© PSYCHOTHERAPIE 31.12.2001
Psychotherapie-Kliniken als teure Illusion: Verhaltenstherapie an der
Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie Münster
Verhaltenstherapie der Ängste, Phobien und Panik-Störungen
Psychotherapie mit der Christoph-Dornier-Stiftung in Marburg - ein Erfahrungsbericht
VON HELMUT MAYER*
Fortsetzung von Teil 2.
Im vorangegangenen Teil schilderte ich meine erste erfolglose Psychotherapie mit der
Christoph-Dornier-Stiftung Marburg. Nachdem ich das Vertrauen zu der Psychotherapeutin verloren hatte, stand ich
nun wieder sozusagen alleine da und bin einfach nicht am Ball geblieben.
Heute weiß ich, dass dies ein Fehler war. Ich bin dann nach und nach wieder in mein altes
Schema übergegangen, was halt eben aus Vermeidung besteht. Im Frühjahr diesen Jahres beschloss ich, die
Psychotherapie mit einem männlichen Kollegen von ihr
fortzusetzen, was nach einigen Korrespondenzen mit der zuständigen Behörde auch genehmigt
wurde. Ich dachte eben, zu einem Mann habe ich vielleicht mehr Vertrauen und er bringt auch
mehr Erfahrung mit.
Als er sich dann bei mir vorstellte, musste ich feststellen, dass dieser Psychotherapeut auch
nicht älter als 30 war, was mir schon wieder zu denken gab. Wir haben dann ein ganz anderes
Therapiekonzept ausgearbeitet. Dieses sah so aus, dass von nun an ich selber entscheiden
konnte, was wir unternehmen. Das gefiel mir auch sehr gut. Ich wollte ja nicht mehr in einer
Stadt herumfahren müssen, während ich hier zu Hause noch nicht zurechtkam.
Wir haben dann einen Tag sehr viel Fußmärsche gemacht, meistens die selben Strecken. Denn
ich war der Meinung, desto öfter ich diese Situationen bewältige, umso einfacher wird es
dann, was sich auch als richtig heraus stellte. Es kamen auch hin und wieder diese alten
negativen Gedanken hoch, dies alles nicht zu schaffen, aber es ging von Stunde zu Stunde
besser. Am dritten Tag wollte ich eine ganze Strecke alleine gehen, hatte mir auch schon
eine Route ausgedacht, die mir für den Anfang ausreichend erschien. Der Psychotherapeut meinte
aber, er hätte sich eine andere, längere Strecke ausgedacht. Diese sollte bis zum nächsten
Ort führen, was mich natürlich geschockt hat. Trotzdem habe ich aber dann nach kurzer
Überlegungspause eingewilligt. Ich fragte ihn noch, was passieren würde, wenn ich tot
umfalle. Seine Antwort ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Er meinte einfach
nur: Dann hole ich den Leichenwagen.
Das fand ich aber gar nicht so toll und bin trotzdem losmarschiert. Ich war am Anfang schon
sehr nervös. Nach einer Weile ging es dann und ich bin quer über die Felder
mutterseelenallein auf mein Ziel losmarschiert. Ich war wirklich froh, dass es März war und
es ziemlich stark regnete. In der Sommerhitze hätte ich das bestimmt nicht gemacht. Seit
diesem ersten Panikanfall im Sommer 1982 habe ich nämlich Probleme bei großer Hitze.
Nach einer dreiviertel Stunde hatte ich mein Ziel erreicht und stellte mich in einer
landwirtschaftlich genutzten Scheune unter, die kurz am Ortsrand steht. Es war schon ein
merkwürdiges Gefühl, so ganz alleine da in einer ungewohnten Umgebung zu stehen. Aber auch ein
Gefühl des Glücks kam in mir auf. Ich, ja ich hatte es ganz alleine geschafft, diese zwei Kilometer
ohne große Probleme zu gehen. Weil wir uns dort verabredet hatten, wartete ich auf den
Psychotherapeuten, der ja auch zu Fuß unterwegs war, aber bestimmt länger brauchen würde, weil er
einen Umweg gehen musste. Ich fühlte mich nach und nach immer besser an diesem Ort, so das ich
kleinere Spaziergänge in Richtung Dorf unternahm.
