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© PSYCHOTHERAPIE 31.12.2001
Psychotherapie-Kliniken als teure Illusion: Verhaltenstherapie an der
Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie Münster
Verhaltenstherapie: Schein und Wirklichkeit
"Christoph-Dornier-Klinik habe ich mitgemacht, seitdem bin ich pleite"
VON GOTTLIEB SEELEN
Das Wirtschaftsmagazin wusste es genau. "Millionen
Menschen haben Angst. Sie warten jahrelang auf Heilung. Dabei kann eine Verhaltenstherapie
80 Prozent der Kranken in wenigen Tagen helfen", schreibt Magnus Heier in CAPITAL: "Im günstigsten Fall eine Woche Therapie trennen einen durch Angst vor der Angst
für das Leben untüchtigen Menschen von einem ganz normalen Leben - vorausgesetzt, er bekommt
die richtige Behandlung." Doch die ist nicht einfach zu erlangen - auch nicht bei den
vermeintlichen Top-Kliniken, deren Namen die Autoren immer wieder voneinander abschreiben.
In Deutschland gibt es neben den Ärzten mit Psychotherapie-Titel
allein über 25.000 approbierte Psychologische Psychotherapeuten, von denen etwa die Hälfte
als sozialrechtlich zugelassene oder ermächtigte Mitglieder von Kassenärztlichen
Vereinigungen in eigener Praxis niedergelassen ist. Selbst wenn von den Psychologischen
Psychotherapeuten nur 1.000 - ganze vier Prozent - wirklich gut genannt zu werden verdienen,
ist es abwegig, Psychotherapie-Kliniken wie die der Christoph-Dornier-Stiftung für
Klinische Psychologie in Marburg - CDS - als Vorbild hinzustellen: Teuer und erfolglos
nennen Patienten ihre dortige Therapie.
Aber so, wie bekanntlich jede Minute ein neuer Tölpel geschaffen wird, wird es immer genug
Leute geben, die alles glauben, was in der Zeitung steht. Es entzieht sich meiner Kenntnis,
ob Leser durch die Lektüre dieses Wirtschaftsmagazins reich geworden sind. Auf jeden Fall
sollen sie nach der eigenwilligen Auffassung des für den Bereich Modernes Leben bei CAPITAL
verantwortlichen Redakteurs Heier in der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie
- CDK - in Münster ganz schnell angstfrei werden. Und zwar so: "Gut ist,
was Angst macht. Besser, was mehr Angst macht. Den ersten Eindruck bekommt der Besucher der
Dornier-Klinik in einem etwa fünf Quadratmeter großen Raum: von außen verschlossen, ohne
Licht und ohne Fenster - allein. Hier verfallen viele, die unter Angststörungen leiden, in
Panik. Aber das ist nur das Vorspiel" (CAPITAL, 1/2002).
Ein Vorspiel, wozu? In der Redaktion PSYCHOTHERAPIE erinnern wir uns, seit Jahren immer
wieder E-Mails und Briefe von Menschen erhalten zu haben, die naiven und blauäugigen Presse-
und TV-Berichten über die Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie in Marburg
und deren Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster gefolgt sind - und teuer
dafür bezahlt haben.
Um überhaupt eine Diagnose genannt und ein therapeutisches Angebot unterbreitet zu erhalten,
müssen Interessenten in der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster
eine zweitätige stationäre Eingangsdiagnostik absolvieren, die 635,64 Euro kostet. Die
Beherbergung schlägt dabei zusätzlich mit dem Pflegesatz von 203,49 Euro pro Tag zu Buche.
Vor Beginn der stationären Therapie wird zudem eine Vorauszahlung von 2.556,46 Euro
gefordert. Die Klinik, die jedoch lediglich "eine nach § 30 der
Gewerbeordnung konzessionierte Privatkrankenanstalt" ist, besitzt keine Verträge mit
den gesetzlichen Krankenkassen, Rentenversicherungsträgern und berufsgenossenschaftlichen
Unfallversicherungen. Bei vielen Patienten, deren Versicherer die Kosten nicht erstatten,
die sich mit den gesondert berechneten therapeutischen Leistungen leicht auf einen
fünfstelligen Betrag summieren, klafft hinterher ein großes Loch in der Haushaltskasse.
