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ARD WunschBox
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ARD - Das Erste, 20. Juli 2000, 14.03-15.00 Uhr
Im Gespräch mit ARD-Moderator
Ingo Dubinski (li.) und Willi Seitz (2.v.li.) gibt Diplom-Psychologe
Dietmar G. Luchmann
(rechts im Bild) als Psychotherapeut und Paartherapeut Empfehlungen und
praktische Ratschläge zum WunschBox-Thema
Gemeinsamer Urlaub: Wie lässt sich in den schönsten Wochen des Jahres
der Streit vermeiden?
Auszug aus dem Gespräch
Dubinski: Die schönste Zeit im Jahr, lange drauf gespart, alle
freuen sich drauf und dann gibt's Krach. Wer kennt das nicht im Leben? Wie
geht man damit um? ... Fangen wir mal vorne an: Was bedeutet Urlaub für eine
Beziehung, eine Partnerschaft?
Luchmann: Der Urlaub ist möglicherweise das
Brennglas, in dem sich alle Wünsche und Hoffnungen bündeln, die man im
übrigen Jahr nicht verwirklichen konnte. Das ist natürlich ein Anspruch, der
vom Urlaub so nur selten zu erfüllen ist. Dies erklärt, warum jede dritte
Scheidung nach dem Urlaub eingereicht wird. Der Urlaub ist statistisch das
Ereignis noch vor dem Besuch beim Psychoanalytiker, bei dem eine Beziehung
in die Brüche geht. Das lässt die Frage aufkommen, warum das so ist und was
man tun kann, damit der Urlaub nicht unbedingt zu diesem Ergebnis führt.
Dubinski: Nun hat jeder ja ganz individuelle Vorstellungen vom
Urlaub. Willi, machst du am liebsten Aktivurlaub oder "Faulenzerurlaub"?
Seitz: Also ich mag schon Meer - Sonne, Strand und Meer. Das
ist ...
Dubinski: ... bei mir so: Ich werde rein weg verrückt, wenn ich
nichts zu tun habe. Ich brauche immer Bewegung und Sport. So ist das schon
bei uns zweien unterschiedlich. Gibt es prinzipiell Unterschiede zwischen
Männervorstellungen von Urlaub und Frauenvorstellungen?
Luchmann: Sicherlich gibt es
geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Vorstellungen sind jedoch so
verschieden wie die Menschen. Wenn wir von den Rollen ausgehen, bei der Frau
also noch immer Haushalt und Familie, dann könnte man sagen, die Frauen
wollen im Urlaub eher entspannen, sie werden eher das Hotel bevorzugen. Der
Mann hingegen will sich vielleicht wie in archaischer Vorzeit als Entdecker
erleben, was natürlich zum Konflikt führt: Wenn er in die Berghütte mit
Einbauküche will, dann weiß die Frau, dort kann sie wieder dasselbe wie zu
Hause machen. Und das ist für sie kein Urlaub. So ist der Konflikt
programmiert.
Dubinski: Ja, welche Gründe für Streit
oder Ärger gibt es denn im Urlaub?
Luchmann: Die sind so mannigfaltig wie
das Leben. Man darf nicht vergessen: Die Paare reden im normalen Alltag, so
belegen statistische Untersuchungen, im Schnitt pro Tag zehn Minuten
miteinander. Das ist sehr wenig. Und nun stellen wir uns vor, diese Paare
gelangen danach in ihre Urlaubsphase hinein. Drei Wochen Urlaub stehen gut
elf Monaten Arbeitsjahr gegenüber. Und auf einmal hat ein Paar einen ganzen
Tag Zeit für einander. Das ist ein Wechsel, den manche nicht so ganz
verkraften. Das heißt, wo sie sich im Alltag noch hinter den Erfordernissen
der täglichen Routine verstecken können, haben sie im Urlaub die ganze
Breite der Selbstentfaltung zur Verfügung. Wenn zwei Menschen sehr
verschieden sind, wird es naturgemäß schwierig. Das Problem ist, dass zu
wenig in angemessener Weise vorher überlegt wird, wie der Urlaub so
gestaltet werden kann, dass er den eigenen Bedürfnissen entspricht und
gleichwohl miteinander in einer partnerschaftlichen Weise zu einem Konsens
geführt werden kann...
© 2000 ARD / SWR Baden-Baden (Fotos + TV Produktion)
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