Bis zur Ortsmitte habe ich mich aber nicht
getraut, da kam wieder diese Angst auf. Ich könnte ja einem Bekannten begegnen, weil ich
die meisten Leute noch von früher kenne, da ich schließlich mal in diesem Dorf meine Lehre
absolvierte. In einer mir nicht gewohnten Umgebung und dann noch einen Bekannten treffen, der dann auch
bestimmt fragt, was ich bei diesem Regen hier mache, und ich nicht weiß, was ich ihm antworten soll - nein, das war zu viel.
So habe ich mich immer in geringer Distanz von dieser Scheune
aufgehalten, wo ich mich ja notfalls hätte verstecken können.
Als ich fast eine Stunde in
diesem Bereich war und der Regen mich schon durchgeweicht hatte, entschloss ich mich, den
Heimweg anzutreten. Ich wusste ja nicht, wo mein Psychotherapeut war. Vielleicht war er ja in der Ortsmitte, wo ich sowieso nicht hin gehen wollte, zumindest nicht alleine.
Ich bin dann in Richtung Heimat losmarschiert und hatte auch den Gedanken, dass ich dieses
schaffen werde. Einfach zu sagen, ich gehe jetzt nach Hause, ohne wie früher zu denken, ich
komme nie mehr nach Hause. Das war schon ein starkes Gefühl. Dass ich ein wenig Angst hatte, war ja klar, aber es war ein Gefühl da, das mir sagte, geh los, das schaffst
du schon.
Und ich habe es geschafft! Sogar eine andere Route habe ich mir ausgedacht, und das war ein
tolles Gefühl. Nicht lange danach, als ich schon zu Hause war, kam auch mein Psychotherapeut und meinte, dass ich
die Sache sehr gut gemacht hätte. Er wollte dann gleich mit mir in ein Lokal gehen zum
Essen. Das löste in mir wieder großes Unbehagen aus, weil ich so etwas, auch als ich noch gesund
war, nie gerne gemacht habe. Ich sagte zu ihm, dass ich das nicht möchte, so etwas kann ich immer
noch machen, wenn ich darauf Lust habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch bis auf die Knochen
nass und dachte mir, dass ich mir nicht mehr so viel zumuten möchte an einem Tag, weil ich die
Erfahrung ja schon gesammelt hatte darüber. Und bevor dadurch meine positiven Eindrücke
und Gedanken wieder in das Gegenteil umschlagen, schlug ich ihm vor, es für heute zu
belassen. Was ihm aber gar nicht so recht war, wie mir schien. Ich hatte einfach den
Eindruck, dass ich jetzt selber alleine die Psychotherapie weiter machen möchte.
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Carmen Heerdegen,
Fachärztin für Neurologie und Psychotherapeutin, Stuttgart:
Auch der zweite Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Stiftung hat den Patienten nur ausgeführt,
aber nicht kognitiv mit ihm gearbeitet. Das hätte, so weckt die Schilderung den Eindruck, ein Nachbar
oder die Freundin nicht schlechter machen können. Trotz der unnötigen Quälerei mangels kognitiver
Vorbereitung ist das eigene Bemühen des Patienten bewundernswert. Leider genügt es nicht allein für einen
Erfolg.
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Ich war zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder ein wenig überfordert, wollte es mir aber nicht anmerken
lassen. Es ist schon klar, dass eine solche Psychotherapie kein Zuckerschlecken ist. Weil ich mich ja am
besten kenne, wusste ich nur soviel: Wenn ich da hätte weiter machen sollen und am nächsten Tag
wieder mit dem Auto in der Gegend herum fahren soll, dann wäre es wieder soweit gekommen, dass ich
diese Psychotherapie in keiner guten Erinnerung behalten würde. Nein, ich hätte mich einfach wieder
zurück gezogen - und das wollte ich ja nicht.
Ich sagte ihm dann klipp und klar, was ich denke und fühle, und dass ich jetzt allein meine
Schritte machen möchte. Er wurde regelrecht wütend: das wäre eine einmalige Chance für
mich, die bekäme ich nie wieder und so weiter. Mit seinem Verhalten hat er mich aber erst
recht darin bekräftigt, die Psychotherapie alleine weiter zu machen. Ich sollte meine Entscheidung
noch mal überschlafen, was ich tat. Mit dem gleichen Ergebnis. Er ist dann an diesem
Morgen, sichtlich genervt und auch böse, weggefahren.
Zum Abschluss zu diesen beiden Therapien konnte und kann ich immer noch so viel sagen: Es
kam mir alles sehr unpersönlich vor. Die Psychotherapeuten sind gar nicht genug auf meine Gedanken
und Gefühle eingegangen, was mich in Anbetracht der hohen Kosten, auf die mich der letzte
Psychotherapeut immer wieder hingewiesen hat, alles irgendwie nur so abgespult wurde.