Eine Suche im Posteingang der PSYCHOTHERAPIE-Redaktion fördert aus mehreren Jahrgängen
ausschließlich Mails zutage, in denen Leser berichten, diese Art der Verhaltenstherapie als
desaströs oder gar ruinös erfahren zu haben. Natürlich kann diese Auswahl, aus der wir hier
zitieren, nicht als repräsentativ betrachtet werden. Es macht uns jedoch sehr nachdenklich,
dass wir zu keiner anderen Klinik eine vergleichbare Menge an Zuschriften enttäuschter
Patienten erhalten haben.
Teuer und erfolglos: Patienten über die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in
Münster
"Ich habe einen Waschzwang und unterziehe mich
momentan, nach einer gescheiterten Verhaltenstherapie im Christoph-Dornier-Zentrum in
Münster einer psychoanalytischen Therapie", schrieb Juliane König* am
14.11.1997 und bat um Rat. Wir rieten von der für Zwangserkrankungen bekanntlich
ungeeigneten Psychoanalyse ab und empfahlen, bessere Psychotherapeuten in Anspruch zu
nehmen, die mit kognitiver Verhaltenstherapie arbeiten.
Carsten Beyer* fragte am 30.09.1999: "Ich bin 26 und habe diese
verfluchte Angst nun neun Jahre. Gibt es irgend eine Chance für mich, da herauszukommen?
Christoph-Dornier-Klinik habe ich mitgemacht, seitdem bin ich pleite dazu. Für einen kleinen
Tipp wäre ich Ihnen sehr dankbar!"
Am 27.11.2001 berichte Stefan Rummel*: "Seit ca. 12 Jahren leide
ich an einer sozialen Phobie. Verschiedene Therapieversuche blieben bislang erfolglos. Vor
einigen Jahren habe ich aus lauter Verzweiflung eine Konfrontationstherapie im
Christoph-Dornier-Zentrum in Münster gemacht, leider ohne Erfolg. Seitdem 'bewältige' ich
meine täglichen Probleme, wie z.B. Einkaufen und Ämtergänge, mit Alkohol."
Verzweifelt schrieb auch Klaus-Dieter Koch* am 22.01.2001 an PSYCHOTHERAPIE: "Ich leide unter Agoraphobie und Panikattacken. Habe vor einigen Jahren eine
Therapie in der Christoph-Dornier-Stiftung abgebrochen. Weil bei der Konfrontation mit der
schlimmsten Angstsituation angefangen wurde. Auf kognitiver Ebene wurde nicht therapiert.
[...] Ich würde gerne endlich aus diesem Teufelskreis der Angst rauskommen
und eine Therapie machen, die mir hilft!"
Rita Stark*, die ihre Angststörung bereits vergeblich bei einem Psychoanalytiker zu
heilen versuchte, schilderte uns ihre bestürzenden Erfahrungen am 17.06.2001: "Im Jahre 1996 hörte ich von der Christoph-Dornier-Klinik in Münster und war
gleich begeistert von der Möglichkeit, gemeinsam mit einem Therapeuten an meinen Ängsten in
der Praxis zu arbeiten. Der Therapeut versprach mir nach dem Aufenthalt eine unbegrenzte
Mobilität und garantierte mir eine neue verbesserte Lebensqualität. Im Anschluss an die
Eingangsdiagnostik wurde mein Behandlungsplan mit den Übungen zusammengestellt, die ich alle
zunächst in Begleitung und anschließend alleine durchgestanden habe. In der CDK erklärte man
mir, [...] durch den Habituationseffekt würde mein Körper lernen,
dass es sich nicht um eine gefährliche Situation handelt. Ich war während der Therapie und
auch im Anschluss an den Aufenthalt sehr motiviert, in Angstkonfrontations-Übungen zu gehen.
Aber was habe ich tatsächlich gelernt?
