© PSYCHOTHERAPIE 30.06.2001
Weltweit größte Studie zu Angststörungen und Depressionen deckt
Untauglichkeit primärärztlicher Versorgung auf
Bei Angsterkrankungen nicht zum Hausarzt
Hausärzte erkennen nur jede dritte generalisierte Angststörung
und behandeln meistens falsch
VON GOTTLIEB SEELEN
Hausärzte sind mit psychischen
Erkrankungen und Problemen regelmäßig überfordert. Führt eine
psychische Störung wie Angst oder Depression den Betroffenen
zunächst zum Hausarzt und nicht zum Psychotherapeuten, so
verursacht die wahrscheinlich folgende hausärztliche
Fehlbehandlung unnötig viel Leid und horrende Kosten. Dies ist
das erschütternde Ergebnis der weltweit größten Untersuchung zur
generalisierten Angststörung in der primärärztlichen Versorgung
("GAD-P-Studie"), die der Studienleiter
Hans-Ulrich Wittchen, Technische Universität Dresden, am
25.06.2001 im Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München
vorstellte.
Mehr als jeder vierte Hausarztpatient
(27%) litt in den vergangenen vier Wochen unter
Angstbeschwerden, ängstlicher Anspannung und Besorgnis - bei
jedem fünften dieser Patienten lag eine seit mehr als sechs
Monaten andauernde "Generalisierte
Angststörung" (GAS) vor. Damit gehört die generalisierte
Angststörung (Stichtagsprävalenz 5,3%) zusammen mit der
ausgeprägten Depression (5,6%) zu den häufigsten psychischen
Erkrankung in der Allgemeinarztpraxis.
Das generalisierte Angstsyndrom ist deshalb seit fast 100 Jahren
Gegenstand der psychopathologischen Literatur und gilt als eines
der so genannten Schlüsselsyndrome neben dem depressiven und dem
somatoformen Syndrom, wie es alte Lehrbücher (z.B. Kraepelin)
beschreiben. Bei der generalisierten Angststörung handelt es
sich also um keine neue, sondern um eine seit langem bekannte
Erkrankung, die jedem Arzt geläufig sein sollte. Umso
bedeutender ist der Kernbefund der GAD-P-Studie: "Die Störung wird jedoch bei zwei Drittel der
Patienten nicht erkannt und noch weniger Patienten werden
adäquat behandelt, was für die Betroffenen und das
Gesundheitssystem gravierende Folgen hat", erklärte
Hans-Ulrich Wittchen, Direktor des Instituts für Klinische
Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität
Dresden. Mit Blick auf die direkten und indirekten
Folgekosten dieser katastrophalen "hausärztlichen
Versorgungsrealität" sieht Wittchen bei der Versorgung
von Patienten mit Generalisierter Angststörung erhebliche
Defizite, die vermeidbare Milliardenschäden verursachen.
Nur ein Drittel der GAS-Patienten wird vom Hausarzt erkannt, "weniger als 20% davon erhalten eine spezifische
medikamentöse Therapie und von den 40% psychotherapeutisch
behandelten Patienten kommt nur ein Bruchteil in den Genuss
geeigneter kognitiv-verhaltenstherapeutischer Verfahren",
berichtet Wittchen als Experte für klinische Psychologie und
Epidemiologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.
Deutlich häufiger, so kritisiert Wittchen, setzen die Ärzte
dagegen Mittel mit fraglicher Wirksamkeit wie pflanzliche
Präparate oder gar potentiell gefährliche und abhängig machende
Medikamente wie Beruhigungsmittel ein.
Generalisierte Angststörung - Diagnostische Merkmale
Als eine eigene und spezifisch definierte
Störung ist die generalisierte Angststörung erst seit den späten
60er Jahren eingeführt worden. Vor 1980 wurde die "Generalisierte Angsstörung" typischerweise
als "Angstneurose" (frei flottierende
Ängste, vegetative Dystonie, multiple Situationsphobien)
bezeichnet.
Generalisierte Angststörung (nach DSM-IV)
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Definition der Generalisierten
Angststörung
nach DSM-IV Kriterien
A. Übermäßige andauernde Angst und Sorgen (ängstliche
Besorgnis, furchtsame Erwartung, Gefühl drohenden Unheils)
bezüglich mehrerer Lebensumstände, Ereignisse und
Tätigkeiten (mind. 6 Monate hinweg an den meisten Tagen).
