
BIZZ, September 2001, Seite 16-17Hypochondrie
Furchtbar krank - aus purer Angst
Eingebildete Kranke sind Ärzten
willkommen - und Kassen eine Last.
Durchaus komisch, wenn Harald Schmidt
regelmäßig im TV mit seinem Sodbrennen kokettiert und mit
Leidensmiene über den Reflux ösophagitis referiert. Doch das
Phänomen der eingebildeten Krankheiten (Hypochondrie) ist alles
andere als lustig. Psychologen warnen: Hypochonder und
Angstpatienten belasten das Gesundheitswesen stärker als bislang
angenommen. Die reine Einbildung einer Krankheit treibt nach
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO jeden 18. Patienten
zum Arzt. [...] Den Betroffenen fehlt körperlich nichts. Allein
die Angst vor einer Krankheit lässt sie leiden. Und die
Krankenkassen zahlen.
Nicht unschuldig am Missstand sind die Mediziner selbst. Eine
aufwändige Untersuchung der TU Dresden [PSYCHOTHERAPIE
berichtete] belegt das Versagen der Hausärzte.
Überprüft wurde die Behandlung von Patienten mit einer so
genannten "generalisierten Angststörung" - der Furcht vor
Unfällen oder Krankheiten - in 600 deutschen Praxen. Das
alarmierende Ergebnis: "Die Störung wird bei zwei Dritteln der
Patienten nicht erkannt", so Studienleiter Professor Hans-Ulrich
Wittchen. "Und noch weniger Patienten werden adäquat behandelt,
was für die Betroffenen und das Gesundheitswesen gravierende
Folgen hat", warnt Wittchen.
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| PSYCHOTHERAPIE
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Leitung:
Dietmar G. Luchmann,
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.
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Anstatt Hypochonder und
Angstpatienten an Fachärzte zu überweisen, therapieren die
meisten Hausärzte munter drauf los. Im Schnitt acht Jahre lang
werde bei Hypochondern nach körperlichen Ursachen gesucht, sagt
Dietmar G. Luchmann, Chef der
Stuttgarter Angstambulanz. Er
wittert wirtschaftliche Interessen: "Solche Patienten sind wegen
der vordergründig körperlichen Symptome eine Einladung zum Geld
verdienen, die viele Ärzte nicht vorüber ziehen lassen." [...]
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