PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
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PSYCHOTHERAPIE
© PSYCHOTHERAPIE 28.03.2000

Hausärzte mit Psychotherapie-Zusatzausbildung erkennen Depressionen so schlecht wie Hausärzte ohne Psychotherapie-Kenntnisse

Depressionen bleiben oft unentdeckt
Keine Geschlechtsunterschiede - Männer und Frauen sind in der Depression gleich

Ist eine Frau typischerweise wegen einer gescheiterten Liebesbeziehung depressiv? Wird ein Mann von Selbstzweifeln zerfressen, weil seine Karriere einen Knick bekommen hat? - In einer gerade im "Journal of Cognitive Psychotherapy" erschienenen Studie zeigen zwei Psychologen, dass die Gründe für eine Depression oder für Versagensangst nicht geschlechtstypisch, sondern allgemein menschlich sind.

Diane Spangler, Assistenzprofessorin an der Brigham Young University in Provo (Utah), und David Burns, Professor für Psychiatrie an der Stanford School of Medicine, haben 427 Personen untersucht, die unter klinischer Depression leiden. Die Forscher haben getestet, in welchem Maße die Personen an zu großer Abhängigkeit (etwa von einem Partner) oder zu großem Perfektionismus (im Beruf) leiden. Es zeigte sich, dass es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede im Grad der Abhängigkeit oder des Perfektionismus gibt. Beide Geschlechter leiden an beiden Problemen.

Die beiden Forscher wenden sich mit ihren Analysen auch gegen die zur Zeit vorherrschende Zuweisung von typisch männlichen und typisch weiblichen Problemen, wie sie in Büchern von John Gray ("Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus") oder Deborah Tannen ("Du versteht mich einfach nicht!") vorgenommen wird. "Es hat eine Zeit lang eine Überflutung von geschlechtsdifferenzierendem Zeug in der professionellen Literatur gegeben, und jetzt schwappt es über in den populärwissenschaftlichen Bereich," sagte Spangler.

"Natürlich ist unsere Arbeit auf depressive Individuen beschränkt, aber dennoch soll sie Teil einer Bewegung sein, die Geschlechtsstereotype zurückweist", ergänzt Spangler. "Wenn verschiedene Wissenschaftler in ihren Bereichen in dieser Richtung forschen, werde es immer schwieriger, solche unzutreffenden geschlechts-differenzierenden Vorurteile aufrecht zu erhalten."

Darüber hinaus werden Depressionen von Ärzten oft nicht erkannt und daher auch nicht entsprechend behandelt. Nur in knapp 30 Prozent der Fälle wird die Erkrankung richtig diagnostiziert, ergaben Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Ein Drittel der Betroffenen suche gar keine ärztliche oder psychologische Hilfe. Fast die Hälfte der Depressiven, deren Krankheit nicht behandelt wurde, hatte gegenüber einem Arzt oder Angehörigen über ihre Beschwerden gesprochen.

Allerdings haben die Wissenschaftler bei fast einem Drittel der nicht behandelten Depressionskranken auch Verhaltensweisen festgestellt, die nicht zum Krankheitsbild passten: Solche Patienten bemühen sich, durch selbstbewusstes, charmantes Auftreten einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen - was die Diagnose entsprechend erschwerte.

Selbst Hausärzte, die eine Zusatzausbildung in Psychotherapie absolviert haben, waren beim Erkennen von Depressionen nicht erfolgreicher als andere. Außerdem ließ sich zeigen, dass Ärzte, die Depressionspatienten generell ungern behandeln, die Erkrankung noch schlechter diagnostizieren.

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