B. Die Person kann die Sorgen nicht kontrollieren.
C. A und B sind mit mindestens 3 der folgenden Symptome
verbunden:
(1) Ruhelosigkeit, ständig auf dem Sprung,
(2) leichte Ermüdbarkeit,
(3) Konzentrationsschwierigkeiten, Leere im Kopf,
(4) Reizbarkeit,
(5) Muskelverspannungen,
(6) Schlafprobleme jeglicher Art.
D. Die ängstliche Besorgnis ist nicht auf andere psychische
Störungen beschränkt (z.B. einen Panikanfall zu bekommen).
E. Die Symptome verursachen klinisches Leiden und
Beeinträchtigungen.
F. Symptome sind nicht körperlich oder durch Substanzen
bedingt und nicht auf das Auftreten anderer psychischer
Störungen beschränkt.
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Für deutsche Ärzte und Psychotherapeuten
ist bei der Abrechnung mit den Krankenversicherungen die
Diagnosestellung nach der von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) in zur Zeit 10. Auflage herausgegebenen "Internationalen Klassifikation der Erkrankungen"
(ICD-10) verbindlich.
Generalisierte Angststörung (F 41.1 ICD-10)
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Definition der Generalisierten
Angststörung
nach ICD-10 Kriterien
Das wesentliche Symptom ist eine generalisierte und
anhaltende Angst, die aber nicht auf bestimmte Situationen
in der Umgebung beschränkt oder darin nur besonders betont
ist, d.h. sie ist frei flottierend. Wie bei anderen
Angststörungen sind die hauptsächlichen Symptome sehr
unterschiedlich, aber Beschwerden wie ständige Nervosität,
Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit,
Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden
gehören zu diesem Bild. Häufig werden Befürchtungen
geäußert, der Patient selbst oder ein Angehöriger könnten
demnächst erkranken oder verunglücken, sowie eine große
Anzahl anderer Sorgen und Vorahnungen. Diese Störung findet
sich häufiger bei Frauen, oft in Zusammenhang mit
langdauernder Belastung durch äußere Umstände. Der Verlauf
ist unterschiedlich, tendiert aber zu Schwankungen und
Chronifizierung.
Diagnostische Leitlinien
Der Patient muss primäre Symptome von Angst an den
meisten Tagen, mindestens mehrere Wochen lang, meist
mehrere Monate, aufweisen. In der Regel sind folgende
Einzelsymptome festzustellen:
1. Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück,
Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten usw);
2. motorische Spannung (körperliche Unruhe,
Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit, sich zu
entspannen);
3. vegetative Übererregbarkeit (Benommenheit, Schwitzen,
Tachykardie oder Tachypnoe, Oberbauchbeschwerden,
Schwindelgefühle, Mundtrockenheit etc).
Bei Kindern herrschen oft das häufige Bedürfnis nach
Beruhigung und wiederholte somatische Beschwerden vor.
Ein vorübergehendes Auftreten anderer Symptome während
jeweils weniger Tage, besonders von Depression, schließt
eine generalisierte Angststörung als Hauptdiagnose nicht
aus. Der Betreffende darf aber nicht die vollständigen
Kriterien für eine depressive Episode (F32), phobische
Störung (F40), Panikstörung (F41.0) oder Zwangsstörung (F42)
erfüllen.
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Nach einer Untersuchung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind generalisierte
Angstbeschwerden der zweithäufigste psychische
Konsultationsanlass in Allgemeinarztpraxen. Weil sie vom
Allgemeinarzt jedoch nur selten erkannt werden, wird aus einer
im Anfangsstadium mit kognitiver Verhaltenstherapie und ohne
Medikamente schnell und gut behandelbaren psychischen Störung
eine chronische Erkrankung. Ihre auch nach WHO-Befunden
besonders schlechte Versorgung führt dazu, dass GAS-Patienten
die Gesundheitsdienste extrem häufig in Anspruch nehmen ("High
Utilizer"). Zur Vermeidung sekundärer Komplikationen und
entstehender Chronizität sind Früherkennung und Frühbehandlung
wichtig.
Generalisierte Angststörung im Beispiel
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Wittchen
schildert nachfolgendes typisches Beispiel einer 38-jährigen
Patientin (Stefanie) mit generalisierter Angst, die an
seiner Studie teilnahm:
"Ich kann einfach nicht mehr - ich kann
vor Sorgen und Anspannung schon seit Wochen nicht mehr
schlafen, es ist mir einfach alles zu viel! Irgendwie
schaffe ich das nicht mehr – es ist alles zu viel! Das geht
nun schon seit Monaten.