Ich habe die Angstsituationen immer nur ausgehalten, indem ich mich gedanklich über die Zeit
gerettet habe. Meine Gedanken gehen dann in die Richtung, dass ich hoffentlich bald wieder
zu Hause bin, oder andere Dinge machen kann, dass ich nur die Angstzeit überbrücken muss.
Nach den Übungen konnte ich mich nie über meinen Erfolg freuen, sondern beschäftigte mich
bereits mit der nächsten Angstübung. Es gab einige Übungen bei denen ich anschließend gesagt
habe, das mache ich nie wieder. Die Angst ging nie wirklich herunter, oft erreichte sie auch
nur bis zu einem gewissen Grad Minderung, es war immer ein Prozess des Aus- und
Gegenhaltens. Ich habe bei keiner Übung die Kontrolle verloren, was für mich sehr wichtig
ist. Nach dem stationären Aufenthalt in der CDK hat man mir gesagt, dass ich bisher nicht
den gewünschten Erfolg erzielt hätte, weil ich meine Gefühle nicht loslassen könnte und
meine Geschichte doch zu chronifiziert sei. [...] Ich vermied
kontinuierlich immer mehr Situationen und habe heute den Vermeidungslevel wie vor dem
CDK-Aufenthalt erreicht. Von der Person her bin ich ein sehr leistungsorientierter Mensch,
der im Grunde genommen auf alle angstauslösenden Dinge viel Lust verspürt. Meine Angst vor
der Angst ist immer noch riesig, derzeit kann ich nur mit großen Ängsten das Haus verlassen,
ich bin arbeitsunfähig und stehe vor der Berufsunfähigkeit."
Gute Psychotherapie löst individuelle Denkfehler auf
Es ist bemerkenswert, wie leichthin offenbar - um nicht zu sagen:
verantwortungslos - dieser Patientin von den Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Klinik
in Münster "eine unbegrenzte Mobilität" versprochen und "eine neue verbesserte Lebensqualität" garantiert wurde. Tatsächlich
findet sie sich laut eigener Aussage nach der Behandlung "vor der
Berufsunfähigkeit" wieder.
Erfahrene kognitive Psychotherapeuten können aus dem Bericht der Rita Stark* eine Reihe von
Therapiefehlern herauslesen, zu denen in typischer Weise gehört, dass mit der Patientin
offenkundig nicht in dem erforderlichen Maße kognitiv gearbeitet wurde, sondern dass sie
einfach in ihre Angstsituationen gestellt wurde, um die Panik - als ob es bei ihr um eine
Hundedressur ginge - "ausklappern" zu lassen: "Durch den
Habituationseffekt würde mein Körper lernen, dass es sich nicht um eine gefährliche
Situation handelt", schildert die Patientin die für sie wesentlichste Instruktion
ihrer Psychotherapie. Ihre Denkfehler und die psycho-physiologischen Zusammenhänge mit ihrer
Angststörung scheinen ihr hingegen nicht verständlich gemacht worden zu sein. Deshalb konnte
sie weder bei den Übungen mit noch ohne Psychotherapeuten einen Erfolg erreichen.
"Gute Psychotherapeuten holen Klienten mit ihren Problemen dort ab, wo sie
sich befinden. Und gute Psychotherapeuten", erläutert die Fachärztin und
Psychotherapeutin Carmen Heerdegen aus Stuttgart, "messen sich
daran, wie weit sie es vermocht haben, die Klienten aus ihren Problemen herauszuführen und
zu kompetenten Therapeuten für sich selbst zu machen, damit diese den Weg des Erfolges auch
allein weiter gehen können". Hiervon ist bei den vorliegenden Berichten ehemaliger
Patienten der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie und der Christoph-Dornier-Stiftung
für Klinische Psychologie wenig zu erkennen. Vielmehr stehlen sich die am Anfang so
vollmundigen Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Klinik im Falle der Rita Stark* mit der
unglaublichen und unakzeptablen Begründung aus der Verantwortung, dass die "Geschichte doch zu chronifiziert sei". Richtig ist wohl vielmehr, dass
die Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie mit ihrer
Habituation nicht in der Lage waren, die individuellen Denkfehler ihrer sehr motivierten
Patientin aufzulösen und sie zum Therapieerfolg zu führen.
