PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
PSYCHOTHERAPIE
© PSYCHOTHERAPIE 16.04.2001

Entmündigung und Demütigung von Patienten in deutschen Psychotherapie-Kliniken - auf Rechnung der Krankenkassen (Teil 6)

Der nackte Kaiser
Qualitätssicherung in der Psychotherapie braucht mündige Patienten

VON WULF MIRKO WEINREICH

Dies ist die Fortsetzung von Teil 5 und der Abschluss des erschütternden Berichtes aus einer tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Klinik.

Mir ist während des Praktikums klar geworden, dass es mehrere Aspekte gibt, die für den Erfolg und die Wirkung einer Therapie notwendig sind, und dass man daher nicht pauschal Menschen, Schulen etc. verurteilen kann. Meines Erachtens gehören dazu:
- der äußere Rahmen (die Institution mit ihren Strukturen, Machtverhältnisse, etc),
- das äußere Setting (z. B. inwieweit die Räume und ihre Einrichtung zur Öffnung des Patienten beitragen),
- das Menschenbild,
- die Methode,
- die Persönlichkeit des Therapeuten (eigene Erfahrungen, Einfühlungsvermögen, etc).

Ich persönlich halte die durch therapeutische Arbeit an sich selbst erworbene eigene Reife für den wichtigsten Aspekt einer erfolgreichen therapeutischen Arbeit überhaupt - nur so ist es zu erklären, dass es in allen Schulen Therapeuten mit einer hohen Erfolgsquote gibt, die Wirksamkeit von Therapie innerhalb der Schulen aber stark differiert. Und jede Methode lässt sich letztendlich als Werkzeug zum Nutzen des Klienten oder als Waffe zum Schutz des eigenen Selbstbildes einsetzen.

Diese Beschreibung individueller Erfahrungen ist sicher nicht geeignet, irgendwelche allgemeingültigen Aussagen über Schulen, Therapeuten, Institutionen etc. zu treffen. Meines Erachtens wäre schon viel gewonnen, wenn es stärker öffentlich diskutiert würde, das die Behandlung einer psychischen Erkrankung nicht notwendigerweise in die nächstgelegene Psychotherapie zu führen hat, sondern dass es verschiedene Methoden, spezielle Einrichtungen und Therapeuten für die diversen Erkrankungen gibt. Außerdem dürfte auch ein psychisch erkrankter Patient den Anspruch auf freie Therapeutenwahl, sowie einen Anspruch darauf haben, bei dieser Wahl unterstützt und beraten zu werden.

Eine besondere Bedeutung bei der Evaluation der Angebote vor Ort haben die Krankenkassen, denn sie müssen ja für die Kosten aufkommen: Zwölf Wochen oder mehr haben ihren Preis. Sicher wäre es kein Problem, über Fragebögen an behandelte Patienten die Effektivität vorhandener Therapieangebote zu bewerten und danach über die eigenen Informationshefte Empfehlungen auszusprechen bzw. über die Kostenübernahme regulierend einzugreifen. Die einfachste Form wäre wohl die Frage: "Würden Sie diese Therapie auch machen, wenn Sie sie selbst bezahlen müssten?" Allein diese Frage würde so manchen Klienten veranlassen, genau zu schauen, ob Kosten und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis standen.

Auch durch die genauere Abstimmung, welche Störung am besten in welcher Klinik mit welcher Methode behandelt wird, ließen sich die Kosten drastisch senken und Therapiefehler - von denen Therapieresistenz eine eher mildere Form ist - weitestgehend vermeiden. Sofern überhaupt, wird es sicher noch Jahre dauern, bis Gütekriterien wie menschliche Reife, sachgerechter Umgang mit den Klienten oder Effektivität in die Zulassungsvoraussetzungen, um als Therapeut arbeiten zu können, aufgenommen werden.

Ausbildung wird bis heute überwiegend als eine Angelegenheit des Intellekts aufgefasst, eine Ansicht, die bei der Ausbildung von Psychotherapeuten viel zu kurz greift. Die einzigen, die heute schon diesen Kriterien genügen müssen, sind die freien Therapeuten, die nicht mit Kassenpatienten arbeiten: Kaum ein Klient würde eine Therapie von zwölf Wochen Dauer bezahlen können, die ihn dann auch noch gedemütigt statt geheilt entlässt. Der Markt als qualitatives Regulativ birgt allerdings neben anderen Gefahren auch die einer Mehr-Klassen-Psychotherapie: Die jungen und/oder schlechten Psychotherapeuten dürfen in Krankenhäusern mit den Klienten experimentieren, die nicht das Geld haben, sich einen guten, frei praktizierenden Therapeuten zu leisten. Und der Trend ist leider derzeit ziemlich groß, dass gute Therapeuten dem stressigen Klinikalltag den Rücken kehren und es vorziehen, sich in eigener Praxis niederzulassen. Deshalb bleibt die öffentliche Diskussion die wichtigste Entscheidungshilfe für einen Therapiewilligen.

   
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Rolf Degen: Lexikon der Psycho-IrrtümerDegen, Rolf: Lexikon der Psycho-Irrtümer. Frankfurt/Main: Eichborn-Verlag, 2000.

Mit seinem Angriff auf den "Irrgarten" von nunmehr 600 konkurrierenden Therapierichtungen enthüllt der von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie mit dem "Preis für Wissenschaftspublizistik" ausgezeichnete Journalist die "reine Quacksalberei" großer Teile der Psycho-Zunft. Provokant trägt das Buch damit zur Entwicklung wissenschaftlicher Psychotherapie als echte Heilungsalternative bei - durch fulminante Abrechnung mit falschen Grundannahmen von Psychoanalyse, Psychosomatik und Esoterik.
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In unserer ansonsten so aufgeklärten Zeit kann es nicht angehen, dass die meisten Menschen aus purer Uninformiertheit bei der Auswahl einer Weinsorte für den Freitagabend mehr Sorgfalt an den Tag legen, als bei der Auswahl eines Psychotherapeuten, der höchstwahrscheinlich die Richtung ihres weiteren Lebens maßgeblich beeinflussen wird. Verwiesen sei nur auf den bekannten hohen Anteil von Paarbeziehungen, die im Gefolge einer Psychoanalyse schon zerstört worden sind.

Der "kompetente Klient" ist sicher der beste Garant dafür, dass die für seine Probleme am besten geeignete Psychotherapie gefunden wird und gleichzeitig eine wirksame Qualitätskontrolle für die anbietenden Einrichtungen stattfindet. Hierzu bedarf es noch viel beharrlicher und fundierter Aufklärung.

Beginnen Sie mit Teil 1 dieses Praktikums-Berichtes über den Alltag einer tiefenpsychologisch-psychoanalytischen Klinik.

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