In mir kam das Gefühl auf, das sie ein eingespieltes Programm in kurzer Zeit abspulen mussten. Und ein so genannter Therapieabbruch, wie
er es nannte, nicht zu ihrem Erfolg beitragen würde. Wie gesagt, das war und ist noch immer mein gewonnener Eindruck. Und dazu stehe ich
heute noch. Auch wenn es von der CDS wahrscheinlich anders gesehen wird, was ja auch zu
verstehen ist.
Ich habe dann angefangen, alleine weiter zu machen. Bin morgens, mittags und abends sehr viel
unterwegs gewesen. Meistens zu Fuß. Oder mit meinem Geländemotorrad. Hat auch Spaß gemacht. Ich bin
immer ein bisschen weiter raus gegangen, aber leider nicht weit genug. Da kam immer wieder
diese Angst. Es gab Tage, da bin ich weiter raus und dann auch wieder nicht, weil mein altes
Denkschema immer wieder durchkam.
Auch in Begleitung meiner damaligen Freundin habe ich es einfach nicht geschafft. Ich dachte, die ganze Anstrengung mit dieser teuren
Psychotherapie war für die Katz. War sie aber trotzdem nicht, wie ich heute weiß. Denn die Erkenntnis, dass auch ich es
schaffen kann, habe ich ja. Nun gut, Spaß hat es beileibe nicht gemacht, in der Stadt herum zu fahren, aber diese Spaziergänge in meiner geliebten Natur waren letztendlich doch sehr
schön. Mein Ziel war es ohnehin nicht, in der Stadt herum zu fahren, sondern hier in meiner
vertrauten Gegend wieder allmählich Fuß zu fassen.
Und dieses Ziel habe ich immer noch. Nur geht mir manchmal doch der Glaube daran verloren, leider.
Ich sehe die Menschen, wie sie sich frei bewegen, hier hin oder dort hin fahren, einfach die
Dinge tun, die ihnen Spaß machen, dann kommt doch schon sehr viel Wehmut auf. Ich fühle mich außen vor, nicht dazu gehörig, nicht richtig akzeptiert usw.
Und zum Schluss kam noch sehr erschwerend hinzu, dass meine Freundin sich von mir getrennt
hat. Weil sie, wie sie meinte, einfach keine Kraft mehr aufbringen könne und sie in unserer Beziehung keine
gemeinsame Zukunft sehen würde. Da brach natürlich eine Welt in mir
zusammen. Habe ich doch die ganzen Anstrengungen und Strapazen auf mich genommen, um mit ihr eine
schöne Zukunft zu haben. Und jetzt das. Ich dachte, das kann doch alles nicht sein. Wozu soll ich
denn jetzt noch weiter an mir arbeiten? Die ganzen Zukunftspläne und Träume wurden auf einen
Schlag zunichte gemacht. Ich saß in einem ganz tiefen Loch, wo ich jetzt so langsam wieder
heraus komme, im Zuschauen, ob die Welt noch da ist.
Ich ertappe mich aber öfters dabei, dass ich Gedanken zulasse, du schaffst es auch
alleine, aber nur warum...
Der Gedanke, es für mich zu tun, scheint mir immer noch absurd. Oder doch nicht? Ich weiß es
leider noch nicht richtig, dafür ist die Zeitspanne seit unsrer Trennung noch nicht groß
genug. Ich war immer so glücklich, meiner Freundin abends von meinen Erfolgserlebnissen zu berichten, auch wenn es nur kleine Schritte waren. Und jetzt:
Wem soll ich in Zukunft von
meinen Erfolgen berichten? Es ist schon ein sehr merkwürdiger Zustand, der, wie ich mittlerweile
weiß, auch vorübergeht. Es braucht halt seine Zeit. Meine Exfreundin möchte mir auf jeden
Fall weiter helfen und mich unterstützen. Aber sie wohnt nicht mehr bei mir, und es ist alles
ein wenig anders.
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Carmen Heerdegen,
Fachärztin für Neurologie und Psychotherapeutin, Stuttgart:
Viele an Angst und Panik leidende Menschen greifen früher oder später in ihrer Verzweiflung zu
Tabletten und vergrößern damit ihre Probleme. Tabletten können kein Denken ändern. Krankhafte Angst
jedoch ist das Ergebnis von fehlgesteuertem Denken, aus dem am wirksamsten kognitive
Verhaltenstherapie heraus hilft. Übrigens steht Kava im Verdacht, die Leber zu schädigen. Das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte prüft deshalb ein Verbot Kava-haltiger
Beruhigungs- und Entspannungs-Mittel. Der Pharmakonzern Merck hat vor diesem Hintergrund seine
Kava-haltigen Beruhigungs- und Entspannungsmittel bereits Ende November vom Markt genommen.
