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© PSYCHOTHERAPIE 21.08.2001Im
Interview: Ellis Huber über das deutsche Gesundheitssystem und den Wert der
Psychotherapie für das soziale Bindegewebe
Psychotherapie für 5 Euro im Monat
Ellis Huber: "Aus dem Gefängnis des gegenwärtigen Systems selbstbewusst
ausbrechen - oder darin umkommen"
VON
DIETMAR G. LUCHMANNPSYCHOTHERAPIE:
Herr Dr. Huber, als Präsident der Berliner Ärztekammer
haben Sie mit ausgeprägtem Gespür für eine sozial verantwortliche
Gesundheitspolitik zwölf Jahre leidenschaftlich Systemfehler und
Profitorientierung im Gesundheitsbetrieb kritisiert. Seit dem 1. Juli sind
Sie selbst Vorstand einer Krankenkasse, der SECURVITA BKK.
Ihre "Kasse für Ganzheitlichkeit" wird von Umweltorganisationen wie BUND und
World Wide Fund For Nature empfohlen und gilt wegen ihrer Orientierung auf
die sanfte und natürliche Medizin als "Shooting Star" der Branche. Was kann
eine Krankenkasse bewegen in einem System, das "offensichtlich von den
Profitinteressen der medizinischen Industrie und der etablierten
Standesfürsten stärker beeinflusst (ist) als von sachlichen Erwägungen einer
sinnvollen Krankenversorgung", wie Sie feststellten, als Sie dem
Vorsitzenden des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen "gesundheitsgefährdende
Machtausübung" bei der Verschleppung der Akupunktur-Zulassung vorwarfen?
Ellis Huber: Es sind immer Menschen, die etwas bewegen und schlechte
Verhältnisse zum Positiven wenden können. Bei der SECURVITA BKK habe ich
eine kreative und engagierte Mannschaft getroffen, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, die von ganzem Herzen und mit viel fachlicher Courage für die
Mitglieder der Krankenkasse eintreten und damit eine wirkliche Community,
eine solidarische Gemeinschaft gestalten.
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Dr. med. Ellis Huber, 1949 in Waldshut
(Schwarzwald) geboren, studierte von 1969 bis 1976 Medizin,
Germanistik und Geschichte an der Uni Freiburg (Breisgau). Nach
Tätigkeiten in Klinik und freiberuflicher Praxis war er von 1981 bis
1986 Gesundheitsstadtrat der Berliner Bezirke Wilmersdorf und
Kreuzberg und von 1987 bis 1991 Leiter der Abteilung Gesundheitliche
und soziale Dienste beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin e.V.
1987 wurde Ellis Huber zum Präsidenten der Berliner Ärztekammer
gewählt. Als pointierter Kritiker seiner monetär interessierten und
konservativ orientierten Standeskollegen hatte er dieses Amt nach
der Wiederwahl 1990 und 1994 bis zum 27.1.1999 inne. Vom 1.4.1999
bis zum 30.6.2001 war er Geschäftsführer der Securvita GmbH in
Hamburg, der Trägerfirma der BKK. Seit dem 1.7.2001 ist Ellis Huber
Vorstand der
SECURVITA BKK, die als kleine
Krankenkasse für die Anerkennung der alternativen Medizin kämpft und
sich gegen die Bürokratie reformunwilliger Kassenverbände und
Aufsichtsbehörden erfolgreich durchsetzt.
1993 veröffentlichte Ellis Huber das Buch "Liebe statt
Valium", in dem er für einen Wandel der Medizin wirbt: Apparate und
Pillen können nicht Krankheiten heilen, die zunehmend durch soziale
und Umweltursachen hervorgerufen werden. "Das Menschenbild aus dem
19. Jahrhundert, die Körpermaschine, wird abgelöst von einer
ganzheitlichen Sicht des Menschen mit Körper, Seele, und
Lebensumfeld", schreibt Ellis Huber. Der Visionär und Reformer lebt
für ein Programm, das Patienten und Behandler als Menschen ernst
nimmt.
