© PSYCHOTHERAPIE 21.10.2002DPI
Deutschsprachiges Psychotherapieforum im Internet - Untergang der Kultur in der deutschen
Psychotherapie ?
Mobbing der Heiler
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und ihr trauriger Seelenzustand
VON CHRISTOPH J. STENGEL
Das Internet hat der Psychotherapie den Mythos des Rationalen und den
Nimbus des Heilers genommen. Psychotherapeuten, die sich im Web präsentieren, lassen für
jedermann erkennbar werden, wie irrational, zerrissen und krank der Berufsstand der
Seelenheiler selbst ist. Den erschreckenden und traurigen Seelenzustand vieler
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten offenbaren besonders eindrucksvoll die
Internetforen. Ein Beispiel ist das "Deutschsprachige Psychotherapieforum
im Internet DPI e.V.".
Am Anfang des "Deutschsprachigen Psychotherapieforum im Internet"
stand eine für den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin Dr. med. Christian Anger
aus Erfurt brillant erscheinende Idee: Aus seiner Mailingliste für Psychotherapie, die er
seit 1996 betreibt, sollte "eine Kommunikationsplattform für alle
psychotherapeutisch/psychosomatisch tätigen Psychologen und Ärzte" werden. Der Arzt und
Psychoanalytiker Christian Anger träumte von der "Integration verschiedener therapeutischer
Schulen", von "überregionalem fachlichen Austausch und Diskussion" und von der "Information
über berufspolitische Sachverhalte". Je mehr sich diese Idee, ein Schulen übergreifendes
Psychotherapeuten-Forum im Internet aufzubauen, jedoch als Flop entpuppt, umso heftiger
scheint Anger für seine Phantasterei in den Newsgroups des Usenet zu werben, z.B. in der
Newsgroup de.sci.psychologie, de.sci.medizin.misc und de.sci.medizin.psychiatrie.

Auf der Homepage des "Deutschsprachigen Psychotherapieforum im Internet" heißt es: "Wir
wollen dazu beitragen, Vorurteile zwischen den verschiedenen psychotherapeutischen Schulen
und Richtungen, aber auch zwischen den Berufsgruppen, die Psychotherapie betreiben, zu
überwinden. In einer offenen Diskussion und abseits von Lobbyismus und wirtschaftlichen
Verteilungskämpfen praktizieren wir einen fachlichen Erfahrungsaustausch, welcher unserer
Arbeit und damit dem Wohl der Patienten und Klienten dienen kann." Tatsächlich habe ich das
DPI Psychotherapie-Forum, über das ich hier als ehemaliger Teilnehmer berichte, als ein
zunehmend intolerantes und aggressives Mobbing-Forum erlebt, in dem die offene und fachlich
anspruchsvolle Diskussion nicht gefördert, sondern erstickt worden ist.
Schulen übergreifendes Psychotherapie-Forum - eine Illusion
Angesichts der existierenden vielen hundert psychotherapeutischen
Schulen, die teilweise so unverträglich sind wie Feuer und Wasser, hätte die Frage gestellt
werden müssen, ob es überhaupt realistisch ist, ein Schulen übergreifendes
Psychotherapeutenforum im Internet aufzubauen. Zwischen Psychotherapeuten verschiedener
Schulen, deren theoretische Ansätze und praktische Konzepte sich oft wechselseitig
ausschließen, einen kreativen Austausch über alle psychotherapeutischen Themen anregen zu
wollen, war schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Und bei derart unüberbrückbaren
Entwürfen von Psychotherapie und Gesundheit eine damit einhergehende fachliche
Qualifizierung als Beitrag zur Überwindung der Schulengrabenkriege leisten zu wollen, konnte
nur als Hybris imponieren und als Desaster enden.
Dies alles hinderte Christian Anger als Urheber und ursprünglichen Hauptimpulsgeber des DPI
Psychotherapieforum nicht, sich in einer beeindruckenden Weise zusammen mit den Initiatoren
der ersten Stunden und weiteren Hinzugestossenen für diese Idee zu engagieren. Sie begannen
in einem sowohl anerkennenswerten wie rührenden Bemühen dieser Phantasie einer großen
gemeinsamen Psychotherapie Leben einzuhauchen. Viel Engagement und viele gute Ideen kamen
zusammen, um den unterschiedlichen Facetten psychotherapeutischen Daseins die Fiktion einer
gemeinsamen Plattform zu bieten.
Doch warum werden Menschen Psychotherapeuten? Weil sie sich und andere besser verstehen
wollen, weil sie helfen wollen und in der Hilfe einen Anstoß erleben zusätzlich an ihrem
"Handwerk zu feilen". Auch weil sie Freude haben sich auszutauschen und es als Bereicherung
empfinden, die Buntheit und Komplexität menschlichen Erlebens zu erfahren. Und, nicht
zuletzt, weil sie den kollegialen Disput über psychotherapeutische Themen als positive
Anregung erleben, den eigenen Horizont zu erweitern und sich selbst darin menschlich weiter
zu entwickeln. Nur der ist ein guter Psychotherapeut, der auch bereit ist, über sich zu
reflektieren und Fehler, wie vielfältige und alltägliche Formen von "Unmenschlichkeiten",
über Bord zu werfen.
