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Medienpsychologe kritisiert negative Modellwirkung des Fernsehens: "Aktenzeichen XY" animierte Jugendlichen zu VerbrechenWien/Mainz (25.09.2000) - Der österreichische Medienpsychologe Peter Vitouch hat der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" vorgeworfen, Nachahmungstäter zu animieren. Als jüngstes Beispiel nannte der Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für empirische Medienforschung in einem dpa-Gespräch eine Vergewaltigung in Wien. Ina Maria Reize, Redaktionsleiterin der ZDF-Traditionssendung, wies die Vorwürfe des Wissenschaftlers am Montag zurück.Vitouch schilderte, dass ein Jugendlicher in Wien festgenommen worden war, nachdem er am 3. September eine 19-jährige mit einem Messer bedroht und sich dann an ihr vergangen haben soll. Der Verdächtige hatte sich nach Angaben des Medienpsychologen vermutlich die Darstellung einer Vergewaltigung in der Fernsehsendung zum Vorbild genommen. "Es ist vor allem gefährlich, weil Fälle mit positivem Ausgang für den Täter gezeigt werden", kritisierte Vitouch das Konzept der langjährigen Sendereihe. "Aktenzeichen XY... ungelöst" stellt ungeklärte Kriminaltaten nach, die durch Mithilfe der Bevölkerung gelöst werden sollen. Die Sendung "hängt sich das soziale Mäntelchen um, Positives zu zeigen, weil Verbrecher gejagt werden", kritisierte der Medienpsychologe. Dabei werde vergessen, dass gerade die realistische Nachstellung mit Laiendarstellern zur Imitation von Gewalttaten anregen könne. Reize sagte, dass der Vorwurf der Nachahmung schon so alt wie die Sendung sei - mehr als 30 Jahre. "Die Polizei hätte uns längst die Zusammenarbeit aufgekündigt, wenn dies der Fall wäre", meinte sie. "Wie klären aber in jedem Fall mit der Polizei ab, ob die Gefahr der Nachahmung besteht. Dabei vermeiden wir, neue Techniken zu zeigen, die als Anleitung dienen könnten." Dem Zuschauer mögen einige Dinge zwar neu erscheinen, kriminelle Kreisen könnten damit aber nichts anfangen. Wenn ein Täter zudem behaupte, er sei vom Fernsehen animiert worden, sei dies nur eine Schutzbehauptung. "Man darf die Alleinschuld aber nicht den Medien geben", räumte Vitouch ein. Der Täter in Wien habe vermutlich schon vorher massive Probleme im sexuellen Bereich gehabt. "Der letzte Kick ist dann oft die Nachahmung verschiedener Verhaltensweisen", erklärte er. Als weitere Gefahr der realistischen Darstellung sieht Vitouch, dass sich andere Zuschauer in die Opferrolle drängen ließen. "Man hat Angst, besonders bedroht zu sein. Obwohl nur Einzelfälle gezeigt werden, erscheint die Situation allgegenwärtig", meinte Vitouch. Erst vor vier Tagen ist ein Sexualverbrecher aus dem Ruhrgebiet nach dem grausamen Mord an vier Frauen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ihm diente ein Horror-Video mit dem Titel "New York Ripper", das dem Angeklagten im Alter von etwa acht Jahren in die Hände gefallen war, als "Vorlage für später". Die Szenen hätten ihn fasziniert. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 25. September 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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