Inzwischen ist allgemein bekannt, dass Phobien sowie Angst- und Panikstörungen sehr gut und
erfolgreich behandelbar sind. So wolle der Berliner Innensenator Ehrhart Körting
(SPD) die diesbezügliche, ungerechtfertigte Frühpensionierung von Beamten eindämmen,
berichtete die Berliner Tageszeitung B.Z. am 25.07.2001 auf Seite 4: Gerade bei "Phobien dränge sich der Verdacht auf, so Körting 'dass private Vorgutachter den
Fall in eine bestimmte Richtung drängen, die man mit einer Nachbegutachtung durch den
Amtsarzt kaum noch korrigieren kann'".
Ein weiterer Leserbrief erreichte PSYCHOTHERAPIE am 04.09.2001 von Helmut Mayer* mit
der Frage: "Was mache ich falsch? Habe letzten Herbst und in diesem
Frühjahr eine Verhaltenstherapie bei der Christoph-Dornier-Stiftung in Marburg durchgeführt,
die aber letztendlich auch nicht zum Erfolg geführt hat. Leide seit 15 Jahren an Agoraphobie,
die sich so ausdrückt, dass ich mein gewohntes Umfeld nicht weiter als ca. 400-500 Meter
verlassen kann, ohne dass diese Angst wieder auftaucht. Ich bin mit den Therapeuten auch
durch meine Angst hindurch gegangen. Nun stehe ich wieder da, wo ich vorher auch war, nur
mit der Kenntnis, dass man solche Situationen schaffen kann. Wenn ich jetzt aber
telefonischen Kontakt aufnehmen will, sind beide Therapeuten nicht mehr im Institut tätig.
Ist schon komisch. Mir wäre auch ein wirklich erfahrener Therapeut lieber gewesen, der sich
vielleicht ein wenig mehr Zeit für die spezielle Problematik eines Patienten genommen hätte.
Nun muss ich wohl oder übel alleine meine Therapie fortsetzen, und ob ich das schaffe, weiß
ich nicht. Wäre für gute Ratschläge sehr dankbar."
Ausführlich hat Helmut Mayer* in einem einzigartigen Dokument für PSYCHOTHERAPIE die
Entwicklung seiner Angststörung und die deprimierenden Erfahrungen geschildert, die er mit
der teuren, aber erfolglosen Therapie bei zwei vermutlich überdies unerfahrenen
Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie aus Marburg
gemacht hat. Er hat PSYCHOTHERAPIE explizit erlaubt, diesen sehr ehrlichen Bericht über
seine "Verhaltenstherapie mit der Christoph-Dornier-Stiftung [...]
zu veröffentlichen. Es ist mein Bestreben, auch anderen Patienten mit
Angststörungen behilflich zu sein." Obwohl Helmut Mayer* sogar mit der Nennung seines
richtigen Namens einverstanden gewesen wäre, haben wir zu seinem Persönlichkeitsschutz
dennoch davon abgesehen.
"Patientenrecht auf Antwort" - Kognitive Verhaltenstherapie
Auf seine Frage, "Was mache ich falsch?", hat
Helmut Mayer* von den beiden Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische
Psychologie offenbar keine befriedigende Antwort erhalten. Was allerdings nicht überrascht,
denn "auf kognitiver Ebene wurde nicht therapiert", klagen auch
andere ehemalige Patienten der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie. Dabei ist es ein
häufiger und fataler Fehler, bei Phobien sowie Angst- und Panikstörungen ohne hinreichende
kognitive Vorbereitung primär auf die Reizkonfrontation zu setzen! Solche brutalen
Holzhammer-Techniken aus der Vergangenheit der Verhaltenstherapie sind im Zeitalter
kognitiver Psychotherapie zwar noch für Redakteure gut, die ein paar dramatische
Fernsehbilder oder eine aufregende Story suchen, aber sie sind sachlich nicht mehr
angemessen. Bei einer kunstgerechten kognitiven Psychotherapie vermögen auch Patienten mit
langjährigen Phobien oder Angst- und Panikstörungen ihre Problemsituationen in der absolut
überwiegenden Zahl der Fälle ohne therapeutische Begleitung und ganz unaufregend allein
bewältigen - dauerhaft erfolgreich.