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Dient das Gesundheitswesen dem Kapital mit seinen
Interessen oder der Bevölkerung mit ihren Bedürfnissen, dies ist die
zentrale Frage, die gesellschaftspolitisch entschieden werden muss. Das
heutige System ist krank und in weiten Bereichen korrupt. Zwischen Ethik und
Monetik werden der kleine Therapeut und der kleine Klient zerrieben. Die
Profiteure des jetzigen Systems bedienen sich weiterhin. Der ungelöste
Konflikt um die Gesundheitspolitik hat viel mit dem Gegensatz von Haben und
Sein zu tun, also mit einer grundsätzlichen Werteorientierung zwischen
egoistischem und solidarischem Handeln.
Ich möchte eine Gesundheitsversorgung realisieren, in der die Beteiligten
sozial verantwortlich handeln und sich an den klassischen humanen Werten
orientieren. Dazu braucht es ein professionelles Management der Versorgung
und ein völlig neues Miteinander zwischen Krankenkassen, Ärzten und
Therapeuten, Krankenhäusern und allen anderen Dienstleistern im
Gesundheitswesen. Etwa ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte sind zynische
Egoisten, denen das Schicksal ihrer Patienten völlig egal geworden ist. Sie
denken nur an sich und machen Therapien, deren Unsinn sie von vornherein
bereits kennen. Ein weiteres Drittel umfasst frustrierte und prinzipienlose
Opportunisten, die im System mitschwimmen und versuchen, einigermaßen über
die Runden zu kommen und das schlechte Gewissen durch Freude an Status und
Ansehen zu kompensieren.
Ein Drittel der Therapeuten will tatsächlich sozial verantwortlich tätig
sein und ein preiswertes Gesundheitssystem umsetzen, das die Menschen
respektiert, ihnen wirklich hilft und auch das soziale Bindegewebe schützt.
Mit diesem Drittel ist eine Gesundheitsreform umzusetzen und ein
menschliches Gesundheitswesen zu verwirklichen. Eine Krankenkasse kann
solche Kräfte im Gesundheitswesen unterstützen und mit ihnen unmittelbar
zusammenarbeiten. Es ist natürlich klar, dass die mächtigen Institutionen im
bestehenden System, solches nicht wollen und mit einem Terror der Bürokratie
und der Ignoranz gegenüber beispielsweise ganzheitlichen Heilmethoden
antworten. Alle wissen, dass der Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen
nicht mehr sachbezogene Entscheidungen trifft, sondern nur die Interessen
der Geldverteilung schützt. Es ist ein politischer Fehler diesem Gremium so
viel Macht zuzuordnen und damit die destruktiven Verhältnisse zu
zementieren.
PSYCHOTHERAPIE: Die Psychotherapie gilt als
zutiefst natürliche Heilmethode, weil sie zum Beispiel allein durch
Veränderung fehlerhaften Denkens psychische Blockaden zu lösen vermag, die
psychosomatische Beschwerden verursachen. Sie aktiviert auf natürliche Weise
Ressourcen und Selbstheilungskräfte, die in jedem von uns vorhanden sind.
Welchen Stellenwert nimmt die Psychotherapie bei der SECURVITA BKK ein?
Ellis Huber: Die Globalisierung und die Individualisierung in unseren
Gesellschaften führt dazu, dass die sozialen Bezüge geschwächt werden und
die Bindungen zwischen den Menschen abnehmen. Es kommt zu einer Atomisierung
der Gesellschaft und einer Krankheit des sozialen Bindegewebes, die eine
neue Heilkunst benötigt. Selbst Ökonomen glauben heute, dass psychosoziale
Gesundheit zum Schlüssel für künftige gesellschaftliche Produktivität wird.
Psychosoziale Gesundheit meint nicht die Gentechnologie oder die
Molekularbiologie, sondern die Fähigkeit von Menschen, vernünftig
miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu respektieren.