So habe ich das als Psychologischer Psychotherapeut gehalten und gelernt. In all den vielen
Fachgruppen von der Ausbildung bis in die berufliche Tätigkeit habe ich diesen toleranten,
offenen, anregenden Austausch als bereichernd erlebt. Natürlich gab es auch in der
Ausbildung, in der Fortbildung und in den Berufsjahren jene Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten im Kollegenkreis, die offensichtlich nicht durchblickten, die ihre
skurrilen Gedanken pflegten und etwas merkwürdig im Umgang waren. Doch denen ging man -
ungeachtet ihrer Zahl - einfach aus dem Weg und man hatte seine Ruhe vor ihnen. Mit den in
meiner Vor-Internet-Zeit guten Erfahrungen, und über viele Jahre aufgebauten positiven
Erwartungen gegenüber einem Fachaustausch, bin ich zum DPI Psychotherapieforum gestoßen und
sehr schnell bestürzt aufgeschreckt worden durch einen intoleranten, rechthaberischen und
rüden Umgang, wie ich das in akademischen Kreisen bisher nicht kannte und gar nicht für
möglich hielt.
Psychotherapeuten oft selbst psychisch schwer gestört
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Jaeggi, Eva: Und wer therapiert die Therapeuten?
Stuttgart: Klett-Cotta, 2001.
Die 1934 in Wien geborene und seit 1999 emeritierte Professorin für Klinische
Psychologie hat den Geisteszustand ihrer Kollegen untersucht: Psychotherapeuten werden
als Menschen gesehen, die "selbst Probleme haben", durch ihren Beruf "selbst hoffen, mit
sich ins reine zu kommen", "selbst krank" oder "irre und
absonderlich" sind. Ihre Therapie wird empfunden "wie wenn ich bei meiner Oma einen Kaffeebesuch mache".
Folgerichtig fragt Jaeggi: "Kann sich unsere Gesellschaft diese Psychotherapie überhaupt leisten?"
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Doch wirklich überraschend ist dieses Mobbing unter Psychotherapeuten
nicht. Der traurige Seelenzustand von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist
öffentlich hinlänglich bekannt, seit dem es die Psychotherapie als Beruf gibt. Auch Eva
Jaeggi, emeritierte Psychologie-Professorin und Psychotherapeutin berichtet in ihrem
unlängst erschienen und behutsam selbstkritischen Buch "Und
wer therapiert die Therapeuten?" über den erschreckenden Zustand der staatlich
approbierten Seelenheiler: "Natürlich ist nie auszumachen, ob sich zum
Beruf des Psychotherapeuten eventuell besonders labile Naturen hingezogen fühlen ... Die
berichteten Zahlen über schwere psychische Störungen (während Ausübung des Berufes)
variieren: 73 % schwere Angststörungen ... 90 % (undifferenzierte) schwere psychische
Störungen ... 82 % schwere persönliche Probleme infolge Beziehungsschwierigkeiten, 57
% Depressionen, 11 % Süchtige und 2 % Suizidversuche ... diese Zahlen genügen, um sich ein
Bild davon zu machen, daß der Beruf des Psychotherapeuten nicht unbedingt der gesündeste ist
oder nicht unbedingt die gesündesten Menschen anzieht" (S.113).
Teilnehmer im DPI Psychotherapieforum im Internet, die versuchten, ihre Themen sachlich zu
präsentieren, wurden inquisitorisch abgekanzelt. Ihre Beiträge wurden als Quatsch, Unsinn,
illusionistisch, überholt, gefährlich, methodisch falsch, unverantwortlich etc. bezeichnet,
ohne diese erheblichen und geradezu diffamierenden Einwürfe auch nur im geringsten zu
begründen.
Gesinnungs- und Listenpolizisten tauchten auf und wachten über das richtige Denken, resp.
die richtigen Theorien, und/oder wollten die Bestimmungsmacht haben, wie Themen zu behandeln
seien und wie eine Fallbesprechung auszusehen hat, ohne jedoch nur im geringsten das zu
repräsentieren, was man eine überzeugende Fachautorität nennt. Ging es dabei noch um einen
Wettstreit über die besseren Argumente und den einordnenden Bezug zu vorhandenen Theorien?
Nicht im geringsten! Manche Teilnehmer hielten nur das für das "non plus ultra", was sie als
Denken in ihrem eigenen Kopf vorfanden.
Jede anknüpfende Aufforderung, im Psychotherapie-Forum darzulegen, in welchem Bezug die
Auslassungen und Einwürfe zu den herkömmlichen Theorien stehen, wurde als lästige
Einmischung empfunden. Und kaum einen hat es gestört, obwohl die
Psychotherapeuten-Berufsverbände ethische Grundsätze formulieren, dass Psychotherapeuten
aktiv werden sollten, wenn sie beobachten, dass offensichtlich grobe Unkenntnis über die
Verwendung psychotherapeutischer Methoden und Theorien besteht oder sogar schädigend
gearbeitet wird. So bietet im DPI Psychotherapieforum jemand seit Anbeginn großspurig
Intervision und Supervision an, der tatsächlich nur die Geister verwirrt und realiter all
das repräsentiert, was tunlichst nicht Supervision sein sollte.
Ein Auszug:
"Wer Gerd Boettcher kritisiert geraet gnadenlos ins Abseits und wird von ihm und von
seinen Vasallen mit heiligem Zorn verfolgt, auch wenn die Kritik berechtigt ist.
