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Emnid-Umfrage
belegt neue Körperlichkeit als Religionsersatz: Konfessionslose
leben ungesünder und wollen mehr Sex
Landau
(26.04.2000) - Menschen ohne religiöse Bindung leben einer Studie
zufolge ungesünder als gläubige Menschen und wollen mehr Sex.
Die Gläubigen leiden hingegen stärker unter den gängigen Schönheitsnormen,
vor allem die Katholiken tun sich damit schwer.
Das geht aus einer am Dienstag in Landau vorgestellten Studie zum
Körperkonzept von Anhängern der beiden großen Kirchen und
Konfessionslosen hervor. Dafür hatte das Emnid-Institut im
Auftrag der Forschungsstelle für Sexualwissenschaft der Universität
Koblenz-Landau bundesweit 1.414 Menschen im Alter von 14 bis über
80 Jahren befragt.
Sexualnormen christlicher Glaubensgemeinschaften beeinflussten in
gleicher Weise nachhaltig und im Vergleich mit den
konfessionslosen Zeitgenossen weniger positiv das jeweilige
Sexualverhalten, bilanzierte der Leiter der Forschungsstelle,
Prof. Norbert Kluge. "Konfessionslose beurteilen ihr
Sexualleben hingegen positiver."
Zu fragen sei aber, ob bei den Menschen ohne religiöse Bindung
der Körper einen so hohen Stellenwert besitze, weil der Zeitgeist
dies wolle und religiöse Normen diese Einstellung nicht
behinderten. "Vielleicht übernimmt die neue Körperlichkeit
bei dieser Gruppe die Funktion des Religionsersatzes", sagte
Kluge.
Wert auf eine ausgewogene Ernährung legen der Umfrage zufolge vor
allem die evangelischen Gläubigen. 84 Prozent der 554
evangelischen Teilnehmer bejahten die Frage, ob sie mit
ausgewogener Ernährung für ihre Gesundheit sorgen. 81 Prozent
der 453 befragten Katholiken handeln nach eigenen Angaben
ebenfalls so. Von den 407 Konfessionslosen achten hingegen nur 77
Prozent auf eine gesunde Ernährung.
Menschen ohne religiöse Bindung schneiden auch bei der
Schlafdauer schlechter ab. Nur 81 Prozent von ihnen gaben an, sich
eine ausreichende Nachtruhe zu gönnen. Bei den evangelischen
Befragten waren es hingegen 84 Prozent, bei den katholischen sogar
85 Prozent.
Deutlich werden die Unterschiede auch, wenn es um den Konsum von
Zigaretten, Alkohol und Kaffee geht. Während 71 Prozent der
evangelischen und 69 Prozent der katholischen Befragten angaben,
dass sie ihrer Gesundheit zuliebe möglichst wenig Genussmittel
konsumieren, waren es bei den Konfessionslosen nur 63 Prozent.
Ein stärkeres Interesse als die beiden religiös gebundenen
Gruppen zeigen die Konfessionslosen bei der Sexualität. 89
Prozent von ihnen gaben an, sexuelle Befriedigung spiele für sie
eine große Rolle. Bei den Katholiken waren es 83 Prozent, bei den
evangelischen Befragten 80 Prozent.
Von den gesellschaftlichen Schönheitsidealen fühlen sich vor
allem die Katholiken unter Druck gesetzt. Auf die Frage, ob sie
unter dem gesellschaftlichen Anspruch litten, schön sein zu müssen,
antworteten 25 Prozent von ihnen mit Ja. Bei den evangelischen
Befragten waren es 21 Prozent, bei den Konfessionslosen sogar nur
19 Prozent. Die Katholiken glauben auch eher, fit und sportlich
sowie gesund und leistungsfähig sein zu müssen als die anderen
beiden Gruppen.
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