Gestern früh hatte ich wieder einmal einen richtigen
Zusammenbruch, wieder so eine Nacht und kein Auge zugemacht
- nur dieses Grübeln, diese Sorgen und Herzrasen! Und dann
ging morgens wieder alles schief, die Kinder trödelten, mir
fiel das Marmeladenglas runter und wir waren schon zu spät
dran, und dann - suchte Paul wie immer wieder seine Schuhe!
Es war zum Durchdrehen; ich habe nur noch rumgeschrieen und
dann auch noch vergessen, ihnen das Geld für den Bus zu
geben.
Als sie dann raus waren, ging es los, 'Oh Gott, was habe ich
nur gemacht, jetzt habe ich die Kinder auch noch so nervös
gemacht! Hoffentlich passen sie bei der Strasse auf, da war
doch dieser schreckliche Unfall mit dem Sattelschlepper!
Jetzt habe ich sie wahrscheinlich mit meiner Nervosität
angesteckt... wenn sie deswegen bei der Strasse nicht
aufpassen??? Ob sie überhaupt den Bus gekriegt haben?
Vielleicht stehen die immer noch da? Vielleicht sollte ich
noch einmal hinterher rennen?' Und so ging das immer weiter.
Um 10 nach 8 war ich vollkommen fertig, Tränen, Zittern,
Schweiß und die Angst - ich konnte nicht mehr klar denken
und war vollkommen fertig! So geht das jeden Tag."
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Indirekte Kosten der Angststörungen sind gigantisch
Im Vergleich zu anderen psychischen
Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie, die gemeinhin
durch ihre hohen direkten (Behandlungs-) Kosten als teuer
gelten, wird bei den Angststörungen übersehen, dass deren
indirekte Kosten (angstbedingte Fluktuationskosten,
angstbedingter Alkohol- und Medikamentenkonsum, angstverursachte
Fehlzeiten, chronische Leistungsminderung, Fehlerhäufigkeit
usw.) die direkten Kosten um ein Vielfaches übersteigen.
Die Generalisierte Angststörung, an der über 2,5 Millionen
Bundesbürger leiden, hat die höchsten arbeitsbezogenen
Einschränkungen (angstbedingte Fehlzeiten und Minderleistung),
wie die nachfolgende Abbildung belegt.

Diese gesundheitsökonomisch deutlich größeren Kosten von
Angststörungen entstehen durch die höhere Prävalenz (Anteil von
Erkrankten in der Bevölkerung) und die größere Chronizität
infolge Verschleppung und Fehlbehandlung in der ärztlichen
Praxis. Die Wirtschaftswissenschaftler Winfried Panse und
Wolfgang Stegmann von der Fachhochschule Köln bezifferten
den gigantischen Schaden, der der deutschen Volkswirtschaft
allein durch Angst entsteht, in ihrer Studie "Kostenfaktor
Angst" auf 100 Milliarden DM pro Jahr.

Die absehbaren demografischen,
ökonomischen und politischen Zwänge, die auf das
Gesundheitssystem wirken, werden die Qualität der hausärztlichen
Versorgung noch unzulänglicher werden lassen (siehe den
PSYCHOTHERAPIE-Artikel "'Gesundheitslotse' Hausarzt? Nein danke"
vom 18.05.2001). "Vor diesem Hintergrund
bedarf es eines 'mündigen' Patienten, der sich selbst über sein
Krankheitsbild informiert", empfehlen deshalb die Autoren
der Studie im Sonderheft Nr. 1/2001 der "Münchner
Medizinischen Wochenschrift (MMW) - Fortschritte der
Medizin" (S. 49).
Auch Dietmar G. Luchmann, Psychotherapeut und Leiter der
Angstambulanz am ABARIS Institut für Psychotherapie,
Stuttgart, sieht "im 'mündigen' Patienten,
der sich zielgerichtet nach harten wissenschaftlichen Kriterien
informiert", den besten Weg, um zu einem Höchstmaß an
Gesundheit bei geringsten Kosten zu gelangen: "Eine kognitive Verhaltenstherapie braucht heute
weniger als 12 Stunden, um eine Angststörung dauerhaft zu
beseitigen. In einem System, in dem Ärzte an Krankheit
verdienen, ist es jedoch die blanke Utopie anzunehmen, dass
Patienten, die mit den für Angststörungen typischen körperlichen
Symptomen geradezu eine Einladung zum Geldverdienen darstellen,
vom Hausarzt unverzüglich zu qualifizierten Psychotherapeuten
geschickt werden."
