© PSYCHOTHERAPIE 08.01.1998
Psychotherapie als originärer Teil der Naturheilkunde
Akupunktur und sokratischer Dialog
Naturheilverfahren als naturgemäße und ganzheitliche Behandlung
von Körper, Geist und Seele
VON CARMEN HEERDEGEN
Seit Tausenden von Jahren werden
Heilmethoden mit Erfolg angewandt, die natürliche Mittel nutzen,
um Körper, Geist und Seele in ein harmonisches Gleichgewicht
zurückzuführen. Die Naturheilkunde knüpft an diese Tradition an.
Sie aktiviert die in jedem Menschen vorhandenen Heilungskräfte.
Die historischen Wurzeln dieser Heilkunde
liegen weit zurück. Schon Hippokrates war einer der
bedeutendsten Ärzte, der all sein Schaffen für die Anwendung und
Verbreitung dieser Heilverfahren einsetzte. Die Kunst des
Heilens zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Menschen als
Ganzes erkennt, um ihm so seinen individuellen Weg der Genesung
zu zeigen.
Welche Rolle spielen heute die Naturheilverfahren und bei
welchen Erkrankungen helfen sie?
Die heutige Schulmedizin und ihre Lehre an
den Universitäten geht an den Alltagsproblemen und den Ursachen
der Zivilisationserkrankungen häufig vorbei. Es gibt kaum noch
eine Verbindung zwischen der zunehmenden Technisierung der
Medizin auf der einen und der Persönlichkeit und den
individuellen Bedürfnissen des Klienten auf der anderen Seite.
Gerade aber das Zusammenwirken von Behandler und Klient ist der
Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie. Nur hierdurch kann
beim Hilfesuchenden die Quelle der natürlichen Heilkräfte und
der eigenen Ressourcen optimal aktiviert werden. Diese Aufgabe
stellt sich die moderne Naturheilkunde - zum Beispiel am ABARIS Institut für Akupunktur in Stuttgart.
Der Naturmediziner Dr. Max Neubauer gab eine der
treffendsten Definitionen über das Wesen der Naturheilkunde: "Das Problem der Heilkraft der Natur ist ein großes,
vielleicht das größte von allen, die den Arzt seit Jahrtausenden
beschäftigen. Ja, man könnte es geradezu als das Problem der
Medizin bezeichnen, da von seiner Lösung die
Daseinsberechtigung, die Ziele und Grenzen der Heilkunst
bestimmt werden." Ohne die Heilkraft der Natur gibt es
überhaupt keine Heilung. Jede Therapie, auch eine Operation oder
Medikamentenwirkung, ist nur wirkungsvoll, wenn die Mitwirkung
der Heilkraft des Menschen hinzukommt. Deshalb ist es das Ziel
aller Naturheilverfahren, die natürlichen Abwehr- und
Regulationsvorgänge und damit das natürliche Heilgeschehen
anzuregen. Durch jede Erkrankung ist eine Fehlregulation im
Körper in Gang gesetzt worden, die es gilt, auf möglichst
naturgemäßen Wegen, den Methoden der Naturheilkunde, zu stoppen
und gemeinsam mit dem Klienten einen Weg zu finden, den Körper,
den Geist (das Denken) und die Seele (das Fühlen) des Menschen
wieder in ein harmonisches Gleichgewicht zurückzuführen.
So bietet das ABARIS® Institut für Psychotherapie in
Stuttgart seinen Klienten nicht nur Psychotherapie im engeren
Sinne, entsprechend der Individualität und der Erkrankung der
Klienten gelangen unter anderem die folgenden Verfahren
zur Anwendung:
Die Akupunktur: Was ist sie und was sie bewirkt
Die Akupunktur ist ein Jahrtausende altes
und bewährtes Heilverfahren, das erst in den letzten beiden
Jahrhunderten Einzug in die europäische Medizin gefunden hat.