Gerd Boettcher? Ich dachte bisher immer, Rudolf Sponsel wäre der böse Bube. ...
Wisst ihr was Kinders! Geht alle in euer Bett! Ihr merkt nichtmal, daß ihr allesamt auf dem
absteigenden Ast sitzt. ..."
Psychotherapeuten sind per Gesetz dazu verpflichtet, sich fortzubilden und sich über die
aktuellen Strömungen der Psychotherapieforschung auf dem laufenden zu halten. Das
Sozialgesetzbuch erwartet "qualitätssichernde" Maßnahmen. Solche Erwartungen werden jedoch
regelhaft enttäuscht.
Wer diesen eigentlich selbstverständlichen Anspruch hat und zeitgemäße Themen,
Fragestellungen und Anregungen einbringt, dessen Beitrag läuft bestenfalls ins Leere und
landet im Nichts der Resonanzlosigkeit - dem Schweigen im Walde. Oder, was häufig vorkommt,
der dargebotene Inhalt wird ignoriert und es werden lediglich in einer Antwort ein paar
Zeilen herausgegriffen, um herumzumäkeln und irgendwelche herabsetzenden Einwürfe zu machen,
die mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun haben.
Psychotherapeutischer Grabenkrieg statt Diskussion
Manche Teilnehmer sind regelrecht auf der Lauer, um einen Beitrag auf
diese Weise mit gezielter Abwertung zu quittieren. Meist sind dies Teilnehmer, die sich
selten oder nie mit eigenen Beiträgen melden, aber gerne Gelegenheiten benützen, um ihre
Polemik abzuschießen. Man kann den Eindruck gewinnen, das Psychotherapieforum biete
selbstunsicheren und aggressionsgehemmten ebenso wie frustrierten und deprimierten
Psychotherapeuten ein Instrument, sich durch das Abbürsten anderer Teilnehmer ein wenig
kranke Selbstbefriedigung zu verschaffen.
Qualitätssicherung im DPI Psychotherapieforum? Weit gefehlt! Ein maßgeblicher Initiator
sagte mir sogar einmal, als ich das niedrige Niveau ansprach und um dessen Anhebung warb,
ihm ginge es gar nicht um Qualität! Es geht scheinbar um das Herunterfahren einer Qualität,
indem man sich hinter das Psychotherapeutengesetz zurück entwickelt, das die niedrigen
Standards und die zuweilen hanebüchene Scharlatanerie in der Psychotherapie beenden sollte.
Leider hat gerade der Gesetzgeber die Böcke und Gärtner in den Psychotherapeutenkammern
zusammen in einen Topf geworfen.
Diese desaströse Situation, welche die ohnehin durch tiefe Gräben getrennten
rückwärtsgewandten Psychoanalytiker und modernen Verhaltenstherapeuten eine gemeinsame
Selbstverwaltung übergestülpt hat, wird im DPI Psychotherapieforum im Internet noch
verschärft, indem man zulässt, dass das DPI unterwandert wird durch Personen der so
genannten "Heilpraktikerpsychotherapie". Man benötigt für diese besondere Form der
"Psychotherapie" lediglich eine Heilpraktikerzulassung durch Absolvierung einer
einschlägigen Prüfung und kann sich dann, z.B. mit einem Hauptschulabschluss, immer noch das
Schild "Psychotherapie" an die Türe hängen und seine Dienste anbieten.
Psychotherapeuten dürfen sich diese Schmalspur-Ausgebildeten nach dem neuen
Psychotherapeutengesetz nicht mehr nennen, aber sie dürfen ihre "freie Psychotherapie"
betreiben, wie sie ihren Substanzmangel häufig verbal verklären. Und da sind sie dann, diese
Möchtegernpsychotherapeuten und wetteifern mit den akademischen Psychotherapeuten, indem sie
ihr Niveau zum Besten halten; die meisten davon üben sich jedoch im Schweigen aus Angst,
schnell entblößt zu werden und sich zu blamieren, bestimmen aber auch so deutlich genug das
Gesamtniveauklima.
Wer nähere Auskunft über diese klammheimliche Unterwanderung möchte, stößt in ein
Wespennest! Überhaupt drängt sich einem Mitempfindendem zunehmend der Eindruck auf von recht
ungehobelten Umgangsformen, von nichtakademischen "Tugenden" mancher Teilnehmer, die
thematisch gar nicht bei der Sache bleiben können, ihre eigene Logik betreiben und sich
auszeichnen durch manch krasse Verkennungen des jeweils Dargestellten, bis hin zu deutlich
psychotischen Wahrnehmungsverzerrungen, die dennoch von den meisten Teilnehmern als das
"Übliche" genommen werden. Der "Bodensatz der Psychotherapie" - so hat das einmal ein
kundiger und schon längst und resigniert ausgestiegener Kollege treffend benannt. Ein ganz
besonderes Milieu hat sich da eingerichtet, das sicher nicht charakteristisch für die
gesamte Psychotherapeuten-Szene ist. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Und nur der wird
letztlich integriert und anerkannt, der sich anpasst an die gewissen Verdrehtheiten, die
Wertediffusion, die Korrumpiertheit bezüglich ethischer Grundsätze, den Gesinnungssumpf, die
soziale Gleichgültigkeit und Resonanzlosigkeit und die Verwaschenheit der Maßstäbe.
