© PSYCHOTHERAPIE 12.04.2000Burn out - Erste
Burnout-Sprechstunde in Stuttgart (Teil 2)
Vollkommen leer und ausgebrannt
Das Burnout-Syndrom kann jeden treffen
Fortsetzung von Teil 1
Schwierigkeiten haben allgemein Menschen, die ihre Probleme schwer ausdrücken können, sagt
Professor Dieter Kleiber vom Institut für Psychologie an der Freien Universität Berlin.
In der Regel erhielten solche Menschen kaum Reaktionen auf ihren Alltag, weder privat noch
im Job. "Das Klima am Arbeitsplatz und die Art, wie die Kollegen
miteinander umgehen, ist zur Vorbeugung besonders wichtig", sagt Kleiber. Viele
Firmen haben das erkannt und versuchen durch entsprechende Angebote, Mitarbeiter vor dem
Burnout zu schützen.
In besonderer Weise können die Lebensumstände krank machen, denen berufstätige Frauen
ausgesetzt sind. Beispielsweise führen die Konditionen der Pflegeversicherung vermehrt dazu,
dass die Pflege daheim häufig der Heimunterbringung vorgezogen wird und Frauen an einer
Dreifach-Belastung leiden: Familie, Beruf und Kümmern um die alten Eltern. Irgendwann ist
dann der Akku leer.
Arbeitgeber können hier mit Betriebskindergärten allein erziehenden Frauen helfen, leichter
mit der durch Beruf, Kind und Haushalt verursachten Mehrfachbelastung fertig zu werden. In
Weiterbildungsseminaren von Unternehmen sollen Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, Bilanz
zu ziehen, sich mit Perspektiven zu beschäftigen - oder einfach "nur" kreativ zu sein oder
durch Meditation vom Arbeiten abzuschalten.
Diese allgemeinen Maßnahmen sind eine gute Präventionsgrundlage,
reichen für sich genommen in der Regel jedoch nicht aus, meint der Psychotherapeut Dietmar
G. Luchmann, Leiter des ABARIS Instituts für Psychotherapie und Verhaltensmedizin in
Stuttgart. "Burnout ist immer eine individuelle Reaktion auf eine
individuelle Überforderung", stellt Luchmann fest, dessen Ambulanz inmitten des
Stuttgarter High-Tech-Umfelds von Firmen wie IBM, Hewlett Packard, Daimler-Chrysler und
vielen Startups liegt.
Flache Hierarchien, kleine Teams und kreative Freiheit bei den Projekten der zumeist jungen
High-Tech-Unternehmen ermöglichen selbstbestimmte Arbeitsbedingungen, wodurch eine Reihe von
Faktoren wegfallen, die das Burnout-Syndrom verursachen. "Doch auch die
Arbeit bei den kleinen IT-Firmen hinterlässt Spuren", warnt der Psychotherapeut
Luchmann. "Viele IT-Professionals mit 70-Stunden-Woche, Nacht- und
Wochenendarbeit machen sich auf Dauer selbst kaputt". Die wenigsten brennen aus, weil
Vorgesetzte ihnen zuviel abverlangen, sondern durch den Druck, unter den sie sich selbst
setzen. "Es herrscht der Glaube vor, der eigene Körper könne alles und
halte alles durch. Das geht aber nur ein paar Jahre gut", beobachtet Luchmann. Eine
problematische Entwicklung, denn für entscheidend bei der Burnout-Prävention halten
Psychotherapeuten und Mediziner das Gleichgewicht zwischen Berufsleben, Privatsphäre und
Freizeitaktivitäten.
