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Sexuelle
Funktionsstörungen der Frau rücken ins Blickfeld: Ergebnisse zur
Wirkung von Viagra bei Frauen in den USA vorgestellt
Atlanta,
Georgia (04.05.2000) - Die sexuelle Revolution der sechziger Jahre
wurde unter anderem durch die "Pille" ermöglicht. Die
zuverlässige Verhütungsmethode empfanden viele Frauen als
befreiende Errungenschaft. Der Sexualmediziner Professor Dr. Irvin
Goldstein von der Bostoner Universität äußerte jetzt auf dem
Jahrestreffen der amerikanischen Urologenvereinigung in Atlanta,
Georgia (USA), die Ansicht, dass mit der Einführung von Viagra
(Wirkstoff Sildenafil) eine zweite sexuelle Revolution ausgelöst
wurde. Viele Männer mit Potenzstörungen, aber auch immer mehr
Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen, fassen sich - so
Goldstein - eher ein Herz und suchen medizinische Hilfe.
Der Sexualmediziner und seine Kollegin, Dr. Jennifer Berman,
Urologin und Sexualmedizinerin an der Universität in Boston,
konnten jetzt bei 35 Patientinnen zeigen, dass die operative
Entfernung der Gebärmutter sexuelle Funktionsstörungen
verursachen kann, und dass Sildenafil bei diesen Frauen einen
positiven Effekt hat. Während alle Frauen zu Beginn der Studie über
mangelnde Empfindungsfähigkeit im Genitalbereich klagten und
trotz sexueller Stimulation keine Orgasmen erreichten, berichteten
unter Sildenafil nur noch 22 Prozent über mangelnde Empfindung
und 84 Prozent erlebten Orgasmen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam
eine andere Studie bei 16 Patientinnen, die unter verschiedenen
Formen sexueller Störungen litten; 70 Prozent dieser Patientinnen
waren ebenfalls an der Gebärmutter operiert worden.
Die Wissenschaftler weisen aber darauf hin, dass die Ergebnisse
aus diesen beiden kleinen Studien in größeren standardisierten
Untersuchungen überprüft werden müssen. Vorher - so Goldstein -
sei die Wirkung von Sildenafil bei Frauen noch nicht zuverlässig
belegt. Berman glaubt, dass Frauen mit überwiegend organisch
bedingten sexuellen Defiziten, beispielweise nach
Unterleibsoperationen, die ersten Kandidatinnen für eine
Behandlung mit Sildenafil darstellen werden. Erst seit einigen
Jahren schenke man solchen körperlichen Ursachen sexueller
Funktionsstörungen bei Frauen überhaupt Beachtung.
"Wir stehen also noch ganz am Anfang" kommentiert Berman
die noch sehr ausgedehnten weißen Flecken auf der Landkarte der
weiblichen Sexualmedizin.
Fast die Hälfte aller US-Amerikanerinnen leiden unter sexuellen
Funktionsstörungen. Wie Berman berichtet, haben viele Frauen zunächst
enorme Schwierigkeiten damit, ihre sexuellen Defizite genau zu
schildern. Die Beschwerden äußern sich bei den meisten darin,
dass sie nur schwer in einen Zustand sexueller Erregung kommen können.
Körperliche Funktionen der Erregung, wie zum Beispiel das
Feuchtwerden der Scheide und die Zunahme der Blutfülle in den
Geschlechtsorganen, bleiben zu schwach oder ganz aus. Viele Frauen
klagen darüber, keinen Orgasmus zu erreichen. Manche leiden unter
Schmerzen oder Missempfindungen während oder nach dem
Geschlechtsverkehr, oder unter unwillkürlichen Scheidenkrämpfen,
die das Eindringen des Penis unmöglich machen. Viele verspüren
nur wenig oder gar kein sexuelles Verlangen.
Auch wenn, so Berman, die sexuellen Beschwerden bei den meisten
Frauen sehr ähnlich sind, seien sehr unterschiedliche Ursachen im
Spiel - "Jede Frau ist anders". Psychologische Faktoren
wie zum Beispiel Beziehungsprobleme können eine wichtige Rolle
spielen. Auf der anderen Seite gebe es eine Reihe körperlicher Störungen
wie zum Beispiel hormonelle Faktoren, Nebenwirkungen von
Medikamenten, chronische Erkrankungen oder Operationsfolgen, die
die sexuellen Körperfunktionen beeinträchtigen können.
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