© PSYCHOTHERAPIE 18.09.2000
Sprechstunde mit Doktor Abaris®
Psychotherapie bei Flugängsten und Flugphobien (Teil 2)
Flugangst bei jedem Dritten
Besser kognitive Verhaltenstherapie beim Psychotherapeuten als
"Angstseminare"
"Als Manager gehört zu meinem
Verantwortungsbereich auch die Betreuung der amerikanischen
Niederlassung unseres Unternehmens", schrieb Sigmund an
PSYCHOTHERAPIE und fragte: "Wie kann ich meine Flugangst
loswerden, bevor ich meinen Job verliere?" Die im
Teil
1 dieses Beitrages begonnene Antwort wird fortgesetzt
von
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| Wichtige rechtliche
Hinweise |
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Dietmar G. Luchmann
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut & Leiter
des ABARIS® Institutes für Psychotherapie, Stuttgart:
Sie werden nachvollziehen können, lieber
Sigmund, wie wenig es Ihnen in diesem Fall nützen würde, in
einem Flugangst-Seminar von Piloten eine Menge über
Flugzeugtechnik und Luftfahrtsicherheit zu erfahren. Ein echter
Phobiker kann hierbei durch die Detailinformation mit seiner
selektiven Wahrnehmung noch mehr "Futter" für seine
Horror-Vorstellungen erhalten ("O Gott, da kann ja auch noch was
passieren").
Ebenso wenig würde es Ihnen helfen, von Psychologen oder anderen
"Helfern" Entspannungstechniken vorgestellt zu erhalten, weil
diese an der falschen Stelle ansetzen: Die Quelle Ihrer Angst
ist Ihr Denken. Die Erregung Ihres vegetativen Nervensystems mit
all seinen eindrucksvollen und unangenehmen Symptomen wie
Verkrampfung, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit,
Harndrang usw. ist lediglich die Folge dieses Denkens.
Freilich ist der Versuch, das vegetative Nervensystem mit
Entspannungsübungen zu beruhigen, deshalb so populär, weil
Entspannungsübungen nicht mit dem "Makel" einer Psychotherapie
"befleckt" sind. Die wohlfeilen Formeln des Autogenen Trainings,
die Psychologen an jeder Volkshochschule anbieten, bleiben
notwendigerweise erfolglos, weil Ihnen dabei niemand hilft, Ihr
selbstschädigendes Denken zu ändern. Der "Kurs
über Autogenes Training", den Sie besuchten, hatte Ihnen
genau dies nicht vermitteln können und deshalb - außer der
unnötigen Erleichterung Ihrer Brieftasche - "nichts
gebracht", wie Sie berichten.
Natürlich macht es etwas her, wenn eine angesehene Airline
Flugangst-Seminare durchführen lässt. Da Betroffene im engen
Fokus ihrer Aufmerksamkeit oft nur das oberflächliche Problem
"Flugangst" und nicht die zugrundeliegenden Ursachen erkennen
können oder wollen, vermuten sie in verbreiteter und nicht ganz
unberechtigter Scheu vor dem bunten Markt der "Psycho-Szene"
Kompetenz für ihre Flugangst eher bei den Flug- als bei
Psycho-Experten. Ein Phänomen, welches die Placeboforschung seit
langem kennt: Von allen Zuckerpillen wirkt die Pille mit der
roten Farbe als stärkster Signalfarbe am besten.
Wenn "DER SPIEGEL" vor diesem Hintergrund derlei Veranstaltungen
gegen Flugangst als "größtes Placebo des
Jahrhundert" bezeichnet, so spiegelt diese Bewertung
meines Erachtens sehr treffend den großen Kontrast zwischen Form
und Inhalt wider. Kleidung, Gesicht und Haltung der Teilnehmer
auf dem "SPIEGEL"-Foto deuten auf einen eher
überdurchschnittlichen sozialen und Bildungshintergrund hin.
Umso krasser wirkt die Selbsttäuschung der Teilnehmer,
die mit gebannten Blicken den technischen Ausführungen des
Piloten folgen und zugleich am Kern ihres psychischen Problems
so sehr vorbeigehen.
