PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
PSYCHOTHERAPIE
© PSYCHOTHERAPIE 22.09.2000

Denken statt Schlucken: Leben im Einklang mit sich und der Natur - und nicht am Tropf der Pharmaindustrie

Psychopharmaka unnötig?
Bei Depressionen ist Sport wirksamer als Antidepressiva und die psychoanalytische Couch

VON GOTTLIEB SEELEN

Das Phänomen kostet der Gesellschaft Milliarden: In Scharen laufen verstimmte, traurige, melancholische und depressive Menschen zu ärztlichen Psychotherapeuten und Psychiatern, um sich dort jahrelang mit Psychopharmaka voll pumpen zu lassen. Während sich bei den Betroffenen dabei das Gefühl verstärkt, "Totalversager" zu sein, kultivieren Ärzte sich Dauerpatienten und fährt die Pharmaindustrie genussvoll Milliardenumsätze ein.

Ein Defekt durch "frühe Prägung", von der die abstruse Psychoanalyse fabuliert? Mitnichten. Zwar prägte im deutschen Kinderfernsehen vor langer Zeit eine "Frau Doktor Pille mit der großen klugen Brille" das medizinische Weltbild der Kleinen. Doch dürfte ein andauernder "Prägungsschaden" aus dieser frühen Orientierung auf die Pille als Heilsbringer des modernen Zeitalters kaum entstanden sein. Die verheerenden Folgen von verschleppten und chronifizierten Depressionen und tablettensüchtigen Patienten resultieren viel mehr aus dem Hang vieler körper- und profitorientierter Haus- und Fachärzte, gern und ausdauernd Psychopharmaka zu verschreiben. Auf 37,57 Milliarden DM waren die Arzneimittelkosten allein der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahre 1999 gestiegen. In diesem Jahr wird die ärztliche Verschreibungswut bereits 40 Milliarden DM kosten. Mit dem Hang der selbstsüchtigen Mediziner, zuerst an ihr Einkommen zu denken, geht folgerichtig ihre Abneigung einher, depressive und psychosomatische Patienten zu einer effektiven Behandlung zu überweisen - zur kognitiven Psychotherapie.

Dabei liegen die natürlichen Alternativen preiswert oder kostenfrei gewissermaßen vor der Haustür: Rein in die Sportschuhe und ein paar Runden gelaufen - das vertreibt trübe Gedanken besser als das Labern über die frühe Kindheit auf der Couch und Tabletten schlucken. Denn regelmäßiger Sport ist gegen dauerhafte Depressionen weitaus wirksamer als Anti-Depressiva. Dies haben US-Wissenschaftler in einer Studie herausgefunden, die am Donnerstag im Fachmagazin "Psychosomatic Medicine" veröffentlicht wurde. Die Forscher des Medizinischen Zentrums der Duke-Universität in Durham, (Bundesstaat North Carolina), fanden ferner heraus, dass Patienten, die den Sport mit der Einnahme von Medikamenten verbinden, eher rückfällig werden.

Das US-Team unter Leitung des Psychologen James Blumenthal hatte 156 Patienten mittleren Alters untersucht, deren Zustand sich durch sportliche Aktivitäten nach vier Monaten verbessert hatte. Nach weiteren sechs Monaten, so ergab die Studie, wurden nur acht Prozent der Sport treibenden Patienten wieder depressiv, verglichen mit 38 Prozent derer, die nur Medikamente einnahmen.

Von besonderer Bedeutung ist die Beobachtung, dass die Einnahme von Medikamenten im Zusammenhang mit positiven Aktivitäten wie z.B. Sport zu einer größeren Rückfallhäufigkeit führt. "Die bisherige Annahme, dass beide Faktoren zusammen eine positive Auswirkung haben, hat sich nicht bestätigt" wurde Blumenthal in der Zeitschrift zitiert. Zwischen sportlicher Betätigung und dem Risiko der Rückfälligkeit gebe es ein "Umkehrverhältnis". "Je mehr Sport, um so geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die depressiven Symptome zurückkehren", sagte Blumentahl. Dabei spiele es möglicherweise eine Rolle, dass der Patient mit den Übungen eine "aktive Rolle" im Genesungsprozess übernahm. Dadurch werde das Gefühl von "Kontrolle und Erfolg" vermittelt.