Allein durch Beobachtung fanden frühe chinesische Heilkundige
heraus, dass durch das Setzen einer Akupunkturnadel ein
sensibler Punkt auf der Körperoberfläche gereizt wird, der mit
einer bestimmten Organfunktion in Verbindung steht und diese
positiv zu beeinflussen vermag. Prof. Dr. med. H. Heine (Heine 1988) vom
Anatomischen Institut der Universität Witten-Herdecke
lieferte 1988 die wissenschaftlichen Belege, dass die
Akupunkturpunkte genau den Punkten an der Körperoberfläche
entsprechen, wo das Gefäß-Nerven-Bündel der Haut in die Tiefe
des Körpers tritt. Deshalb ist über die Nadel-Stimulation an
genau diesen Hautpunkten eine effektive Reizübertragung auf
segmental-reflektorische, vegetativ-reflektorische und
neuroendokrine Bereiche mit dem Ergebnis einer zielgerichteten
Beeinflussung von Organfunktionen und der sehr erfolgreichen
Behandlung zahlreicher Beschwerden möglich.
Durch Akupunktur lassen sich auf diese Weise folgende Wirkungen
nachweisen:
- eine schmerzstillende Wirkung,
- eine vegetativ regulierende Wirkung, indem das
Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus (zwei
gegensätzlichen nervalen Regelkreisen) wieder hergestellt
wird,
- eine Harmonisierung des Hormongleichgewichtes im
endokrinen System,
- eine beruhigende Wirkung,
- eine psychisch stimulierende und aufhellende Wirkung, z.B.
über den Serotonin-Haushalt,
- eine motorische Wirkung (Entspannung),
- eine gefäßerweiternde Wirkung,
- eine immunstimulierende Wirkung.
Auch auf neurologischem Fachgebiet lassen sich viele
Erkrankungen durch Akupunktur günstig beeinflussen bzw.
profitieren von der "mehrschichtigen" Behandlung, bei der
Akupunktur beispielsweise in Kombination mit
psychotherapeutischen oder anderen naturheilkundlichen Methoden
eingesetzt wird.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die
Anwendung von Akupunktur insbesondere bei diesen neurologischen
Erkrankungen (Kampik
1988):
- alle Arten von Kopfschmerzen,
- Migräne,
- Trigeminusneuralgie,
- Facialisparese,
- periphere Neuropathien,
- Meniere-Krankheit,
- Interkostalneuralgie und
- Ischialgie.
Auch bei weiteren Störungen und Problemen hat sich die
Akupunktur bewährt:
- Adipositas (Übergewicht),
- Raucherentwöhnung,
- psychovegetative Störungen, z.B. Schlafstörungen, Unruhe,
Mattigkeit, Erschöpfung.
Neuraltherapie: Durch natürliche Regulation schmerzfrei
Als Neuraltherapie bezeichnet man die
naturgemäße Behandlung von Schmerzen und vegetativen
Funktionsstörungen über das Vegetativum. Das Vegetativum
beinhaltet nicht nur das vegetative Nervensystem (Sympathikus
und Parasympathikus), sondern vielmehr das gesamte vegetative
Grundsystem, welches aus Bindegewebe, Nervenendigungen,
Immunzellen und Hormonen sowie aus Gewebeflüssigkeit besteht und
die Zellen mit den Nerven und den Blutgefäßen verbindet sowie
die Impulse von der Zelle zu den Nerven und Blutgefäßen
überträgt und umgekehrt. Die durch die Neuraltherapie erzielte
Normalisierung biokybernetischer Regelvorgänge führt zu einer
Wiederherstellung der Homöostase, weshalb die Neuraltherapie als
Regulationstherapie gilt. Die Neuraltherapie ist deshalb
vorzugsweise zur Behandlung von Schmerzen geeignet.
In der Neurologie hat sich die Neuraltherapie insbesondere bei
folgenden Erkrankungen bewährt:
- Lumboischialgie (Lumbago und Ischialgie),
- HWS-Syndrom,
- Kopfschmerzen,
- Migräne und
- Tinnitus auricum (Ohrgeräusche).
