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Markt und Mittelstand
Das Unternehmermagazin
Heft Januar 2001
Seiten 96-97
Unternehmerfitness: Angstbewältigung
Fürchterliches Ereignis
Krankhafte Angstzustände sind ein Tabuthema, vor allem in
Wirtschaftskreisen. Viele Unternehmer, die unter diesen Phobien leiden,
drücken sich deshalb um eine Therapie.
Es war scheinbar ein harmloser Zwischenfall dem Robert
Friedemann* zunächst keine besondere Bedeutung beimaß, doch sollte sich
danach das Leben des Unternehmers dramatisch verändern. Eines Tages war der
Chef eines Großhandels für Friseurbedarf wie so oft auf der Autobahn zu
einer Messe unterwegs, als ihm plötzlich schwindelig wurde und kalter
Schweiß austrat. Zitternd brachte er auf der Standspur seinen Wagen zum
Stehen. Damals erklärte sich der 41-Jährige den Vorfall damit, dass er im
Vorbereitungsstress einfach vergessen hatte zu essen.
So einleuchtend diese Erklärung ist, seit seinem Erlebnis bei Tempo 180 hat
Friedemann beim Autofahren einen ständigen Begleiter: die Angst. Jahrelang
mied er Autobahnen wie der Teufel das Weihwasser. Weil ihn diese Angst
lähmte, beschloss der Firmenchef, einen Therapeuten aufzusuchen.
Wie Friedemann kämpfen viele Menschen mit anhaltender intensiver Furcht
vor bestimmten Objekten oder Situationen, auch Phobien genannt.
Psychologe Dietmar Luchmann schätzt, dass bis
zu 30 Prozent der Deutschen im Laufe ihres Lebens zeitweise unter
behandlungsbedürftigen Angststörungen leiden. "Wir leben in einem Zeitalter
der Angst, was sich durch die wachsenden Anforderungen in Gesellschaft und
Wirtschaft erklärt", so der Leiter der Stuttgarter Angstambulanz.
Angstforscher Winfried Panse ergänzt, dass auch Veränderungen im Privatleben
oft mit Furcht verbunden sind: "Wir haben Angst davor, das Erreichte zu
verlieren." Panse ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der
Fachhochschule Köln und Autor des Buches "Kostenfaktor Angst". Er weiß, dass
unbewältigte Ängste außerdem gravierende finanzielle Folgen haben. So
schätzt der Experte, dass allein durch den Beruf verursachte Ängste die
deutsche Wirtschaft jährlich rund 18 Milliarden Mark kosten. Bei seinen
Forschungen hat Panse entdeckt, dass sich sechs von zehn Firmenlenkern vor
ihren Angestellten fürchten. Sie arbeiten hinter geschlossener Bürotür und
vermeiden es, ihr Refugium zu verlassen. Weit verbreitet ist auch die
Angst vor Flugreisen oder die Furcht, vor Mitarbeitern und Kunden zu
sprechen.
Grundsätzlich ist es völlig normal, sich hin und wieder vor etwas zu
fürchten, stellt Panse klar, denn: "Angst ist ein Urgefühl, das uns vor
Gefahren schützt." Furcht kann die Achtsamkeit fördern und zu
Höchstleistungen anspornen. Jede Führungskraft kennt das Unbehagen vor weit
reichenden Entscheidungen mit ungewissem Ausgang oder die Sorge, dass Kunden
oder gute Mitarbeiter abspringen.
Eine Störung liegt dann vor, wenn jemand ohne ersichtlichen Grund von Panik
befallen und so vollkommen blockiert wird. ...
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| PSYCHOTHERAPIE
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Psychotherapie, Paartherapie u.v.m.
Leitung:
Dietmar G. Luchmann,
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.
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Viele Menschen versuchen, die Ängste mit Tabletten
oder Alkohol zu unterdrücken, verschärfen damit aber nur ihre Probleme.
"Die übermäßige Erregung des Nervensystems wird mit angstlösenden
Medikamenten zwar gelindert, doch ändert das nichts an den Denkfehlern",
warnt
Psychologe Dietmar Luchmann. Kognitive
Verhaltenstherapeuten wie er bezeichnen das Patientenverhalten als
fehlerhaft, da die Betroffenen bestimmte Dinge nicht mehr so wahrnehmen, wie
sie wirklich sind. Hier setzt auch die Therapie des Stuttgarters an. "Angst
wurde in bestimmten Situationen erlernt und kann deshalb wieder verlernt
werden", so seine Schlussfolgerung. ...
Grundsätzlich gilt: Je früher ein Betroffener professionelle Hilfe
aufsucht, desto aussichtsreicher ist die Behandlung. Daher auch der Rat von
Winfried Panse: "Seien Sie mutig, und suchen Sie sich wie im Profisport
einen Coach!"
*Name von der Redaktion geändert
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