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© PSYCHOTHERAPIE 06.09.2000Zur
Reformierung des Gesundheitswesens
"Wettbewerb und Sozialverträglichkeit keine
Gegensätze"
Bertelsmann-Preis für Gesundheitspolitik für Schweiz und Niederlande
Die Schweiz und die Niederlande sind von der
Bertelsmann Stiftung für ihre vorbildlichen Reformen im Gesundheitswesen mit
dem Carl-Bertelsmann-Preis ausgezeichnet worden. Die Schweizer Bundesrätin
Ruth Dreifuss und der Präsident der niederländischen Vereinigung der
Hausärzte, Wim Stalman, nahmen den mit insgesamt 300.000 Mark dotierten
Preis am Mittwoch bei einem Festakt in Gütersloh aus den Händen von Stifter
Reinhard Mohn entgegen.
Mit der Verleihung des Preises sollen nach den Worten
des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung, Mark Wössner, Impulse
für eine grundlegende Reformierung des deutschen Gesundheitssystems gegeben
werden. "Unser Gesundheitssystem selbst ist nicht gesund,
das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht mehr", kritisierte
Wössner. Als Grund für die hohen Kosten des deutschen Gesundheitssystems
nannte er die zu große Zahl von Ärzten und Akutbetten.
"Die herausragenden Modelle in der Schweiz und den
Niederlanden können zwar nicht 1:1 übernommen werden, uns Deutschen aber
eine wertvolle Orientierung bieten", sagte Wössner. Das
Eidgenössische Departement des Innern werde für das
Krankenversicherungsgesetz ausgezeichnet, das nach einer Volksabstimmung
seit 1996 in der Schweiz in Kraft ist. Das Gesetz basiert nach den Worten
von Dreifuss auf einheitlichen Kopfprämien, die von den rund 100
Krankenkassen des Landes festgesetzt werden. "Unser Ziel
ist es, dass kein Haushalt mehr als acht Prozent für die Krankenversicherung
aufbringen muss", sagte Dreifuss. Wössner betonte: "Das Schweizer System beweist, dass Wettbewerb und
Sozialverträglichkeit keine Gegensätze sein müssen."
Für ihre beispielhafte Grundversorgung der Patienten durch
Allgemeinmediziner erhielt die niederländische Vereinigung der Hausärzte den
Carl-Bertelsmann-Preis. Die rund 7.000 in den Niederlanden zugelassenen
Hausärzte behandeln den weitaus größten Teil der gesundheitlichen
Beschwerden, während Fachärzte fast ausschließlich in Krankenhäusern tätig
sind. "Um die Qualitätsstandards zu erfüllen, unterzieht
sich jeder Allgemeinmediziner alle fünf Jahre einem Ärzte-TÜV, bei dem er
seine Fortbildungen nachweisen muss", sagte Stalman.
Seit 1988 verleiht die Gütersloher Bertelsmann Stiftung jährlich den
Carl-Bertelsmann-Preis. Ausgezeichnet werden damit innovative und
exemplarische Lösungsansätze für zentrale gesellschaftspolitische Aufgaben.
Hintergrund des Wettbewerbs ist die Überzeugung der Bertelsmann Stiftung,
dass es für viele in Deutschland bestehenden Probleme im Ausland bereits
Erfolg versprechende Modelle gibt, die für die Bundesrepublik
Vorbildcharakter haben. In den vergangenen Jahren sind unter anderem
effiziente Kommunalverwaltungen, innovative Schulsysteme und neue Wege in
der Tarifpolitik ausgezeichnet worden. 1999 erhielt Dänemark den
Carl-Bertelsmann-Preis für sein Modell der beruflichen Bildung.
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