Das beliebte Beispiel, welches CAPITAL zitiert, auch Johann Wolfgang von Goethe mit
seiner Höhenangst "stieg auf den Turm des Straßburger Münsters und blieb
so lange oben, bis die Angst verschwunden war", übersieht, dass bei dem großen
Weimarer Denker zuvor ein unabdingbar notwendiger individueller Erkenntnisprozess
stattgefunden hat, der heute als kognitive Vorbereitung bekannt ist und durch
geeignete psychotherapeutische Unterstützung sehr komfortabel intensiviert werden kann.
Anwendung finden hierbei psychologische Techniken, die zielgerichtet fehlerhaftes Denken
(engl.: Cognition) bewusst machen und korrigieren helfen, weshalb von kognitiver
Psychotherapie gesprochen wird. Die schlichte Dienstleistung, sich wie einen tollwütigen
Hund lediglich eine Weile allein in einen Raum "ohne Licht und ohne
Fenster" einsperren zu lassen, wird man bei fast jeder Toilettenfrau für einen Euro
sehr viel billiger bekommen.
Ein sehr begabter Hund kann bis zu 50 Wörter mit bestimmten Handlungen verbinden. Bei allem,
was an Fähigkeiten oder Verhalten darüber hinaus geht, zumal bei weniger begabten Hunden,
bedarf zum Erfolg der sprachfreien Konditionierung. Anders als bei manchen Redakteuren, hat
sich bei vielen Zeitgenossen mittlerweile herumgesprochen, dass der höher entwickelte Mensch
mit seinem Denkvermögen und seiner hoch differenzierenden Sprache, die keinesfalls den
gesamten Wortschatz eines Goethe-Wörterbuches zu umfassen braucht, einer subtileren
Steuerung als der brutalen Konditionierung zugänglich ist, die Iwan Petrowitsch Pawlow
erstmals an dem klassisch gewordenen Reflex-Experiment der "Pawlowschen Hunde" vor über 100
Jahren demonstrierte.
Pawlowsche Hunde - Psychotherapie-Kompetenz des BDP ?
Als bemerkenswerter Warnhinweis könnte vor diesem Hintergrund der vom
Briefkopf bis zum Eingangsfragebogen in die Unterlagen der Christoph-Dornier-Klinik für
Psychotherapie Münster gedruckte Hinweis betrachtet werden, dass der Betrieb "mit Beteiligung und Unterstützung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen
und Psychologen (BDP)" erfolgt.
Wer dessen vom Verband der Psychologischen Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten im BDP - kurz: VPP im BDP - betriebenes Psychotherapeutenforum
gelegentlich besucht hat, dem dürfte das dort von BDP-Psychotherapeuten vorgeführte
Selbstverständnis jegliches Verlangen nach einer Psychotherapie bei "Experten" nehmen, deren
kulturelle Konditionierung scheinbar bei Pawlows Hunden stehen geblieben ist und deren
kommunikative Kompetenz darin gipfelt, sich innerhalb von weniger als 20 Beiträgen 12 Mal
wechselseitig als "Scheißkerle" bzw. "Scheisskerle"
zu titulieren (siehe Ausschnitt aus dem Psychotherapeuten-Forum des VPP im BDP).

Das Werbefaltblatt der Christoph-Dornier-Klinik Münster für Patienten mit Angststörungen ist
- hierzu nicht unpassend - überschrieben mit dem Ausruf: "Ich halte das
nicht aus! Ich muss hier weg!" Ein erschreckter Aufschrei, der ebenso von einem
Besucher stammen könnte, der dieses Forum von BDP-Psychologen gestreift hat, deren "Beteiligung und Unterstützung" sich die Christoph-Dornier-Klinik für
Psychotherapie rühmt.
