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![]() TROTT-WAR, Januar 2003, Seite 14-15 Burn-out - eine unterschätzte KrankheitWenn der Job keinen Spaß mehr machtBurn-out, die "Berufskrankheit der Sozialarbeiter", kann jeden treffen und ist inzwischen in allen Branchen im Vormarsch. Psychotherapeuten und Supervisoren sind hier die besseren Ärzte: Wer sich den Frust von der Seele redet, schafft neue Freude an der Arbeit. [...] Bericht von Jürgen Spieß Krankheit der Manager ?Burn-out ist längst nicht mehr die typische Managerkrankheit der unbelehrbaren Workaholics, die
sich täglich neu beweisen müssen. Burn-out betrifft ganz besonders die Angehörigen der so genannten helfenden Berufe
wie Krankenschwestern, Lehrer und Ärzte. Frauen sind noch öfter betroffen als Männer. "Es immer möglichst allen
alles recht zu machen" und "ja nicht als egoistisch" zu werden, unter diesem Druck stehen eher Frauen. "Die
Belastungen für Frauen sind im Vergleich zu denen der Männer häufig höher. Frauen haben in derselben Funktion im Job
mehr zu leisten, um dieselbe Anerkennung zu erhalten", sagt
Dietmar Luchmann, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut beim ABARIS Institut für Psychotherapie in Stuttgart. "Außerdem
haben Frauen oft die Mehrbelastung von Familie, Kinder, Haushalt und Beruf zu schultern." Dazu ist der persönliche
Anspruch bei vielen zu hoch. Zu einem Eingeständnis, dass man ausgebrannt sein darf und deswegen noch lange kein
schlechter Mensch ist, gehört Mut. Grenzen anerkennenExperten streiten sich, ob Burn-out eine ernstzunehmende Krankheit, eine vorübergehende Störung
oder eine Verlegenheitsdiagnose sei. Nach einer 1996 vom Emnid-Institut durchgeführten repräsentativen Befragung von
2000 Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, leidet bereits jeder Vierte unter dem Burn-out Syndrom. Die
Betriebskrankenkasse (BKK) nahm die Finanzdienstleister und Führungskräfte unter die Lupe und kam zu ähnlich
alarmierenden Ergebnissen. In allen Berufen ereignen sich Situationen, aus denen man ohne HIlfe anderer nicht mehr
herauskommt. Auslöser können Beförderung, Berufseinstieg oder Jobwechsel sein. Dabei spielen neben Über- auch
Unterforderung und falsche Erwartungen eine große Rolle. Besonders Frauen in helfenden Berufen opfern sich häufig so
stark auf, dass kein emotionaler Raum fürs Privatleben mehr bleibt.
Einen anderen Ansatz verfolgt Dietmar Luchmann: "Supervision ist nicht wirklich hilfreich, weil deren beschränkte Möglichkeiten nicht den komplexen Erfordernissen des Problems gerecht werden", meint der Stuttgarter Psychotherapeut. "Häufig wird übersehen: Ein Burn-out ist stets eine individuelle Reaktion auf eine persönliche Überforderung vor dem Hintergrund einer individuellen Lebens- und Lerngeschichte. Deshalb gehört die individuelle Verhütung und Behandlung von Burn-out in die Hände von Psychotherapeuten, die diese individuellen lebens- und lerngeschichtlichen Defizite beheben helfen können."
Burn-out kann nach Luchmanns Meinung nur dann verhindert oder gelindert werden, wenn ein grundsätzlicher Wertewandel in unserer Gesellschaft vonstatten geht: "Dazu gehört, psychische und körperliche Grenzen zu akzeptieren und nicht immer weiter zu überrennen. Ebenso ist eine größere Aufklärung über die Zusammenhänge von inneren und äußeren Belastungsfaktoren beim Burn-out notwendig." © 2003 TROTT-WAR |
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