© PSYCHOTHERAPIE 18.11.2000
Von der Zwangsjacke in die Gummizelle?
Medi-Verbund abwegig
Medi-Kartell rechtswidrige "Biertisch-Idee"
Ein Kartell gegen Krankenkassen und
Patienten sollte errichtet werden - so die Idee des Stuttgarter
Kassenarzt-Chefs Dr. Werner Baumgärtner, der sich der Reform des
Gesundheitssystems entgegenstellen wollte. Fragen des
Datenschutzes - ein wichtiges Thema im sensiblen Bereich der
Psychotherapie - seien gar "Peanuts",
ließ sein Stellvertreter und Geschäftsführer des Medi-Verbundes
Stuttgart, Dr. Norbert Metke, in den "Stuttgarter Nachrichten"
am 24.01.2000, Seite 17, wissen. Der dreisten Vergewaltigung von
Recht und Gesetz durch die sich in der Brauereigaststätte
Dinkelacker treffenden Medi-"Häuptlinge"
hat jetzt erstmals ein Gericht einen Riegel vorgeschoben.
Als einer der ersten Kritiker hat im Frühjahr 1999
der PSYCHOTHERAPIE-Herausgeber und Diplom-Psychologe
Dietmar G. Luchmann auf die
Gefahren hingewiesen, die von dem Ärztenetz "Medi-Verbund" für
Patienten, den Datenschutz, die freie Wahl des ärztlichen oder
psychologischen Behandlers sowie die Berufs- und
Therapiefreiheit ausgehen. "Gesellschaftliche
Verantwortung wahrzunehmen", so betont der Stuttgarter
Psychotherapeut, "heißt immer auch, sich den
Versuchen von Machtmissbrauch und Demagogie entgegen zu stellen".
"Die Konfrontationspolitik einiger
Ärztefunktionäre mit dem Ziel, die mit der Gesundheitsreform
2000 politisch angestrebte Verringerung von Einfluss und Zahl
der Kassenärztlichen Vereinigungen zu unterlaufen, kann nur
tragisch für jene Ärzte enden, die sich gegen den Wettbewerb
stellen. Man kann hierzulande gewiss keine Politik gegen die
Ärzte machen, aber die Ärzte können auch keine Politik gegen den
'Rest der Welt' machen", schrieb
Dietmar G. Luchmann am 12. Juli
1999 in einer umfangreichen und vielbeachteten Analyse zu den
Risiken und Nebenwirkungen des "Medi-Kartells". "Der Gedanke, ein Ärztekartell als Überlebensgarantie
schaffen zu wollen", so resümierte der Psychotherapeut,
ist "daher nicht nur eine famose
Biertisch-Idee, sondern eine grandiose politische Totgeburt".
Am 29.05.2000 forderte
Luchmann das
baden-württembergische Sozialministerium, das den von
Juristen als rechtswidrig bezeichneten Aktivitäten der
Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg (KV NW) tatenlos
zusah, formell auf, "dienstrechtlich tätig zu
werden". Anders als die Sozialministerien in
Nordrhein-Westfalen und Berlin, die die rechtswidrigen
Netzstrukturen unverzüglich untersagten, bequemte sich das
Stuttgarter Ministerium nach weiteren vier Monaten nur zu der
Antwort, dass der Medi-Verbund "aufmerksam
verfolgt" werde. Darüber hinaus "beabsichtigt
das Sozialministerium derzeit nicht, weitergehende Bewertungen
abzugeben", hieß es lapidar und nichts sagend.
Konsequent hat
Dietmar G. Luchmann deshalb am
09.10.2000 eine Feststellungs-Klage gegen die Beteiligung
der von den Dres. Werner Baumgärtner und Norbert Metke geführten
KV NW an der Medi-Verbund GmbH eingereicht. Das Ziel dieser
Klage vor dem Sozialgericht Stuttgart ist die Feststellung der
Rechtswidrigkeit der 20-prozentigen Beteiligung der KV NW am
Medi-Verbund und deren gerichtliches Verbot. Die juristische
Vertretung hat der Kassenarztrechtler Rechtsanwalt Dr. jur.
Joachim B. Steck übernommen.
Selbstgefällig tönte der nord-württembergische Kassenarzt-Chef
Dr. Werner Baumgärtner: "Die juristischen
Einwände sind lächerlich" ("Selecta", 4/2000, S.