Hausärzte verkennen psychische Störungen regelmäßig
Im Rahmen der GAD-P-Studie (Generalisierte
Angst und Depression in der Primärärztlichen
Versorgung) wurden 558 stichprobenartig ausgewählte Ärzte sowie
über 20.000 Patienten ausführlich befragt. Dabei zeigte sich
bereits im Vorfeld, dass die Ärzte die generalisierte
Angststörung (GAS) zwar kennen, aber es schwierig fanden, das
Krankheitsbild differenzialdiagnostisch einzuordnen und
geeignete Therapieverfahren auszuwählen. Die unzureichende
Kompetenz der Ärzte bei psychischen Störungen und ihre
ökonomischen Zwänge führten wiederum dazu, dass die befragten
Primärärzte die GAS-Patienten fälschlich als "schwierig"
und "betreuungsaufwändig" einschätzten.
Völlig fehlgehend diagnostizierten die Hausärzte sogar vielfach
dort GAS, wo "noch nicht einmal eines der
Kernmerkmale einer Generalisierten Angststörung" vorlag,
berichtete Wittchen.
Erschreckend ist das Ausmaß des hausärztlichen Unvermögens bzw.
der Fehlbehandlung, welches die GAD-P-Studie offenlegt: "Der Hausarzt stellt sehr häufig die eindeutige
Diagnose GAS ohne dass aufgrund des Studien-Instruments
hinreichende Hinweise für die Berechtigung für eine derartige
Diagnose zu finden sind. Neben den 319 richtig erkannten GAS
Patienten, diagnostizierten die Hausärzte bei weiteren 1649
Patienten eine generalisierte Angststörung." Nur ein
Drittel der generalisierten Angststörung wurde beim Hausarzt
richtig erkannt und von allen hausärztlichen Diagnosen
generalisierter Angst wiederum waren nur 16% (!) richtig!
Bei einem Drittel der tatsächlich an generalisierter Angst
erkrankten Patienten äußerte der behandelnde Arzt noch nicht
einmal den Verdacht auf irgendeine eine psychische Störung. Bei
einem derartigen diagnostischen Versagen der Hausärzte bei einer
Angsterkrankung, die bereits den Charakter einer "Volkskrankheit" hat, ist es nicht
überraschend, eine ähnlich unakzeptable Therapiesituation
festzustellen. Fast jeder zweite GAS-Patient wurde nicht
behandelt, zumeist weil die Erkrankung nicht erkannt worden war.
"Doch selbst eine richtige Diagnose ist keine
Garantie für eine gute Therapie", sagte Wittchen.
Nur wenige psychisch Erkrankte gelangen zum richtigen
Kompetenzträger, einem Psychotherapeuten
Mit der Dauer der Erkrankung tritt zur
Angststörung im Verlaufe der immer mehr deprimierenden
erfolglosen Bewältigungsversuche der Betroffenen und der
untauglichen und chronifizierenden Behandlungsversuche der Ärzte
häufig eine Depression hinzu (Komorbidität). Die Analyse der
Frage, wo die an der GAD-P-Studie teilnehmenden Patienten mit
generalisierter Angst und Depressionen bislang behandelt wurden,
führte zu einem bestürzenden Ergebnis (siehe Abbildung):

Der weit überwiegende Teil der psychisch erkrankten Patienten
ist vom Hausarzt behandelt worden - zumeist falsch. Ein
beträchtlicher Teil von Patienten (20 bis 26,7%) hat für eine
Erkrankung, die sich mit wenigen Stunden kognitiver
Verhaltenstherapie erfolgreich behandeln lässt, sogar schon
einen teuren und - so ist bei fortbestehender Erkrankung
anzunehmen - untauglichen Klinikaufenthalt hinter sich. Weniger
als die Hälfte der Angst-Patienten (46,6%) und weniger als ein
Drittel der Depressiven (30%) haben überhaupt Kontakt mit einem
wirtschaftlichen Kompetenzträger für psychische Erkrankungen
gehabt - dem niedergelassenen Psychotherapeuten. Zieht man bei
realistischer Betrachtung von dem Anteil der Psychotherapeuten
jenen deutlich größeren Anteil ab, den die für diese
Erkrankungen ungeeigneten Psychoanalytiker unter den
psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten bilden, so
ergibt sich nur ein Bruchteil geeigneter Behandler-Kontakte
mit kognitiven Verhaltenstherapeuten. Oder, wie der
Psychotherapeut Luchmann zusammenfasst, "der
absolut unbefriedigende Zustand, dass psychische Erkrankungen in
Deutschland noch immer regelhaft auf die denkbar teuerste und
untauglichste Weise fehlbehandelt werden".
