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 Psychotherapie News  April 2000   Psychotherapie
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Depressionen, Nervosität, fliegende Hitze, schwindende Libido: Gibt es "Wechseljahre" auch bei Männern?

London (03.04.2000 ) - "Männer kriegen keine Kinder, Männer kriegen dünnes Haar...", das wissen wir längst, aber gibt es außer der Midlife-Crisis so etwas wie eine männliche Version der Wechseljahre? Darüber streiten sich die Experten, unlängst auf dem 2. Weltkongress "The Aging Male" in Genf - diese Woche im British Medical Journal (BMJ 2000, 320, S.858-861).

Der Begriff männliche Menopause sei zwar nicht passend, weil er plötzlichen Abfall der Sexualhormone wie bei Frauen suggeriere, erklären die Mediziner der Pro-Seite, Duncan C. Gould und Richard Petty von der Londoner WellManClinic. Dennoch könne langsam sinkendes Testosteron beim alternden starken Geschlecht zu einer Kollektion von wechselartigen Symptomen führen: Depressionen, Nervosität, fliegende Hitze, schwindende Libido, Erektionsstörungen, rasche Ermüdung sowie Konzentrationsschwäche.

Gould und Petty erklären, das männlichste aller Hormone werde weniger in den Hoden produziert, der hormonelle Regelkreis lasse nach. Ferner steige im Alter das Sexualhormone bindende Globulin im Blut, das Testosteron abfischt und so inaktiviert. Zwischen 25 und 70 Jahren gehe der aktive Hormonanteil um 50 Prozent zurück. Alles, was den alternden Mann quälen kann, ist laut der Londoner Mediziner Folge von zu wenig aktivem Testosteron: Fett, das in Rettungsringhöhe anwächst, dahinschwindende Muskelmasse und –kraft, Depressionen, und Erektionsprobleme. Letztere seien zwar oft psychisch bedingt, räumen die Autoren ein, jedoch in sechs bis 45 Prozent gehe das Potenzproblem auf das Konto des Hormonmangels. Auch Osteoporose schreiben die beiden vorsichtig dem Testosteronmangel zu.

Insgesamt plädieren Gould und Petty – egal wie man das Kind nun nenne, männliches Klimakterium oder Hypotestosteronämie – dafür, "alle Männer mit eingangs beschriebenen Beschwerden sollten untersucht werden", inklusive morgendlichem Testosteron, weiteren Sexualhormonen und Globulin. Wer eindeutige Zeichen von Testosteronmangel zeige und keine Kontraindikationen, der solle es medikamentös erhalten. Denn es sei beispielsweise "Konsens, dass die Testosteron-Gabe bei hypotestosteronämischen Männern Fett, Muskelmasse und -kraft verbessere".

Völlig anders sieht das Howard S. Jacobs, von der Royal Free and University College School of Medicine ."Wir sollten gut überlegen, wie viele der Veränderungen bei Männern von den mittleren Jahren hin zum Alter den vergehenden Jahren zuzuschreiben ist und wie viel einer Abnahme von Hormonkonzentrationen." Die hormonelle Erklärung ist verlockend, da sie auch gleich die Lösung offeriert - Hormongabe. Nur Symptome und gleichzeitigvorliegende Hormonspiegel sind für den emeritierten Professor für Reproduktions-Endokrinologie kein Argument. Wichtig ist beweisen zu können, dass der Hormonmangel tatsächlich Auslöser ist.

In einer Studie mit 100 Männern über 65 hat Testosterongabe zwar das Leibesfett reduziert, jedoch nicht die Muskelkraft verbessert und in punkto Osteoporose nicht besser abgeschnitten als Placebo. Besonders betont Jacobs, die Rolle des Männlichkeitshormon bei sexueller Aktivität sei nicht hinreichend geklärt. Was bei älteren Männern an Testosteron durch die Adern rausche, sei üblicherweise mehr als genug für sexuelle Reaktionen. Nichtsdestotrotz klagt die Hälfte der 50- bis 70-jährigen über Impotenz. Jacobs berichtet, bei 80 Prozent der Erektionsstörungen gehe man heute von organischen Ursachen aus: Zuckerkrankheit, Gefäß- und Nervenleiden, Operationen oder Verletzungen. "Die Analogie zur weiblichen Menopause" findet Jacobs "wenig hilfreich", um die Alterung bei Männern zu verstehen oder Probleme zu lösen. "Die häufigsten Hormonstörungen bei älteren Menschen sind Diabetes mellitus und Schilddrüsenunterfunktion, und diese sind definitiv behandelbar."


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