9-10). "Der 'ungekrönte König' weist jede
Kritik weit von sich", berichtete die "Ärztliche
Praxis" am 28.04.2000 (S.2) und zitierte Baumgärtner: "Medi hat eine demokratische Struktur, die von 20
Juristen geprüft worden ist – alles einwandfrei." Bis zum
14.11.2000! An diesem Tag hat die 5. Kammer des
Sozialgerichts Stuttgart der KV NW in einem ersten Beschluss
im einstweiligen Rechtsschutzverfahren "bis zu
einer Entscheidung in der Hauptsache untersagt, ihre Rechte als
Gesellschafterin in der MEDI GmbH und/oder an den
MEDI-Regionalgesellschaften auszuüben". Die Idee eines
"Medi-Kartells" beginnt damit in sich zusammen zu fallen - wie
Schaum auf schalem Bier.
Gleichzeitig wurden die Chefs der KV NW und Medi-Initiatoren,
Werner Baumgärtner und Norbert Metke, unter Androhung von
Ordnungsgeld und Ordnungshaft verurteilt, Äußerungen über
Wettbewerber zu unterlassen, die "einen in
nicht mehr gerechtfertigter Weise herabsetzenden Charakter"
aufweisen. Das Sozialgericht hatte entsprechende Äußerungen der
KV-Funktionäre als eindeutig "ehrverletzend"
bewertet (AZ: S 5 KA 4825/00 ER).
"Medi-Netz-Mogul Dr. med. Werner Baumgärtner
weht ein eisiger Wind entgegen", schrieb die
Wochenschrift "MEDICAL TRIBUNE" bereits am 28.04.2000
(S.25): "Hausarztverband warnt vor dem
Medi-Netz: Vorsicht Schmierseife!" Nichts haben die
derzeitigen Vorstandsvorsitzenden der KV NW, Werner Baumgärtner
und Norbert Metke, bei ihrem Treiben mehr zu fürchten als
Transparenz und Öffentlichkeit. Weil sie ihren
Allmachtsfantasien im Wege steht, setzen sie - wie in einem
Schreiben vom 25.02.1999 - die lebendige Meinungs- und
Pressefreiheit als grundlegende Säule unserer Demokratie herab,
um die "ewig neidische Presse" zu
verteufeln, "die in Teilbereichen viel mehr
interessiert ist, Unruhe und Unsicherheit zu säen, statt
Informationen weiterzugeben".
Die vorliegende Dokumentation zum Medi-Verbund gibt
substantiierte Informationen weiter - in Übereinstimmung mit der
Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes, welches die
politische Presse stets als "unentbehrlich für
die moderne Demokratie" bezeichnet hat. Nur Außenstehende
fragen, was schwäbische Ärztinnen und Ärzte dazu trieb, sich
derart imageschädigende und selbstzerstörerische Galionsfiguren
zu wählen. Denn historisch ist ein derartiges Spektakel durchaus
bekannt - als Schwabenstreich (z.B.
Die sieben Schwaben).
C h r o n o l o g i e d e s
M e d i - W a h n s

Stuttgarter Zeitung, 07. Juni 1999, Seite 17
Ärztenetz "Medis'' kommt nicht bei allen Doktoren an
Das Datennetz "Medis'' soll die
Kommunikation unter den Stuttgarter Ärzten verbessern und manche
Untersuchung überflüssig machen. Doch das Projekt stockt ... Und
die Kritik wächst. ... bei einer Veranstaltung vor wenigen
Wochen soll Werner Baumgärtner, der Vorsitzende der
Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg (NW), gesagt
haben, es seien lediglich 200 Ärzte dem Praxisverbund
beigetreten, und auch bei denen habe er noch den Eindruck, er
müsse jeden einzeln einfangen.
Dabei sei den Ärzten auf den Veranstaltungen ein Horrorszenario
gezeichnet worden, um sie zur Teilnahme zu bewegen, kritisierte
der Stuttgarter Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann. So habe der
Tenor gelautet: Sollte die KV, wie derzeit diskutiert,
tatsächlich abgeschafft oder in ihren Kompetenzen beschnitten
werden, müsse jeder Arzt persönlich Honorarverhandlungen mit den
Kassen führen und sich dabei unter Umständen zu Dumpingpreisen
verkaufen - Medis biete dafür einen Ausweg.