Zudem beinhaltet leider nicht alles, was im Markt mit dem
Etikett "Verhaltenstherapie" angeboten wird, tatsächlich ein
kognitiv-verhaltenstherapeutisches Konzept oder die
entsprechende therapeutische Kompetenz. Keine
Verpackungsverordnung kann verhindern, dass Ihnen für Ihr Geld
nutzlose Dinge aufgedrängt werden. Das ist, wie "DER SPIEGEL" in
seinem Beitrag anprangert, auch im Psycho-Markt mit seiner
bizarren "Therapieindustrie" nicht anders.
Wie können Sie nun Ihre Flugangst loswerden, fragen Sie.
Betrachten Sie Ihre Angst, lieber Sigmund, als Ergebnis und Teil
einer fehlgelaufenen Lerngeschichte. Die
selbstschädigende Art und Weise Ihres Denkens, die ich
keinesfalls nur auf das Fliegen beschränkt sehe, können Sie
verändern. Die untauglichen Problemlösestrategien, die Ihre
Schwierigkeiten vergrößerten und Ihnen Stress erzeugten bis Ihr
vegetatives Nervensystem überschäumte, können Sie durch bessere
Strategien und eine realistischere Sicht auf sich selbst
ersetzen lernen.
Der nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand hierfür am besten
geeignete Weg ist eine kognitive Verhaltenstherapie, die
ihre ganz persönliche Lerngeschichte und ihre individuellen
Ressourcen, die Sie in die Psychotherapie einbringen,
berücksichtigt. Ein Seminar - selbst wenn es von
Psychotherapeuten geleitet wird - stößt mit Blick auf Ihre
individuellen Kognitionen schnell an Grenzen.
Der beste Ansprechpartner ist ein qualifizierter und möglichst
spezialisierter Psychotherapeut, der mit Ihnen kognitiv und
verhaltenstherapeutisch an Ihrem Denken ("Kognition") arbeitet.
Am Ende einiger weniger Sitzungen guter kognitiver
Psychotherapie werden Sie in der Regel in der Lage sein, einen
mehrstündigen Flug auch ohne weitere therapeutische Hilfe zu
unternehmen. In der Tat ist es nach dieser effektiven
kognitiven Vorbereitung nur bei einem verschwindend kleinen
Teil unserer Klienten überhaupt noch erforderlich, sie zur
"Reizkonfrontation" in die gefürchteten Situationen zu
begleiten. Wahrscheinlicher ist für uns eine Postkarte wie
diese: "...nach nur 3 Therapiestunden war der
Flug nach Ibiza ein wunderschönes Erlebnis ! Diesen hatte ich
vor 3 Wochen noch als schlimmstes, angsterregendes Ereignis
empfunden. In freudiger Erwartung auf den Rückflug genieße ich
den Rest der Woche hier..."
Eine psychoanalytische oder
tiefenpsychologische Behandlung sollten Sie hingegen strikt
ausschließen. Psychoanalyse gilt als untauglich bei Angst- und
Panikstörungen. Scheuen Sie sich nicht, nach entsprechenden
Erfahrungen und der voraussichtlichen Therapiedauer zu fragen,
die auch bei langjährig verfestigten Flugängsten 25 Stunden in
der Regel nicht überschreiten sollte.
Legen Sie Ihre Scheu vor einer "Psychotherapie" ab: Ein guter
Psychotherapeut wird Ihnen nicht nur helfen, dass Sie
dauerhaft Ihre "Flugangst loswerden",
sondern Sie insgesamt leistungsfähiger machen, weil er Sie zu
einem besseren Verständnis Ihrer Stärken und Schwächen führt.
Die Bewältigung Ihrer Schwächen und die Entwicklung Ihrer
Stärken sollte Ihnen nicht nur Ihren Job erhalten, sondern Sie
künftig auch angemessener mit "einem
stressigen Tag" umgehen lassen.
Zum
Teil 1 der Antwort auf die Frage, wie Flugangst am besten
behandelt werden kann.
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