PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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PSYCHOTHERAPIE
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ARD - Das Erste, 20. Juli 2000, 14.03-15.00 Uhr

Im WunschBox-Gespräch

Im Gespräch mit ARD-Moderator Ingo Dubinski (li.) und Willi Seitz (2.v.li.) gibt Diplom-Psychologe Dietmar G. Luchmann (rechts im Bild) als Psychotherapeut und Paartherapeut Empfehlungen und praktische Ratschläge zum WunschBox-Thema




Gemeinsamer Urlaub: Wie lässt sich in den schönsten Wochen des Jahres der Streit vermeiden?

Auszug aus dem Gespräch

Dubinski:  Die schönste Zeit im Jahr, lange drauf gespart, alle freuen sich drauf und dann gibt's Krach. Wer kennt das nicht im Leben? Wie geht man damit um? ... Fangen wir mal vorne an: Was bedeutet Urlaub für eine Beziehung, eine Partnerschaft?

Diplom-Psychologe und Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann, StuttgartLuchmann:  Der Urlaub ist möglicherweise das Brennglas, in dem sich alle Wünsche und Hoffnungen bündeln, die man im übrigen Jahr nicht verwirklichen konnte. Das ist natürlich ein Anspruch, der vom Urlaub so nur selten zu erfüllen ist. Dies erklärt, warum jede dritte Scheidung nach dem Urlaub eingereicht wird. Der Urlaub ist statistisch das Ereignis noch vor dem Besuch beim Psychoanalytiker, bei dem eine Beziehung in die Brüche geht. Das lässt die Frage aufkommen, warum das so ist und was man tun kann, damit der Urlaub nicht unbedingt zu diesem Ergebnis führt.

Dubinski:  Nun hat jeder ja ganz individuelle Vorstellungen vom Urlaub. Willi, machst du am liebsten Aktivurlaub oder "Faulenzerurlaub"?

Seitz:  Also ich mag schon Meer - Sonne, Strand und Meer. Das ist ...

Dubinski: ... bei mir so: Ich werde rein weg verrückt, wenn ich nichts zu tun habe. Ich brauche immer Bewegung und Sport. So ist das schon bei uns zweien unterschiedlich. Gibt es prinzipiell Unterschiede zwischen Männervorstellungen von Urlaub und Frauenvorstellungen?

Luchmann:  Sicherlich gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Vorstellungen sind jedoch so verschieden wie die Menschen. Wenn wir von den Rollen ausgehen, bei der Frau also noch immer Haushalt und Familie, dann könnte man sagen, die Frauen wollen im Urlaub eher entspannen, sie werden eher das Hotel bevorzugen. Der Mann hingegen will sich vielleicht wie in archaischer Vorzeit als Entdecker erleben, was natürlich zum Konflikt führt: Wenn er in die Berghütte mit Einbauküche will, dann weiß die Frau, dort kann sie wieder dasselbe wie zu Hause machen. Und das ist für sie kein Urlaub. So ist der Konflikt programmiert.

   
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Dubinski:  Ja, welche Gründe für Streit oder Ärger gibt es denn im Urlaub?

Luchmann:  Die sind so mannigfaltig wie das Leben. Man darf nicht vergessen: Die Paare reden im normalen Alltag, so belegen statistische Untersuchungen, im Schnitt pro Tag zehn Minuten miteinander. Das ist sehr wenig. Und nun stellen wir uns vor, diese Paare gelangen danach in ihre Urlaubsphase hinein. Drei Wochen Urlaub stehen gut elf Monaten Arbeitsjahr gegenüber. Und auf einmal hat ein Paar einen ganzen Tag Zeit für einander. Das ist ein Wechsel, den manche nicht so ganz verkraften. Das heißt, wo sie sich im Alltag noch hinter den Erfordernissen der täglichen Routine verstecken können, haben sie im Urlaub die ganze Breite der Selbstentfaltung zur Verfügung. Wenn zwei Menschen sehr verschieden sind, wird es naturgemäß schwierig. Das Problem ist, dass zu wenig in angemessener Weise vorher überlegt wird, wie der Urlaub so gestaltet werden kann, dass er den eigenen Bedürfnissen entspricht und gleichwohl miteinander in einer partnerschaftlichen Weise zu einem Konsens geführt werden kann...

© 2000 ARD / SWR Baden-Baden (Fotos + TV Produktion)




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