Der Psychotherapeut
Luchmann kritisiert an Medis
weiter, daß die Ärzte viel zu wenig an der Entwicklung des
Konzeptes beteiligt worden seien: "Es ist eine ganz kleine
Gruppe, die das Konzept ausheckt, während die späteren
Teilnehmer gar nicht eingebunden werden.'' Werner Baumgärtner
räumt ein: Andere Ärzte hätten ebenfalls den Vorwurf erhoben,
Medis sei zu zentralistisch. ...
Dennoch sieht der Medis-Gegner
Dietmar G. Luchmann in dem
Ärztenetz vor allem ein Instrument, um im bewegten
Gesundheitssystem den Einfluß der KV zu erhalten. Für den
Patienten bringe das Kartell dagegen kaum Vorteile: Denn schon
heute gebe es Fax, Telefon und E-Mail - um Doppeluntersuchungen
zu vermeiden, reiche das vorhandene Kommunikationsnetz aus. Das
wirkliche Problem sei, daß die Ärzte eine zu inhomogene Gruppe
bildeten und deshalb keine gemeinsame Stoßrichtung entwickelten
- daran werde auch das Medis-System nichts ändern.
Eine weitere Gefahr sieht
Luchmann im Datenschutz - Werner
Baumgärtner betonte hingegen, daß jeder Patient ausdrücklich in
die Speicherung seiner Daten einwilligen müsse und daß das
Innenministerium den Pilotversuch datenschutzrechtlich begleite.
Zuletzt befürchtet
Dietmar G. Luchmann auch ein
medizinisches Problem: Weil bei Medis in der nahen Zukunft
Behandlungsleitlinien definiert werden sollen, sieht
Luchmann die Gefahr einer
Einheitsmedizin, bei der beispielsweise alternative Heilmethoden
unter den Tisch fallen könnten.
Aus allen diesen Gründen ist Medis nach Ansicht
Luchmanns weder sinnvoll noch
notwendig. Auch die wünschenswerten Einsparungen ließen sich
anders besser verwirklichen, so der Psychotherapeut. So biete
die moderne Praxistechnologie mit dem Computer ein erhebliches
Sparpotential. ...
© 1999 Stuttgarter
Zeitung

Stuttgarter Nachrichten, 23. Juni 1999, Seite 18
Im Internet tobt der Kampf der Mediziner: Der Streit um das
ärztliche Praxisnetz "Medi-S" geht in die nächste Runde
In der vergangenen Woche nahm das
ärztliche Praxisnetz "Medi-S" in Stuttgart mit seiner Gründung
als GbR-Gesellschaft die Arbeit auf. Die Kritik an diesem
Verbund will indes nicht verstummen. Inzwischen wird die Polemik
auch im Internet ausgetragen. Hinter "Medi-S" ... steht die
Vertragsärztliche Vereinigung. Deren Gründer wiederum sind der
streitbare Dr. Werner Baumgärtner, der Vorsitzende der
Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg (KV NW), und dessen
Stellvertreter, Dr. Norbert Metke.
... Kritik an "Medi-S" wird inzwischen von zwei Seiten geübt. Im
Krankenhausausschuß äußerten Stadträte verschiedener Parteien
Zweifel daran, ob durch die Netzkonstruktion die freie Arztwahl
der Patienten garantiert sei. Gewarnt wurde sogar vor einem
Machtmonopol. Als Hauptkritiker von "Medi-S" gilt der
Stuttgarter Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann, der zugleich
Inhaber eines Systemhauses für Datentechnik, medizinische
Informationssysteme und Internet Service ist. Er argwöhnt im
Praxisverbund ein "Kartell", das gegen die Interessen der Kassen
und der Patienten geschmiedet wird und in erster Linie dem
Machterhalt der Ärztefunktionäre dient. ...
Im Internet wirft der Psychotherapeut deshalb inzwischen dem
Ärztefunktionär ein gestörtes Demokratieverständnis vor. ...
Diese Seite soll als "öffentliches Diskussionsforum um das
Ärztekartell Medi-S" dienen. Erster Eintrag ist ein vierseitiger
Text von
Luchmann, in dem er unter anderem
Baumgärtner als "Plattmacher der Kassenpsychotherapie"
bezeichnet. Und: "Zu denjenigen, die bei einer
Professionalisierung der Kassenärztlichen Vereinigung etwas zu
verlieren haben, sind wohl in erster Linie Baumgärtner und Metke
mit ihren gut dotierten Vorstandsjobs zu zählen."