In der Krankenpflege sind Besprechungen in der Gruppe weit verbreitet, bei der auch
Burnout-Probleme diskutiert werden können, sagt Franz Wagner vom Deutschen Berufsverband
für Pflegeberufe in Eschborn bei Frankfurt. Ärzte wiederum können sich regelmäßig in
sogenannten Balint-Gruppen zusammenfinden, in denen über ihre persönlichen Schwierigkeiten
in der Arzt-Patient-Beziehung gesprochen wird. Allerdings werden diese Möglichkeiten nur
selten ausgeschöpft.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Gruppen- und Einzelmaßnahmen, um Betroffene
rechtzeitig zu erreichen, betont der Psychotherapeut Luchmann. "Man kann
nicht erwarten, dass sich Burnout-Betroffene in der Konkurrenzsituation innerhalb einer
Gruppe, Klinik oder Firma, die selbst zu den Problemen beiträgt, tatsächlich öffnen".
Auch Betriebsärzten und -psychologen wird aus diesem Grunde nur selten Vertrauen
entgegengebracht. Besser geeignet für die individuelle Burnout-Prävention und -Behandlung
sind externe Experten, zum Beispiel Psychotherapeuten. Diese können im Auftrag und auf
Kosten des jeweiligen Arbeitgebers tätig werden, besitzen gleichzeitig aber die notwenige
Distanz und glaubwürdige Verschwiegenheit. Deutsche Unternehmen seien seien allerdings noch
weit davon entfernt, die wirklichen Kosten psychischer Reibungsverluste in ihrer ganzen
Größenordnung wahrzunehmen, unterstreicht Dietmar G. Luchmann und verweist auf eine Studie
an der Fachhochschule Köln. Deren Untersuchung habe ergeben, dass die deutsche
Wirtschaft allein durch die behandelbare Angst ihrer Mitarbeiter jedes Jahr vermeidbare
Kosten in Höhe von 100 Milliarden Dollar habe.
Sich selbst helfen könnten Betroffene bereits dadurch, dass sie ihre Situation erkennen und
analysieren, sagt Matthias Burisch. Oft steckten betroffene Menschen aber in einer
Panik-Situation und können sich selbst auch nicht helfen. Dann seien Menschen aus dem
Bekanntenkreis gefragt, mit denen das Problem besprochen werden kann. Auch Supervision am
Arbeitsplatz sei zwar prinzipiell positiv, so der Psychologe. Bei diesen Maßnahmen, die
Gruppenarbeit voraussetzen, gebe es aber das Problem, dass die Betroffenen häufig
Einzelgänger sind oder mit ihren Schwierigkeiten lieber allein bleiben. Da es auch keine
Anlauf- oder Beratungsstellen für Betroffene gebe, bleibe dem Leidenden häufig nur "der Blick in die Gelben Seiten", um so professionelle Hilfe in einer
Einzelberatung zu finden, sagt Burisch.
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Adressen-Tipp |
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ABARIS® Institut für
Psychotherapie und Life Coaching
Zaackoer Weg 40
D-15926 Luckau
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die Angstambulanz, Coaching, kognitive Verhaltenstherapie,
Psychotherapie, Paartherapie u.v.m.
Leitung:
Dietmar G. Luchmann,
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.
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Oder der Anruf
beim Stuttgarter ABARIS Institut für Moderne Psychotherapie und Verhaltensmedizin, das für
Betroffene und deren Arbeitgeber neben "Personal Coaching" und
Managementberatung erstmals auch eine spezielle Sprechstunde zur Burnout-Prävention und
erforderlichenfalls Therapie anbietet. Insbesondere IT-Professionals aus dem
High-Tech-Umfeld und Ärzte haben bislang die professionelle Hilfe der
Burnout-Sprechstunde unter der leicht zu merkenden Service-Rufnummer 01908-PSYCH
(0190877924) genutzt.
Psychotherapeut und Coach Dietmar G. Luchmann verweist auf den vergleichsweise geringen
psychotherapeutischen Aufwand, um einem Burnout-Opfer aus der Sackgasse der Selbstzerstörung
zu helfen: "Wir führen unsere Klienten in weniger als einem Dutzend
Stunden zu einem besseren Selbst-Management. Wir versetzen sie in die Lage, die ganzen 24
Stunden jeden Tages psychisch besser drauf zu sein - mehr Unabhängigkeit, Wohlbefinden und
Erfolg zu erreichen."
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