Phytotherapie: Heilende Pflanzen
Die Phytotherapie beinhaltet die Anwendung
aller pflanzlichen Arzneimittel. Sie reicht von Teezubereitungen
über Naturheilmittel, Presssäfte und Rohextrakte von Pflanzen
bis hin zu pflanzlichen Arzneimitteln. Ein pflanzliches
Arzneimittel besteht ausschließlich aus Pflanzen, Pflanzenteilen
oder Pflanzeninhaltsstoffen. Da Pflanzen wie alle Lebewesen
einen langen Weg der Evolution zurückgelegt haben, sich vor
Feinden durch Bildung von Giftstoffen, desinfizierenden, ja
sogar antibakteriellen Substanzen schützen mussten, haben sie
Wirkstoffe entwickelt, die auch für den menschlichen Körper
verträglicher sind als die in nur wenigen Jahren von der
chemischen Industrie synthetisierten Arzneimittel.
Über die Wirkung von pflanzlichen Arzneimitteln liegen
Erfahrungen einer bereits jahrhundertealten Anwendung vor, die
jedoch auch lehrt, dass pflanzliche Arzneimittel höher dosiert
und länger verabreicht werden müssen, um eine therapeutische
Wirkung zu erzielen. Sie verlangen vom Klienten Mitarbeit,
Verständnis für diese Behandlung und auch etwas Geduld.
Ernährungslehre:
Die Nahrung bestimmt Gesundheit und Lebenserwartung
Die Ernährung ist ein fester Bestandteil
unseres Alltags. Sie dient der Erhaltung des Lebens, denn alle
vom Körper durch seinen Stoffwechsel verbrauchten Stoffe und
Flüssigkeiten müssen regelmäßig neu ersetzt werden. Alle
aufgenommenen Nahrungsbestandteile werden im Verdauungstrakt in
ihre Grundbausteine zerlegt, dann in die Blutbahn aufgenommen
und wieder neu in körpereigene Bestandteile zusammengesetzt. Im
Ergebnis dessen sind sie ein Teil des Menschen geworden und
tragen mit ihren Nutz- oder Schadwirkungen entscheidend zu
seinem Wohlbefinden, seiner Leistungsfähigkeit oder Erkrankung
bei.
Heute gibt es eine Vielzahl ernährungsbedingter Erkrankungen,
wovon hier einige aufgezählt werden, bei denen die Abhängigkeit
von der Ernährung weniger bekannt ist: das metabolische Syndrom
(Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus,
Fettstoffwechselstörungen), aber auch Atherosklerose, koronare
Herzkrankheit, Glaukom, chronische Hauterkrankungen, die meisten
rheumatischen Erkrankungen, sehr viele komplexe chronische
Erkrankungen wie Immunkrankheiten, Allergien,
Unverträglichkeiten, und von den neurologischen Erkrankungen die
am häufigsten auftretenden Formen der Polyneuropathien.
Einen wichtigen Platz nimmt die Ernährung ferner bei der
biologischen Krebsabwehr ein. Die Ernährungslehre ist somit eine
wichtige Säule der Naturheilverfahren. Ihre Bedeutung wächst,
weil sie, wie der Chefarzt a.D. einer großen Fastenklinik, Dr.
med. H. Lützner (Lützner
1993, S.15), betont, dem Menschen "die
Übernahme der Verantwortung für seine eigene Gesundheit"
lehrt und von jedem täglich selbst angewandt werden kann.
Verantwortung für sich selbst übernehmen zu lernen - hier
verschmelzen Naturheilkunde und Psychotherapie.
Heine, H. (1988). Akupunkturtherapie -
Perforationen der oberflächlichen Körperfaszie durch kutane
Gefäß-Nervenbündel. Therapeutikon, 4, 238-244.
Kampik, G. (1988). Propädeutik der Akupunktur. Stuttgart:
Hippokrates.
Lützner, H. (1993). Aktive Diätetik: Fasten, Intensivdiätetik,
Ernährungstherapie. Stuttgart: Hippokrates Verlag.
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