Für diese unerträgliche Situation gibt es mehrere Gründe. Der
ärztliche Dauer-Konflikt zwischen Ethik und Einkommenssicherung
trägt hierzu ebenso bei wie die simple Überforderung der
Hausärzte mit psychischen Störungen oder gar Psychotherapie.
Sehr aufschlussreich ist hier die in der GAD-P-Vorstudie
hinterfragte Einstellung der Hausärzte. Der zweckmäßigen
Auffassung, "Wenn möglich versuche ich GAS Patienten zu
überweisen", stimmten nur 15,5 % (!) der Hausärzte voll zu.
Statt dessen vertreten die Hausärzte mehrheitlich die unsinnige
und kostenträchtige Position, "Nach meiner Erfahrung haben
moderne Antidepressiva bei GAS die bessere Wirksamkeit". Die
dramatischen Kosten und das immense Leid, das Hausärzte ihren
psychisch kranken Patienten und der Gesellschaft damit zufügen,
wird nur durch beständige öffentliche Information zu mindern
sein. "Aufklärung und ärztliche Weiterbildung
sind gefragt", erklärte Wittchen.
Allerdings: Systemimmanente
Konflikte kann keine ärztliche Weiterbildung beheben. Die
Fachärzte selbst halten ihre hausärztlichen Kollegen als "Hausarzt-Lotse" untauglich. "Die Führungsspitze des Internistenverbandes
(BDI) spricht den Allgemeinärzten jede
Existenzberechtigung ab. Die taugten nicht als 'richtige' Ärzte
und seien auch für die Koordination und den mit
'bio-psycho-sozial' umschriebenen Bereich überflüssig",
stellte die medizinische Wochenzeitung "Medical Tribune"
am 29.06.2001 auf Seite 1 fest. "Allgemeinärzte
und Praktiker seien mit der Versorgung von Volkskrankheiten
überfordert und daher im Gesundheitssystem überflüssig",
zitiert die Zeitung BDI-Präsident Gerd Guido Hofmann, für den
die läppische allgemeinmedizinische Weiterbildung "ein Skandal" ist (S. 20). Betroffenen kann
nur empfohlen werden, gleich direkt zum kognitiven
Psychotherapeuten bzw. Verhaltenstherapeuten zu gehen (siehe
PSYCHOTHERAPIE Lese-Tipp). Nach einer Umfrage der Gemeinschaft
Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) suchen inzwischen ohnehin
zwei Drittel der Patienten direkt, also ohne Überweisung, einen
Facharzt auf. Für Hofmann ist dies "ein weiter
Beleg dafür, dass sich die Mehrheit der Patienten zutraut,
selbst entscheiden zu können, welcher Arzt ihnen sofort helfen
kann". In psychischen Belangen ist dies in der Regel ein
Diplom-Psychologe und psychologischer Psychotherapeut.
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Adressen-Tipp |
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ABARIS® Institut für
Psychotherapie und Life Coaching
Zaackoer Weg 40
D-15926 Luckau
www.abaris.de - Online-Anmeldung für
die Angstambulanz, Coaching, kognitive Verhaltenstherapie,
Psychotherapie, Paartherapie u.v.m.
Leitung:
Dietmar G. Luchmann,
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.
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Angst- und Panikstörungen einschließlich der
generalisierten Angst gehören zu den am besten behandelbaren und
kostengünstigsten psychischen Erkrankungen - beim richtigen
Spezialisten. "Bei rechtzeitiger und richtiger
Diagnostik gibt es überhaupt keinen Grund, Menschen mit Phobien bzw. mit einer
Angststörung in eine Klinik einzuweisen oder mit Medikamenten zu
behandeln", sagt die Psychotherapeutin und Fachärztin für
Neurologie Carmen Heerdegen aus Stuttgart. Psychotherapeut
Dietmar G. Luchmann verweist darauf, dass in seiner
Angstambulanz pro erfolgreicher Behandlung mit kognitiver
Verhaltenstherapie selten mehr als 12 Stunden an Therapiedauer
und 3.000 DM an Gesamtkosten anfallen, obwohl hinter den meisten
Klienten bereits jahrelange "Angst-Karrieren"
liegen, die zuvor ein Vielfaches an Kosten verursacht haben.
Lesen Sie im Teil
2 dieses Beitrages mehr über Details und Ergebnisse der
Studie zur "Generalisierten Angststörung" (in Vorbereitung).
Abbildungen: © 2001 Hans-Ulrich Wittchen,
TU Dresden / MPI München
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