Das Wesen der psychotherapeutischen Wirkung sportiver Betätigung sei indes sehr einfach, erläutert Dietmar G. Luchmann vom ABARIS Institut für Psychotherapie in Stuttgart: "Wer wenig tut, der erhält wenig positives Feedback - sowohl von seinem Körper als auch von der Umwelt. Das kann spiralförmig abwärts zu weiterer Depression führen und das positive Feedback von Körper und Umwelt schließlich auf Null reduzieren. Irgendwann kann der Betreffende dann meinen, das Leben habe keinen Sinn mehr." Umgekehrt führt Aktivität - zum Beispiel Sport - zu positiven Erfahrungen: Dies dreht die Spirale aufwärts. "Da die Art und Weise, wie jeder mit Problemen umgeht, natürlich eine individuelle Lerngeschichte hat, ist es eine unverzichtbare Voraussetzung für den dauerhaften Erfolg, mögliche selbstschädigende Denkstile abzulegen", betont Luchmann.

Kein Medikament, sondern nur die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, solche Denkfehler zu erkennen und zu beseitigen. Moderne kognitive Psychotherapie unterweist Betroffene darin, wie sie fehlerhafte Denkschemata verändern und realitätsgerechter gestalten können. Freuds Couch mit der erstarrten Orientierung auf die Suche nach dem Schmutz der Vergangenheit gehörte schon lange auf den Müllhaufen der Menschheitsirrtümer - am Leben gehalten nur von einer Lobby von Psychotherapeuten, die sich dem wissenschaftlichen Fortschritt verschließen.

Ein Waldlauf mit einem kognitiven Psychotherapeuten, der ganz nebenbei und praktisch vermittelt, wie die Unvollkommenheit der Welt - je nach Art des Denkens - statt zu Ärger und Depression auch zur Erheiterung führen kann, ist da zweifellos die bessere Wahl. Überdies zum Preis einer Eintrittskarte ins Kabarett: "Lachen ist die beste Medizin". - Eine alte Weisheit, die ein Antidepressivum auf seine Werbefahne geschrieben hat, auf das man dann ebenso getrost verzichten kann.

Die schlechteren Ergebnisse einer Therapie mit Tabletten resultieren aus dem Unvermögen jeglichen Medikaments, selbstschädigende Denkstile und Denkinhalte zu verändern. Viele Betroffene glauben, "Wenn ich vom Arzt Tabletten bekomme, dann muss das besser sein, als wenn ich keine bekomme". Dies ist jedoch falsch und "wohl eine der häufigsten Fehlannahmen von Patienten über Medikamente und Ärzte", sagt Luchmann. "Antidepressiva vermitteln denjenigen, die sie wegen leichterer Depressionen einnehmen und Sport treiben, zwangsläufig die falsche Erfahrung, die Veränderung des Befindens sei auf die Tabletten und nicht auf ihre eigene Aktivität zurückzuführen", erklärt Luchmann. So verharren die Betroffenen häufig weiter in ihrer Passivität ohne die entscheidende Bedeutung ihrer eigenen Aktivität als Voraussetzung des Erfolgs zu erkennen. Wer hingegen - durchaus mit psychotherapeutischer Anleitung - die Kenntnis und Erfahrung gewonnen hat, durch eigene Aktivität und "gesünderes" Denken sein Befinden verbessern zu können, wird sich mit dem Gelernten später aus schwierigen Situationen viel eher wieder allein herauszuhelfen vermögen.

Deshalb sind diese Studienergebnisse nicht als Einladung zu verstehen, Medikamente einfach durch Fitness-Training zu ersetzen. Bei Blumenthals Versuchsteilnehmern handelte es sich keineswegs um schwerst depressive und suizidgefährdete Menschen, sondern um solche, die sich freiwillig auf Anzeigen der Forscher für die Teilnahme gemeldet haben. Aus den Ergebnissen lässt sich vielmehr ableiten, dass Sport eine gute Ergänzung zur kognitiven Psychotherapie sein kann, insbesondere für jene Patienten, die auf Medikamente nicht ansprechen.

Die Forscher der Duke-Universität werden bei der Fortführung ihrer Studien vom National Institute of Mental Health (NIMH) unterstützt. Die neuen Untersuchungen sollen vor allem eine Antwort auf noch offene Fragen geben, warum Sport bei Depressionen besser wirkt als Antidepressiva. "Wir haben ein großes Interesse an der Erforschung verhaltenstherapeutischer, nicht-pharmakologischer Ansätze zur Depressionsbehandlung", erläutert Blumenthal. "Weil bis zu ein Drittel der depressiven Patienten auf eine Arzneimitteltherapie nicht anspricht und diejenigen, die Tabletten nehmen, unter Nebenwirkungen leiden, ist es wichtig, andere Wege zu finden."

Das U.S.-Institut für seelische Gesundheit - NIMH - stellt hierfür drei Millionen Dollar bereit - ein geringer Betrag im Vergleich zu den jährlichen Kosten von Antidepressiva und deren unerwünschten Begleiterscheinungen.

