen und Datenbanken
von Psychotherapeutenverbänden finden sich in der Regel nur diejenigen, die
sich (oft nur gegen Gebühr) haben eintragen lassen. Diese
Selbstdarstellungen unterliegen keiner Kontrolle und oft finden sich in
Verzeichnissen sogar Anbieter, die nicht einmal eine psychotherapeutische
Approbation als Minimalvoraussetzung besitzen.
Die Suche nach einem geeigneten Therapeuten gestaltet sich in Deutschland
darum noch immer schwieriger als beispielsweise in Nordamerika, wo der
persönliche Coach oder Psychotherapeut zum sozialen Erfolg fast dazugehören.
Viele Deutsche betrachten eine Psychotherapie als Stigma, entsprechend groß
ist die Scheu, bei Freunden, Kollegen oder Bekannten nach Empfehlungen zu
fragen. Hilfe anzunehmen wird als Schwäche angesehen, man spricht über die
Größe des Autos oder den Preis des letzten Urlaubs, nicht jedoch über die
eigene Angst, Depression, Essstörung oder gar Abhängigkeit. Entsprechend
lange quälen sich viele Menschen, bevor sie einen Psychotherapeuten
kontaktieren. Das wollen Sie sich nicht antun, lieber Gerd.
Ihre Frage verstehe ich auch als Ausdruck der Ratlosigkeit vor einer
Vielzahl miteinander konkurrierender Psychotherapieschulen. Im wesentlichen
dürfte es stets um die Entscheidung zwischen einer verhaltenstherapeutischen
oder psychoanalytischen Therapie gehen, weil diese von den meisten
Krankenversicherungen (noch) erstattet werden. Die so genannte
tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als drittes Verfahren im
Leistungskatalog der Krankenkassen fußt großenteils auf dem "Theorie"-Gebäude
der psychoanalytischen Schule, das einer wissenschaftlichen Prüfung jedoch
nicht standhält.
Um hier eine klare Entscheidung treffen zu können, ist es zunächst
notwendig, die irrationalen Argumente auszusortieren und alle Angebote nach
Zielsetzung und Ökonomie zu beurteilen. Schließlich wählen Sie
auch sonst im Leben stets den Weg, der sie am schnellsten und effektivsten
zu ihrem Ziel führt. Angst- und Panikstörungen - zum Beispiel - sind ohne
Medikamente durch kognitive Verhaltenstherapie heute regelhaft in weniger
als 12 Stunden zu beheben. Sich in diesen Fällen auf wohlfeile
Beruhigungspillen oder viele Stunden beim Psychoanalytiker einzulassen,
bedeutet im Ergebnis, das Leiden unnötig zu verlängern und unsinnige
Behandlungskosten zu produzieren. Die hier wiedergegebenen Leserbriefe legen
davon ein beredtes Zeugnis ab.
Lassen Sie uns darum Klartext reden und im nächsten Teil zwei
entgegengesetzte Positionen betrachten:
Lesen Sie weiter im
Teil 2, wie man die besten Psychotherapeuten findet.
Sprechstunde
> Inhaltsübersicht
Orgasmus aus
Angst und Leiden: Wie Psychotherapeuten regelhaft ihre Klientinnen sexuell
missbrauchen.
Dietmar G. Luchmann, Psychotherapeut, Stuttgart
Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie: Verliebt in den
Psychoanalytiker oder gefährlicher Illusion erlegen?
Dietmar G. Luchmann, Psychotherapeut, Stuttgart
Flugangst-Seminare als "Placebo des Jahrhunderts": Wie man die Flugangst
wirklich loswerden kann
Dietmar G. Luchmann, Psychotherapeut, Stuttgart
Statt
Psychotherapie seit fast zwei Jahren nur Tabletten: Das kann nicht alles sein!
Carmen Heerdegen, Fachärztin und Psychotherapeutin,
Stuttgart
Deutsche Universitätskliniken: Psychotherapeutisch wird an ihnen "regelhaft
schlechter behandelt"
Carmen Heerdegen, Fachärztin und Psychotherapeutin,
Stuttgart
Profi oder Scharlatan? Wie man die besten
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten findet
Carmen Heerdegen, Fachärztin und Psychotherapeutin,
Stuttgart
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