Metke kontert inzwischen nicht per Internet, sondern verbal. "Luchmann hat für uns einen hohen
Unterhaltungswert, ganz im Gegensatz zu seiner fachlichen
Kompetenz." ...
© 1999 Stuttgarter
Nachrichten

MEDICAL TRIBUNE, 15. Oktober 1999, Seite 1 und 38
Alles hört auf sein Kommando!
Schwaben-Chef Dr. Baumgärtner knüpft umstrittenes Praxis-Netz
Dr. Baumgärtner, KV-Chef von
Nordwürttemberg, wollte mit seinem riesigen Praxisnetz ein
Bollwerk gegen die Allmacht der Kassen errichten. Doch nun
bekommt die ganze Sache einen üblen Beigeschmack: Nicht nur, daß
die Verbündeten mit Panikmache auf Mitgliederfang gehen. Die
"gefischten" Kollegen werden quasi entrechtet und gehen
fragwürdige finanzielle Verpflichtungen ein. ... Dieses Netz ist
nichts für tüchtige Ärzte, schimpft einer der stärksten
Widersacher. ...
Der Stuttgarter Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann fragt: "Warum
sollten sich Arzt und Patient nach der Zwangsjacke
Kassenärztliche Vereinigung, die von der Politik mit der
Gesundheitsreform 2000 erfreulicherweise gelockert werden soll,
nun in die Gummizelle eines derartigen Kartells stecken lassen?"
Es sind die hinter dem Medi-Verbund versteckten Machtstrukturen,
die den Kritikern des Stuttgarter Allgemeinarztes und aktiven
CDU-Mittelstandspolitikers Unbehagen bereiten. ... Was sie aber
mißtrauisch macht, ist die Tatsache, daß in den Medi-Verbünden
die Ärzte geknebelt und neue Abhängigkeiten geschaffen werden.
Es fängt schon damit an, daß die Kollegen durch gezielte
Panikmache zum Beitritt bewegt werden sollen... Den Kollegen
werde ein Horrorszenario vor Augen geführt, wonach durch
bevorstehende Einkaufsmodelle der Kassen ein Drittel der Praxen
totgemacht würde. ...
Luchmann findet Dr. Baumgärtners
Netzkonzept grundverkehrt: "Wenn die Krankenkassen eines Tages
mit tüchtigen Ärzten individuelle Verträge machen wollten,
könnten sie es leicht haben. Ein Drittel der Stuttgarter
Ärzteschaft hat sich von Dr. Baumgärtners und Dr. Metkes
(Nordwürttembergs KV-Vize) Horrorszenario in den Medi-S-Topf
ziehen lassen – aus Angst, allein nicht gut genug für den
Gesundheitsmarkt zu sein. Dort werden diese Ärzte nach der
Medi-Satzung bis in das Jahr 2003 schmoren dürfen. Die
Krankenkassen können mit den übrigen Ärzten, die ihr
eigenständiges Denken und ärztliches Handeln nicht diesem
Kartell überantwortet haben, ihre Verträge abschließen."
© 1999 MEDICAL TRIBUNE

Der MEDI-Report, 18. Juni 1999 ff.
Ärztekreise rügten die Ausgrenzung von
Kritikern durch den nord-württembergischen Kassenarzt-Chef
Werner Baumgärtner als "rigides Vorgehen"
("Stuttgarter Zeitung", 02.09.1999) und brandmarken ihn
als "machtbesessenen Anführer" ("MEDICAL
TRIBUNE", 26.11.1999, S.18). Baumgärtner wird vorgeworfen, "er instrumentalisiere die kassenärztliche
Vereinigung für seine politischen Zwecke", so die "Stuttgarter
Nachrichten" am 15.01.2000 - "zu oft ist
der umtriebige Baumgärtner durch Ränkespiele aufgefallen"
("Selecta", 4/2000, S.9-10).
Nach den bösartigen Attacken des "wild
entschlossenen" ("Ärzte-Zeitung" vom 09.07.1999,
S.5) Kassenarzt-Chefs gegen Kollegen, die sich mit seinen
rechtswidrigen Medi-Plänen kritisch auseinander setzten, hatte
Dietmar G. Luchmann am 18. Juni
1999 im "MEDI-Report" öffentlich die Frage an ihn
gerichtet: "Als Löwe gestartet, um als
Bettvorleger zu enden, Herr Dr. Baumgärtner?"