Gesellschaft als kooperatives Gefüge autonomer Individuen, die ihre soziale
Verantwortlichkeit nicht leugnen, benötigt die Professionalität und
Kompetenz der Psychotherapie. Eine Krankenkasse für Ganzheitlichkeit hat
sicherlich höhere Ausgaben für die psychosoziale Gesundheit zu verzeichnen
als herkömmliche Kassen. Dies ist gut so, denn eine Zweiklassenmedizin zeigt
sich heute darin, dass die Reichen die Zuwendung erhalten und die Armen die
Pillen.
PSYCHOTHERAPIE: Wie hoch ist der Kostenanteil für
Psychotherapie bei ganzheitlicher Betrachtung tatsächlich?
Ellis Huber: Die Ausgaben der SECURVITA BKK für Psychotherapie sind
überdurchschnittlich hoch. In manchen Regionen fließen mehr als 20 Prozent
unserer Kassenausgaben in die Psychotherapie. Und in der Tat ist die
Kostenexplosion für psychosoziale Dienste für diese Kasse, die sich für eine
ganzheitliche Medizin stark macht, ein Problem. Ein angemessenes Honorar für
qualifizierte und sozial verantwortlich tätige Psychotherapeuten beträgt aus
meiner Sicht 80.000 bis 100.000 Euro vor Steuern im Jahr. 20.000
Psychotherapeuten kosten als Arbeitskraft damit rund zwei Milliarden Euro.
Dies entspricht einem Geldvolumen, das heute im Bereich der
Arzneimitteltherapie für bezahlte aber nicht eingenommene Arzneien, also für
den Arzneimittelmüll aufgewendet wird.
Psychotherapeutische Leistungen erhalten im System der gesetzlichen
Krankenversicherung nicht den Stellenwert und das Finanzierungsvolumen, das
für eine moderne Gesundheitsversorgung notwendig wäre. Gleichzeitig sehen
wir aber auch, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Finanzierung
der Psychotherapie vergleichbar korrumpierende Effekte entfalten wie für die
ärztliche Versorgung auch. Ein geschickter Therapeut hat keine
Schwierigkeit, über mich ein Gutachten zu erstellen, das mich als
therapiebedürftig qualifiziert. Die Psychotherapeuten einzeln und in
Gemeinschaft müssen daher ein höheres Maß an sozialer Verantwortlichkeit
aufbringen, wenn sie langfristig und nachhaltig ihre Interessen verteidigen
wollen. Mein Eindruck ist, dass die egoistische Selbstgerechtigkeit zunimmt
und die Existenzkrisen, die vom System produziert werden, als zynische
Aggression gegen die Bevölkerung ausagiert werden.
Ich empfehle gegen diese Symptome eine hinreichende Investition von Geld in
eine sozial verantwortliche Psychotherapie. Dies wäre mehr Geld, als heute
von den Krankenkassen dafür ausgegeben wird. Es müsste jedoch ein anderes
Honorarsystem umgesetzt werden und der einzelne Therapeut muss sich öffnen,
seine Leistungen transparent machen und sich auch in einem
Supervisionskontext der sozialen Verantwortlichkeit stellen und am Ausgleich
zwischen individueller und sozialer Gesundheit mitarbeiten.
PSYCHOTHERAPIE: Eine effektive Psychotherapie wie
Verhaltenstherapie überschreitet heute selten 25 Therapiestunden, bei
einigen Erkrankungen genügen regelhaft 15 Stunden zum Erfolg. So war es
vernünftig, dass in der Vergangenheit jede Krankenkasse ihren Versicherten
unaufwendig Kurzzeitpsychotherapie genehmigen konnte. Seit dem 1. Januar
2000 hat der Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen die bislang
gutachterfreie Kurzzeitpsychotherapie mit dem Scheinargument der
Qualitätssicherung dem aufwendigen Gutachterverfahren unterworfen. Effektive
Psychotherapeuten, die ihre Patienten innerhalb von 25 Stunden kostengünstig
zum Erfolg führten und in der Vergangenheit keine Langzeittherapien
benötigten, werden jetzt gezwungen, rund drei Stunden für die Beantragung
jeder Kurzzeitpsychotherapie aufzuwenden. Psychotherapeuten, die hingegen
immer lange und teure Therapien durchführten, können sich unter Hinweis auf
ihre bislang genehmigten Langzeitanträge von der Gutachterpflicht befreien
lassen. Dabei ist der Wert des umstrittenen Gutachterverfahrens in den
vielen Jahren seiner Anwendung nicht ein einziges Mal nachgewiesen worden.
