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Deutsche Presse-Agentur GmbH, 23. Oktober 2002
Von verschiedenen Tageszeitungen übernommen wurde der Korrespondentenbericht der
Nachrichtenagentur dpa Hamburg unter dem Titel
Paartherapie im Internet
Stuttgart/Köln/Göttingen (dpa/gms) - Die Gespräche drehen sich nur
noch im Kreis und manchmal scheint jedes Wort eines zu viel: Bei ernsten Beziehungskrisen
kann eine Paartherapie helfen. Das Internet, das bisher eher Beziehungen anbahnte als sie zu
retten, bietet derzeit eine Vielzahl ambitionierter Projekte. Paartherapie-Seiten sollen
helfen, Probleme zu bewältigen, und die Suche nach Therapeuten erleichtern. Zum Teil
offerieren sie sogar Therapien per E-Mail oder Chat-Forum.
Die Umsetzung von Paartherapie im virtuellen Raum gilt als besonders
ehrgeiziges Ziel psychotherapeutischer Webprojekte. "Die Motivation und Führung zweier
Menschen ist nun mal schwieriger als die eines einzelnen", sagt der Diplompsychologe und
Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann. "Bei Paartherapien wünscht ein Partner
eine Veränderung oder 'Rettung', der andere oft aber nicht oder nur zögerlich", so der
Leiter des ABARIS
Instituts für Psychotherapie in Stuttgart (http://www.psychotherapie.com).
Besonders denen, die das Aufsuchen einer Beratungsstelle oder Praxis scheuen, soll so die
Kontaktaufnahme mit einem Facharzt erleichtert werden ... Traditionelle Therapien müssten
sich manchmal auf Einzelberatungen beschränken, weil die Partner nicht in unmittelbarer Nähe
lebten.
Die Online-Therapie-Seiten auf http://www.thertalk.de von dem Psychologen Ragnar Beer dienen
neben der Beratung als Forschungsprojekt des Instituts für Psychologie der
Georg-August-Universität in Göttingen. Die betreuten Paare können sich hier gemeinsam und
einzeln mit dem Psychologen werktags in geschlossenen Chat-Foren unterhalten. Beer antwortet
den Ratsuchenden täglich. "Die Beziehung zu den Paaren ist durch den täglichen Kontakt und
die Begleitung im Alltag sehr viel intensiver", sagt er.
Außerdem sei bei der Internet-Therapie die Hemmschwelle geringer, über
intime Details der Beziehung zu sprechen. Dies gelte für beide Seiten, denn "viele
Therapeuten haben selbst Schwierigkeiten, Themen wie Sexualität in der Beziehung
anzusprechen", so Beer.
Die E-Mail-Gespräche bleiben bis zum Therapieende gespeichert und können so jederzeit wieder
abgerufen werden. Ein wichtiges Element, so Beer, "denn nach einer persönlichen Sitzung wird
wegen der Fülle der neuen Eindrücke oft vieles gleich wieder vergessen". Damit die
Beziehungsaufarbeitung nicht bloß virtuell bleibt, sollen die Erkenntnisse der Paare durch
Übungen real umgesetzt werden.
Finanziert wird das Projekt durch die Klienten selbst: 300 Euro verlangt Beer für eine
sechswöchige Beratung. ...
Mancher Experte sieht die Angebote mit Skepsis: "Eine individuelle Diagnostik über das
Internet ist nicht zuverlässig möglich", bemängelt etwa
Luchmann. Wichtiger Bestandteil der Psychotherapie bleibe der
direkte Kontakt zwischen Therapeut und Klient.
Psychotherapie per E-Mail ist so schlicht "unseriös", so der Diplompsychologe. Hilfreich
könne eine E-Mail-Beratung nur als Begleitung und zum Ausklang einer persönlichen Betreuung
sein.
Von einer Alternative zur persönlichen Therapie sei die virtuelle Hilfe noch weit entfernt.
"Erst wenn in ferner Zukunft alle Sinneswahrnehmungen auch über das Web übertragen werden
können, wird sich niemand mehr die Mühe machen müssen, auch bei Sturm und Schnee in meine
Praxis zu kommen", sagt
Luchmann.
Computer statt Couch

Hilfe im Netz: Paare können sich bei Beziehungsproblemen auf Internetseiten wie "psychotherapie.de"
über Therapieformen informieren.
© 2002 Deutsche Presse-Agentur (dpa)
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