Deutschlands einzige Tageszeitung für Ärzte beantwortete die
Frage zu Baumgärtners grotesken berufspolitischen
Allmachts-Fantasien ein halbes Jahr später in einem Kommentar
mit feinsinnigem Humor:
© 1999 Der MEDI-Report

Ärzte-Zeitung, 20. Dezember 1999, Seite 2
Die KBV nach Winfried Schorre
Natürlich scharrt der Volkstribun
Baumgärtner aus Nordwürttemberg mit den Hufen. Im letzten Sommer
hat er schon einmal Anlauf ... genommen und ist noch vor dem
Sprung als Bettvorleger gelandet.
© 1999 Ärzte-Zeitung

Ärztliche Praxis, 28. April 2000, Seite 2
Im Medi-Verbund ...
... auch der Bundesverband der
Betriebskrankenkassen beäugt das Medi-Modell mißtrauisch.
Karl-Heinz Schönbach: "Medi ist die Fortsetzung des KV-Monopols
mit anderen Mitteln. Mit widersprüchlichen Angst-Argumentationen
werden verunsicherte Ärzte an neue Verträge geknebelt.
Baumgärtner erhält die alten Strukturen und schaltet Konkurrenz
und Wettbewerb aus."
Ähnliche Kritik hagelt es aus den Ärzte-Reihen. Der Stuttgarter
Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann warnt: "Was
passiert mit Ärzten und Patienten, die sich nicht in die
Zwangsjacke eines derartigen Kartells stecken lassen?" Man
spricht von "Rest-Ärzten" die gleich einer ansteckenden
Krankheit ausgestoßen werden. Und Frauenärztin Dr. R... klagt
über "ein feudalistisches System mit einem Herrscher an der
Spitze".
© 2000 Ärztliche Praxis

Ärzte-Zeitung, 05. Juni 2000, Seite 1 und 18f.
Darf eine KV Mitgesellschafter im privatrechtlichen
Medi-Verbund sein?
Wird die Kassenärztliche Vereinigung
Nord-Württemberg als Gesellschafter der Medi-Verbund GmbH
ausscheiden müssen? Nachdem das Sozialgericht Kiel der
Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein in einem
einstweiligen Verfügungsverfahren verboten hat, Mitglied einer
ärztlichen Genossenschaft zu werden, muß nun das
Sozialministerium in Baden-Württemberg entscheiden, ob der
rechtlich umstrittene Einstieg der KV Nord-Württemberg in die
Medi-Verbund GmbH (das Unternehmen ist ein Jahr nach seiner
Gründung noch nicht im Handelsregister eingetragen) rechtens
ist.
Das Sozialministerium ist jetzt aufgefordert worden,
dienstrechtlich zu prüfen, ob die KV Nord-Württemberg
Gesellschafter der Medi-Verbund GmbH sein darf. Gesellschafter
dieses Ärzteverbundes sind neben der KV die Vertragsärztliche
Vereinigung und zwölf örtliche Medi-Verbünde. Den Vorstoß
unternahm der Stuttgarter Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann, einer der
schärfsten Kritiker des Verbundes. Unterstützung fand
Luchmann indirekt bereits durch
den Justitiar der KV Südwürttemberg, Professor Dr. Hans Kamps.
Nachdem schon der BDA-Landesverband Baden-Württemberg die
Medi-Beitrittserklärung der Ärzte als “Entrechtungserklärung”
geißelte und der Berufsverband Deutscher Internisten seinen
Mitgliedern empfahl, sich den Medi-Vertragsbestimmungen nicht zu
unterwerfen, hat auch Kamps auf einer Kammerversammlung in
Reutlingen auf die Rechtswidrigkeit der Verträge hingewiesen.
...
© 2000 Ärzte-Zeitung

Stuttgarter Zeitung, 09. Juni 2000, Seite 26
Darf die Kassenärztliche Vereinigung an Medi beteiligt sein?
- Juristisches Tauziehen
Um die Strukturen des Ärztenetzes Medi ist
eine neue Debatte entbrannt. Kritiker haben das
Sozialministerium aufgefordert zu prüfen, ob es zulässig ist,
dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordwürttemberg
Gesellschafterin des Verbundes ist.