Überdies erklärte der Psychoanalytiker und Leiter der Abteilung
Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Ulm Horst
Kächele eine Psychotherapie als kurz, wenn sie 700 Stunden nicht
überschreite. Haben die Lobbyisten der Ärzte und Psychoanalytiker das System
so sehr im Griff, dass die Vernunft in der psychotherapeutischen Versorgung
völlig Kopf steht?
Ellis Huber: Bei der SECURVITA BKK werden Anträge auf
Verhaltenstherapie eingereicht, die nach 120 Stunden nochmals eine
Verlängerung von 30 Stunden beanspruchen. Die individuellen
Krankheitskarrieren legen oftmals nahe, dass Psychotherapeuten von einer
lebenslangen Behandlungsnotwendigkeit ausgehen. Im Gutachterverfahren haben
sich, wie alle wissen, längst Kartelle und Seilschaften gebildet, die
effektive Pfründesicherung und Ressourcenakquisition betreiben, aber nicht
mehr Qualitätsentwicklung und echte Mitmenschlichkeit.
Ich selbst war erschrocken, wie das Psychotherapeutengesetz aus autonomen
Menschen abhängige und devote Knechte gemacht hat. Mehr und mehr erlebte ich
Psychotherapeuten, die sich nur noch darum kümmerten, wie sie zu ihrem Geld
kommen, und nicht mehr darum, was ihre inhaltliche Aufgabe ist. Ein
Psychotherapeut, der seine eigene Autonomie an den Türen der
Standesfunktionäre und der Kassenpfründe abgibt, wird nicht mehr Autonomie
für seine Klienten erreichen können. Die Psychotherapie hat sich freiwillig
in die Sklaverei des Systems begeben und sie verliert darin, nach meiner
Wahrnehmung, ihre inhaltliche Substanz.
Die heutigen Kosten für psychotherapeutische Behandlungen im
Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland entsprechen einem
Krankenkassenbeitrag von circa drei bis fünf Euro Monatsprämie. Es geht also
nicht um das Geld, wenn die psychotherapeutische Arbeit zu gering honoriert
wird. Wenn die Community der Psychotherapeuten gesellschaftlich
selbstbewusst aufträte, würde sie die Menschen überzeugen, dass drei bis
fünf Euro Versicherungsbeitrag für die Krankheiten der Seele vernünftig,
sinnvoll und notwendig sind. Statt einer Unterwerfung unter das bestehende
System empfehle ich den selbstbewussten Aufbau eines eigenständigen und
unabhängigen Versorgungsgefüges. Dafür suche ich Mitstreiter und
Psychotherapeuten, die es leid sind, das eigene Rückgrad zu verbiegen.
Es ist heute klar, dass nicht allein die Methode über den Erfolg einer
Psychotherapie entscheidet, sondern auch die Persönlichkeit des Therapeuten.
Der Methodenstreit ist in Wirklichkeit eine Pfründekonkurrenz und die
gesundheitspolitischen Abgrenzungen sind letztlich Machtkämpfe.