Psychoanalytiker als Zensoren
Mit der Zeit wird einem teilnehmenden Beobachter deutlich, dass auf
seltsame (oder typische?) Weise, so wie im Internet üblich, auch hier Charaktere mit eher
destruktiven Tendenzen sich eine Plattform zu schaffen versuchen und das Geschehen in den
Listen des Forums zu dominieren trachten. Psychotherapeuten, so sie ihr Handwerk verstehen,
sollten ein gerüttelt Maß an Menschenkenntnis haben, sollten bewandert sein im Umgang mit
schwierigen Menschen und über eine hohe soziale Kompetenz verfügen, um mit Konflikten
umgehen und diese bewältigen zu können. Und natürlich sollte diese soziale Kompetenz auch im
fachkollegialen Umgang untereinander vorherrschen. Sogar die Statuten mancher Berufsverbände
legen fest, dass der kollegiale Umgang in einer würdigen Form sich abspielen sollte und
alles vermieden werden sollte, was den Berufsstand in Misskredit bringen könnte. Auch die
gerade entstehenden psychotherapeutischen Kammern formulieren berufsethische Normen im
fachlichen Miteinander und bilden Schlichtungsstellen für Auswüchse. Mit einer ungeheuren
Naivität - oder psychotherapeutischem Größenwahn - meinte man im DPI Psychotherapieforum
gerade diese dialogunfähigen, kommunikationsgestörten und in hohem Masse destruktiven
Teilnehmer integrieren zu können und hielt das Ganze dann für einen rühmlichen Versuch
Schulengräben zu überwinden und da ein Gespräch weiter möglich zu machen bzw. offen zu
halten, wo es gar kein Gespräch gab.
Die Chaoten und so genannten "Destruktoren" waren gleichzeitig die Hätschelkinder des Forums
und man sah ihnen, wenn auch teilweise mit Bedenken, dennoch zu, wie sie weiter ihr Unwesen
trieben und reihenweise ihr Gift sprühten, dass viele durch Nichtschreiben gar nicht mehr
wagten in ihre Schusslinie zu kommen und/oder sich entsetzt und angewidert zurückzogen oder
gänzlich sich aus dem Forum entfernten. Es gab Bemühungen, dem destruktiven Treiben Einhalt
zu gebieten. Es gibt und gab jedoch kein wirkliches Verständnis und kein rechtes Gespür
dafür, was ein kreatives Austauschklima ausmacht, und auf welche Weise man den Nährboden für
einen konstruktiven Dialog pflegt. Und es gibt kein rechtes Verständnis darüber, wie sich
die zerstörerischen Prozesse äußern und wie ihnen begegnet werden kann; Ignoranz,
Stumpfheit, Dumpfheit und eine bedrückende weitgehende emotionale Resonanzlosigkeit
gegenüber sozialen Prozessen sind Hauptströmungen im Forum - ein schaudernder Blick hinter
die Fassade von Psychotherapeuten jeden Geschlechts und Alters.
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Degen, Rolf: Lexikon der Psycho-Irrtümer.
Frankfurt/Main: Eichborn-Verlag, 2000.
Mit seinem Angriff auf den "Irrgarten" von nunmehr 600
konkurrierenden Therapierichtungen enthüllt der von der Deutschen
Gesellschaft für Psychologie mit dem "Preis für
Wissenschaftspublizistik" ausgezeichnete Journalist die "reine
Quacksalberei" großer Teile der Psycho-Zunft. Provokant trägt das
Buch damit zur Entwicklung wissenschaftlicher Psychotherapie als
echte Heilungsalternative bei - durch fulminante Abrechnung mit
falschen Grundannahmen von Psychoanalyse, Psychosomatik und
Esoterik.
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Das ausgefeilte Mobbing, das die Heiler im Umgang in diesem
Psychotherapie-Forum miteinander praktizieren, lässt auf die Missachtung und das Unvermögen
gegenüber den Hilfe suchenden Klienten schließen: Die "vernichtenden
Ergebnisse der Psychotherapie-Forschung", so bemerkt Rolf Degen in seinem
populären "Lexikon
der Psycho-Irrtümer", haben "einen äußerst demokratischen und
egalitären Charakter: Psychotherapeuten können Neurosen nicht besser heilen als jeder
wohlmeinende Laie, und sie leiden selbst in erhöhtem Maße an den 'Verrücktheiten', die sie
bei anderen therapieren wollen" (S. 63f.).
Die "Selbstverwaltung" im selbsternannten "DPI Deutschsprachigen Psychotherapieforum im
Internet" sah auf ebenso erschreckende Weise ungerührt zu, wie immer wieder hoffnungsvolle
und begabte Menschen auftauchten, wie mit ihnen Ansätze von positiver inhaltlicher
Auseinandersetzung entstanden und wie dann wiederum, durch die immer selben Leute, zunehmend
eine Kette unsachlicher Angriffe stattfand und Inhalte platt gewalzt wurden, die jeden
kreativen Austausch erstickten und dazu führten, dass wertvolle Teilnehmer die Segel
strichen.
