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Kinder-Pornografie mit Anleitung zur Tötung eines Mädchens im Internet - Kindersex-Tourismus an der deutschen GrenzeHannover/Bad Segeberg/Berlin (04.08.2000) - Eine Anleitung zur Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines zehnjährigen Mädchens hat ein junger Mann aus Schleswig-Holstein ins Internet gestellt. Der 26-jährige aus Bad Segeberg hat der Polizei gestanden, diese Anleitung auf sieben Seiten seiner Homepage installiert zu haben. Nach seinem Geständnis war er dem Haftrichter vorgeführt, aber wieder freigelassen worden. Es habe kein Haftgrund vorgelegen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Diese Tatsache bewertete der Kinderschutzbund als bedrückend. Besonders erschütternd sei jedoch, dass viele Internet-Benutzer diese Seite angeklickt hätten, sagte Kinderschutzbund-Sprecherin Gabriele Wichert am Freitag in Hannover.Nach Polizeiangaben sichten Spezialisten des Landeskriminalamtes derzeit das Material, das in der Wohnung des 26-jährigen gefunden wurde. "Wir haben Unmengen von Videokassetten und Schriften sichergestellt", sagte ein Sprecher der Segeberger Polizei. Nach der Auswertung werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob gegen den Mann Anklage wegen Aufforderung zu einer Straftat erhoben wird. Zurzeit werde nur wegen des Besitzes und der Verbreitung pornografischer Schriften gegen ihn ermittelt. Der 26-jährige selbst habe bestritten, andere zu Straftaten aufgefordert zu haben. Das will er nach eigener Aussage auf seiner Homepage auch so zum Ausdruck gebracht haben. Der neue Fall von Kinder-Pornografie im Internet war nach einem Bericht der "Lübecker Nachrichten" von Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) aufgedeckt worden. Das BKA sei nach monatelangen Recherchen auf die Spur des Mannes aus Wahlstedt bei Bad Segeberg gekommen. Der Mann habe seine "perversen Fantasien" wie ein Drehbuch für einen Pornofilm formuliert. Die detaillierten Tipps wie ein junges Schulmädchen gekidnappt werden könne, gipfelten in der Aufforderung, das Kind zu ersticken. Der Kinderschutzbund zeigte sich entsetzt. "Das ist ein ganz extremer Fall", sagte Sprecherin Gabriele Wichert. Sie finde es sehr bedrückend, dass der Mann wieder auf freiem Fuß sei, da dem bislang unauffälligen Täter juristisch keine Aufforderung zu einer Straftat nachzuweisen sei. Möglicherweise bestehe hier eine Gesetzeslücke, sagte Wichert. Falls dies der Fall sei, müsste diese umgehend gefüllt werden. Der Täter selbst brauche vermutlich eine psychologische Behandlung. Das Bundeskriminalamt recherchiert nach Angaben der Polizei routinemäßig im Internet. Werde entsprechendes Material entdeckt, veranlasse die Bundesbehörde in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Landeskriminalamt entsprechende Ermittlungen durch die zuständige Kriminalpolizei. Kindersex-Tourismus: Berlin und Prag wollen zusammenarbeiten Erst wenige Wochen zuvor hatte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesinnenminister, Cornelia Sonntag-Wolgast (SPD), in Berlin angekündigt, die deutschen und die tschechischen Behörden wollten ihre Zusammenarbeit beim Kampf gegen Kinderprostitution und deutsche Sex-Täter in den grenznahen Gebieten der Tschechischen Republik verstärken. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein abscheuliches Verbrechen, das mit schwerwiegenden psychischen und physischen Folgen für die Betroffenen verbunden ist." Sex-Tourismus gäbe es entgegen weitläufigen Annahmen keineswegs nur in der Ferne, wie etwa in Thailand, sondern unmittelbar vor der Haustür Deutschlands in angrenzenden Nachbarstaaten. Seit 1996 sei in den grenznahen tschechischen Gebieten die Kinderprostitution und der Missbrauch durch deutsche Täter erheblich angestiegen. Es würden aber nur wenige Fälle angezeigt, die Dunkelziffer sei hoch. Das Bundesinnenministerium hatte Ende Juni an acht Grenzübergängen eine Aktion mit Plakaten und Postkarten gestartet, auf denen Sextourismus mit Kindesmissbrauch angeprangert wurde. Dabei hatten Polizeibeamte aus Sachsen und Bayern sowie der Bundesgrenzschutz und andere Helfer den Dialog mit den Bürgern gesucht und sie auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Zugleich wurde appelliert, bei verdächtigen Beobachtungen Anzeigen zu erstatten. Sonntag-Wolgast zog am 11.07.2000 eine positive Bilanz der Aktion. Viele Bürger hätten bis dahin nur wenig über den sexuellen Missbrauch von deutschen Tätern auf der anderen Seite der Grenze gewusst. Wenig bekannt sei auch, dass ein Täter, der solche Delikte im Ausland begeht, auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt wird. Nach ihren Angaben haben vor allem Familien (90 Prozent) und allein reisende Frauen (85 Prozent) Interesse an der Aktion gehabt. Von den allein reisenden Männern hätten nur 70 Prozent Interesse gezeigt. [Zitierweise dieses Beitrags: PSYCHOTHERAPIE, Bd. 1 (2000), Report: 04. August 2000] Zum Thema
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© 2000 PSYCHOTHERAPIE, Stuttgart PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753) erscheint im ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltenstherapie, Stuttgart. Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. |
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