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© PSYCHOTHERAPIE 04.01.1998
Psychotherapie als zeitgemäße Dienstleistung
Was ist moderne Psychotherapie?
Wissenschaftlich fundierte und wirksame Dienstleistung zum Erwerb und Erhalt
psychischer Gesundheit
VON
DIETMAR G. LUCHMANN
War Psychotherapie in der Vergangenheit weitgehend
eine obskure Glaubenslehre (Psychoanalyse), so ist eine wirksame
Psychotherapie streng wissenschaftlich fundiert, hocheffektiv, benötigt nur
eine vergleichsweise geringe Behandlungsdauer und ist daher sehr
kostengünstig. Diese Kriterien erfüllt vor allem die in Deutschland als
Verhaltenstherapie bekannte kognitiv-behaviorale Therapie: Sie ist eine
strikt problemorientierte Dienstleistung, die eine rasche und dauerhafte
Lösung bei Lebens- und Beziehungskrisen sowie eine überzeugende
Hilfestellung beim besseren Verständnis der eigenen Persönlichkeit bietet.
Die kognitive Verhaltenstherapie hilft, Gedanken,
Gefühle und Verhaltensmuster zu verändern, die einer befriedigenden
Selbstverwirklichung im Wege stehen. Indem sie die Ursachen vieler
psychischer und psychosomatischer Funktionsstörungen beseitigt, beugt sie
Erkrankungen vor oder heilt diese, erhöht die Lebensqualität und berufliche
Leistungsfähigkeit, senkt die oft erheblichen erkrankungsbedingten
Folgekosten und ist deshalb ein wichtiger Teil einer auf Vorbeugung
setzenden Gesundheitsversorgung.
Gleichwohl ist es für Betroffene nicht einfach, frühzeitig ein rasches und
optimales Therapieangebot zu finden: "Durch vermeidbare
Missstände wird der mögliche Beitrag der Psychotherapie zur
Gesundheitsversorgung gegenwärtig bei weitem nicht ausgeschöpft",
schreibt
Prof. Dr. Klaus Grawe von der
Universität Bern, von der Bundesregierung beauftragter Gutachter zum
Psychotherapeutengesetz, in einer hochbeachteten Studie: "In
unserem Gesundheitssystem muss man erst richtig krank sein, um in den Genuss
einer von den Krankenkassen finanzierten oder unterstützten Psychotherapie
zu gelangen. Sehr oft wird eine Psychotherapie erst dann ins Auge gefasst,
wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft und ohne Erfolg
geblieben sind. Auch diese vorangegangenen Kosten könnten zu einem großen
Teil eingespart werden, wenn dort, wo es indiziert ist, rechtzeitig
psychotherapeutisch interveniert würde. Rechtzeitig wäre aber in den meisten
Fällen dann, wenn es sich ‘erst’ um Lebensprobleme und nicht schon um
‘Störungen von Krankheitswert’ handelt", heben
Grawe u.a. (1994, S. 16)
hervor.
Kognitive Therapie am wirksamsten
ln dieser umfassendsten
Psychotherapievergleichsstudie, in welcher die Ergebnisse der gegenwärtig
angebotenen Therapieverfahren verglichen werden, untersuchen
Grawe u.a. (1994) den
wissenschaftlichen Status aller Therapieformen und stellen ganz klar fest: "Mit großem Abstand am besten untersucht und nachgewiesen ist die
Wirksamkeit kognitiv-behavioraler Therapie", für die "eine sehr zuverlässige Wirksamkeit festgestellt" wurde. "Das gilt für die Reizkonfrontation bei Ängsten und Zwängen,
kognitive Therapie bei Depressionen und Ängsten, Training sozialer Kompetenz
bei allen möglichen Störungen des zwischenmenschlichen Verhaltens,
Problemlösetherapien und kognitive Bewältigungsverfahren bei Problemen der
verschiedensten Art, Sexualtherapie bei Potenz- und Orgasmusstörungen"
(S. 744).
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Dietmar G. Luchmann,
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut.
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Das ABARIS Institut in Stuttgart bietet diese
wissenschaftlich als hochwirksam nachgewiesenen Behandlungsformen seinen
Klienten in einer ganzheitlichen Verbindung mit spezifischen
naturheilkundlichen Verfahren sowohl präventiv (vorbeugend) als auch kurativ
(heilend) an.
Luchmann (1994a) rezensierte
die Grawe-Studie nach Erscheinen in der Zeitschrift "Verhaltenstherapie und
psychosoziale Praxis". Die sehr umfangreiche
Rezension ist im Archiv diesen
Servers nachzulesen.