Psychotherapeuten sollten Fachleute für Beziehungspflege sein; sie sollten darüber Bescheid
wissen wie sich kreative und positive Beziehungsstrukturen offenbaren, wie man sie pflegt
und fördert und sie sollten ein sehr gutes Gespür dafür haben, wie sich negative und
destruktive Beziehungsmuster zeigen und was notwendig ist sie zum positiven zu verändern
oder zumindest in ihrer schädigenden Wirkung auszubremsen. Und Psychotherapeuten sollten
sich über solche Zusammenhänge verständigen. Psychotherapie ist auch aktive Beziehungspflege
zwischen Psychotherapeut und Patient. Beziehungspflege ist solchermaßen
psychotherapeutisches Handwerk.
Im DPI Psychotherapieforum im Internet findet hingegen auf merkwürdige Weise über solche
Themen und die damit zusammenhängenden Vorgänge keine Verständigung statt, ja es ist sogar
so, dass eine ganz unheimliche Verquickung gerade mit jenen Teilnehmern besteht, die sich
auf offene und/oder subtile Weise destruktiv gebärden und damit so etwas wie ein
Negativ-Gesamtklima aufrechterhalten. Die schweigende Masse trägt gewissermaßen dieses Klima
und hat eine heimliche Freude an den Kämpfen "auf der Bühne" und sieht ungerührt zu wie die
Ungehobelten austeilen und die wenigen Empfindsamen weiter genüsslich verletzen.
Psychotherapeuten als Mobbing-Profis
Ich habe ein geradezu lehrbuchmäßig abgelaufenes Mobbing-Geschehen mit
einer ihr Opfer blutrünstig hetzenden Meute miterlebt und kaum einer hat bemerkt, was da vor
sich geht. Das Forum erscheint bei alledem wie eine Art Gegenwelt, eine Welt, in der die
Maßstäbe vertauscht sind und geradezu in ihr Gegenteil verwandelt sind. Statt Erhellung gibt
es Verschleierung und Verdunklung, statt Aufklärung, statt geistiger Freiheit und
Aufgeschlossenheit gibt es Dumpfheit, Stumpfheit und eine schizoide Distanz. Es existiert
eine geradezu chronische sozial-emotionale Resonanzunfähigkeit und ein Unverständnis
gegenüber all den engagierten Versuchen, frei und vorurteilsfrei über alles reden zu wollen.
Das Forum in seiner Gesamtwirkung kommt mir teilweise wie eine gestörte Persönlichkeit vor
mit Zügen von Soziopathie, also einer Unfähigkeit wichtige soziale Signale aufzunehmen und
angemessen zu verarbeiten wie zu beantworten.
Nach ausreichender Teilhabe empfinde ich das DPI Psychotherapie-Forum inzwischen geradezu
als eine Vernichtungsmaschine für jeden Versuch einer direkten, profunden, klugen,
intelligenten inhaltlichen und vor allem erlebensnahen Auseinandersetzung. Die Diskussion
über die Probleme alltäglicher Praxisarbeit eines Psychotherapeuten finden im DPI keinen
Platz (mit Ausnahme einer berufspolitischen Liste). Mit fast hundertprozentiger Sicherheit
kann man vorhersagen, dass ein solcher Versuch Alltagsprobleme zu besprechen früher oder
später zu unsachlichen persönlichen Angriffen führt. Oder es herrscht "Schweigen im Walde"
und der ursprüngliche Beitrag findet keine Antwort oder - eine weitere beliebte Variante -
man fängt an themenfremd zu palavern. Die Schwätzer kommen aufs Parkett mit
Dampfplaudereien, mit Witzchen und Bonmots und/oder mit Gratulationstouren, indem meist
einem der "falschen Götter" im Forum gehuldigt wird.
Die Vermeidung eines unmittelbaren Austausches realer Erlebenswirklichkeiten aus dem
Psychotherapeutendasein scheint mir in diesem Psychotherapie-Forum schon institutionalisiert
zu sein. Es offenbart sich eine Vermeidungsstruktur, die den so Handelnden u. U. bei ihren
Patienten als Störung entgegenkommt, die sie dann therapieren sollen, obwohl sie selbst in
diesen neurotisierenden Vermeidungsmustern gefangen sind. Psychotherapeuten führen sich hier
vor als der sprichwörtliche "hilflose Helfer", der da helfen will, wo er selbst sich bisher
nicht zu helfen vermochte. Überhaupt bietet sich das Forum als eine vorzügliche Adresse an,
um alle landläufigen Vorurteile über Psychotherapeuten, Psychologen wie Ärzte, bestätigt zu
bekommen.
Über lange Phasen wurde das Forum dominiert von auch im psychologischen Usenet bekannten
Personen und/oder von Personen bei denen man zunehmend in Zweifel kam, ob sie ihrer
psychotherapeutischen Tätigkeit geistig überhaupt gewachsen sind, so waghalsig und fern von
jeder üblichen theoretischen Einordnung wie praktischen Erfahrung formulierten Letztere ihre
ganz eigenen Theorien.
