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Dumme
Sprüche ziehen nicht - Flirten ist ein Spiel ohne feste Regeln
Düsseldorf/Bielefeld
(12.01.2000) - Es ist das älteste Spiel der Menschheit: hinsehen,
wegschauen, lächeln und erröten. Flirten gehört zum Leben wie
Denken, Sprechen oder Laufen. "Schon kleine Kinder
beherrschen diese Kunst der Kontaktaufnahme", sagt die
Psychologin Regina Hamburger aus Düsseldorf. Doch was in
vergangenen Generationen ganz selbstverständlich und natürlich
gewesen sei, hätten viele heute verlernt.
Die eigene Selbstverwirklichung steht nach Beobachtung der
Psychologin zunehmend im Vordergrund - zwischenmenschliche
Beziehungen werden dabei eher vernachlässigt. Früher habe es
mehr Möglichkeiten für ein kultiviertes Kontaktspiel gegeben,
Rituale wie große Familienfeste oder Tanzstunden.
Dabei spielt das Flirten vor allem für Jugendliche eine große
Rolle: Für sie gehe es darum, die eigene Identität zu festigen
und spielerisch die Wirkung auf das andere Geschlecht zu erproben.
"Wer das verpasst hat, hat später oft Probleme bei der
Partnersuche", so Regina Hamburger. Viele müssten das
Flirten dann erst wieder in Seminaren lernen.
Lena Kirschner aus Bamberg benötigt dafür keine professionelle
Hilfe - sie flirtet gern und oft. "Das Wichtigste geschieht
mit den Augen", sagt sie. "Ihnen kann man sofort
ansehen, ob der andere Interesse hat oder nicht." Hinschauen,
wieder wegsehen und ein gezielter Augenaufschlag täten meist die
gewünschte Wirkung, weiß die 21-jährige Studentin. Den nächsten
Schritt müsse aber der Mann machen. Sie würde niemals als erste
den anderen ansprechen, sagt Lena.
Doreen Schüllinger aus Rostock hat damit keine Probleme. Trotzdem
sei es nicht gut, gleich "in die Vollen zu gehen",
findet die 16-jährige Schülerin. "Ich möchte schließlich
nicht gleich mein ganzes Leben vor ihm ausbreiten", sagt sie.
Unverfängliche Themen wie Freunde, Musik, Schule oder Arbeit und
Hobbys sind ihrer Meinung nach besser geeignet, um den anderen
kennen zu lernen. Es stelle sich dann sofort heraus, ob beide auf
einer Wellenlänge liegen. Wichtig ist jedoch auch, wie jemand
auftritt - die Ausstrahlung spielt beim Flirten eine große Rolle.
"Jungen, die nur cool sind oder zu viel getrunken haben, können
es gleich vergessen", sagt Doreen.
"Plumpe Anmache hat heute wohl nur noch selten Erfolg",
bestätigt Inge Wolff, Vorsitzende des Arbeitskreises
Umgangsformen International in Bielefeld. Junge Leute legten
wieder sehr viel Wert auf gutes Benehmen, sagt sie und verweist
auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid in
Bielefeld. Danach finden zum Beispiel 82,5 Prozent der Befragten
zwischen 14 und 29 Jahren angemessene Kleidung und 92 Prozent gute
Tischsitten wichtig. Für 99,1 Prozent ist es selbstverständlich,
den anderen ausreden zu lassen.
"Wer einen angenehmen Eindruck beim Gegenüber hinterlassen
will, kommt also an guten Manieren nicht vorbei", sagt Wolff.
Für das Flirten selbst dagegen gebe es keine Regeln, die Erfolg
garantieren. Hier seien Einfühlungsvermögen und Charme gefragt.
Aus diesem Grund hört Ronny Klein aus Halle seinen
Flirtpartnerinnen erst einmal aufmerksam zu und versucht dann auf
sie einzugehen. "Sie müssen das Gefühl haben, dass sie
etwas ganz besonderes sind", sagt der 25-jährige Student.
Auf direkte Komplimente dagegen verzichtet er lieber, da sie oft
falsch aufgefasst würden. "Zustimmende Gesten oder ein Lächeln
an passender Stelle sind viel wirkungsvoller", meint er.
Und wie geht es weiter? Ein Leuchten in den Augen und gemeinsames
Lachen sind für den 22-jährigen Michael Jesse aus Berlin ein
deutliches Zeichen, dass der Funke übergesprungen ist.
"Jetzt kann man sich mit einer zufälligen Berührung am Knie
oder einem flüchtigen Streifen der Arme vorsichtig voran
tasten", sagt er.
"Aber nicht jeder Flirt muss so weit führen. Schon ein
intensiver Blickwechsel ist sehr reizvoll", findet Michael.
"Das Aufregende beim Flirten ist das Spiel mit den
Grenzen." Obwohl beide Beteiligte von Anfang an wüssten,
worauf es hinausläuft, sei noch lange nicht klar, was dann
wirklich passiert.
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