Trotz der Enttäuschung, die Helmut Mayer* mit der von der Christoph-Dornier-Stiftung für
Klinische Psychologie praktizierten simplen Habituierung (Gewöhnung) und Konditionierung
erfahren hat, kann auch er bei einem guten Psychotherapeuten mit kognitiver
Verhaltenstherapie seine Angsterkrankung noch überwinden lernen. Dann werden seine Angst und
die erfolglose "Reizkonfrontation" der Psychotherapeuten aus der Christoph-Dornier-Stiftung
für ihn ein Spuk in der Vergangenheit sein.
Um den selbst Betroffenen, den Angehörigen und besonders den vielen psychotherapeutischen
Laien unter unseren Lesern beim Verständnis dieses ausführlichen Erfahrungsberichtes zu
helfen, hat PSYCHOTHERAPIE die Fachärztin Carmen Heerdegen
gebeten, die Schilderung des ehemaligen CDS-Patienten zu kommentieren und therapeutische
Hintergründe zu erläutern.
Carmen Heerdegen ist Fachärztin für Neurologie und niedergelassene Psychotherapeutin in
Stuttgart. Aus ihrer ambulanten Erfahrung weiß sie: "Kognitive
Verhaltenstherapie kann Phobien sowie Angst- und Panikstörungen in über 90 Prozent aller
Fälle in weniger als 12 Stunden dauerhaft heilen." In einem Beitrag in PSYCHOTHERAPIE
vom 30.06.2001 erklärte sie, bei "richtiger Diagnostik gibt es überhaupt
keinen Grund, Menschen mit Phobien bzw. mit einer Angststörung in eine Klinik einzuweisen
oder mit Medikamenten zu behandeln." Tatsächlich werde heute an der Angststörung als
der zweithäufigsten psychischen Erkrankung in allen Bereichen des Gesundheitswesens deshalb
so prächtig verdient, weil sie so konsequent falsch behandelt wird.
Sogar schwere Phobien, Angst- und Panikstörungen sind ohne Psychotherapie-Kliniken
erfolgreich ambulant zu heilen
In dem CDK-Faltblatt zum "Behandlungsangebot der
Christoph-Dornier-Klinik für Menschen mit Angststörungen" werden nach "Erstgespräch und Diagnostik", die bereits rund 1.000 Euro kosten,
regelhaft "zwei bis drei Wochen stationäre Intensivtherapie" als
erforderlich suggeriert - mit "am Anfang 6 bis 10 Stunden täglich,
zunächst mit direkter therapeutischer Betreuung". Wen die anschließende "sechswöchige Selbstkontrollphase" immer noch nicht zum Erfolg geführt
hat, dem wird mit der "Möglichkeit einer zwischenzeitlichen
Auffrischungsbehandlung in der Christoph-Dornier-Klinik" ein Weg gewiesen, die Kosten
weiter in die Höhe treiben.
Dabei bedarf eine effiziente Psychotherapie heute keiner teuren Klinik! Insbesondere bei den
durch kognitive Verhaltenstherapie ambulant mit überragendem Erfolg behandelbaren
Angst- und Panikstörungen, Sozialphobien und spezifischen Phobien sowie Zwangsstörungen und
Depressionen braucht Psychotherapie regelhaft weniger als 1.500 Euro zu kosten. Und
keineswegs - wie bei der Christoph-Dornier-Klinik - mit rund 10.000 bis 15.000 Euro das
Zehnfache! Wenn man alles glaubt, was in der Zeitung steht, kann die unsinnige Orientierung
im Wirtschaftsmagazin CAPITAL, bei Angst- und Panikstörungen in die Christoph-Dornier-Klinik
für Psychotherapie zu gehen, richtig viel Geld kosten - abgesehen von der Gesundheit.
Den Vogel schießt CAPITAL-Autor Heier mit der
gefährlichen Empfehlung ab, sich bei psychischen Problemen dem Hausarzt anzuvertrauen: "Konkret führt der Weg zur Heilung auf jeden Fall zum Hausarzt."