Psychoanalytiker als Zensoren
Einer der dominierenden Protagonisten, der Herausgeber der Berliner
Blätter für Psychoanalyse, hat es mittlerweile geschafft, mit seinen Adepten weitgehend das
Klima des gesamten Forums zu bestimmen und alles auszugrenzen bzw. unsachlich anzugreifen,
was seiner Politik und seinem Gesinnungsgeist nicht huldigt. Ausgerechnet in Christian
Anger, der ursprünglich Aufgeschlossenheit und Toleranz institutionalisieren wollte, findet
er einen tatkräftigen Mithelfer. Wer den Protagonisten kritisiert gerät gnadenlos ins
Abseits und wird von ihm und von seinen Vasallen mit heiligem Zorn verfolgt, wie im Forum
geklagt wurde - auch wenn die Kritik berechtigt ist. Somit ist ausgerechnet ein
lehranalytischer Vertreter der ursprünglich aufklärerischen Kraft der Psychoanalyse zum
Tabuthemenverteiler geworden und entrüstet sich über ihm nicht genehme Themen, z.B. Mobbing
unter Ärzten, ethische Normen und die Moral der Helfer oder die Auseinandersetzung mit
destruktiven Mustern und Strukturen.
Zwangsweise wird man bei diesen Vorgängen an die Rituale und "heiligen Zirkel" mancher
Psychotherapieschulen - auch der psychoanalytischen - erinnert, in denen sorgfältig
überwacht wird, wer Zugang zu den inneren Kreisen hat und wer konform mit den etablierten
Gedankenströmungen ist. Abtrünnige werden schnell ausgemacht, auf vielfältige Weise mit
ihren Äußerungen in Misskredit gebracht und im Zweifel aus dem eigenen geistigen Leib
exkorporiert.
All das oben Geschilderte hat dazu geführt, dass im DPI weitgehend nur noch auf sehr
abstrakter Ebene diskutiert wird - mit Inhalten, die sich oft auf die theoretischen
Urgroßväter beziehen, z.B.: Was ist die Seele? Welche philosophisch-psychologische Wurzeln
haben die Methoden. Ein Austausch über die Gegenwartsliteratur findet nicht statt oder es
werden unverbindliche Allgemeinplätze ausgetauscht. Einzelne Teilnehmer reiten dabei ihre
theoretischen Steckenpferde, wobei sich bei manchen Beiträgen jeder kundige Psychotherapeut
fragt, was die angesprochenen Inhalte überhaupt noch mit Psychotherapie zu tun haben. Die
Vermeidung alles Unmittelbaren und Direkten hat sich durchgesetzt und prägt das schizoide
Großklima, indem sich die meisten Personen bedeckt halten.
Psychotherapieforum als Karikatur von Psychotherapie
Was im "Deutschsprachigen Psychotherapieforum im Internet" geschieht,
ist gleichsam eine Karikatur von Psychotherapeuten und von Psychotherapie. Psychotherapeuten
sollen, wenn sie glaubwürdig sein wollen, offen sein, "authentisch" sein, direkt und ohne
Verstellung. Wie sonst können sie ihren Patienten vermitteln, selbst zu sich und zu ihren
Erfahrungen zu stehen, wenn sie das nicht vorleben können. Im Psychotherapie-Forum rennen
die meisten mit Masken herum und schauen mit Befremden auf denjenigen der offen ist. Wenn
derjenige dann auch noch seine verletzte Seite zeigt, empört aufschreit, wenn er schlecht
behandelt wird bzw. wenn er würdige Umgangsformen anmahnt, dann wird dieses gesunde
Selbstbewusstsein in misstrauischer Distanzierung betrachtet und mit der Zeit werden solche
Äußerungen in Sündenbockkreationsmanier als Stänkereien betrachtet. Der Status quo hat für
normal zu gelten. Wer offen für seine Rechte eintritt und sich gegen das Unrecht der
"Destruktoren" wehrt, der wird mit autoritär-elterlicher Missbilligung als "böser Bube"
betrachtet und man klebt ihm das diskriminierende Etikett "Streithahn" auf die Stirn. So
werden die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Förderung von Wehrhaftigkeit und gesunder
Selbstbehauptung als ein immanenter Kern von Psychotherapie findet im Forum keine positive
Bestätigung.
In dieser Hinsicht ist das DPI Psychotherapie-Forum ein exzellentes Spiegelbild der
autoritären und menschenverachtenden Zustände in manchem Psychoanalyse-Institut. "Schlimme Erfahrungen waren für mich in meinem eigenen Institut öffentliche
Falldarstellungen, die ich miterlebt habe (und ich würde daher um nichts in der Welt einen
eigenen Fall vorstellen wollen!)", berichtet die Psychoanalytikerin Eva Jaeggi
in ihrem Buch (S 134): "Die jeweiligen Therapeuten, die sich dieses
masochistische Vergnügen gegönnt hatten, saßen wirklich auf dem 'heißen Stuhl'. Es brandete
ihnen eine Welle von Besserwisserei entgegen ..."
Die aktuelle Psychotherapie, geschweige denn die Auseinandersetzung damit, findet im DPI
Psychotherapieforum keinen Raum (ganz rudimentär noch in einer Traumaliste). Jeder Versuch,
aktuelle Strömungen in der Psychotherapie anzusprechen und neue oder gar erst entstehende
Themen einzubringen, findet entweder gar keine Antwort, weil das Thema den Teilnehmern noch
gar nicht präsent ist, oder wird früher oder später in irgendeiner Form mit Abwertung
bedacht.
