PSYCHOTHERAPIE (ISSN 1616-3753)
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Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
Denken lernen statt denken lassen - Kognitive Verhaltenstherapie hilft am besten
PSYCHOTHERAPIE
© PSYCHOTHERAPIE 01.08.2000

Musiker und Sänger im Teufelskreis des Perfektionismus

Hi-Fi-Technik setzt Musiker unter Druck
Wenn Angst die Finger verkrampfen lässt, hilft nur rechtzeitig kognitive Psychotherapie

VON GOTTLIEB SEELEN

Hochkarätige CD-Musik setzt Musiker und Sänger nach Ansicht von Psychologen und Medizinern immer stärker unter Druck. "Heute haben wir eine selbstmörderische CD-Kultur mit Hang zum irrealen Perfektionismus", kritisierte der Musikphysiologe Prof. Eckart Altenmüller in einem Gespräch am Rande des Weltgesundheitskongresses "Medicine meets Millennium" in Hannover.

Der Mediziner leitete am 27.07.2000 den Themenbereich "Kunst und Gesundheit" des Kongresses. Das Problem für die meisten Musiker und Sänger sei der hohe Erwartungsdruck, ausgelöst auch durch die scheinbar perfekte und oft nachbearbeitete Musik auf der CD.

Der Perfektionismus erzeuge Angst und diese wiederum sei ein Risikofaktor für Bewegungsstörungen wie den Musikerkrampf, sagte der Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Heute leide je nach Schätzung einer von 200 bis einer von 500 Profimusikern unter dieser Bewegungsstörung. Tendenz steigend. Zunächst bekomme der Musiker das Gefühl, die Kontrolle über die Finger oder bei Holz- und Blechbläsern über die Lippen zu verlieren. Die Finger bewegen sich unwillkürlich. Oft beendet das Leiden eine Musikerkarriere.

Besonders gefährdet seien Gitarristen und Klavierspieler, wie Altenmüller in einer Studie mit 189 Erkrankten herausfand. Meist trete das Leiden schon vor dem Alter von 40 Jahren auf. Ein erhöhtes Risiko haben Profimusiker klassischer Orchester. Bei zehn Prozent bestand eine familiäre Veranlagung. Die Heilungsaussichten seien gering. Bei 20 von 54 Musikern, die mit Botulinum-Toxin behandelt wurden, zeigte jedoch sich eine Besserung. "Gymnastik hilft leider nicht."

Wird das Problem jedoch frühzeitig erkannt, könne eine gezielte kognitive Psychotherapie in wenigen Stunden das Problem beheben, erklärte der Psychotherapeut Dietmar G. Luchmann und Leiter der Angstambulanz Stuttgart des ABARIS Institutes für Psychotherapie: "Bei Musikern und Sängern darf die durch den Erwartungsdruck erzeugte Angst nicht zur Somatisierung gelangen. Wer nicht erst dann zum Psychotherapeuten kommt, wenn er den Musiker- oder Sänger-Beruf aufgegeben hat, besitzt gute Chancen."

Das feine Zusammenspiel von Bewegungen bei Berufsmusikern ist das Ergebnis intensiven Trainings über viele Jahre hinweg. "Wird dieses Zusammenspiel durch länger dauernde angstbedingte Verkrampfungen nachhaltig gestört, kann zwar das phobische Denken der Betroffenen noch verändert werden, die gestörten Bewegungsabläufe sind dann oft jedoch schon so verfestigt, dass Betroffene sie nicht mehr zu beheben vermögen", beobachtet der Psychotherapeut.

Die Mehrzahl der betroffenen Musiker und Sänger stünden einer erfolgreichen Behandlung selbst im Weg. Die Scheu, ihre ihnen selbst erst an den körperlichen Symptomen erkennbare Problematik als psychisch - z.B. durch Angst - verursacht anzuerkennen, lässt sie von Arzt zu Arzt wandern, womit die Somatisierung sich mit der ärztlichen Fokussierung auf den Körper oft verhärtet.

   
 PSYCHOTHERAPIE Adressen-Tipp
ABARIS® Institut für Psychotherapie und Life Coaching
Zaackoer Weg 40
D-15926 Luckau

www.abaris.de - Online-Anmeldung für die Angstambulanz, Coaching, kognitive Verhaltenstherapie, Psychotherapie, Paartherapie u.v.m.
Leitung: Dietmar G. Luchmann, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.


Insbesondere bekannte Vertreter des Genres seien nach Luchmanns Erfahrung in dieser Hinsicht doppelt gefährdet. Zum einen sei der permanente Erfolgsdruck für sie noch stärker, zum anderen glaubten viele, weder sich noch anderen psychische Probleme, eine unbewältigte Vergangenheit oder gar "Denkfehler" eingestehen zu dürfen. Dabei sei das viel einfacher als gemeinhin angenommen, erläutert Luchmann: "Wir begehen jeden Tag Denkfehler. Sie sind eine permanente Quelle unseres Lernens, unserer Entwicklung. Sie können uns voran bringen, erfahrener und vollkommener machen, wenn wir sie erkennen und überwinden. Sie können uns aber auch behindern und zerstören, wenn wir uns weigern, sie wahrzunehmen und zu korrigieren." Viele zerbrächen an der Fassade, die um sie herum aufgebaut wird, und verlieren mit ihrer Authentizität das Wertvollste - sich selbst.

Weder Luchmann noch Altenmüller raten deshalb davon ab, ein Instrument zu lernen. "Vorbeugend ist das vielseitige, lustbetonte Lernen mit wenig Angst vor Fehlern", meint der Mediziner. "Eltern sollten ihre Kinder unterstützen in der Kreativität." Und Luchmann ergänzt: "Aktives Musikmachen unterstützt die kognitive Entwicklung des Menschen. Wenn Eltern den kreativen, den spielerischen Aspekt des Musikunterrichts ihrer Kinder richtig würdigen, haben sie nicht den geringsten Anlass zum Bedauern, falls ihr Kind es nicht zur Musikakademie schafft." Hauptsache, die Musik macht Spaß - und klüger.

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