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Sex
bizarr: Penisfechtende Halbfrauen und Pilze mit 13 Geschlechtern -
die Spielarten der Natur mit dem Sex sind grenzenlos
Stuttgart (27.03.2000) Von Thomas Willke -
Sie glauben ihre Partnerschaft wäre schwierig? Männer und Frauen
passen nicht zusammen? Oder behaupten Sie, dass Sie ein ungewöhnliches
Sexualleben haben? Vergessen Sie es! In der Natur haben sich so
viele ungewöhnliche Praktiken des Geschlechtslebens
herausgebildet, wie sie sich kaum ein menschlicher Geist ausdenken
könnte. Viele Lebensformen nehmen es mit den Festlegungen auf ein
Geschlecht dabei nicht so genau oder begnügen sich gar nicht erst
mit den üblichen zwei Geschlechtern.
Einfacher wird das Zusammenleben dadurch allerdings auch nicht.
Zwitter könnten es so nett und einfach haben. Da jedes Tier
sowohl Männchen wie Weibchen ist, sollte es eigentlich keinen Ärger
zwischen den Geschlechtern geben. Aber weit gefehlt - bei einigen
Arten jedenfalls. Sie wollen nur sehr ungern die Frauenrolle übernehmen.
Biologisch und wirtschaftlich gesehen ergibt dies sogar einen
Sinn: Sperma ist einfach herzustellen. Die Produktion der großen
Eizellen verbraucht jedoch viel Energie und Eiweiß. Außerdem können
Männer sich öfter paaren und damit mehr von ihrem Erbgut in die
nächste Generation weitergeben. Um die Männerrolle zu bekommen,
wenden einige Zwitter deswegen ausgesprochen unfeine Methoden an.
Die Schnecken vom Stamm der Ariolimax haben für ihre Körpergröße
riesige Penisse. Treffen zwei dieser Zwitter paarungsbereit
aufeinander, dann beginnen sie mit einem brutalen Spiel. Jeder
versucht, in den anderen einzudringen - und gleichzeitig dessen
Glied abzubeißen, streng nach dem obersten Prinzip der Natur:
Sieh zu, dass Deine Gene überleben, nicht die des anderen.
Das gleiche Ziel, aber eine andere Strategie verfolgen die prächtig
gefärbten Strudelwürmer Pseudocerus bifurcus. Im Barrier-Riff
vor der australischen Küste treffen sich die Zwitter zum
Penis-Fechten. Die etwa sechs Zentimeter großen Kontrahenten
bauen sich voreinander auf, wirbeln ihre mantelartigen Körperanhänge
zurück wie die Musketiere und präsentieren ihr Geschlechtsteil.
Sie belauern sich, warten auf eine gute Chance und machen einen
Ausfall. Sie stoßen mit ihrem Penis vor und versuchen ihn dem
Gegner in den Leib zu rammen. Sie suchen dabei gar nicht nach
einer passenden Geschlechtsöffnung. Ihr Ziel: Sperma unter die
Haut des Kontrahenten zu injizieren, ohne dabei selbst getroffen
zu werden. Für eine Befruchtung reicht dies erstaunlicherweise
bei diesen Tieren aus. Bis zu einer Stunde können diese
Sex-Duelle dauern.
Dem Kampf der Geschlechter entzogen haben sich die
Jungfernzeugerinnen. Die brauchen keine Männchen mehr. Die
Weibchen entwickeln Eier, die sich auch ohne Spermium teilen und
zu einem vollständigen Tier entwickeln. Sie klonen sich einfach.
Tiere aus den verschiedensten Stämmen kennen die männerfreie
Fortpflanzung: Blattläuse, Muschelkrebse, Salamander, Eidechsen
und manche Fische.
Fische gehören sowieso zu den sexuell flexibelsten Wirbeltieren.
Mehrere Arten sind notorische Transsexuelle. Heute Mann, morgen
Frau, übermorgen wieder Mann - kein Problem für einige
Zackenbarsch- und Grundelarten. Findet eine paarungsbereite
Weibchengruppe kein Männchen, dann verwandelt sich sich die größte
"Sie" in einen "Er".
Der Schleimpilz Physarum polycephalum hat einen ganz anderen Weg
gefunden, immer einen passenden Geschlechtspartner zu finden.
Physarum hat nicht 2 sondern 13 Geschlechter. Jeder dieser
Schleimpilze kann sich mit jedem Geschlecht paaren, außer seinem
eigenen. (bdw)
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