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© PSYCHOTHERAPIE 30.10.2000
Unwirksame Psychoanalyse gehört aus dem System entfernt
Debattierclub Gesundheitssystem
IKK will radikale Gesundheitsreform und Psychotherapeuten katapultieren sich
ins Aus
VON REINHILD SONNENSCHEIN
Die Innungskrankenkassen (IKK) fordern eine radikale
Reform des Gesundheitswesens, in der die Kassenbeiträge von den Löhnen und
Gehältern abgekoppelt wird. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende des
IKK-Bundesverbandes, Rolf Stuppardt, in einem Interview der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" vom 24.10.2000. Die Psychoanalytiker belegen indessen,
"in ihrer eigenen Persönlichkeit nicht durchweg das Maß
von psychischer Normalität erreicht haben, zu dem sie ihre Patienten
erziehen wollen".
In dem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung"
forderte der Vorstandsvorsitzende des IKK-Bundesverbandes, Rolf Stuppardt,
die Kassenbeiträge müssten langfristig stärker an die gesamtwirtschaftliche
Leistungsfähigkeit gekoppelt werden. Für den Arbeitgeberanteil benötige man
eine Art Wertschöpfungsabgabe. Dann würden auch Firmen - etwa im Banken- und
Finanzbereich - mit hohen Gewinnen und geringem Personaleinsatz einen
angemessenen Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen.
Auch bei den Versicherten reicht es nach Einschätzung von Stuppardt auf
längere Sicht nicht aus, Beiträge nur auf das Erwerbseinkommen zu erheben.
Zins- und Mieteinnahmen müssten beitragspflichtig werden, um zu mehr
Beitragsgerechtigkeit zu kommen. Dazu sollte die Regierung ein Gutachten in
Auftrag geben.
Zur Begründung für diese Vorschläge verwies der IKK-Vorstandsvorsitzende auf
die demografische Entwicklung und den teuren medizinischen Fortschritt. Für
eine Übergangszeit wäre es sinnvoll, die Beitragsbemessungsgrenze auf die
Höhe der Rentenversicherung anzuheben. Aber die Bindung der Kassenbeiträge
an das Erwerbseinkommen könne auf Dauer nicht bestehen bleiben, weil der
Lohnanteil am Bruttosozialprodukt und damit die Kasseneinnahmen tendenziell
sänken.
Energisch widersprach der IKK-Chef Forderungen der Union, den
Leistungskatalog um zehn Prozent zu kürzen. Das hätte - ebenso wie
Wahltarife - sofort eine Zwei-Klassen-Medizin zur Folge. Eine gute
medizinische Versorgung erhalte dann nur derjenige, der sich eine teure
private Zusatzversorgung leisten könne. Denkbar wäre allerdings bei Ausbau
der Vorsorge künftig Zahnersatz nicht mehr als Kassenleistung zu gewähren
und die Übernahme der Fahrtkosten zu reduzieren. Versicherungsfremde
Leistungen wie Mutterschafts- und Sterbegeld sollten künftig aus dem
allgemeinen Steueraufkommen finanziert werden.
Die Grünen wollen deshalb die Gesundheitspolitik künftig stärker in den
Vordergrund rücken. Der Parteirat werde in 14 Tagen hierzu ein
Eckpunktepapier vorlegen, kündigte Grünen-Chef Fritz Kuhn am 23.10.2000 nach
einer Sitzung des Gremiums in Berlin an. Er stellte zugleich klar, dass es
in der Partei keine Kritik an Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer
(Grüne) gebe. Fischer sei vielmehr eine Sympathieträgerin. Künftig werde es
aber mehr qualifizierte Vorstöße prominenter Grüner zur Gesundheitspolitik
geben.
Zu den "Markenzeichen" grüner Gesundheitspolitik
zähle die Stärkung der Prävention sowie das Thema Effizienz und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, betonte Kuhn. Ferner gehe es den
Grünen um Erhalt und Modernisierung der solidarisch finanzierten
Krankenversicherung. Dabei sei die Beitragsstabilität auch bei der
Gesetzlichen Krankenversicherung ein zentrales Ziel der rot-grünen
Koalition.