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Ich habe vor ein paar Wochen, als wir noch nicht getrennt waren, den Entschluss gefasst, es
mal mit Psychopharmaka zu versuchen, obwohl ich seit meiner Kindheit ein Gegner jeglicher
Medikamente bin.
Und da bin ich auf eine Seite im Internet gestoßen, wo über eine Studie berichtet
wird, wonach ein Kava-Kava Produkt die gleichen Wirkungen erzielt habe. Habe mir dieses
Produkt besorgt. Die Dosierung war einmal täglich 120 mg. Habe meine Johanniskraut-Tabletten
abgesetzt und über einen Zeitraum von drei Wochen dieses Kava-Kava Produkt eingenommen. Es hat
sich aber auch in der dritten Woche keine Verbesserung eingestellt, so dass ich beschloss, wieder
meine bewährten Johanniskraut-Tabletten zu nehmen.
Habe ja hier zu Hause oder in meinem Umkreis, den ich mir gesteckt habe, kaum oder gar
keine Ängste, habe aber gemerkt, dass ich viel ruhiger bin seit ich vor etwa drei Jahren diese Tabletten nehme.
Nun bin ich endlich einigermaßen wieder so weit, dass ich wieder versuche, mit meiner
Geländemaschine wenigstens dorthin raus zu fahren, wo ich vorher, also am Schluss der
Psychotherapie war, was mir auch einigermaßen gelingt. Sobald ich aber nur ein paar Meter weiter
will, meldet sich der Saboteur wieder und gibt mir das Gefühl, wieder zurückfahren zu müssen, was
ich letztendlich dann auch tue.
Weil ich demnächst von einem Freund ein kleines Auto geschenkt bekomme, habe ich mir einen Hierarchieplan erarbeitet. Dieser besteht aus 20 Stufen. Die erste Stufe
ist die, wo ich am wenigsten Angst empfinde, die zweite dort, wo ich mehr Angst empfinde usw. In
jeder Stufe muss ich so lange bleiben, bis ich völlig ohne Angst bin. Und dieses wiederhole ich
dann mindestens dreimal pro Stufe, bis ich dann zur nächsten höheren Stufe übergehe. So meine
Theorie. Wie die Praxis dann in meinem Fall aussieht, weiß ich noch nicht. Habe es jedenfalls
mal vor, sobald ich das Auto mein eigen nennen kann. Habe mir die einzelnen Stufen so
ausgearbeitet, das zwischen jeder so ca. 150 Meter liegen. Mal schauen, ob es mir gelingt. Bei Rücksprache
mit der CDS wurde mir gesagt, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung sein
könne. Es würde nur viel länger dauern. Es bleibt mir aber keine andere Wahl, als mir selber zu
helfen. Ob es mir gelingt, weiß ich nicht, aber ich klammere mich jedenfalls an jeden Strohhalm,
der mir angeboten wird und vielleicht Erfolg verspricht.
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Carmen Heerdegen,
Fachärztin für Neurologie und Psychotherapeutin, Stuttgart:
Angst- und Panikstörungen allein mit einem Buch überwinden zu wollen, erweist sich
regelmäßig als schlechte Investition. Der Markt bietet viele Bücher, aber keines, das
Psychotherapeuten ersetzt, die individuell in nur 12 Stunden zum Erfolg führen.
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In den letzten Monaten habe ich mir sehr viel Grundwissen über die
Angststörungen im allgemeinen angelesen, aber es in die Praxis umzusetzen, ist mir bis jetzt nicht
gelungen. Ich habe nur einen Wunsch, meine Angststörungen in den Griff zu bekommen und wieder ein
normales Leben führen zu können. Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit einen Eindruck vermitteln über
mein Leben, die Psychotherapie und was danach geschehen ist.
*Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Wir danken dem Autor für den Mut und die Mühe, diese Dokumentation zu verfassen, "um anderen
Patienten mit Angststörungen behilflich zu sein".
Zum Teil 1 und Startbeitrag dieses Erfahrungsberichtes über die Christoph-Dornier-Stiftung
und Christoph-Dornier-Klinik.
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