Die Frage ist eine juristische: Eine Kassenärztliche Vereinigung
ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts; der Medi-Verbund
eine privatrechtliche Gesellschaft. Darf eine KV
Gesellschafterin eines solchen Verbundes sein? Das Sozialgericht
Kiel zum Beispiel hat vor kurzem diese Frage mit "nein"
beantwortet. Per einstweiliger Anordnung hat es der
Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein untersagt,
Mitglied einer dortigen ärztlichen Genossenschaft zu werden.
Ähnliche Strukturen hat eines der Ärztenetze in der Region
Stuttgart. An dem von Werner Baumgärtner, Vorsitzender der KV
Nordwürttemberg, und seinem Vize Norbert Metke vor etwa einem
Jahr initiierten Verbund Medi ist die KV ebenfalls beteiligt.
Würde die Frage genauso beantwortet, müsste sich die KV aus dem
Netz zurückziehen und verlöre ihren Einfluss.
Der Stuttgarter Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann, ein
ausgewiesener Kritiker des Netzes, hat das Sozialministerium
daraufhin aufgefordert, dienstrechtlich zu prüfen, ob die KV
Gesellschafterin im Ärztenetz sein darf. Auch ein Vertreter der
KV Südwürttemberg, Hans Kamps, hat die Verträge von Medi als
rechtswidrig bezeichnet, wie die "Ärztezeitung" berichtet...
© 2000 Stuttgarter Zeitung

Der MEDI-Report, 08. Juli 2000
115 Ärzte weniger in knapp zweieinhalb Monaten: Laufen dem
Medi-Verbund die Mitglieder bereits in Scharen davon?
Von
Dietmar G. Luchmann. Nach dem
ersten Austritt aus dem Medi-Verbund am 13.09.1999 (siehe
MEDI-Report Nr.6) hat der nach Dr. med. Werner Baumgärtners
Selbstdarstellung "weltweit größte Praxisverbund" Medi-Verbund
in den letzten zweieinhalb Monaten laut seiner eigenen Website
115 Ärzte und Psychotherapeuten verloren. Frohlockte der
Medi-Verbund am 19.04.2000 noch mit der Angabe "Jetzt 2817 MEDI
Mitglieder", so waren es am 01.07.2000 nur noch "2702 MEDI
Gesellschafter". Dass Baumgärtner am 05.07.2000 auf der Homepage
der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg in einem
Leserbrief ungerührt von "fast 3.000 Gesellschaftern" spricht,
illustriert lediglich, wie wenig seine "Grossmannssucht-Pläne"
(MEDICAL TRIBUNE, 28.04.2000, S.25) sich um die Wirklichkeit
scheren.
Bei diesem bemerkenswerten Abgang von mehr als einem klugen
Arzt-Kopf pro Tag empfiehlt sich für die kommenden heißen Wochen
als Unterhaltung ein Medi-Quiz - zum Beispiel unter dem Titel
"O Werner, ist dein weltweit Medi fein,
wer wird der letzte kleine Neger sein?"
Diese Entwicklung kann nicht überraschen.
Baumgärtners "Verkaufsmodell" Medi-Verbund entpuppte sich immer
mehr als grandiose Mausefalle für ängstliche Ärzte, die die
Medi-Verträge ohne anwaltlichen Rat unterschrieben haben.
Berufsverbände raten in seltener Deutlichkeit und Einmütigkeit
vom Eintritt ab: Der Berufsverband der Allgemeinärzte
Deutschlands (BDA) nennt das Beitrittspapier eine
"Entrechtungserklärung" und der Berufsverband Deutscher
Internisten (BDI) ordnet den Medi-Praxisverbund gar als
"standes- und vertragsarztwidrig" ein. Erst unlängst stellte
auch der Justiziar der Kassenärztlichen Vereinigung
Südwürttemberg und Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer
Südwürttemberg, Prof. Dr. jur. Hans Kamps, fest: Das "Medi-Netz
ist rechtswidrig". Verkauft werden sollen offenbar nur die
Ärzte. ...
In einem umfassenden Bericht über das Medi-Kartell am 05.06.2000
sah die Ärzte-Zeitung (S.1 und 18f.) die Ärzte in den
Medi-Verbund eintreten, "weil sie die Verträge vermutlich nicht
genau studiert haben. Das sollte nachgeholt und bei
Verständnisfragen ruhig einmal ein Vertragsanwalt konsultiert
werden. Das Geld lohnt", empfahl die Ärzte-Zeitung. Und
vermutlich hat der eine oder andere sich seine Verträge
inzwischen von einem unabhängigen Anwalt erklären lassen. ...
