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 Psychotherapie News  März 2000   Psychotherapie
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Die Liebe - eine Krankheit?

Stuttgart (27.03.2000) Von Thomas Niemann - Wissenschaftler untersuchen schon lange die neurophysiologischen Vorgänge, die bei Stress, Aggression oder Depression ablaufen. Aber wie sieht es mit der Liebe aus? Eine Studie des Psychiaters Donatella Marazitty von der Universität Pisa führte laut "New Scientist" zu dem Ergebnis, dass Verhaltensmuster und Gehirnchemie von Verliebten mit denen vergleichbar sind, die unter einer psychischen Krankheit leiden: zwanghafte Verhaltensstörungen oder obsessive compulsive disorders (OCD).

Bislang beschränkte sich eine solche Diagnose auf Menschen, die erst nach dem dritten Kontrollblick sicher sind, den Herd tatsächlich abgeschaltet zu haben. Oft quält OCD die Betroffenen mit ständig auftretenden Angstzuständen. Nun klingt das doch nicht nach dem Gefühl von Glückseligkeit in der Liebe. Dennoch sagen Psychologen, dass leidenschaftliche Erregung den OCD-Angstzuständen sehr ähnlich sei. OCD-Kranke und Verliebte können sich gleichermaßen über Stunden mit einer Sache oder einem Menschen gedanklich Beschäftigen, ohne dass es rationale Gründe dafür gäbe.

Auch biochemische Gemeinsamkeiten konnten die Wissenschaftler bei einem Vergleich der beiden Krankheiten finden. So konnten die Wissenschaftler einen zu geringen Serotoninspiegel sowohl bei Verliebten, als auch bei den OCD-Patienten feststellen. Ein solcher Mangel des Neurotransmitters kann Aggressionen auslösen, Hemmungen abbauen und den Menschen zu völlig irrationalen Handlungen bewegen.

Die Störung des Serotonin-Gleichgewichts ist bei Verliebten aber nicht von langer Dauer. Bereits nach wenigen Monaten, wenn das erste Gefühl der Verliebtheit vorüber ist, steigen die Serotonin-Werte wieder auf Normal, wie dies bei OCD-Patienten der Fall ist, wenn sie medikamentös behandelt werden. Also, keine Angst – die Krankheit Liebe bedarf keiner Behandlung durch Psychopharmaka, sondern nur ein bisschen Zeit. (bdw)


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