Selbstüberschätzung und Selbsttäuschung
Dem längeren Betrachter wird auch deutlicher, dass viele, die sich
tummeln sehr wenig psychotherapeutische Erfahrung haben, manche wohl gar keine
Psychotherapeuten sind, viele sich kaum ernsthaft und systematisch mit psychotherapeutischen
Themen beschäftigen, akademische Kardinaltugenden vermissen lassen und kaum einer
eigenständig praxisbezogene Themen vorantreibt. Einige treten in der Pose des erfahrenen
Könners auf, reden bzw. schreiben aber dann doch nur inhaltsleeres Zeug oder können ihren
Anspruch nicht halten.
Die Selbstüberschätzungen sind teilweise grandios. Ein Hauch von Modrigkeit und Leblosigkeit
weht durch das Forum, denn auch ganz aktuelle soziale und gesellschaftliche Themen finden
kaum einen Platz. Psychotherapeuten als Pulsmesser unserer Zeit, als Menschen, die mit den
derzeitigen Strömungen, ganz besonders mit den innovativen Strömungen unserer Zeit in
Kontakt sind, die Signalgeber und Ausdruckorgan dafür sind, lassen sich im Forum nur mühsam
ausmachen. Im DPI Psychotherapie-Forum ist da weitgehend tote Hose, grausame Ödnis. Wer neue
Gedanken einbringt und aufnimmt, dem schlägt eine Dumpf- und Stumpfheit entgegen, die
erdrückend ist. Keine Spur von Neugier, Interesse oder gar wacher Aufmerksamkeit. Ich habe
das ein wenig so wie "Hospitalismus für Erwachsene" erlebt.
Im psychotherapeutischen Diskurs geht es wesentlich um die möglichst präzise Erfassung von
Realität. Es geht, und sollte gehen, um ein Erfassen von Wirklichkeit und der bestmöglichen
Annäherung an die Wahrheit eines Vorgangs. Für Psychotherapeuten sollte ein Bemühen spürbar
und selbstverständlich sein nach einer "Objektivität der Betrachtung" und danach, die
jeweilige Wahrheit möglichst genau zu erfassen. Doch die Wahrheit oder gar Objektivität der
Betrachtung will im Forum kaum einer, schon gar nicht eine "persönliche Wahrheit des real
Erlebten" oder gar eine berechtigte Kritik über die tatsächlichen Verhältnisse. Es ist
nahezu atemberaubend wie häufig und wie konsequent die jeweils eigenen verzerrten
Sichtweisen gepflegt und anderen übergestülpt werden. Projektion pur!
Mittlerweile ist im DPI Psychotherapie-Forum jede Kritik unerwünscht. Wer sich kritisch über
das Geschehen im Forum bzw. in einer Liste äußert, wird auf eine eingerichtete "Motzerliste"
verwiesen, also quasi in den Keller abgeschoben und ausgegrenzt oder er wird unter
"Moderation" gestellt, d.h. seine Mail wird vorab kontrolliert und dann entschieden, ob die
Mail freigegeben wird. Letzteres gilt auch für eine berechtigte Kritik. Die "Moderation" war
ein ursprünglich sinnvolles Instrument für die Zügelung der "Destruktoren", wurde dann aber
immer mehr genutzt, um unliebsame Kritik abzuwürgen.
Der Server steht im ostländischen Erfurt und unweigerlich generieren solche Bezüge und die
Verhältnisse im Forum Erinnerungen an den kleinbürgerlich-muffigen Stasi- und
Unterdrückungsstaat DDR.
Es existiert im DPI Psychotherapieforum ein geradezu ungewöhnliches Unwissen und eine
groteske Instinktlosigkeit über die Kriterien der Unterscheidung einer berechtigten Kritik
von einer unangemessenen und unakzeptablen Äußerung (z.B. eine Beleidigung und unsachliche
persönliche Angriffe). So bleiben Beleidigungen und unsachliche Angriffe oft unbemerkt
und/oder ungeahndet, werden also gar nicht als solche erkannt und gelten als "normal". Dem
gegenüber können Beschreibungen realer Vorgänge, mithin der Versuch der Annäherung an die
Wahrheit eines Geschehens, schnell auf "spitze Finger", auf Empörung und auf Versuche von
Diskreditierung und Ausgrenzung stoßen. Kritische und berechtigte Äußerungen werden als
unziemliche Angriffe verkannt und in kleinbürgerlich-autoritärer Weise geächtet. Man findet
sich also im Spießerland und unter Verhältnissen korrumpierter und verdrehter Moral, die
eine Wertediffusion und Unrecht perpetuieren.
Mit der Unterdrückung und Zensur einer berechtigten Kritik, also mit der Unterdrückung einer
Aussage, die begründet und zutreffend ist, verkehrt sich der Bestimmungszweck eines
Psychotherapie-Forums in sein genaues Gegenteil. Psychotherapeuten können ihr Handwerk und
ihren Beruf nur dann angemessen ausführen, wenn sie geistig unabhängig sind und wenn sie
über ALLE Themen offen und tabufrei sprechen können. Viele psychische Störungen haben mit
einer Verinnerlichung von Tabus und mithin auch mit einer Verinnerlichung von Sprechverboten
und Äußerungsverboten zu tun. Wer in einem psychotherapeutischen Dialog anfängt Sprechtabus
zu setzen, z.B. den Ausdruck dessen was man unmittelbar erlebt und womit man sich thematisch
beschäftigt, der unterdrückt und tötet ab. Wer also anfängt Erleben zu zensieren und Themen
unter Tabus zu stellen, der fängt an die Psychotherapie in ihrem Kern zu zerstören. Doch
solche Zusammenhänge sind ausgerechnet in einem Psychotherapeutenforum nicht
diskussionsfähig bzw. werden mit Verweis auf die "Motzerliste" abgedrängt.