Ineffiziente Psychotherapien ausmerzen
Zur Frage der Psychotherapiehonorierung zeichnet sich
in der Politik eine klare Linie ab: Die zu einem großen Teil durch
Psychoanalytiker dominierte Psychotherapie, ohnehin seit langen wegen
mangelnder Wirksamkeit und unnötiger Kostentreiberei in der öffentlichen
Kritik, wird dem Ausleseprozess des Marktes anheim gegeben und nicht weiter
finanziell gestützt. Die niedergelassenen Psychotherapeuten erhalten keine
nachträgliche Honoraraufbesserung für 1999. Die Thüringer Landesregierung
ist am 20.10.2000 im Bundesrat mit ihrem von Psychotherapeutenvertretern
initiierten Antrag gescheitert, das Psychotherapeutengesetz entsprechend zu
ändern, teilte das Sozialministerium mit.
Thüringen hatte mit der Bundesratsinitiative laut Sozialminister
Frank-Michael Pietzsch (CDU) erreichen wollen, dass die Bundesregierung
Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen zu einem Ausgleich des zu
geringen 99er Budgets für die Psychotherapeuten auffordert. Im Vorjahr habe
zum Beispiel den 106 Psychotherapeuten in Thüringen ein Finanzrahmen von
zehn Millionen Mark zur Verfügung gestanden. Den durchschnittlichen
Einnahmen von 94.000 Mark hätten Ausgaben je Praxis von im Schnitt 66.000
Mark entgegengestanden. Damit habe das Jahreshonorar dieser Berufsgruppe in
Thüringen durchschnittlich nur 28.000 Mark erreicht. Wegen des zu knapp
bemessenen Budgets waren die psychotherapeutischen Praxen in Thüringen vor
Jahresfrist in eine Existenzkrise geraten.
Ähnlich ging es den Psychotherapeuten in den übrigen, insbesondere in den
neuen Bundesländern. Deshalb hatte Thüringen im Bundesrat auch auf
Unterstützung der anderen Ostländer gehofft. Aber die Vertreter der Länder
im Bundesrat folgten der Empfehlung des federführenden
Gesundheitsausschusses und des Finanzausschusses, den Antrag abzulehnen:
Existenzkrisen als heilsame Sinnkrisen auch für Psychotherapeuten.
Die bayerische Staatsregierung hatte im Vorfeld noch kritisiert, die
Bundesregierung verhindere durch ihre Budgetierungspolitik eine angemessene
Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Im Therapeutengesetz sei zu
wenig Geld für die Psychotherapie vorgesehen, sagte der bayerische
Gesundheitsstaatssekretär Georg Schmid (CSU) am 14.10.2000 bei der Eröffnung
eines wissenschaftlichen Symposiums im schwäbischen Scheidegg (Landkreis
Lindau). Bei der Bemessung des Honorarvolumens für Therapeuten müsse
beachtet werden, dass eine gute psychotherapeutische Versorgung auch
angemessen zu vergüten sei.
Durch die strengen Budgetierungsvorschriften könnten die Bundesländer und
die Selbstverwaltungsorgane von Ärzten wie Krankenkassen auch künftig keine
Lösung finden, sagte Schmid. Mit der Gesundheitsreform werde die
Verpflichtung zu einer angemessenen Vergütung zwar ins Gesetz aufgenommen. "Doch was nützt es, wenn zur Umsetzung dieser Verpflichtung nicht
ausreichend Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden", fragte der
Staatssekretär.
Am 17.10.2000 hatte Thüringens Sozialminister Frank-Michael Pietzsch (CDU)
erklärt, alle unionsregierten Länder sowie Mecklenburg-Vorpommern hätten
signalisiert, den Vorstoß zur Verbesserung der Finanzlage von
Psychotherapeuten zu unterstützen.