Depressionen in der Arbeitswelt werden dramatisch zunehmen

   
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Allein in Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an Depressionen - und es werden immer mehr. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat der zunehmende Leistungs- und Wettbewerbsdruck in der Arbeitswelt. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagen für die Industrieländer voraus, dass Depressionen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Volkskrankheit Nr. 2 werden.

Von einer sinnvollen Prävention ist man in Deutschland freilich noch weit entfernt. Viel wäre bereits gewonnen, wenn Betroffene bei den ersten Anzeichen einer Dysthymie, Depression oder psychischen Erschöpfung (Burnout) zum Psychotherapeuten gingen. Dies ist der beste und schnellste Weg zum Therapieerfolg.

Tatsächlich sind Betroffene zu diesem Schritt häufig erst bereit, wenn sie sich unter zunehmendem Leistungsabfall lange und erfolglos gequält haben. Solche Klienten erhalten am ABARIS Institut für Psychotherapie zusammen mit einer kognitiven Therapie von wenigen Stunden als erstes einen mehrwöchigen Urlaub in der Ferne verordnet. "Das bringt einem Manager, der am Ende seiner psychischen Kräfte ist, entschieden mehr als sich mit Antidepressiva ins Bett zu legen oder weiter unproduktiv auf seinen Schreibtisch zu starren", sagt Luchmann. Betroffene berichteten regelmäßig, nach dem Wiedererlangen ihrer Leistungsfähigkeit in nur einem Bruchteil der Zeit gegenüber der Erschöpfungs- und Erkrankungsphase Aufgaben abzuarbeiten, die sie zuvor viele Monate nicht mehr richtig bewältigten.

Nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Krankenversicherungen könnten enorme Kosten sparen, wenn sie solche Versicherte zum frühzeitigen ambulanten psychotherapeutischen Kontakt ermutigten und nicht nach langer Verzögerung für Monate in psychosomatische Kliniken steckten. Doch deutsche Manager sind von dieser Erkenntnis noch weit entfernt. "Vier Wochen Karibik und zwei Wochen Kanada sind ungleich hilfreicher und sehr viel preiswerter als die meisten Klinikeinweisungen", sagt Luchmann und ergänzt: "Gleichwohl berichten Klienten eher, dass ihnen vom Management selbst dann noch sechs oder acht Wochen in einer psychotherapeutischen Klinik nahegelegt werden, wenn sie nach einem Dutzend Konsultationen bei uns allein wieder 'auf die Beine' gekommen sind". Dies lasse erkennen, dass deutsche Manager als psychische Faktoren der Arbeitswelt eher unsinnige Motivationsseminare assoziieren als eine gesunde Psychohygiene und Führungskultur. Dem entsprechend reagieren sie bei Stressfolgeerkrankungen wie Depressionen, Angst und Burnout bei sich oder bei Mitarbeitern viel zu spät oder gar nicht, beobachtet Luchmann.

   
 PSYCHOTHERAPIE Adressen-Tipp
ABARIS® Institut für Psychotherapie und Life Coaching
Zaackoer Weg 40
D-15926 Luckau

www.abaris.de - Online-Anmeldung für die Angstambulanz, Coaching, kognitive Verhaltenstherapie, Psychotherapie, Paartherapie u.v.m.
Leitung: Dietmar G. Luchmann, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.


Psychotherapeutische Kliniken, so argumentiert eine zunehmende Zahl von Kritikern, sind mit bis zu 800,00 DM pro Tag nicht nur erheblich teurer als eine ambulante Therapie, sondern wegen ihres viel zu geringen Anteils individueller Psychotherapie (häufig nur eine Stunde pro Woche) ineffektiv und unwirtschaftlich. Überdies kranken viele Konzepte der stationären Psychotherapie daran, dass sie die Patienten entmündigen, abhängig machen oder gar schädigen anstatt Erkenntnis, Autonomie und Selbstverantwortung zu fördern.

Psychotherapeut Luchmann freut sich immer wieder, wenn seine Klienten nach wenigen Wochen dieser konsequenten aktivitätsorientierten Auszeit mit begleitender ambulanter kognitiver Therapie sein persönliches Kriterium für die wiedererlangte Arbeitsfähigkeit erreichen: "Wenn ein Klient mir sagt, er habe eine Woche lang kontinuierlich Lust auf Arbeit gehabt, ist er über den Berg." Eine gesunde Lust, die aufgrund der nachhaltigen kognitiven Veränderungen, wie seine Klienten bestätigen, auf Dauer zu bestehen vermag.

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