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PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753). Zeitschrift für Moderne Psychotherapie und Gesundheit. Herausgeber: Dietmar G. Luchmann (Dipl.-Psychologe, Psychotherapeut)

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Sexualhilfe für dänische Behinderte: Bordellbesuch und Masturbationshilfen

Kopenhagen (10.08.2000) - Von Thomas Borchert. Psychisch oder physisch Behinderten in Dänemark sollen mit staatlicher Hilfe bessere Möglichkeiten zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse verschafft werden. In dieser Woche hat das Kopenhagener Sozialministerium dazu den Entwurf eines Leitfadens veröffentlicht, in dem unter anderem die Vermittlung von Prostituierten und praktische Hilfe bei Selbstbefriedigung als Teil der Betreuungsarbeit angeführt werden.

Sissel Lindgaard, Autorin des Leitfadens, hat wenig Verständnis für heftige Proteste einiger Politikerinnen gegen ihre Empfehlung, Prostituiertenbesuche für Behinderte zu arrangieren. "Wenn der Rest der Bevölkerung solche Bedürfnisse ausleben darf, warum soll man dann nicht jemandem helfen, der rein praktisch kein Telefon bedienen oder sich verbal nicht ausdrücken kann?" Derartige Hilfeleistungen seien auch schon lange üblich und seit gut einem Jahrzehnt auch durch ein Gutachten von höchstrichterlicher Stelle juristisch abgesichert.

Praktische Sexualhilfe für Behinderte sei in Dänemark zwar kein Tabuthema mehr, aber nicht zuletzt für die in der Betreuung Arbeitenden "höchst sensibel und mit großer Unsicherheit verbunden". Auch unter den 175 im Lande bereits tätigen "Sexualratgebern" gebe es nur sehr wenige, die selbst bereit seien, Behinderten bei der Selbstbefriedigung praktisch zu helfen bzw. sie praktisch darin zu unterrichten.

"Sexuelle Gesundheit ist als grundlegendes Menschenrecht anzusehen", heißt es in der Einleitung des Leitfadens, und auf dieser Basis sieht auch Lindgaard den Handlungsbedarf für staatliche Betreuer: "Die Behinderten müssen dieselben Rechte haben wie Nichtbehinderte, und andere dürfen auch ihnen nicht vorschreiben, ob Sex mit Liebe verbunden sein muss oder nicht." Enttäuscht ist sie, dass die Diskussion in Medien und von Politikern oft nur mit Blick auf die moralische Haltung zur Prostitution geführt werde.

Ganz praktisch sieht Lindgaard die Rolle des Betreuungspersonals neben der Kontaktanbahnung mit Prostituierten beiderlei Geschlechts darin, für möglichst positive Bedingungen zu sorgen. So solle man die Dirnen möglichst vorab bei einem Gespräch auf Besonderheiten der jeweiligen Person aufmerksam machen und dafür sorgen, dass ausreichend Zeit sei. Es gibt laut dem Lautfaden in Dänemark inzwischen auch schon eine ganze Reihe von Prostituierten, die nur für behinderte Kundschaft arbeiten. Nach einer TV-Sendung, so Lindgaard, hätten sich bei ihr mehrere männliche Liebesdiener mit ähnlichen Plänen gemeldet.

Immer und immer wieder warnt die Autorin davor, das Thema Sexualität von Behinderten auf Selbstbefriedigung, Geschlechtsverkehr und Orgasmus zu reduzieren. "Ihre Bedürfnisse sind genau so unterschiedlich wie bei anderen Menschen." Dies ergibt sich auch aus der extrem unterschiedlich Ausgangslage. Sexualhilfe für einen geistig von Geburt an stark behinderten Menschen müsse etwas komplett anderes sein als für einen nach einem Unfall komplett Gelähmten. Beide aber hätten oft akuten Bedarf an Hilfe.

Neu ist auch für Dänemark, dass in einem regierungsamtlichen Dokument explizit und praktisch erläutert wird, in welcher Weise Betreuungseinrichtungen sexuelle Hilfestellung leisten dürfen. Damit sollen Angst und Unsicherheit abgebaut werden. So heißt es im Leitfaden: "Es kann Bedarf an praktischer Hilfe bei Geschlechtsverkehr oder anderem physischem Kontakt mit einem Partner bestehen. Das bedeutet z.B., dass ein Paar in die richtige Stellung gelegt wird." Ausdrücklich ausgeschlossen und als verboten eingestuft wird eigener sexueller Kontakt von Betreuern mit Behinderten.

[Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 10. August 2000]

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