Lediglich die Vertreter der Psychotherapeutenverbände befleißigten sich,
durch den erbitterten Kampf gegeneinander und einen überzeugenden Mangel an
substantieller Argumentation vor den Vertretern der Bundesländer zu belegen,
dass Psychoanalytiker auch im neuen Jahrtausend unverändert "in ihrer eigenen Persönlichkeit nicht durchweg das Maß von
psychischer Normalität erreicht haben, zu dem sie ihre Patienten erziehen
wollen" - eine Feststellung die Sigmund Freud in der "Internationalen
Zeitschrift für Psychoanalyse" bereits 1937 (Bd. 23, S. 209-240) machte.
Die Bundesländer entsprachen mit der Ablehnung des Antrages offenbar dem
erklärten Bemühen der Grünen, die Prävention zu stärken und mehr Effizienz
und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen einzuführen. Es liegt nach den
sich mit ihrer Selbstdarstellung ins politische Abseits katapultierenden
Psychotherapeutenverbänden auf der Hand, dass im Bereich der Psychotherapie
die kostengünstigste Methode der Qualitätssicherung und der effektivste Weg
zu mehr Wirtschaftlichkeit der freie Fall des Kassenhonorars ist. Vor
unwirksamen und unnötig langen Psychoanalysen über viele hundert Stunden
sind Patienten sogar ohne Zuwendungen an Verbraucherverbände und
Selbsthilfegruppen zu schützen, wenn derlei Therapien nicht mehr im System
der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden.
Das Bundessozialgericht hatte den Psychotherapeuten im vergangenen Jahr in
einem Grundsatzurteil ein Mindesthonorar von 145 Mark je Therapiestunde
zuerkannt, das jedoch fast nirgendwo tatsächlich gezahlt wurde. Mündige
Patienten, so will es die Gesundheitsministerin, sollen zukünftig die
Leistungsabrechnung ihres Arztes kontrollieren und abzeichnen. Der
wissenschaftlich fundierten Psychotherapie in Deutschland werden sie zur
Blüte verhelfen, wenn sie ihre Rechnungen selbst bezahlen und sich zwischen
einer kognitiven Verhaltenstherapie über 25 und einer Psychoanalyse über 250
Stunden entscheiden dürfen - wie in anderen Ländern auch. Und damit niemand
mangels Einkommen am psychischen Wohlbefinden gehindert ist, könnten
effiziente Härtefallregeln die neue Qualitätssicherung in der Psychotherapie
abfedern.
Seehofer sieht Gesundheitspolitik "auf ganzer Linie
gescheitert"
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich
Hoppe, der am 24.10.2000 seinen 60. Geburtstag feierte, forderte vor einer
Woche in Köln neue Verhandlungen über die Zukunft der medizinischen
Versorgung in Deutschland. Zwar sei eine weitere Gesundheitsreform noch
nicht konkret in Sicht. Allerdings seien die Probleme angesichts von mehr
oder weniger ausgeschöpften Budgets etwa für Medikamente und Heilmittel
unübersehbar. Die Politik der derzeitigen Bundesregierung sehe er als
Fortsetzung einer bereits von vorigen Regierungen betriebenen "kurzatmigen Kostendämpfungspolitik". Immer wieder warnte
der Kammerpräsident vor Bürokratisierungs- und Verstaatlichungstendenzen im
deutschen Gesundheitssystem. Angelpunkt der medizinischen Versorgung ist
nach Hoppes Ansicht ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, das
von Rationalisierungsentscheidungen frei gehalten werden müsse.
Hoppe betonte, es wäre "unverantwortlich", wenn die
Akteure im Gesundheitswesen nicht gemeinsam die Zeit nutzten und sich "in Ruhe, fernab der Tagespolitik an einen Runden Tisch setzen".
Dies wäre ein konstruktiver Anfang, die Versorgungsnöte der Patienten
einerseits und die Finanzierungsnöte der gesetzlichen Krankenversicherung
andererseits in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Hoppe bemängelte
zudem, die von der rot-grünen Gesundheitsreform vorgegebene Budgetierung
habe in eine "Sackgasse" geführt. Die Ärzteschaft
sehe nach wie vor die große Gefahr einer dauerhaften Rationierung auf sich
zukommen. Dessen ungeachtet sei immer noch der überwiegende Teil der
Bevölkerung davon überzeugt, dass das deutsche Gesundheitswesen eines der
besten der Welt ist.