Wie kann man mit Torheit anders umgehen als spielerisch? Es
verdient ja tatsächlich allen Respekt, dass die Medi-Häuptlinge
Baumgärtner und Metke ihren Teil zur ärztlichen und
psychotherapeutischen Unterhaltung in steter Zuverlässigkeit
beitragen. Da werden sich Ärzte und Psychotherapeuten im Herbst
zur Vertreterwahl der Kassenärztlichen Vereinigung
Nord-Württemberg (KV NW) nur fragen dürfen, ob sie
ernstzunehmende Vertreter für die Wahrnehmung ihrer
berufsständischen Interessen oder exzellente und über die
Landesgrenzen hinaus beklatschte Unterhalter haben wollen. Zum
Ärzteorchester vielleicht auch noch die Ärzteclowns? ...
Der Arroganz der Macht erlegen
Und nicht aufs Recht mehr Acht gegeben,
Öffnen erst des Richters klare Worte
den Häuptlingen zur Wirklichkeit die Pforte.
Total medi allein ihr Netz das Größte sei,
Schallte der Welt entgegen ihr Kampfesgeschrei:
“Medi, Medi über alles, über alles Ärztegeld.
Den Rest steckt in das Feuer, das das Universum erhellt.“
Voll Strullerkraft sie pinkelten gen jedermann,
Der ihnen in die medi-geile Quere kam.
Der Medi-Wahn jedoch war gar nicht helle,
So wiederum sie fingen Richters Schelle.
Erschreckt nun Wernchens kleiner Struller zuckte,
Bedächtig Norbert sich am Scheitel juckte.
Dann stöhnten und ächzten die Pinkelbuben
Und gingen sich trösten in die Dinkelstuben.
Da steh’n sie nun die beiden Helden
Und haben bald nichts mehr zu melden...
© 2000 Der MEDI-Report

Stuttgarter Zeitung, 17. November 2000, Seite 48
Ärztenetz verliert vor Sozialgericht
Die Kassenärztliche Vereinigung
Nordwürttemberg (KV) darf vorerst nicht Gesellschafterin des
Ärztenetzes Medi sein. Dies hat das Sozialgericht Stuttgart am
Mittwoch entschieden.
Die KV ist neben der Vertragsärztlichen Vereinigung die
treibende Kraft bei der Gründung des Medi-Verbundes gewesen -
der Beschluss könnte deshalb große Bedeutung für die Zukunft des
Ärztenetzes haben... Laut Richter Martin Rother verstoße die KV
erstens, da sie eine Zwangsvereinigung aller niedergelassenen
Ärzte sei, als Medi-Gesellschafterin gegen den Grundsatz, alle
Ärzte gleich zu behandeln. Ihre Rolle als Gesellschafterin müsse
sie, bis das Hauptverfahren entschieden sei, ruhen lassen.
Zweitens, so Rother, dürfe die KV den Medi-Verbund nicht mehr
finanziell oder materiell fördern. Drittens muss die KV
"herabwürdigende Äußerungen''... unterlassen.
© 2000 Stuttgarter Zeitung

Stuttgarter Nachrichten, 18. November 2000, Seite 48
Rechtswidrige Beteiligung
Die Beteiligung der Kassenärztlichen
Vereinigung Nordwürttemberg (KV) am Ärztenetz Medi verstößt
gegen geltendes Recht und ist damit rechtswidrig. Dies hat das
Sozialgericht Stuttgart jetzt festgestellt.
© 2000 Stuttgarter Nachrichten
© 2000 MEDI-Report (Gesamtdokumentation). Aus der Reihe "Fragen
Sie Ihren Rechtsanwalt oder gesundheitspolitischen Verstand" des
MEDI-Report:
Pressedokumentation des rechtswidrigen Versuches Stuttgarter
Kassenarzt-Funktionäre, mit dem Medi-Verbund Konkurrenz und
Wettbewerb auszuschalten (MEDI-Report vom 18.11.2000).
Lesen Sie hier, wie am 14.08.2001 das Landessozialgericht den selbstgefälligen Kassenarztchef Werner Baumgärtner rüffelte.
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