Psychotherapeuten in gesellschaftstypischer Erstarrung
Damit komme ich zu dem Schluss, dass ausgerechnet ein Forum für
Psychotherapeuten, das zu neuen Ufern aufbrechen wollte, den allgemeinen Zustand unserer
Gesellschaft, also Erstarrung und Stagnation, widerspiegelt und durch die selbst aufgebauten
Tabus einen kleinbürgerlichen und spießigen Mief erkennen lässt, wie er so typisch für die
DDR war, auf dessen ehemaligem Territorium der Server steht. Mein Eindruck ist, dass die
bestimmenden Kräfte des Forums einen "spießbürgerlichen Obrigkeitsstaat" errichtet haben
bzw. aufrecht erhalten, indem jede direkte offene, kritische Auseinandersetzung erstickt
wird, ganz besonders, wenn man die "Obrigkeit" berechtigt (!) kritisiert.
Aufgeschlossenheit, Offenheit und Toleranz, als Voraussetzung für ein gutes Austauschklima,
sind damit gründlich verbannt. Psychotherapeuten sind/sollten sein Fachleute für
Veränderung. Wer im DPI Psychotherapie-Forum Veränderung möchte im Sinne von
Aufgeschlossenheit, Lebendigkeit und einem guten Nährboden für kreative Gespräche, wer ein
besseres menschliches und fachliches Niveau möchte, wer sich für Qualität einsetzt, der
fährt früher oder später gegen eine Wand, trifft auf beinharten Widerstand, der erlebt die
institutionalisierten Betonköpfe und Hardliner der ewig Unerreichbaren. Auch die
Psychotherapeuten im Forum sind in die heute gesellschaftstypische Verkrustung,
Unbeweglichkeit und Erstarrung verfallen. Früher, zu den Pionierzeiten des DPI
Psychotherapie-Forums, konnte man zumindest noch seine Vorstellungen mitteilen, auch wenn
sie in weiten Strecken keine lebendige Resonanz erhielten.
Mittlerweile, seit eine "qualitätsbewusste" Psychoanalytikerin mit im Vorstand des DPI
sitzt, ist eine Struktur und ein System entwickelt worden, das man als ein nahezu perfektes
System der (schizoiden) Abschottung bezeichnen kann. Jeder kann sich hinter jedem
verstecken, niemand ist wirklich verantwortlich und am Ende ist man nur noch der Willkür
oder der persönlichen Rachsucht eines Listeninhabers (Owners) ausgesetzt, der nach eigenem
Gutdünken richtet und z.B. Ausschlüsse verhängt, weil ihm eine außerhalb seiner Liste
geäußerte und berechtigte Kritik nicht gefällt.
Kritikfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Konflikttoleranz und hohe Kompetenz bei der Bewältigung
von Konflikten, die zu den Kerntugenden eines Psychotherapeuten zählen (sollten), erwartet
man bei den meisten aktiv Teilnehmenden und bei den Verantwortlichen (der Vorstand und die
so genannten "Gestalter") vergebens. Gestaltet wird letztlich die psychotherapeutische
Kommunikationslosigkeit; Erneuerung und Veränderung finden nicht statt.
"Nicht nur die Berufswahlmotive sind durchtränkt von diesem Größenwahn des
'Besonderen'", schreibt die Psychotherapeutin Eva Jaeggi auf Seite 216, "auch die vielen Bemühungen von Psychotherapeuten, sich ihre eigene Situation
schönzureden, sich die Tatsache ihrer oft schlechten privaten Beziehungen irgendwie per
Verleugnung und Projektion schmackhaft zu machen, zeugen davon."
So brauchte die vermeintlich brillante, aber illusorische Idee vom Schulen übergreifenden
Psychotherapieforum gar nicht an die Wand gefahren zu werden: Die Kommunikationsdefizite
vieler Psychotherapeuten und Psychoanalytiker haben das DPI Psychotherapieforum gleichsam in
den Beton des selben selbstgefälligen Schweigens gegossen, mit dem Psychoanalytiker auch auf
die Fragen ihrer Klienten, wie diese ihre Probleme lösen können, regelhaft mit der teuer in
Rechnung gestellten Demütigung antworten: "Das müssen sie schon selbst herausfinden".
So heilt auch
das DPI Psychotherapieforum effizient - von der Illusion, dass Psychotherapeuten und
Psychoanalytiker zu heilen vermögen. Sie können, wie auch dieses Forum überzeugend vorführt,
viel zu oft nicht einmal sich selbst helfen. Eine Beobachtung, die PSYCHOTHERAPIE am
25.01.2002 bereits mit dem Psychotherapeuten-Forum vom Verband Psychologischer
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und
Psychologen (VPP im BDP e.V.) ausführlich dokumentieren konnte.
Es bleibt die Frage, ob sich Gesellschaft und Gesundheitssystem solche Psychotherapeuten
leisten können.
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