Dagegen sieht Seehofer die rot-grüne Gesundheitspolitik auf "ganzer Linie gescheitert". Die gesetzliche
Ausgabenbegrenzung von Arznei- und Heilmitteln habe zu erheblichen
Leistungseinschränkungen und zur Verweigerung notwendiger Behandlungen
geführt. Viele Krankenkassen dächten sogar darüber nach, ihre Beiträge zu
erhöhen. "Wir sind auf dem besten Weg zu einer
Staatsmedizin, bei der Leistungen immer schlechter und immer teurer werden."
Nach Ansicht des FDP-Gesundheitsexperten Thomae ist das deutsche
Gesundheitswesen auf einem "Tiefpunkt" angelangt.
Die Ausgabenbegrenzungen für Arznei- und Heilmittel seien "zu knapp bemessen". Die Bundesregierung nehme damit in
Kauf, dass die Patienten statt innovativer Arzneimittel veraltete und
billigere Produkte verschrieben bekämen. "Hinzu kommt,
dass Patienten vermehrt ins Krankenhaus überwiesen werden, damit eine teure
Medikamenten-Therapie nicht im ambulanten Sektor zu Buche schlägt",
sagte der frühere Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses.
Auch die bayerische Gesundheits- und Sozialministerin Barbara Stamm (CSU)
kritisierte, dass die Budgetierung zu einer "schleichender
Rationierung und zu einer Zwei-Klassen-Medizin" führe. Sie verwies
auf eine Studie des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, wonach 88
Prozent aller Alzheimer-Patienten nicht mit den geeignetsten Präparaten
versorgt werden. Defizite gäbe es auch bei der Schmerztherapie, bei Herz-
und Kreislauferkrankungen und Osteoporose. Die negativen Folgen der
Budgetierungspolitik träfen damit vor allem schwer und chronisch Kranke und
damit auch viele alte Menschen.
"Ich habe durchaus Sympathie für die Ablösung der
Sachleistung durch die Kostenerstattung mit einem sozial verträglichen
Eigenanteil", sagte Stamm der Süddeutschen Zeitung in einem Interview
zur inneren Reform der Kassenärztlichen Vereinigungen (30.10.2000, Seite
40): "Der Versicherte muss sehen, was seiner Krankenkasse
in Rechnung gestellt wird, und er muss es auch verstehen können."
Dagegen verwies die SPD-Gesundheitsexpertin Schaich-Walch auf die Erfolge
der rot-grünen Gesundheitspolitik. "Es wurden bisher
bereits viele Wege für eine notwendige Strukturveränderung eingeleitet",
sagte sie. Dazu gehörten ein neues Abrechnungssystem im Krankenhaus, das ab
2003 laufen solle und die geplante Positivliste, auf der alle zu Lasten der
gesetzlichen Krankenversicherung zu verschreibende Arzneimittel aufgelistet
werden. Den Ärzten und Apothekern warf Schaich-Walch vor, mit ihren
Protesten pure "Interessenspolitik" zu betreiben.
Trotz der Ausgabenbegrenzung im Arznei- und Heilmittelbereich würden auch
Ende des Jahres noch allen Patienten die notwendigen Behandlungen zur
Verfügung stehen. "Die Budgetierung ist eigentlich eine
ganz normale Angelegenheit", betonte Schaich-Walch.
AOK kritisiert milliardenschwere Fehlinvestitionen im Gesundheitswesen
Allein in Bayern werden jährlich vier Milliarden Mark
im Gesundheitswesen fehlinvestiert, erklärte am 23.10.2000 in München der
Vorstandsvorsitzende der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), Helmut Platzer.
Dieses Geld fehle an anderer Stelle, wo es dringend gebraucht werde.
Platzer: "Unserem Gesundheitswesen steht genügend Geld zur
Verfügung. Es wird aber nicht optimal eingesetzt."