Verantwortlich und gesund wäre es, wenn alle Therapeuten ihre Erfahrungen
mit unterschiedlichen Methoden offen austauschten, von einander lernten und
kontinuierlich in einem unvoreingenommenen Diskurs die psychosoziale
Gesundheitslage verbessern würden. Ständiges gegenseitiges Lernen erfordert
eine neue Mitte zwischen Bescheidenheit und Selbstvertrauen, Egoismus und
Kollegialität. Der Psychotherapeut übt einen sozialen Beruf aus. Wenn er
dies vergisst, hat er auf Dauer keine Daseinsberechtigung und kann nicht
erwarten, dass Solidargemeinschaften seine materielle Existenz sichern.
PSYCHOTHERAPIE: Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD) möchte die Hausärzte als Lotsen im Gesundheitssystem. Experten
und Patienten sind jedoch hochskeptisch und auch einschlägige Untersuchungen
sprechen gegen ein Hausarztsystem. Hans-Ulrich Wittchen vom
Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München stellte am 25. Juni diesen
Jahres die weltweit größte Untersuchung zur generalisierten Angststörung in
der primärärztlichen Versorgung vor, an der 558 Ärzte und 20.000 Patienten
teilnahmen (PSYCHOTHERAPIE berichtete). Das erschreckende
Ergebnis aus der hausärztlichen Versorgungsrealität lautete: Nur ein Drittel
der generalisierten Angststörungen wurde von den Hausärzten erkannt, nur 16
Prozent der betreffenden Hausarzt-Diagnosen waren richtig und nur ein
verschwindend geringer Bruchteil der Betroffenen wurde überhaupt richtig
behandelt. Das Beispiel der Angststörung verdeutlicht, dass psychische
Erkrankungen, die durch effektive Psychotherapie in durchschnittlich 15
Stunden erfolgreich zu beheben sind, gerade durch Hausärzte über Jahre
kostentreibend verschleppt werden. Wie sehen Sie Vor- und Nachteile eines
Hausarztsystems im Hinblick auf psychische Störungen und wie könnte eine
effizientere Lösung aussehen?
Ellis Huber: Die kapitalistische Medizin kolonialisiert die Körper
der Menschen. Was dem Profit dient wird auch gemacht. Information und
Kommunikation im System sind den monetären Interessen unterworfen und über
Sinn und Unsinn medizinischer oder therapeutischer Dienste gibt es keine
Transparenz. Ein modernes Gesundheitssystem mit sozialer Verantwortlichkeit
versteht sich selbst als lernende Organisation. Der Kampf der Hausärzte um
eine Lotsenfunktion im Gesundheitswesen ist ein geschickter Versuch,
machtpolitisch mehr Einfluss zu erreichen ohne mehr Verantwortung im
Gesundheitswesen übernehmen zu müssen.
Es gibt vortreffliche Hausärzte ebenso wie vortreffliche Psychotherapeuten.
Diese sind in der Lage, kranke Menschen zu begleiten und ihnen ein
verlässlicher Begleiter im Umgang mit dem medizinischen System zu sein.
Einen Arzt oder Psychotherapeuten des persönlichen Vertrauens benötigen die
Menschen in der jetzigen Situation mehr als je zuvor. Sie können sich auf
das Gesundheitswesen nicht mehr verlassen und ihr vorherrschendes Bedürfnis
ist es, sich in guten Händen zu wissen. Es geht also nicht um die Frage
Hausarzt oder andere Helfer, sondern um die Einstellung der Therapeuten zu
ihrer Aufgabe. Moderne Hausärzte kommunizieren mit allen anderen offen und
sie haben keinen Ausschließlichkeitsanspruch. Solche Hausärzte würden
Angststörungen nicht verdrängen, sondern im Dialog mit Psychotherapeuten das
Problem wahrnehmen und neu gewichten. Nicht die Vor- oder Nachteile eines
Hausarztsystems sind also das Problem, sondern die Beziehungsfähigkeit von
primären Ansprechpartnern für Menschen, die im Krankheitsfalle Hilfe und
Unterstützung benötigen.
Lesen
Sie weiter im Teil 2 des Interviews, welche Zukunft Ellis Huber für
die Psychotherapie im Gesundheitssystem sieht.
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