Spätestens seit Hans-Ulrich Wittchen am 25.06.2001 die Ergebnisse der weltgrößten Studie zur
hausärztlichen Versorgung bei Angststörungen und Depressionen (GAD-P) am Max-Planck-Institut
für Psychiatrie in München vorstellte, ist die Untauglichkeit des Hausarzt-Besuches bei
psychischen Störungen bekannt. Der Weg zum Hausarzt ist vielmehr als der folgenreichste und
teuerste Fehler anzusehen, den man bei Angst- und Panikstörungen begehen kann - um möglichst
lange krank zu bleiben und zu einem chronischen Behandlungsfall zu werden. 558
stichprobenartig ausgewählte Ärzte sowie über 20.000 Patienten wurden im Rahmen der
GAD-P-Studie ausführlich befragt. Das erschreckende Ergebnis: Ärzte erkennen nur jede dritte
Angststörung und behandeln diese zudem überwiegend falsch (siehe Lese-Tipp)!
Konkret führt der Weg zur Heilung auf jeden Fall bei psychischen Problemen nicht über die
Lektüre eines Wirtschaftsmagazins, zum Hausarzt oder gar zu einer überflüssigen
Psychotherapie-Klinik, sondern zu einem qualifizierten niedergelassenen kognitiven
Psychotherapeuten. Der ergreifende Erfahrungsbericht, den wir nachfolgend wiedergeben, soll
dafür sensibilisieren, Presse- und TV-Berichte grundsätzlich kritischer zu hinterfragen.
Nachtrag 14.11.2002
Christoph-Dornier-Klinik: "Dies ist bedauerlicherweise wahr"
Nachdem PSYCHOTHERAPIE am 31.12.2001 über die bemerkenswerte
Diskrepanz berichtete, die zwischen der grandiosen Selbstdarstellung der
Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Presse und Fernsehen und den tatsächlichen
und erschütternden Misserfolgen besteht, über die ehemalige Patienten der
Christoph-Dornier-Stiftung und deren Christoph-Dornier-Klinik in Münster immer wieder
berichten, sah sich die Christoph-Dornier-Klinik im November 2002 auf das "vielfache" Drängen "von Patienten und Zuweisern"
zu einer offiziellen Stellungnahme veranlasst:
"Nicht allen Patienten der CDK konnte in der Vergangenheit geholfen
werden. Dies ist bedauerlicherweise wahr", heißt es in der Erklärung der
Christoph-Dornier-Klinik Münster.
Trotz eigenem Pressedienst benötigte die Christoph-Dornier-Klinik in Münster über zehn Monate
"Bedenkzeit" bis zu diesem öffentlichen Eingeständnis, das nach deren eigener Aussage nur durch "vielfältige Anregungen von Patienten und Zuweisern" herbei geführt wurde.
Diese feine Umschreibung dafür, dass erst der öffentliche Druck einen Blick hinter die brüchige
Marketing-Fassade der Christoph-Dornier-Klinik ermöglichte, lässt den erstaunlichen Mangel an Selbstkritik
und Selbstreflexion bei den CDK-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten deutlich werden.
Für Klienten der Christoph-Dornier-Klinik Münster und der Christoph-Dornier-Stiftung mit
Niederlassungen in Berlin, Braunschweig, Köln, Marburg, Münster, Siegen und Tübingen, ist
diese teure Ernüchterung eine wahrhaft erschreckende Expositionstherapie. Wer der
aggressiven Medienarbeit der Christoph-Dornier-Stiftung erlegen ist und dort erfahrene
psychotherapeutische Profis erwartet, wird tatsächlich regelmäßig mit jungen Psychologinnen
und Psychologen konfrontiert, die wenig kosten und sich selbst - zum Teil am Psychogischen
Institut der örtlichen Universität - noch in der Ausbildung befinden.
PSYCHOTHERAPIE wird an dem Thema dranbleiben und über die Kluft zwischen Schein und
Wirklichkeit in der Psychotherapie weiter aufklären - für mehr Qualität in der
psychotherapeutischen Versorgung.
*Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Lesen Sie im Teil 2
den Bericht über die zweimalige erfolglose Psychotherapie bei der Christoph-Dornier-Stiftung
Marburg.
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