Als Beispiele für gesundheitspolitische Fehlinvestitionen nannte Platzer
vermeidbare Wiederholungsuntersuchungen bei Röntgendiagnosen in Kliniken und
eine unzureichende Versorgung von Zuckerkranken. Dadurch entstünden
Amputationen, von denen die Hälfte vermieden werden könnte. Eine Bewertung
der Röntgenuntersuchungen bayerischer Zahnarztpraxen habe ergeben, dass 34
Prozent der Zahnfilme und 45 Prozent der Panoramaaufnahmen mangelhaft seien.
Diese gehe über eine akzeptable Fehlerquote von fünf Prozent weit hinaus.
Platzer verwies auf den internationalen Vergleich. Deutschland leiste sich
das zweitteuerste Gesundheitswesen nach den USA, liege aber bezogen auf den
Mitteleinsatz und Nutzen nur an 25 Stelle einer aktuellen Studie der
Weltgesundheitsorganisation (WHO). Platzer: "Wir
investieren vergleichsweise mehr Geld für Gesundheitsgüter als andere und
erhalten dafür aber nur durchschnittliche, ja mittelmäßige Ergebnisse."
Daraus lasse sich der Schluss ziehen, das für das Gesundheitswesen genügend
Geld zur Verfügung stehe. "Man kann auch noch mehr Geld
unsinnig ausgeben", meinte Platzer.
Gesundheitsminister will Strukturen der Kassenärzte auf den Prüfstand
Abrechnungsbetrug, Machtmissbrauch,
Interessenkollisionen - immer wieder sorgen die Vorstände der
Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) für Schlagzeilen im Zusammenhang mit
strafrechtlichen Ermittlungen. "Irgendwo zwischen Pest und
Cholera! So lautet das Motto dieser unerträglichen Funktionsträger
weiterhin: Abusus war und ist bei uns Usus", charakterisiert der
Allgemeinarzt Dr. Georg Binner den Zustand der KVen in der Wochenschrift
"MEDICAL TRIBUNE" am 20.10.2000 (Bd. 35, Nr. 42, Seite 26). Ein Zustand, der
auch die Ärztepresse das Kürzel "KV" schon mal als
"Kriminelle Vereinigung" übersetzen ließ.
Für eine Überprüfung der ehrenamtlichen Strukturen der Kassenärztlichen
Vereinigungen hat sich deshalb jetzt auch der rheinland-pfälzische
Gesundheitsminister Florian Gerster (SPD) ausgesprochen. "Ein
hauptamtlicher Vorstand käme nicht in den Verdacht, bei der
Aufgabenwahrnehmung eigene kassenärztliche Interessen zu verfolgen",
erklärte Gerster in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine
Große Anfrage der CDU. Deshalb sollte eine Neuordnung der inneren Struktur
der Kassenärztlichen Vereinigungen bei einer Organisationsreform der
Krankenkassen geprüft werden.
In Rheinland-Pfalz hat der Fall eines Vorstandsmitglieds der KV Rheinhessen
wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Gegen den Mainzer Arzt Werner
Braunbeck, der bei der KV für die Überprüfung von Abrechnungen zuständig
war, wird bereits seit einigen Jahren wegen des Verdachts des
Abrechnungsbetruges ermittelt. Gerster betonte, das Gesundheitsministerium
sei für die Rechtswahrung und die Überwachung der Gesetzmäßigkeit der
Selbstverwaltung der KV zuständig. Bei strafrechtlichem Verhalten eines
Vertragsarztes sei nicht die Aufsicht über die KV, sondern die
Strafverfolgungsbehörde gefordert, betonte Gerster.
Unterdessen wurde bekannt, dass die meisten Patienten offenbar länger und
genauer von ihren Ärzten informiert werden wollen. Wie eine Umfrage ergab,
beklagten 71 Prozent zu lange Wartezeiten beim Arztbesuch. 54 Prozent sind
mit der Zeit, die der Arzt für das Patientengespräch aufwendet, unzufrieden.
67 Prozent der Befragten gerne mehr Informationen über Kenntnisse und
Erfahrungen ihres Arztes. 2.501 Bundesbürger wurden den Angaben zufolge für
die Umfrage befragt.
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