Das für Hilfesuchende oft unüberschaubare Angebot unterschiedlicher
psychotherapeutischer Therapieverfahren wird von
Grawe u.a. (1994)
differenziert: "Noch nie hat sich in irgendeiner
Übersichtsarbeit über die vergleichende Wirkung von Therapien irgendeine
andere Therapieform den kognitiv-behavioralen Therapien als überlegen
erwiesen. Immer geht es nur um die Frage, ob man die Unterschiede zugunsten
der Verhaltenstherapie als signifikant ansehen kann oder muss. Der
umgekehrte Fall steht gar nicht zur Debatte. Die tatsächliche Ergebnislage
könnte daher nicht eindeutiger sein, als sie ist: Kognitiv-behaviorale
Therapie ist im Durchschnitt hochsignifikant wirksamer als psychoanalytische
Therapie und Gesprächspsychotherapie" (S. 670).
Gelegentlich noch vorgebrachte Einwendungen, die Verhaltenstherapie behandle
nur das Symptom und nicht das ursächliche Problem, zeugen von einer
mangelnden Kenntnis der modernen Psychotherapie und der Erfolge
kognitiv-behavioraler Therapie. Gerade weil die Verhaltenstherapie sich
nicht darauf beschränkt (wie z.B. die Psychoanalyse), jahrelang den Blick in
die Vergangenheit zu richten, sondern die individuellen Probleme
Hilfesuchender konsequent an der Wurzel packt und ihnen konkrete Hilfen und
Techniken in die Hand gibt, ist sie so effizient, schnell und vor allem
langfristig erfolgreich.
Psychoanalyse ist nur teures Placebo
In der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1993
veröffentlichten Studie zur Wirksamkeit der Behandlung psychischer Störungen
wird festgestellt, daß die dynamischen Psychotherapien (Psychoanalyse,
tiefenpsychologisch fundierte Therapie u.a.) im Gegensatz zu ihrer derzeit
noch bestehenden Popularität bei Patienten und Behandlern zumeist nicht
wirksamer sind als ein Placebo. Die fortbestehende Situation, daß
solchermaßen für zwar seit Jahrzehnten praktizierte und daher in der
Öffentlichkeit bekannte Behandlungsverfahren, für die ein überzeugender
Wirksamkeitsnachweis fehlt, immense Geldsummen ausgegeben werden,
charakterisiert Prof. Dr. med. Gavin Andrews von der University of New South
Wales in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation mit folgender
Zusammenfassung:
"Die kognitive Verhaltenstherapie ist als ein
hochwirksames spezifisches Behandlungsverfahren nachgewiesen worden. ... Bei
der dynamischen Psychotherapie ... ist nicht zu zeigen gewesen, daß sie
einem Placebo bei Neurosen oder Persönlichkeitsstörungen überlegen ist. Die
Berichte über eine Verbesserung während einer langzeitigen dynamischen
Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen können auf die kombinierten
Wirkungen der normalen Reifeprozesse und die nicht-spezifischen Wirkungen
einer fortgesetzten guten gesprächsweisen Betreuung zurückgeführt werden. Es
mag sein, daß die lange Ausbildung in einem spezifischen
psychotherapeutischen Modell die Behandler dazu bewegt, die Patienten
ständig zu sehen, bis der natürliche Entwicklungsabschluß eintritt, wobei
die Reifung durch eine gute nicht-spezifische klinische Beratung, die der
Therapeut anbietet, verstärkt wird. Bis hinreichend kontrollierte
Untersuchungen durchgeführt worden sind, die Hinweise auf eine Wirksamkeit
dynamischer Psychotherapie ergeben, ist jedoch die kognitive
Verhaltenstherapie zu bevorzugen - und zwar sowohl in bezug auf die
spezifische Effektivität als auch in bezug auf die Kosten" (Andrews / WHO 1993, S. 244).
Andrews, G. (1993). The benefits of psychotherapy. In
N.Sartorius; G. de Girolamo; G. Andrews; G.A. German; L. Eisenberg (Hrsg.),
Treatment of mental disorders: a review of effectiveness. Washington: World
Health Organization / American Psychiatric Press, 235-247.
Grawe, K.; Donati, R.; Bernauer, F. (1994).
Psychotherapie im Wandel - von der Konfession zur Profession. Göttingen:
Hogrefe.
Luchmann, D. G. (1994a). Heilkunst ohne Gebetbuch:
Empirische Psychologische Therapie. Verhaltenstherapie und psychosoziale
Praxis, 26, 231-241.
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