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Fit
für Firma und Büro - Äpfel und Yoga und gesundes Denken sollen
Fehlzeiten vermeiden
Düsseldorf
(26.04.2000) - Mit kostenlosen Äpfeln, Yogaübungen während der
Arbeitszeit, Rückenschulung und Gymnastik in der Mittagspause
versuchen einige Unternehmen in Deutschland, ihre Mitarbeiter fit
zu machen für die Belange von Chef, Firma und Büro. Jogging im
Morgengrauen und halbstündige Fitnessübungen vor der
Konzernzentrale, wie sie etwa in Japan und Südkorea üblich und
durchaus auch von Arbeitnehmern akzeptiert sind, gibt es in
Deutschland aber noch nicht.
Auch betriebliche Angebote für psychologische Beratung sind eher
die Ausnahme. Bei Angeboten im psychologischen Bereich kommt
überdies die sehr hohe Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von
Betriebspsychologen und -ärzten hinzu: Der Verschwiegenheit des
Betriebsarztes oder -psychologen wird naturgemäß nicht getraut.
Hier empfiehlt sich klar die Inanspruchnahme externer
Psychotherapeuten über entsprechende Supervisions- oder
Coaching-Verträge.
Ohnehin ist festzustellen, dass Arbeitgeber in Deutschland nur
selten Fitness am Arbeitsplatz als Firmendevise aufgreifen. Dies
ist um so erstaunlicher, als die These: "Je gesünder die
Mitarbeiter, desto gesünder das Unternehmen"
wissenschaftlich belegt ist. Zudem verpflichtet das neue
Arbeitsschutzgesetz die Unternehmen dazu, Gesundheit und
Wohlbefinden der Beschäftigten zu erhalten und arbeitsbedingten
Erkrankungen vorzubeugen.
Wichtigstes Grundprinzip wäre daher die Prävention und die
Gesundheitsförderung. Doch davon ist man in Deutschland noch weit
entfernt. "Für die Sicherheit am Arbeitsplatz ist zunächst
einmal jeder selbst verantwortlich", heißt es etwa beim
Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Jeder vierte Betrieb lässt
immerhin die Arbeitsplätze regelmäßig von Betriebsärzten und
Sicherheitsfachkräften auf mögliche Gefahren hin überprüfen.
Nach Angaben von Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen
Wirtschaft glauben zwei Drittel aller Arbeitnehmer, dass sie
selbst am meisten für einen effektiven Arbeits- und
Gesundheitsschutz tun können. "Vor allem junge Mitarbeiter
nehmen sich hier in die Pflicht", sagt der Experte. Nach
seinen Angaben soll ein zeitgemäßer Arbeits- und
Gesundheitsschutz im Interesse der Beschäftigten dreierlei
bewirken: Die Mitarbeiter motivieren, einen ungestörten
Betriebsablauf gewährleisten und die Qualität der Arbeit
verbessern.
Eine der ersten Firmen in Deutschland, die mit Aktionen für das
Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter ernst machte, war der
Spielehersteller Ravensburger. Sämtliche Mitarbeiter erhielten
zum Arbeitsantritt an der Pforte des Unternehmens einen
rotwangigen Apfel in die Hand gedrückt. Auch Joggen rund ums
Firmengebäude fand bei rund 100 von insgesamt 1.200 Beschäftigten
Anhänger.
Weitere Veranstaltungen beschäftigten sich mit den Themen Ernährung,
Hygiene, Rückenschulung und Sicherheit beim Skifahren. Zudem kümmerten
sich über mehrere Jahre hinweg Gesundheitszirkel um
Verbesserungen im Arbeitsalltag. Neben der Allgemeinen
Ortskrankenkasse (AOK) stieg auch die Gesellschaft für
Arbeitsmedizin (GFA) in Tuttlingen in das Projekt ein. Auch Karl
Kuhn von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
in Dortmund meint, angesichts der hohen Produktionsausfälle durch
Arbeitsunfähigkeit von jährlich rund 93 Milliarden Mark in
Deutschland würde "Fitness zum Wettbewerbsfaktor".
Laut GFA ist die Hälfte aller Fehltage in West- und
Ostdeutschland nicht auf tatsächliche Erkrankung, sondern auf
mangelnde Motivation der Mitarbeiter zurückzuführen.
"Arbeit muss Spaß machen, sie muss Zufriedenheit
vermitteln", sagt der Arbeitsmediziner Roland Ballier von der
GFA.
Bei den allermeisten Behörden und städtischen Verwaltungen ist
Fitness und Arbeitsmotivation überwiegend noch kein Thema. Zwar
gibt es in allen Behörden Beauftragte für den Arbeitsschutz.
Doch diese konzentrieren sich in der Regel auf Rauchverbote am
Arbeitsplatz, die gesetzlichen Bestimmungen für
Bildschirmarbeitsplätze, Belüftungsangelegenheiten
Pausenregelungen. Die Stadtverwaltung im niedersächsischen
Vechta, die ihren Mitarbeitern angeboten hat, täglich 20 Minuten
der Arbeitszeit mit Yoga oder sonstigen Entspannungsübungen zu
verbringen, ist sicherlich eine große Ausnahme.
In der Regel beschränkt sich das Thema Gesundheitsvorsorge nach
wie vor auf das Auslegen von Broschüren über kurze Fitness-Übungen
im Büro, die in der Regel von den unterschiedlichen Krankenkassen
stammen. Spitzenreiter bei solchen Tipps sind Entspannungsübungen
bei Schmerzen im Nacken, brennenden Augen von der
Bildschirmarbeit, Stressbewältigung oder Rückenschmerzen.
Schreibtischarbeiter sollten nach Angaben der Barmer Ersatzkasse (BEK)
in Wuppertal nicht länger als 50 Prozent während der Arbeitszeit
sitzen. Wichtig sei ein gezielter und gesunder Wechsel zwischen
Phasen des Sitzens, Stehens und der Bewegung. Langes Sitzen,
bewegungsloses Stehen und monotone Bewegungsabläufe belasten laut
BEK die Wirbelsäule und lassen die Muskeln erschlaffen.
Dagegen wirken sich häufige Haltungsänderungen des Körpers wie
wechselndes Aufstehen, Hinsetzen, Beugen, Strecken oder kurzes
Gehen positiv aus. "Arbeitnehmer fühlen sich leistungsfähiger
und konzentrierter", so die Krankenkasse. Die
Techniker-Krankenkasse etwa empfiehlt bei Kopf- und
Spannungsschmerzen ebenfalls einseitige Körperhaltungen häufig
zu unterbrechen und plädiert für "ausgiebiges Bewegen von
Kopf und Hals, zum Beispiel auch durch Grimassenschneiden".
Die mentale Fitness bedarf weit mehr als Körperübungen eines
höchst individuellen Weges zum Erlernen des effizienten und
gesunden Selbst-Managements. Eines der professionellen Angebote
für Firmen, die ihr Management und ihre Mitarbeiter auch
psychisch fit machen wollen, kommt vom ABARIS Institut Stuttgart.
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